Karsten Kenzel, Gernot Romic

29.12.2023 - Musiktheater Linz/ OÖ

TOOTSIE - Das Musical

Das Broadway-Musical TOOTSIE, verfasst mit Musik und Liedtexten von David Yazbek und einem Buch von Robert Horn (deutsche Übersetzung Roman Hinze), hat seine Grundlage im gleichnamigen amerikanischen Film von 1982. Dieser wurde von Larry Gelbart, Murray Schisgal und Don McGuire geschrieben und rahmt die Handlung in eine Seifenoper ein, gegensätzlich dazu bietet die Musical-Kulisse den Kontext einer Theateraufführung.

Auch bei der österreichischen Erstaufführung am Landestheater Linz (Inszenierung: Ulrich Wiggers; Dramaturgie: Arne Beeker) wird der Fokus auf den Schaffensweg des hoffnungslos erfolglosen Schauspielers Michael Dorsey (Gernot Romic) gelegt. Gepaart mit seinem schwierigen Ruf, treibt Michael die Verzweiflung dazu, eine neue Identität als Frau anzunehmen, Dorothy Michaels wird erschaffen. Als jene schnell und reibungslos eine Rolle in einer neuen Musical-Adaption ergattert, häufen sich die Probleme – jede und jeder in seinem Umfeld stellt ihn vor neue Herausforderungen, allen voran das neue Alter Ego: Dorothy Michaels. Kurz vor der Premiere der neuen Musical-Adaption häufen sich die Lügen unausweichlich, vor Michael liegt die anspruchsvolle Wahl: Soll er seine wahre Identität als Michael Dorsey offenbaren und dadurch sein berufliches Fortkommen aufs Spiel setzen, oder soll er die Rolle seines Lebens weiterhin aufrechterhalten?

Gernot Romic

Gernot Romic fesselt mit seiner stimmlichen, als auch schauspielerischen Breite an Emotionen und Fluidität. Die sekundenschnellen Kostümwechsel und stimmlichen Herausforderungen werden beeindruckend leicht von Romic umgesetzt. Beginnend als Michael, über seine geschaffene Kunstfigur Dorothy, schlussendlich einen Kompromiss findend für sein zerrissenes Ich – Gernot Romic schafft es zu jedem Zeitpunkt nahbar und vollumfänglich überzeugend das Publikum einzunehmen.

Sanne Mieloo, Gernot Romic

Sanne Mieloo bringt eine ebenso breite Gefühlslage auf die Linzer Bühne. Als träumerische Bühnenpartnerin Julie Nichols erfährt sie eine Achterbahnfahrt der Gefühle, welche eindrucksvoll vom Publikum aufgenommen und mitgefühlt wird. Stimmlich lässt Mieloo mit ihrem klaren Soprano aufhorchen, welchen sie mit einer Prise groovigem Soul verfeinert.

Daniela Dett, Alexandra-Yoana Alexandrova, Max Niemeyer, Gernot Romic, Sanne Mieloo

Celina dos Santos (Sandy Lester) und Karsten Kenzel (Jeff Slater) runden Micheal Dorseys unmittelbare Umgebung ab, als seine engsten Freunde stehen sie ihm mit (ungefragtem) Rat und Tat zur Seite. Beide überzeugen mit ihrer Bühnenpräsenz und besonders gut gelungen sind die jeweiligen Solo-Nummern, die das Publikum mit viel Applaus honoriert. Als dümmlicher Max Van Horn sorgt Christian Fröhlich für viel Lachen im Publikum, seine spärlichen gesanglichen Einlagen sind einwandfrei und stimmungsgeladen. Enrico Treuse bleibt nachhaltig als aufgedrehter und narzisstischer Regisseur Ron Carlisle im Gedächtnis. Daniela Dett spielt als selbstbewusste Produzentin Rita Marshall auf ihrem gewohnt hohem stimmlichen, als auch schauspielerischen Niveau.

Max Niemeyer, Gernot Romic, Karsten Kenzel

Das stimmig ergänzende Ensemble (Alexandra-Yoana Alexandrova, Alexandra Frenkel, Christian Funk, Laura Araiza Inasaridse, Valerie Luksch, Max Niemeyer, Verena Nothegger, Kevin Reichmann, Susanne Rietz, Lukas Sandmann, Stefan Schmitz, Davide Venier und Matteo Vigna) ist jeweils in mehreren Rollen eingesetzt und wird durch die energetischen Choreografien (Kati Heidebrecht) auf Trab gehalten.

TOOTSIE am Landestheater Linz behandelt das ganz persönliche Auf und Ab von Michael Dorsey, welches untermalt wird von charmant eingesetzten Kostümen (Franz Blumauer), passenden Lichteffekten (Michael Grundner) und praktischen Bühnenelementen (Leif-Erik Heine). Eben jene lassen das klangvoll dynamische Orchester (Musikalische Leitung: Tom Bitterlich) im Bühnenhintergrund, auf einem überdimensionalen Kosmetikkoffer, erstrahlen.

Karsten Kenzel, Celina dos Santos, Gernot Romic

In der aktuell ebenfalls laufenden Produktion am Landestheater "School of Rock" (Kritik ebenfalls auf musicalcocktail veröffentlicht) wird vergeblich nach Gernot Romic auf der Besetzungsliste gesucht. Umso mehr freut es, den Tenor in voller Pracht als Hauptrolle in TOOTSIE hören und sehen zu können. Die Spielfreude, der Elan, die stimmliche Präzision – Gernot Romic bringt geschlechterunabhängige Höchstleistungen auf die Bühne, welche durch die weiteren Rollen verfeinert und unterstützt werden. Ein Theaterabend der zum Lachen, Schmunzeln und Reflektieren anregt, mit abschließenden wohlverdienten standing ovations vom Publikum.

  • Valerie Luksch, Sanne Mieloo, Alexandra-Yoana Alexandrova, Susanne Rietz 2
  • Ensemble
  • Gernot Romic, Karsten Kenzel
  • Gernot Romic, Ensemble
  • Gernot Romic, Ensemble2
  • Gernot Romic
  • Gernot Romic2
  • Gernot Romic3
  • Karsten Kenzel, Celina dos Santos,-Gernot-Romic
  • Karsten Kenzel, Gernot Romic, Celina dos Santos 2
  • Karsten Kenzel, Gernot Romic2
  • Max Niemeyer, Alexandra-Yoana Alexandrova, Enrico Treuse, Daniela Dett


6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                             Kritik: Sophia Kriwanek; Fotos: Herwig Prammer

www.landestheater-linz.at/musiktheater

20.12.2023 - Stadttheater Mödling/ NÖ

Marlene Dietrich & Friedrich Torberg
Schreib. Nein, schreib nicht
mit Chris Lohner und Erwin Steinhauer

Eine über 30-jährige Brieffreundschaft, die mit über 100 Korrespondenzen für die Nachwelt manifestiert ist.: Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich und Schriftsteller, Journalist, Publizist, Drehbuchautor und Herausgeber Friedrich Torberg.

1937 lernten sich die beiden in St Gilgen am Wolfgangsee im Salzburgischen Salzkammergut kennen. Als er im amerikanischen Exil lebte, begann diese innige Freundschaft, welche ein ganzes Leben andauern sollte. Marlene Dietrich hatte es ihm angetan und umgekehrt ebenso. Ihm konnte sie ihr Innerstes zu Teil werden lassen, ihre Versagensängste und Depressionen. Er spendete ihr Trost und Rat, reagierte oftmals aber auch eifersüchtig. Dieser intensive Briefwechsel blieb Großteils im Nachlass von Friedrich Torberg erhalten, der sich in der Bibliothek im Wiener Rathaus befindet. Daraus wurde das Buch „Schreib. Nein, schreib nicht.“ verfasst.

Zwei ebesno interessante österreichische Persönlichkeiten sind zurzeit mit dem für die Bühne adaptierten Werk an verschiedenen Spielstätten zu sehen. So auch am 20.12. im Stadttheater Mödling. Marlene Dietrich und Friedrich Torberg sind Paraderollen für Chris Lohner und Erwin Steinhauer. Sie hoffen, reagieren zynisch, sarkastisch, suchen Rat und geben Halt, verzweifeln, hoffen und verletzen sich dennoch gegenseitig. Es ist eine leidenschaftliche Beziehung mit Höhen und Tiefen.

Chris Lohner interpretiert Dietrich sehr kühl, wie es einer Hollywood- und Stilikone entspricht, die auch mal sechs Monate für einen Antwortbrief braucht, was Torberg wahnsinnig macht.
Erwin Steinhauer ist der leidenschaftliche Torberg, mal Ratgeber, mal von Sarkasmus geprägt. Von der ersten Minute wird man von den beiden Künstlern abgeholt und durch die emotionale und faszinierende Brieffreundschaft zweier tiefverbundener Menschen berührt.

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6 von 6 Sternen:
★★★★★
                    Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

19.12.2023 - Vindobona/ Wien

Weihnachtsengel küsst man nicht
ein Musical von Rory Six

Kurz vor dem Heiligen Abend gastierte im Vindobona das weihnachtliche Beziehungs-Comedy-Musical von Rory Six, WEIHNACHTSENGEL KÜSST MAN NICHT, frei nach dem Bestseller von Sophie Andresky.


Bereits vor einigen Jahren lief ein mit deutschsprachigen Stars besetzter Film in den Kinos, der wegen der dünnen Story nur wenig Anklang bei Publikum und Presse fand.
Rory Six hat die Geschichte ein wenig überarbeitet, nochmals entschlackt und mit selbst geschriebenen Songs etwas aufgewertet. So ist ein kurzweiliges, aber amüsantes Musical entstanden, dass sich sehr gut in die Riege der unzähligen Netflix-Weihnachtsfilme einreihen lässt. So dürfen große Balladen ebenso wenig fehlen, wie witzige und heitere, wie der Ohrwurm „Drag Drag Christmas“. - Wie der Titel schon sagt, wurde eine Drag Queen als Freundin eingebaut.

Linda Hold und Rory Six

Es ist das übliche Schema: Zwei Menschen, die füreinander schon im Vorhinein bestimmt sind, müssen erst durch Wirrungen erkennen, dass sie zueinander gehören. Meistens sind es Menschen, deren Gegensätze nicht größer sein könnten. So auch hier. Lina, ein ehemaliges „Prada“-Model, das schon in die Jahre gekommen ist und sich nun für Salami-Werbung vor die Kamera stellen muss. Rudi, ein Rentierzüchter, ist bodenständig, lebt in einer ganz anderen Welt und stellt sich beim Flirten nicht sehr geschickt an.

Wolfgang Postlbauer und Katrin Mersch

Als Buffo-Paar, das sich ebenfalls erst im Laufe der Zeit körperlich näherkommt, agiert Annette (Katrin Mersch), die Agentin von Linda und Manfred (Wolfgang Postlbauer), der Freund von Rudi. Nach einigen Irrungen finden alle Beteiligten den Weg zueinander und Weihnachten ist gerettet.

WEIHNACHTSENGEL KÜSST MAN NICHT ist ein unterhaltsames und leichtes Musical mit Linda Hold und Rory Six als eine Idealbesetzung. Sie, extrem quirlig und aufgedreht und er ruhig und gelassen.

Interessanter, weil auch komischer, Katrin Mersch als Annette und Wolfgang Postlbauer als Manfred. Auch wenn sich beide schon von Beginn an anziehend finden, braucht es seine Zeit, bis man sich einig wird. Wolfgang Postlbauers genialer Auftritt als halb nackter Weihnachtsmann ist dabei durchaus hilfreich.

Überaus wandlungsfähig Arthur Büscher, der sich als Fotograf, verschmähtes Blinddate und Drag Queen profilierte.

WEIHNACHTSENGEL KÜSST MAN NICHT bietet kurzweilige Unterhaltung und ist eine willkommene Abwechslung in der stressigen Weihnachtszeit.

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4 von 6 Sternen: ★★★★
                                        Kritik & Fotos: Wolfgang Springer

16.12.2023 - Schloss Neugebäude/ Wien

Weihnachten ist eine schöne Zeit
mit René Rumpold und Johannes Terne

Am 16. Dezember luden René Rumpold, Johannes Terne und Axel Ramerseder am Klavier mit ihrem Programm „Weihnachten ist eine schöne Zeit“ ins stimmungsvolle Renaissance Schloss Neugebäude. 

Im spätmittelalterlichen Gebäude, welches von Kaiser Maximilian II.  in Auftrag gegeben wurde, erfreuten die drei Künstler ihr Publikum mit einem heiteren, besinnlichen und nachdenklichen Abend mit traditionellen Weihnachtsliedern und bekannten als auch unbekannten Weihnachtsgeschichten und Gedichten. So durfte „Die Geschichte vom Lametta“ genauso wie „Advent“ von Loriot nicht fehlen, aber auch beängstigende Zukunftsszenarien, in denen Kinder nicht wissen was ein echter Baum, geschweige Weihnachten ist. Zweimal griff Johannes Terne zu seinem Akkordeon und bewies auch hier sein Talent.
Beendet wurde der Abend stimmungsvoll mit „Stille Nacht“, bei dem das Publikum freudig miteinstimmte.

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5 von 6 Sternen:
★★★★
                      Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

10.12.2023 - Das Vindobona/ Wien

Alexander Goebels Weihnachtsshow

Er ist Schauspieler, Musicaldarsteller, Kabarettist und Radiomacher: Alexander Goebel. Seine Wiener Phantom-Darstellung ist genauso legendär, wie seine Stimme als Jack in dem Stop-Motion Film von Tim Burton, „Nightmare Before Christmas“.

Der gebürtige Deutsche ist so vielseitig, dass man ihn nicht in eine Schublade stecken kann. Und so breit gefächert ist auch seine Weihnachtsshow: Heiter, besinnlich, tiefgründig, wie oberflächlich. Einerseits parodiert er André Heller mit seinem Bilderrahmenskandal, anderseits fragt er sich ob in der Produktbewertung befriedigend bei einem Vibrator besser ist als gut. Dass er Absolvent des Max Reinhard Seminars ist, merkt man in seinen Rollenspielen und Lesungen. Meist geht es in seinen Geschichten um zwischenmenschliche Beziehungen, vor allem zwischen Piefke und Wienern. Er selbst seit 1975 von Wien adoptiert, wie er es selbst nennt, erzählte in seiner Show über seine anfänglichen sprachlichen Hürden. Der Wiener Dialekt klang für ihn wie Suaheli. Mit großer Empörung endete der erste Würstelstandbesuch, als er gefragt wurde, ob er ein Scharfer oder Süßer wäre. Mittlerweilen kennt er die Wiener Senfgewohnheiten.

Natürlich gab es auch weihnachtliches in Form von Geschichten und Liedern. Auch hier war die Songauswahl breit gefächert. Highlight seine deutsche Übersetzung zu „Halleluja“.

Mit Humor griff er die Problematik von Bitcoin, Amazon, KI, Religionszwist, Gut und Böse, Gott und Teufel auf. Tiefgründig aber immer mit einem großen Augenzwinkern.
Dass er letzten Monat seinen 70iger feierte, merkt man ihm nicht an. Alexander Goebel scheint zeitlos zu sein. Er strotz vor Energie und beweist starke Bühnenpräsenz. Hatte er ja schon 1986 auf einer Single verlautbart, dass sein Körper der nackte Wahnsinn sei.
Oft sind seine Anekdoten aus dem Leben gegriffen, sodass sich jeder einzelne angesprochen fühlt, wie etwa beim Tixo-Inferno, schließlich kennt jeder das Problem des immer dünner werdenden Tixo-Endes und des anschließenden Fiaskos.

Der Abend mit dem Ausnahmekünstler im Vindobona war kurzweilig, heiter und besinnlich und eine Abwechslung zu den üblichen Weihnachtsshows.

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5 von 6 Sternen:
★★★★
                      Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

05.12.2023 - Globe/ Wien

EBERHOFER unterwegs
Die Oma wird ned g´schubst
mit Rita Falk, Christian Tramitz, Florian Wagner


Sie hat alles, was man sich wünschen kann: Ein treues Millionenpublikum als Leser:innen als auch Kinobesucher:innen: Rita Falk, Autorin der Provinzkrimi-Reihe rund um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer, der mit seinem Hippie Vater auf dem Hof seiner schwerhörigen Oma lebt. Mittlerweilen gibt es bereits elf Bücher und neun erfolgreiche Filme. Am 18.12. erscheint die bislang letzte Verfilmung REHRAGOUT-RENDEZVOUS (Vertrieb Österreich: Hoanzl GmbH). Grund genug, mit der Hörbuchstimme von Christian Tramitz und dem Moderator Florian Wagner eine Lesetour der besonderen Art zu gestalten. Am 5. Dezember waren sie im Wiener Globe zu Gast.

Neben kurzen Leseproben aus älteren Romanen und dem neuestens Werkes STECKERLFISCH-FIASKO sind es die Geschichten hinter den Geschichten, die den Abend so besonders machen, denn sie nehmen sich selbst nicht so ernst.
Rita Falk trifft mit ihren Büchern und Figuren den Zeitgeist, schreibt so, wie der Bayer spricht und denkt. Das die Bücher humorvoll sind, ist eine Sache, dass sie selbst ein Showtalent ist, ist eine andere Sache. Es wurde aus dem Nähkästchen geplaudert, auf witzige und ironische Weise. So wird über ihre Schreibblockade genauso heiter erzählt, wie die bayerische Kulturpreisverleihung, die bei MacDonalds in Abendgarderobe endete. Aber selbst die Fahrten zu den Veranstaltungen sind ein Erlebnis. Da ist schon mal an der bayerischen-österreichischen Grenze von den Beamten gerufen worden, dass der „Hubsi“ da wäre (Christian Tramitz spielt äußerst erfolgreich die Titelrolle in der Krimiserie „Hubert ohne Staller“). Man erfuhr über Rita Falks Vorlieben zu Baumärkten und dass sie bereits von zwei Freunden nicht mehr allein in ein Restaurant eingeladen wird. Sobald nämlich am Nachbartisch geplaudert wird, sind ihre Ohren schon ganz auf dem Nebentisch gerichtet. Schließlich könnte dieser ja neuen Stoff für das nächste Buch liefern. Dass unter ihren Bekannten auch ein Gerichtsmediziner ist, hat natürlich auch Vorteile, schließlich musste sie ja wissen, das verbranntes Schweinfleich genauso riecht, wie verbranntes Menschenfleisch. Inspiriert wird sie auch von „Akte XY ungelöst“.
Christian Tramitz verriet, dass er sich für die Hörbücher nicht vorbereitet, sondern gleich loslegt.
Immer wieder wird das Publikum miteinbezogen, sei es mit einem Eberhofer-Quiz, oder Erklärungen für Eberhofer-Frischlinge, die sich zufälligen in die Veranstaltung verirrt haben. Einen fanden sie auch in Wien in der ersten Reihe und wurde immer wieder in die Gespräche eingebunden.
Rita Falk sprach auch die Diskrepanzen mit dem Produktionsteam der Filmreihe an. Im Sommer hatte sie sich in einem Interview vom aktuellen Streifen distanziert und das Ende stand im Raum. Da ist das letzte Wort nun doch nicht gesprochen. Derzeit finden konstruktive Gespräche statt. Auch hinsichtlich des riesen Erfolges von REHRAGOUT-RENDEZVOUS wäre eine Fortsetzung in aller Interesse.

„Eberhofer unterwegs: Die Oma wird ned g´schubst“ war ein kurzweiliger, heiterer Abend, der auch mit vielen unvorbereiteten Situationen für Lacher sorgte.
Im Foyer konnte man sich passenderweise mit einer Leberkässemmel verköstigen. Nach der Vorstellung standen die drei geduldig für Fotos oder Autogramme bereit.

6 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

 

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30.11.2023 - Schönbrunner Stöckl/ Wien

ZWEI ENGERLN UND EIN HALLELUJA


Pathetisch mit einem „Halleluja“ stimmen die zwei Engerln Tamara Trojani und Ekaterina Krylova das Weihnachtsprogramm im Schönbrunner Stöckl an. Doch Konstantin Schenk stutz ihnen die Flügerln. Er hat demokratisch beschlossen, heuer ohne Nüsse- und Flötenvorspiel gleich zum Höhepunkt zu kommen – nämlich zu den Geschenken. Denn am 25. Dezember wurde der römische Sonnengott Sol Invictus gehuldigt. Wann Jesus geboren wurde, weiß man ja bekanntlich nicht so genau. Der 24. Dezember hingegen war früher ein Gedenktag an Adam und Eva. Baum, Schmuck (Äpfel/ Christbaumkugeln) und Schwiegermutter sind Symbole des Sündenfalls. Dass die Schwiegermutter die Schlange ist, erheiterte das Publikum, genauso wie die spätere Geschichte vom 4. Hl. König aus Böhmen, der dem Jesuskind einen Quargel zur Geburt mitbringt. Schlagartig war der Weihnachtszauber aber vorbei und das Publikum wurde mit „Beiß nicht in jeden Apfel!“ von dessen Gefährlichkeit gewarnt.

Das Programm steht unter dem Motto „Wünsch dir was“. An den Tischen liegen Zettel, auf denen die Gäste ihre Wünsche für Weihnachten ankreuzen sollen - Liebe, ewige Jugend oder Freundschaft, sind nur drei von etlichen Möglichkeiten ankreuzen. Für jeden gezogenen Wunsch, hat das Trio ein passendes Lied, wie „The Rose“, ein Abba-Medley, „Maybe This Time“ oder mit „66 Jahren“ im Repertoire. Der „Big Spender“ des Premierenabends war „Baulöwe“ Richard Lugner, der von den zwei Engerl auf der Bühne verführt wurde. Für viele heitere Momente sorgt Konstantin Schenk, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit Witze und Anekdoten zum Besten gibt. Zwischen den Showblöcken wurde man kulinarisch mit einem wunderbaren 4-Gänge-Menü verwöhnt.

ZWEI ENGELRN UND EIN HALLELUJA ist die neue, bunte und musikalische und heitere Crazy Christmas Show von den Künstlerwirtsleuten Tamara Trojani & Konstantin Schenk, sowie Gaststar Ekaterina Krylova. Geboten wird ein Programm, das bestens unterhält und schmackhafte Gerichte, welche den Gaumen verwöhnen.

ZWEI ENGELRN UND EIN HALLELUJA, noch am 14., 15. und 16. Dezember im Schönbrunner Stöckl zu sehen.

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5 von 6 Sternen: ★★★★
                            Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

www.schoenbrunnerstoeckl.com

29.11.2023 - Das Vindobona/ Wien

UTE LEMPER:
Die Zeitreisende - Zwischen Gestern und Morgen

Ute Lemper ist ein Weltstar und ein ganz außergewöhnlicher Mensch. Dies zeigt sich in ihrer Autobiographie „DIE ZEITREISENDE, zwischen Gestern und Morgen“ (Gräfe und Unzer Verlag GmbH) und hautnah am Abend des 29. November im Das Vindobona. Es war eine Mischung aus Lesung und Erzählungen. Am Klavier wurde sie vom musikalischen Leiter der Vereinigten Bühnen Wien, Michael Römer begleitet, den sie erst am Nachmittag das erste Mal zu Proben getroffen hatte. Zusammen bildeten sie eine perfekt homogene musikalische Einheit. Er hat wohl das schönste Kompliment des Abends bekommen: „Michael, wo warst du mein ganzes Leben“. Und es war/ist ein Leben voller Höhen und Tiefen, die sie zu dieser starken, charismatischen Persönlichkeit formten – rebellisch, frei, offen und reflektiert. Sie selbst sagt, dass ihr Leben aus zwei Existenzen besteht, die ein unmöglicher Balanceakt zwischen Mutter sein und Bühnenkarriere sind und die viele Opfer von ihr abverlangten.

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Das Buch ist keine Aufzählung der Stationen ihres bewegten Lebens, es ist ein Buch, das zu ihrer Seele führt, philosophisch und intim, voller Gedanken und Erinnerungen.
Sie las das Kapitel über Wien, ihre Anfänge bei „Cats“, die sie als freier Fall verspürte. Dennoch drückte Wien auf die Seele und so zog sie weiter nach Berlin und wurde „Peter Pan“.
Mit Ausbruch von AIDS verlor sie viele geliebte Freunde. Hilflos musste sie zusehen, wie sie nach und nach starben. Aber auch die persönliche Aufarbeitung des Holocaust prägte sie sehr und war glücklich das Liedgut der Weimarer Republik aufnehmen zu dürfen. Natürlich ist ein großes Kapitel Marlene Dietrich gewidmet. Mit 24 Jahren führte sie ein Telefonat mit DER Dietrich. Frech schrieb sie ihr einen Brief und vier Wochen später kam der Rückruf Marlene Dietrichs. Zehn Tage bevor sie als Marlene auf der Bühne stand, starb die Dietrich. Sie erwies ihr die letzte Ehre mit einer Rose an ihrem Grab.
Aber sie sprach auch die Schattenseiten an, die eine Weltkarriere abverlangt. Die verlorene Zeit mit ihrer Mutter bewegt sie sichtlich heute noch. Ute Lemper berührt das Publikum mit ihrer Verletzlichkeit. Ein ganz intimer Augenblick einer sympathischen Frau, der nicht gespielt war. Und dennoch brennt sie lichterloh für die Kunst. Mitten im Leben betrachtet sie die Geschehnisse kritisch, ist offen und reflektiert sich und die Umwelt. Mit ihrer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz zieht sie das Publikum vom ersten Augenblick in ihren Bann. Ein Abend, den man nicht so schnell vergisst.

Am 18. März hat man nochmals die Gelegenheit Ute Lemper in Wien im Das Vindobona zu sehen, dann als Marlene. Ein Termin, den man nicht versäumen sollte.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                                          Kritik: Michaela Springer;
                                          Fotos: Wolfgang Springer

www.vindobona.wien

Der musicalcocktail verlost 1x das Buch DIE ZEITREISENDE
bis 17.12.2023 !
Teilnehmen kannst du auf unserer Buch-Tipps-Seite, wenn du auf das Buchcover klickst.

28.11.2023 - Das Vindobona/ Wien

DINNER BEFORE CHRISTMAS

Seien wir mal ehrlich: Für die Wenigsten ist die Weihnachtszeit die besinnlichste und ruhigste Zeit des Jahres. Wir peinigen uns selbst mit endlosen, langen to to-Listen. Umso wohltuender ist es für Geist und Seele, einmal bewusst einen Gang runterzuschalten, sich kulinarisch und kulturell etwas Gutes zu tun und sich für ungefähr drei Stunden auf den wahren Zauber der Adventzeit einzulassen. Und genau dafür steht das DINNER BEFORE CHRISTMAS im Vindobona – eine Auszeit vom Weihnachtsstress, abschalten und genießen.

Unter der Regie von Rita Sereinig entstand ein heiteres, besinnliches aber auch nachdenkliches vorweihnachtliches Programm mit Sabrina Seibert, Sarah Zippusch, Maximilian Vogel und Konstantin Zander. Das „Duo Aquarius“ (Marlies und Walter Holecek) rundet das Programm mit ihrer atemberaubenden Akrobatik ab. Sie versetzen mit ihrer Performance das Publikum in Staunen. Unvorstellbar, was die beiden mit ihrer Körperkraft zu leisten vermögen.

Maximilian Vogel übernimmt die witzigen Parts, sei als kleiner Wichtel oder mit seinem so gar nicht dezenten Weihnachtspulli. Sarah Zippusch singt wienerisch so manch Anwesenden aus der Seele mit „Kana braucht bei uns den Santa Claus“. Sabrina Seibert und Konstantin Zander schwebten mit Tanzeinlagen über die Bühne und übernehmen so den romantischen Teil.
Das Programm ist vielfältig und stimmig. Vom meist gehassten Song „Last Christmas“ in einer interessanten Version von Sabrina Seibert über „Somewhere in My Memory“ bis hin zu „We Wish You A Merry Christmas“. Es gab auch „Ausreißer“ wie „When You Believe“ aus dem Animationsfilm „Der Prinz von Ägypten“, „Let It Go“ („Die Eiskönigin“) oder der wunderschöne Choral „Bethlehem“ aus dem Boublil/Schönberg-Musical „Martin Guerre“. Die musikalische Leitung liegt in den fähigen Händen von Andreas Brencic, der das vom Band gespielte Orchester am Klavier begleitet.

Zwischen den Showblöcken wird man mit einem schmackhaften 3-gängigen Menü verwöhnt – zur Auswahl mit Lachs zur Hauptspeise oder mit gegrilltem Ziegenkäse.

Das DINNER BEFORE CHRISTMAS ist eine ideale Einstimmung für die Vorweihnachtzeit.
Einmal durchatmen und genießen – noch am 8.12./ 9.12./ 13.12./ 15.12. und 16.12..

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5 von 6 Sternen: ★★★
                          Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

www.vindobona.wien

09.11.2023 - Komödie am Kai/ Wien

GOLDEN GIRLS, Teil 2

Die (Wiener) GOLDEN GIRLS sind in alter Frische in der Komödie am Kai zurück - diesmal noch witziger und sarkastischer.

Die GOLDEN GIRLS sind Kult! Mit 180 Episoden begeisterten sie von 1985 bis 1992 ein Millionen Fernsehpublikum um den Erdball. Rue McClanahan, Betty White, Beatrice Arthur und Estelle Getty verkörperten ein ganz anderes Frauenbild und waren ein Gegenstück zu „Sex in the City“, „Dallas“ und „Denver Clan“, weit weg von den Reichen und Schönen. Ihre Charaktere waren so unterschiedlich, wie sie nur sein können, überzeichnet und dennoch konnte man sich mit ihnen identifizieren. Ihr sarkastischer Humor und ihre Lebensweise mit denen sie ihre Probleme im fortgeschrittenen Alter meisterten waren erfrischend neu. Viele Tabuthemen wurden mit Leichtigkeit und viel Käsekuchen aufgegriffen. Diskriminierung, Homosexualität, Altersisolation, Wechseljahre, oder Sex im fortgeschrittenen Alter beschäftigten dieses Quartett, das lebensbejahend in die Zukunft blickte. Die vier wurden Vorbilder für Frauen über 60, denn es ist nicht notwendig sich vor dem Alter zu fürchten.

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Nach dem großen Erfolg des ersten Teils der Bühnenadaption war Irene Budischowsky die treibende Kraft für den zweiten und hoffentlich nicht letzten Teil. Schließlich gibt es, wie bereits erwähnt, 180 Folgen. Mit vier neuen Episoden feierte der zweite Teil am 9. November Premiere in der Komödie am Kai. Mit spannenden und skurrilen Momenten ist es ein Anschlag auf die Lachmuskeln. Eine Pointe folgt auf die andere. Besonders Margot Ganser-Skofic hat als Sophie viele Lacher auf ihrer Seite. Mit perfektem Timing und verschmitztem Lächeln gibt es in ihren Nebensätzen gekonnt gesetzte Spitzen gegen all ihre Mitbewohnerinnen.
Ulli Fessl ist eine wunderbar naive Rose, die auch im fortgeschrittenen Alter ihre mädchenhafte Aufgewecktheit glaubhaft behalten hat.
Edith Leyrer als Blanche interpretiert die Rolle auf ihre eigene Weise und macht sie sich eigen. Ihr Männerverschleiß und ihr Drang ewiger Jugend ist köstlich amüsant anzusehen. Mit dem Ausspruch sie möchte alt werden, aber ihr Aussehen soll gleichbleiben, spricht sie vielen Frauen aus der Seele.
Einen trockenen Humor versprüht Irene Budischowsky als Dorthy. Großartig, wie sie ruhig und gelassen ihre zynischen Bemerkungen fallen lässt. Ihr abschließender Mutter-Tochter-Auftritt mit Margot Ganser-Skofic als Cher und Bono wird zum Highlight.

Die Umzüge und auch Episoden werden mit akustischen Werbeeinschaltungen der 1980iger und 1990iger Jahre getrennt. Milka, McDonalds und Udo Jürgens mit seiner Versicherungs-Werbung amüsiert das Publikum. Ein origineller Regieeinfall, von Christian Spatzek, der im Stück auch als Schönheitschirurg und Anwalt seine Auftritte hat.
Der gebürtige Ire Patrick Philips tritt als außereheliches Kind von Blanches Mann unerwartet in Erscheinung und bringt neben der Heiterkeit auch etwas Drama in die Damen-WG.

GOLDEN GIRLS Teil 2 ist ein Anschlag auf die Lachmuskeln, kurzweilig, humorvoll, sarkastisch, aber auch tiefgründig mit Leichtigkeit. Ein Tipp, nicht nur für GOLDEN GIRL-Fans! ….
„Thank you for being a friend“

Die Bühnenfassung der Kult-Comedy-Serie von Kristof Stößel ist noch bis 3. Februar 2024 in der Komödie am Kai zu sehen.

5 von 6 Sternen: ★★★                              
                                Kritik: Michaela Springer; Fotos: Komödie am Kai

www.komoedieamkai.at

28.10.2023 - Volksoper/ Wien

tick, tick...BOOM!
Premiere

"tick, tick...BOOM!" ist ein bekanntes Musical des Komponisten Jonathan Larson, das die Lebensgeschichte des aufstrebenden Komponisten Jon thematisiert. Die Geschichte verfolgt Jons inneren Konflikt, während er zwischen seinen künstlerischen Ambitionen und den gesellschaftlichen Erwartungen schwankt. Die Handlung spielt in New York City, und Jon steht kurz vor seinem 30. Geburtstag. Sein Traum, ein erfolgreiches Musical zu komponieren, steht unter ständigem Zeitdruck, was sich im Titel "tick, tick...BOOM!" widerspiegelt.

Die Charaktere in "tick, tick...BOOM!" sind vielschichtig und tiefgründig. Die Hauptfigur Jon, verkörpert von Jakob Semotan, ist ein leidenschaftlicher und aufstrebender Komponist. Jon durchlebt intensive emotionale Höhen und Tiefen, was sein inneres Dilemma verdeutlicht. Jons Achterbahnfahrt der Gefühle wird durch Jakob Semotan hervorragend dargestellt. Juliette Khalil beeindruckt sowohl gesanglich als auch darstellerisch als Jons Freundin Susan. Sie überträgt die Unterstützung und Hingabe gegenüber Jon ausdrucksstark auf das Premierenpublikum. Jons bester Freund Michael, ausgezeichnet verkörpert von Oliver Liebl, findet sich zerrissen zwischen Kunst und Sicherheit.

Die packende Musik und die tiefgründigen Texte spiegeln die Leidenschaft und Unsicherheiten der drei Charaktere wider und machen "tick, tick... BOOM!" zu einer eindrucksvollen Erfahrung für das Publikum. Die, vor dem Bühnenhintergrund platzierte, Band (musikalische Leitung: Christian Frank, Gitarre: Felix Reischl, Bass: Marlene Lacherstorfer, Schlagzeug: Mario Stübler) rundet diesen gefühlvollen und energiegeladenen Abend souverän ab.

Trotz der Vorhersehbarkeit der Handlung ist diese Inszenierung unter der Regie von Frédéric Buhr erfrischend und dynamisch. Mit "tick, tick... BOOM!" werden an der Volksoper Wien an vier weiteren Abenden die Türen für mehr Schwung auf der Bühne und Jugend im Publikumssaal geöffnet.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
    Kritik: Sophia Kriwanek; Fotos: Barbara Pálffy / Volksoper Wien

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27.10.2023 - Das Vindobona/ Wien

Karim Khawatmi
Hommage an Udo Jürgens
Mit Karim Khawatmi und Bea Michalski am Flügel

Er war Sänger, Komponist, Entertainer, Gesellschaftskritiker, Umweltfürsprecher, Stilikone und beim dritten Anlauf Gewinner des ESC 1966 mit „Merci, Chérie“: Udo Jürgens. In sechs Jahrzehnten schrieb er über 1.000 Songs und veröffentlichte mehr als 50 Alben. 6,5 Millionen Menschen haben diesen Ausnahmekünstler live erlebt. Er schrieb Musikgeschichte, indem er Gefühle beim Hörer auslöste. Er verstand es, Musik zu schreiben, die Geschichten, Botschaften oder Kritiken erzählen, stets am Zeitgeist. Seine Musik war in Bewegung, wandelte sich stets und floss dennoch dahin, von Ton zu Ton, von Melodie zu Melodie, berührte emotional, mal witzig, mal kritisch.

Musicaldarsteller und Fotograf Karim Khawatmi hatte die Möglichkeit mit Udo Jürgens zusammenzuarbeiten. Einerseits spielte er die Hauptrolle im Musical „Ich war noch niemals in New York“, anderseits durfte er einige Fotos für sein letztes Album „Mitten im Leben“ machen.
So war das Programm am 27.10 im Vindobona nicht nur musikalisch bereichernd, sondern auch sehr intim mit persönlichen Anekdoten. Von der Nervosität der ersten Zusammenarbeit bis zu Plaudereien, welche die ganze Nacht andauerten. Das Lieder-Repertoire reichte von seinen allbekannten Hits, wie „Bitte mit Sahne“, „Ich war noch niemals in New York“ oder „Was wirklich wichtig ist“ bis zu nicht so bekannten und gesellschaftskritischen Titeln.
Karim Khawatmi erwies sich als großer Entertainer, der auf das Publikum zuging, ohne dabei peinlich zu wirken. Er überzeugt mit seiner ganz natürlichen und sympathischen Art. Vom Publikum wurde er immer wieder lautstark unterstützt und zeigte, wie Textsicher es war.
Der Abend war eine wunderbare Hommage an eine große Legende, mit viel Nostalgie, aufgelockert mit vielen symphytischen und allzu menschlichen Anekdoten. Merci, Udo, merci Karim!

5 von 6 Sternen: ★★★★
                        Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

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24.10.2023 - Stadttheater Mödling/ NÖ

OMI-ALARM!
Ein Soloabend mit Konstanze Breitebner

Helen Hampinger, erfolgreiche Anwältin im Best Ager-Alter genießt ihr Leben. Nach ihrer Scheidung ist sie in einen deutlich jüngeren Mann verliebt und bemitleidet insgeheim ihre Freundinnen, die im Omi-Modus feststecken. Für sie steht fest, dass sie auf keinen Fall so enden möchte. Doch ein Ultraschallfoto als Geburtstagsgeschenk ihrer Tochter ändert alles schlagartig. Ihr Plan, sie will alles von einer gewissen Distanz erleben und schon gar nicht mit den „O“ Wort angesprochen werden, verflüchtigt sich. Das Kind ist einfach eine Nachfahrin. Doch es nützt kein noch so heftiges wehren, gegen die Gene kommt man einfach nicht an und so schlittert sie langsam, aber sicher selbst in den Omi-Modus.

OMI-ALARM von Susanne Felicitas Wolf ist ein Einpersonenstück mit der beliebten Schauspielerin und Drehbuchautorin Konstanze Breitebner als Helen. Ihre Performance ist mitreißend, ausdrucksstark und pure Lebensfreude. Sie verleiht dieser Rolle Tiefe, indem sie in das innerste des Charakters eintaucht und dieses offenbart. Zugleich reflektiert sie die Erfahrungen und Emotionen des weiblichen Publikums im Omi-Alter mit einem solch feinen Humor, der der Entwicklung des Stückes noch mehr Intensität verleiht.

Susanne Felicitas Wolf ist auf humorvoller Weise eine authentische Charakterstudie gelungen, eine Paraderolle für Konstanze Breitebner.

5 von 6 Sternen: ★★
                     Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

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LORIOT MEISTERWERKE:
Warum Männer und Frauen nicht zusammenpassen!

Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, besser bekannt unter Loriot war ein Meister der Sprache, welche er gezielt und speziell bei seinen Sketchen über zwischenmenschliche Kommunikationsstörungen einsetzte.

„Kommunikationsgestörte interessieren mich am allermeisten.
Alles, was ich als komisch empfinde, entsteht aus der zerbröselten Kommunikation, aus dem Aneinander-vorbei-Reden.“ (Loriot)

Anita KÖCHL und Edi JÄGER haben nun einige seiner berühmten Sketches herangezogen und sie sich zu Eigen gemacht. Ganz im Stile des Autors und seiner kongenialen Partnerin Evelyn Hamann gelingt es den beiden, Loriots durchaus auch schlüpfrigen Humor („Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann“), perfekt zu präsentieren. In Windeseile werden Rollen und Kostüme gewechselt. Es wird sinniert, getanzt und über scheinbar belangloses diskutiert. Alles in Loriots meisterhaften Texten. Das bietet viel Abwechslung und sorgte für viele Lacher im Publikum.

Im Vindobona zollte man Anita KÖCHL und Edi JÄGER durch langanhaltenden Applaus den verdienten Respekt für ihre Glanzleistung.

5 von 6 Sternen: ★★★★
                                                         Kritik & Fotos: Wolfgang Springer

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Sabine Muhar (Charlotte), Felicitas Lukas (Johanna), Barbara Edinger (Vera)

13.10.2023 - Freie Bühne Wieden/ Wien

MEINE MÜTTER

Die 22-jährige Johanna lebt, wohlbehütet von ihrer Stiefmutter Charlotte, in einer kleinen Wohnung, als sich unverhofft ihre leibliche Mutter Vera, eine rastlose Influencerin, bei den beiden meldet. Drei Generationen und drei unterschiedliche Charaktere prallen aufeinander, was für humorvolle Augenblicke sorgt, aber auch Konfliktpotential bietet. Als Zuschauer:in erkennt man in so manchem Moment, sein eigenes Ich.

Katrin Wiegand hat diesen psychologisch und heiteren Selbstfindungstrip dreier unterschiedlicher Frauen geschrieben, Michaela Ehrenstein sorgt in der Freien Bühne Wieden für die gelungene Inszenierung. Sabine Muhar (Charlotte), Barbara Edinger (Vera) und Felicitas Lukas (Johanna) sind in ihren Rollen ehrlich und glaubhaft und spielen sie zudem mit einer besonderen Leichtigkeit.

MEINE MÜTTER ist noch bis 27.Oktober zu sehen. Ein Besuch lohnt sich.

5 von 6 Sternen: ★★★★
                                   Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: Philipp Hutter

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www.freiebuehnewieden.at

07.10.2023 - Ronacher/ Wien

ROCK ME AMADEUS -
Das Falco Musical

Welturaufführung

Auch 25 Jahre nach seinem Tod ist Falco im Musikbusiness präsent. Er war eine Ausnahmeerscheinung, die polarisierte. Durch seine Abgrenzung machte er sich einzigartig und zugleich begehrenswert. Seine übertriebene Arroganz gepaart mit seiner eigenen pointierten Sprache, eine Mischung aus Wienerisch, Hochdeutsch und Englisch in Anlehnung seines großen Vorbildes Oskar Werner und sein markantes Erscheinungsbild machten ihn zu einer Marke. Doch all dies war nur Image, denn sein privates Umfeld beschrieb ihn als bescheiden, ruhig und umgänglich, solange kein Jack Daniel in der Nähe war. Als Sturztrinker hatte dieser verheerende Nebenwirkungen und Konsequenzen. Aus Jekyll wurde Hyde. Diese so konträre Doppelrolle wurde ihm schlussendlich zum Verhängnis.
Sein Leben glich einer Achterbahn mit Höhenflug und tiefem Absturz. Sein tragischer Tod passte zu seinem Leben. Ein Bus rammte seinen Geländewagen bei einer Ausfahrt einer Disco. Falco hatte 1,5 Promille und eine große Menge Kokain und Marihuana im Blut. Er starb noch an der Unfallsstelle. Das machte den österreichischen Popstar endgültig zur Legende: „Muss ich denn sterben, um zu leben?“

Moritz Mausser (Hans)

Und damit ist sein (Ab)leben ein interessanter Stoff für Film und Bühne. So feierte am 7. Oktober eine neue Musicalversion im Ronacher seine Premiere. Die Erwartungen waren hoch und die Last liegt auf den Schultern des 23-jährigen Newcomers Moritz Mausser, denn jeder hat seine eigene Vorstellung vom „wahren“ Falco im Kopf und dem gerecht zu werden ist unmöglich. Doch er schafft diese Gradwanderung mit einer eigenen Interpretation, die sehr nahe einer Imitation liegt, ohne ein Abziehbild des Originals zu werden. Er überzeugt sängerisch als auch schauspielerisch, hatte Gestik und Sprachbild von Falco perfekt übernommen. So wurde er zurecht am Premierenabend bejubelt. Im Gesamterscheinungsbild wirkt er dennoch softer und sympathischer als das Original.

Alex Melcher (Alter Ego)

Besonders eindrucksvoll sind die letzten Minuten der Show. Es ist der innere Kampf des Künstlers mit seinem Alter Ego bis zu seiner Befreiung durch „Out of the Dark“. Falco bezeichnet seine Kunstfigur als Monster, das er herangezogen hat. Und dieses Monster ist die Paraderolle für Alex Melcher. Mal gut, mal böse, aber stets der Verführer. Sein „Dance Mephisto“ ist ein Highlight des Abends.

Das Musical, eine bunte und schrille Show, die Bühne ein Raum der Reflexion. So spiegelt sich Falcos Zerrissenheit im Bühnenbild wider. Ein überdimensionaler Kopf als großer psychologischer Raum, aus dem sein Ego entspringt, der ihn zu den Exzessen verführt.
Falco empfindet Drogen als kreatives Werkzeug und dementsprechend setzt er sie ein. Moritz Mausser überzeugt vorallem als sensibler und verletzlicher Hans Hölzel, der vor seinen Ängsten und Sehnsüchte mittels Drogen und Alkohol entfliehen möchte. Als „Rock me Amadeus“ die Nummer 1 in den US-Charts und später auch in Großbritannien wurde, löste das keine Freunde ihn ihm aus. Er wußte, dass er dies nie wieder schaffen wird. Auch die Sehnsucht nach einem normalen Familienglück blieb ihm verwehrt.

Tania Golden (Maria), Moritz Mausser (Hans)

Es gab zwei wichtige Frauen in seinem Leben, die beide sehr starke Charaktere waren, vielleicht zu stark für den sensiblen Hans Hölzel: seine Mutter Maria und seine Frau Isabella.
Tanja Golden als seine Mutter ist eine Idealbesetzung. Konservativ, mit einem großen Wiener Herz, hegt und pflegt sie ihren Buben. Wirklich loslassen kann sie ihn nicht und er selbst will es auch nicht. In einem Interview beschrieb er sich als Muttersöhnchen. Tanja Golden strahlt diese Mütterlichkeit aus, ist aber ziemlich resch in ihrer Art, eben ein Wiener Original.

Katharina Gorgi als Isabella ist eine starke und selbstbewusste Frau, die aber keine Chance gegen seine Dämonen hat und schließlich gehen muss, um selbst leben zu können. Den Song „Leb deinen Traum“ interpretiert sie stark, er ist jedoch eine typisch langweilige Musicalballade und passt nicht in das Gesamtbild, wie alle vier neuen Lieder.

Franz Frickel (Markus), Andreas Lichtenberger (Horst)

Der Bayer Horst Bork und Wiener Markus Spiegel waren Falcos wichtigste Manager und Berater. Letzterer war auch sein Entdecker. Andreas Lichtenberger und Franz Frickel wurden nur mit wenigen gesanglichen Passagen bedacht sind aber dennoch sehr präsent.

Falcos Jugendfreunde Billy und Hansi werden sympathisch von Simon Stockinger und Martin Enenkel verkörpert.

Simon Stockinger (Billy), Moritz Mausser (Hans), Martin Enenkel (Hansi)

Nur wenige Falco-Songs werden im Musical ausgespielt, wie etwa „Nie mehr Schule“, „America“, „The Sound of Music“, „Jeanny“ oder „Out of the Dark“. Manches wurde von Michael Reed neu orchestriert oder lediglich angespielt bzw. textlich verändert, um es der Handlung und der jeweiligen Figur, welche es singt, anzupassen. Dies ist durchaus gelungen. Das VBW-Orchester unter dem Dirigat von Michael Römer leistet hervorragende Arbeit.

Choreograf Anthony van Laast („Mamma Mia! – Der Film“) hatte keine leichte Aufgabe. Seine Tänzer:innen sind bei sehr vielen Szenen in unterschiedlichen Rollen im Einsatz. Während manche Nummern („Dance Mephisto“, „America“) sehr harmonisch und kreativ wirken, scheinen ihm bei anderen („Sound of Music“) die Ideen ausgegangen zu sein. In Summe hat sich die Verpflichtung des Star-Choreografs dennoch gelohnt.


Das Bühnenbild von Stephan Prattes ist grell, bunt und spiegelt den Zeitgeist wider. Ebenso die Videoprojektionen von Douglas O´Connell. Die Räume als Boxen, die in verschiedenen Höhen, oft mit Leuchtstoffröhren, abgegrenzt sind, verstärken die Enge und zugleich die Sehnsucht nach einem geborgenen Familienleben im Gegensatz zur großen, freien Bühne.

Moritz Mausser (Hans), Simon Stockinger (Billy)

Autor Christian Struppeck hat sich mit ROCK ME AMADEUS - DAS FALCO MUSICAL sichtlich Mühe gegeben. Hauptaugenmerk legte er auf Falcos inneren Kämpfe und seiner Zerrissenheit als Kunstfigur. Einige Aspekte, wie etwa das liebevoll väterliche Verhältnis zu seiner „Nicht“-Tochter, werden nicht behandelt. Generell wird im Privatleben des Hans Hölzel eher spekuliert als mit Fakten geglänzt. Mit den Managern, den Bolland Brüdern und der Falco Privatstiftung hatte man genügend Material für den künstlerischen Bereich, also vor und hinter der Bühne, jedoch zu wenig Einblicke in Hans Hölzels wirklich private Gefühls- und Schaffenswelt. Seine Freunde, seine Frau, Tochter und letzte Lebensdgefährtin hätten helfen können. Aber vielleicht traute man sich nicht mehr in die Tiefe zu gehen.


Mit der Inszenierung ist Andreas Gergen den hohen Erwartungen in seine Person gerecht geworden. Viel Symbolik und Tiefgründigkeit zeichnen auch diese Produktion aus. Besonders der Schluss ist dramaturgisch beeindruckend gelöst. Es schließt sich der Kreis, bei dem man sowohl beim Beginn als auch am Ende mit Falcos Tod konfrontiert wird. Die letzten Worte gehören Falco selbst: „Wenn ich morgen meinem Gott gegenübertrete, kann ich ihm sagen: „I bin unschuldig! Ich hab niemanden was getan, ich hab niemanden g´legt, ich hab niemanden betrogen, ich hab niemanden weh getan…außer mir selber. Und das verzeiht er mir hoffentlich.“

ROCK ME AMADEUS - DAS FALCO MUSICAL ist in Summe eine großartige Bühnenshow, bei der Falco-Fans eher die Nase rümpfen, aber von der normale Musicalbesucher:innen begeistern sein werden. Schenkt man dem jubelnden Premierenpublikum Glauben, steht einem Welterfolg nichts im Wege.

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5 von 6 Sternen: ★★★★
                       Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: VBW/ Deen van Meer

14.09.2023 - Freie Bühne Wieden/ Wien

I Love You, You’re Perfect, Now Change
Gastspiel

Seit Gott die Menschen erschaffen hat, dreht sich alles um (Liebes-)Beziehungen in den diversen Formen. Mit einer Analyse in kleinen Episoden startet die Freie Bühne Wieden in die neue Saison.

In dem Gastspiel I LOVE YOU, YOU´RE PERFECT, NOW CHANGE schlüpfen vier Darsteller:innen in über 50 verschiedene Charaktere.
Es ist kein Musical im üblichen Sinn, sondern es sind lose, unabhängige Sequenzen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, aber im Großen gesehen, dann doch, denn alles dreht sich um das eine Thema: Beziehungen. Das erste Date und wie man sich vorbereitet. Folgt das Nächste oder sucht man sich gleich einen anderen potenziellen Kandidaten? Ist es besser als Frau gleich lesbisch zu werden im angesichts der Männer, die frei sind? Soll man die Verlobung noch lösen oder doch den Schritt für die ewige Verbundenheit wagen? Ist die Dauer bis zur Ewigkeit dann doch nicht so lange, heißt es wieder an den Start zurück? Und wenn der Tod schließlich die Ehe scheidet, soll man es nochmals wagen. Der Friedhof beziehungsweise Begräbnisse sind dann ein guter Pensionisten-Single-Pool. Und was nimmt man als Resümee nach Hause mit: Romanzen und Liebschaften begleiten uns das ganze Leben.

Sophie Blümel, Katharina Lochmann, Benjamin Rufin und Fin Holzwart zeigen die verschiedensten Facetten der Liebesverhältnisse auf realistische und witzige Weise. Immer wieder erkennt man sich in eigenen bereits erlebten Episoden wieder, egal ob schüchtern, draufgängerisch, gelangweilt, verzweifelt, hoffnungsvoll oder glücklich. Die ganze Gefühlspalette wird bedient. Verstärkt durch die musikalische Leitung von Walter Lochmann am Klavier, ein Meister seines Faches. Er versteht es die Gefühle der Lieder zu transportieren und diese Empfindungen im Publikum auszulösen, wenn sie diese vernimmt. Mal leicht, dann wieder tragisch, wandelt und verändert sie sich je nach Szene und fließt dahin. Unterstützt wird er von Katharina Cerny an der Violine.

Unter der Regie von Rita Sereinig ist eine ironische, spritzige, in manchen Passagen erotisch-pikante, unterhaltsame und kurzweilige Fassung dieses Musicals entstanden, welche sich mehr als drei Vorstellungen in die Freie Bühne Wieden verdient hätte.

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5 von 6 Sternen: ★★★
                           Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

Enrico Treuse

09.09.2023 - Musiktheater Linz/ OÖ

SCHOOL OF ROCK
Deutschsprachige Erstaufführung

SCHOOL OF ROCK ist ein mitreißendes Musical von Andrew Lloyd Webber (Musik), Glenn Slater (Gesangstexte) und Julian Fellowes (Buch). Für die deutsche Fassung zeichnet sich Timothy Rolle verantwortlich. 

Nach dem Paramount-Film von Mike White wird die Geschichte von Dewey Finn erzählt, einem arbeitslosen Rockmusiker, der sich kurzerhand als Ersatzlehrer ausgibt. Er findet sich in einer angesehenen Privatschule wieder und entdeckt das ungenutzte musikalische Talent seiner Schüler. Dewey formt die Kinder zu einer Rockband namens "School of Rock" und bereitet sie auf den Battle of the Bands-Wettbewerb vor. Während er die Schüler in den Feinheiten des Rock 'n' Roll unterrichtet, entwickelt sich eine tiefgreifende Geschichte von Selbstfindung und Teamarbeit. Doch als die Schulleitung und die Eltern Deweys Schwindel entdecken, steht die Zukunft der Band auf dem Spiel. Zusammen beweisen die Kinder, dass sie mehr sind als nur musikalische Talente.

Noah Grubinger, Kinderensemble

Im Mittelpunkt der Besetzung steht das Kinderensemble, bestehend aus 14 Kindern, die nicht nur tanzen, singen und mit Schauspiel überzeugen, sondern auch musikalisch begleiten. Mit Freude, Bühnenpräsenz, jugendlichem Charme und Schlagfertigkeit beeindrucken sie das Premierenpublikum, welches immer wieder verdienten Zwischenapplaus zollt.

Enrico Treuse gibt in der Hauptrolle des Dewey Finn sein Debut am Musiktheater Linz. Obwohl er zu Beginn einige stimmliche Unsicherheiten zeigte, entfaltet er im zweiten Akt eine einnehmende rockige Bühnenpräsenz, welche vor allem im Klassenzimmer für Mitwippen im Publikum sorgte.

Enrico Treuse mit Alexandra-Yoana Alexandrova

Neben dem Kinderensemble ist es vor allem die Rolle der Schuldirektorin, die an diesem Premierenabend aufhören lässt. Alexandra-Yoana Alexandrova glänzt mit ihrer zunächst peniblen Verkörperung, welche im Laufe des Stücks immer zugänglicher und leidenschaftlicher wird. Mit ihrem klaren Koloratursopran begeisterte auch sie an diesem Abend erstmalig das Publikum des Musiktheater Linz.

Sanne Mieloo verkörpert als Patty du Marco die bestimmende und charakterstarke Ehefrau von Ned Schneebly (Christian Fröhlich), ein schauspielerisch perfekt abgestimmtes Bühnenpaar.

Karsten Kenzel, Lukas Sandmann, Enrico Treuse

In Mehrfachrollen (es wird sich stereotyper Lehrer- und Elterntypen bedient) runden Daniela Dett, Celina dos Santos, Christian Funk, Karsten Kenzel, Linda Krischke, Valerie Luksch, Richard McCowen, Max Niemeyer, Joel Parnis, Lukas Sandmann und Tina Schöltzke das Bühnengeschehen gesanglich, als auch schauspielerisch in gewohnt hoher Qualität ab.

Die Inszenierung durch Matthias Davids setzt auf Gruppendynamik und einen unkomplizierten Musical-Abend. Die drei abwechselnden Szenen der Drehbühne und die Kostüme unterstützen den Handlungsstrang, schöpfen aber nicht das gesamte Potential aus, wie man es von anderen Produktionen am Musiktheater Linz gewohnt ist. Tom Bitterlich, als musikalischer Leiter, überzeugt an diesem Abend im minimierten Orchestergraben, er nimmt Jung und Alt auf der Bühne gleichermaßen gekonnt unter seine Fittiche.

Insgesamt war es eine energiegeladene Vorstellung, wenn auch mit phasenweiser Langatmigkeit im ersten Akt. Im Musiktheater Linz wird mit SCHOOL OF ROCK noch bis inklusive März 2024 die Bühne gerockt.

  • Alexandra-Yoana Alexandrova, Kinderensemble
  • Divine Biira, Michael Falkner, Enrico Treuse, Jana Engler
  • Dominik Ehlers, David Pfister, Enrico Treuse
  • Enrico Treuse und Kinderensemble
  • Enrico Treuse, Alexandra-Yoana Alexandrova
  • Enrico Treuse, Kinderensemble
  • Eva und Greta Winkelhofer, Michael Falkner
  • Jakob Blaimschein, Sam Göll, Elisabeth Baehr, Eva und Greta Winkelhofer
  • Joel Parnis, Karsten Kenzel, Lukas Sandmann, Enrico Treuse, Christian Funk
  • Lea Steigerstorfer, Emilia Seitlinger, Eva und Greta Winkelhofer
  • Lukas Sandmann
  • Max Nimführ, Enrico Treuse, Jana Engler, Divine Biira
  • Max Nimführ, Enrico Treuse
  • Max Nimführ, Gabriel Federspieler

4 von 6 Sternen: ★★★★
                                   Kritik: Sophia Kriwanek; Fotos: Reinhard Winkler

www.landestheater-linz.at/musiktheater

(c) Theatercouch

03.09.2023 - Burg Perchtoldsdorf/ NÖ

MELODIENREISE
Die schönsten Lieder aus den Musicals von Rory Six

Man soll bekanntlich die Feste feiern, wie sie fallen und besonders die runden Geburtstage. Einen solchen, nämlich den 40igsten, feierte Musicaldarsteller und Komponist Rory Six. Seit 15 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Belgier in Österreich. Zuletzt spielte er die Hauptrolle des Alt- Deuteronimus im Musical „Cats“ (Ronacher). Nebenbei ist er auch der Leiter des Theatervereins „Theatercouch“.

Mit seinen 40 Jahren hat er bereits zahlreiche, teils preisgekrönte, Musicals geschrieben. Schließlich braucht er auch nur zwei Wochen pro Werk (für die Niederschrift). Davor sind einige Monate des Konzipierens. Woher er seine Inspirationen erhält, weiß er selbst nicht. Sie kommen einfach. Das kann zum Beispiel bei einem Filmschauen entstehen.

Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen feierten in der Burg Perchtoldsdorf seinen Geburtstag mit Ausschnitten aus seinen Werken „Wenn Rosenblätter fallen“, „Ein wenig Farbe“, „Luna“, „Die Mädchen von Oostende“, „Namen an der Wand“, „Weihnachtsengel küsst man nicht“, „Finder“ und der Weltpremiere „Jenseits der Masken“, darunter Andreas Bieber, Oliver Arno, Rob Pelzer, André Bauer, Katja Berg, Linda Hold, Markus Neugebauer, Nicolas Tenerani, Robert D. Marx, Denise Jastraunig, Fin Holzwart, Barbara Catska, Anja Haeseli, Lisa Radl, Rebecca Soumagné, Amelie Polak, Sarah Zippusch, Simon Stockinger und Ryta Tale.

  • Simon Stockinger
  • Sarah-Zippusch
  • Ryta Tale
  • Rory_Six
  • Robert D. Marx
  • Rob Pelzer
  • Rebecca Soumagné
  • Oliver Arno
  • Nicolas Tenerani
  • Markus Neugebauer
  • Lisa Radl
  • Linda Hold
  • Katja Berg
  • Fin Holzwart
  • Denise Jaustraneg


Rory Sixs Melodien sind teilweise sehr melancholisch und emotional, berühren und bauen eine Spannung auf. Wie gefühlsbetont und leidenschaftlich die Melodien sind, konnte man bei der Zugabe erleben, bei der sich Rory Six selbst am Keyboard begleitete. Frizz Fischer (Keyboard) hatte mit seinem kleinen Orchester/Band bis dahin auf eine möglichst laute und eher monotone musikalische Umsetzung gesorgt. Schaden, denn neben zwei Gitarren, E-Bass und Drums standen auch Violine, Cello und Harfe zur Verfügung, welche aber im Rhythmus dem Beat zum Opfer fielen. Schade, denn so manch guter Song litt unter der dadurch entstandenen Eintönigkeit. Es fehlte an Sensibilität. Am besten kamen die großen der Musicalszene damit zurecht. André Bauer, Andreas Bieber, Katja Berg, Oliver Arno und Rob Pelzer konnten echte Gefühle in ihre Interpretationen legen.

In nächster Zeit gibt es einige Möglichkeiten Stücke von und mit Rory Six in Wien und Umgebung zu sehen. Spannend wird die szenische Lesung mit Musik seines neuesten Werkes „Jenseits der Masken“ im „Das Vindobona“.

Da die MELODIENREISE eine Gala für das Geburtstagskind war, sehen wir von einer Sterne-Bewertung ab.

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                                   Kritik:
Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

02.09.2023 - Stadttheater Baden/ NÖ

MUSICALKONZERT

v.l.n.r.: René Rumpold, Iva Schell, Ann Mandrella, Drew Sarich


Noch einmal hieß es „Willkommen, bienvenue, welcome“ im Stadttheater Baden. Die Protagonistinnen und Protagonisten der Sommerproduktion Baden luden zu einem abschließenden Musicalkonzert ein: Iva Schell, Ann Mandrella, Drew Sarich und Rene Rumpold (musste die Rolle des Herrn Schulz kurzfristig krankheitsbedingt absagen).

Den Schwerpunkt dieses Abends bildeten Musicalklassiker oder Stücke, welche bereits in Baden aufgeführt wurden. Dabei erwies sich das Orchester unter der musikalischen Leitung von Andjelko Igrec als heimlicher Star des Abends. Mit messerscharfer Präzision und weichen, runden Klängen verschmolz das Orchester mit den Gesangsstimmen zu einem wahren Hörgenuß. Speziell bei den instrumentalen Selections von „Porgy and Bess“ und dem „Mambo“ aus der „West Side Story“ konnten die Musiker:innen ihre Klasse zeigen. 

Die Zuschauer:innen erlebten jedoch auch leise Töne und a capella Versionen. „Moon River“ von Ann Mandrella, von ihrem Mann Drew Sarich an der Gitarre begleitet, war so ein intimer Augenblick.
Der musicalische Streifzug reichte von „West Side Story“, das gleich mit fünf Songs vertreten war, über „Jesus Christ Superstar“, „La Cage aux Folles“, „Evita“, „Kuss der Spinnenfrau“, „Les Misérables“ bis zu „High Society“, „Brigadoon“, „Nine“ und „Guys and Dolls“.
Mit „My Heart Will Go On“ (René Rumpold) und „Moon River“ (Ann Mandrella) mischten sich auch zwei Filmhits in das Musicalkonzert.

Berührend waren Ann Mandrella und Iva Schell mit „A Boy like that“, René Rumpold mit „I Only want to say“ und Drew Sarich mit „Bring Him Home“. Vom Publikum umjubelt wurden René Rumpold und Drew Sarich mit ihrem Duett „Ich bin, was ich bin“ als Duett. Mit mystischer Stimme erinnerte Ann Mandrella nochmals mit „Kuss der Spinnenfrau“ an ihre Rolle im Stadttheater Baden 2019. Iva Schell gab eine stimmgewaltige Evita.

Das MUSICALKONZERT war ein kurzweiliger und nostalgischer Abend. Es war großartig, die Musicalklassiker und wunderbaren Melodien in hervorragender Orchestrierung zu erleben und sich nicht den oftmals schmerzhaft übersteuerten Schlagzeug- Bass- und Keyboard-Klängen ausgeliefert worden zu sein. Melodien und Gesang verschmolzen zu einem harmonischen Ganzen, was man leider in den letzten Jahren bei größeren Musicalkonzerten kaum mehr zu hören bekommt.

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5 von 6 Sternen: ★★★★
                               Kritik: Michaela Springer; Fotos: Wolfgang Springer

www.buehnebaden.at

Rudi Larsen, Stephan Paryla-Raky

01.09.2023 - Teisenhoferhof/ Weißenkirchen NÖ

Wachau-Festspiele Weißenkirchen
Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben

Der Tod, in Bayern auch „Boanlkramer“ genannt, holt sich jeden Menschen, egal ob jung oder alt, sobald deren Zeit auf Erden abgelaufen ist. Doch was passiert, wenn Gevatter Tod einen schlechten Tag hat und der Auftrag misslingt?

Nachdem sein Schuss bei einer Jagd auf den 72jährigen Brandner Kaspar misslingt, folgt er ihm heim und bemüht sich den gewieften Bauern zu überreden mitzugehen.
Dieser weigert sich vehement, da er noch viel vorhat und am Leben hängt. So ist Auerhahnbalz im Frühjahr, Rehpirsch im Sommer und vor allem will er seine Enkelin Marei mit einem schuldenfreien Brautgut zurücklassen. Mit List und Tücke verführt er den einsamen und stets frierenden Boanlkramer mit Marillenschnaps und betrügt ihn beim Kartenspiel. So gewinnt er eine Frist von 18 Jahren. Da der Brandner Kaspar für die kommenden Jahre Unsterblichkeit erlangt hat, kann er sein Leben in vollen Zügen und mit jeder Menge Risko begehen. Doch der Betrug bleibt im Himmel nicht unbemerkt und fordert zudem einen hohen Preis.

Felix Kurmayer, Gerhard Karzel

„Der Brandner Kaspar und das ewig´ Leben“ ist eine Komödie mit Tiefgang. Essenzielle Fragen des Lebens stehen im Mittelpunkt, ohne aber die Leichtigkeit zu verlieren. Der Tod soll seinen Schrecken verlieren, so die Grundessenz des Stückes. Vom gefürchteten, abzuwehrenden Gegner wird er am Ende fast zu einem erlösenden Freund.

Rudi Larsen ist eine Idealbesetzung für den so am Leben hängenden Brandner Kaspar. Er verleiht der Rolle Tiefe, indem er in die Vielschichtigkeit des Charkters eintaucht. Sein Spiel ist voller Leichtigkeit, ohne die Ernsthaftigkeit zu verlieren und mit einer unglaublicher Bühnenpräsenz das Publikum begeistert.
Sein W