19.03.2026 Stage Operettenhaus Hamburg

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT feiert umjubelte Deutschlandpremiere in Hamburg

Jan Kersjes, Raphael Groß (c) Matt Crockett


Nach erfolgreichen Spielzeiten am Londoner West End und dem New Yorker Broadway ist das Musical zum gleichnamigen Kultfilm ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT seit dem 19.03.26 nun auch im Stage Operettenhaus zu sehen. Das Stück aus der Feder von Bob Gale, dem Co-Autor der gefeierten Filmtrilogie, zeigt die spektakuläre Zeitreise von Marty McFly im neuen Gewand. Mit eindrucksvollen Bühneneffekten rund um den berühmten DeLorean, der Musik von Alan Silvestri, der bereits den ikonischen Filmscore prägte, und jeder Menge Nostalgie kommen hier vor allem Fans der Reihe voll auf ihre Kosten.

Groß als Marty McFly (c) Johan Persson

Inhaltlich bleibt die Inszenierung dabei nah an ihrer Vorlage und erzählt die bekannte Geschichte mit großer Werktreue. Die zentralen Handlungspunkte sind klar wiederzuerkennen, ikonische Szenen werden detailreich auf die Bühne gebracht und sorgen immer wieder für begeisterte Reaktionen im Publikum. Vereinzelte Abweichungen lockern die Dramaturgie auf und verleihen dem Stück eine eigene Note, ohne den Kern der Geschichte zu verändern. Gerade diese Mischung aus Verlässlichkeit und kleinen Überraschungen macht den Reiz der Inszenierung aus und lässt die Zeitreise sowohl vertraut als auch frisch wirken. Schade bleibt hierbei jedoch, dass das Stück trotzdem an den veralteten Rollenbildern festhält, die seine Protagonist*innen tragen. So muss ein Mann vor allem eines sein: Stark und beschützend. Dass er dabei Frauen im geheimen durch Fenster beobachtet, scheint nicht weiter schlimm zu sein. Die Romantisierung von Stalking entlockt den Protagonisten zwar einen müden Scherz, aber keine echte Entrüstung. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, dass ausgerechnet an dieser Stelle keine Änderung der Originalhandlung vollzogen wurde.

Jan Kersjes, Raphael Groß (c) Matt Crockett


Musikalisch präsentiert sich das Stück eingängig und unterhaltsam. Viele der Songs transportieren die Energie der Geschichte und unterstützen die nostalgische Reise durch die Jahrzehnte wirkungsvoll. Ergänzt werden die neuen Songs durch bekannte Hits des Blockbusters wie „The Power Of Love“ (Huey Lewis & The News), „Earth Angel“ (Marvin Berry & The Starlighters) und „Johnny B. Goode“ (Chuck Berry). Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass nicht jede Nummer das gleiche dramaturgische Gewicht trägt: Einige Passagen wirken etwas schleppend und tragen nur bedingt dazu bei, die Handlung voranzubringen. So entstehen zwischendurch kleine Längen, die den insgesamt positiven Eindruck aber nicht nachhaltig schmälern.

Sandra Leitner (Lorraine Baines); (c) Johan Persson

Das Ensemble überzeugt durchgehend mit sichtbarer Spielfreude, die sich von Beginn an auf das Publikum überträgt. Die große Herausforderung, eine Balance zwischen der Wiedererkennbarkeit der bekannten Figuren und einer eigenständigen, authentischen Darstellung zu schaffen, gelingt der gesamten Cast auf beeindruckende Weise. Die stärkste Leistung zeigt hierbei jedoch Jan Kersejs als Doc Brown, der durch präzises, lebendiges Spiel und punktgenauem Timing immer wieder für die humorvollen Höhepunkte des Abends sorgt. Auch im Zusammenspiel mit Raphael Groß (Marty McFly) gelingt ihm das hervorragend. Die großartige Bühnenchemie der beiden ist nicht zu übersehen. Sandra Leitner (Lorraine Baines) sticht mit einer herausragenden stimmlichen Leistung hervor und setzt die gesanglichen Höhepunkte der Show.

The Power Of Love-Raphael Groß (c) Johan Persson


Star des Abends bleibt jedoch die technische Umsetzung. Das Bühnenbild zeigt sich in jeder Hinsicht grandios und hebt die Produktion auf ein visuelles Niveau, das man im Musicalbereich nur selten erlebt. Die Effekte rund um die Zeitreise sind raffiniert inszeniert, Übergänge gelingen fließend und schaffen immer wieder eindrucksvolle Momente, die das Publikum staunen lassen. Hier wird deutlich, dass diese Inszenierung vor allem über ihre visuelle Kraft funktioniert und die Möglichkeiten moderner Bühnentechnik eindrucksvoll ausschöpft. Das Highlight ist dabei der fliegende DeLorean, der mit Kosten von insgesamt 450.000 Euro wohl das teuerste Auto auf deutschen Bühnen sein dürfte.

Uhrturm-Jan Kersjes als Doc Brown (c) Johan Persson

So entsteht insgesamt ein Musicalabend, der weniger durch inhaltliche Neuerfindung als vielmehr durch seine detailverliebte Umsetzung und technische Brillanz überzeugt. ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT in Hamburg ist eine Hommage an einen Filmklassiker, die vor allem Fans begeistert – und dabei zeigt, wie eindrucksvoll sich große Kinomomente auf die Bühne übertragen lassen.

3 von 6 Sternen: ★★★       Kritik: Laura Schumacher

(c) Matt Crockett

www.stage-entertainment.de



 

 

 

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