02.09.2022 - Festspielhaus Neuschwanstein/ Füssen

"Bau ein Schloss wie ein Traum"
LUDWIG² in Füssen
Die Show - Backstage

Füssen ist immer eine Reise wert. Ludwig II. hätte bestimmt nicht gedacht, dass knapp 150 Jahre nach seinem Tod, Touristen aus aller Welt in die Region kommen, um seine Traumschlösser zu besichtigen. Zwei Wochen nach seinem Tod wurden sie bereits von Ludwigs Familie für die Öffentlichkeit freigegeben.
Den geschichtlichen Hintergrund über den Bayernkönig erfahren die Touristen bei zahlreichen Führungen durch die Schlösser. Im nicht fertiggestellten Schloss Neuschwanstein verbrachte er immerhin ganze 172 Tage. Sein Tod wurde nie geklärt und bleibt bis heute ein Rätsel.

Zum Leben erweckt wird der Märchenkönig im gegenüberliegenden Festspielhaus Neuschwanstein.

Das Musical erzählt auf emotionale Weise den Lebensweg König Ludwigs II.
Buch und Liedtexte stammen aus der Feder von Rolf Rettberg. Die Musik dazu schrieben Konstantin Wecker, Nic Raine und Christopher Franke.

Im Musical stirbt Ludwig II. zusammen mit dem Arzt Dr. Gudden einen überaus dramatischen Bühnentod. Das Finale findet in einem künstlich angelegten See auf der Bühne statt. Der König wird von einem Auftragskiller (Schattenmann) ermordet, den seine Widersacher engagiert haben. Dr. Gudden ist bei ihm, da er auf Druck von Ludwigs Feinden attestiert hat, dass der Regent geisteskrank ist.

Beim großen Finale wird Dr. Gudden klar, dass der König nicht verrückt ist. Denn er sieht nun selbst dessen Visionen. „Ich lerne gerade, dass man seine Träume nicht mit Füßen treten darf.“ Ludwig II.: „Das hätte Ihnen jedes Kind sagen können.“ Dr. Gudden „Aber nicht jeder König.“ Sie reichen sich im knietiefen Wasser die Hände, um im nächsten Moment erschossen zu werden.

Im Festspielhaus Neuschwanstein ist tatsächlich ein abdeckbarer Pool auf der Drehbühne integriert, welches bereits für das Musical LUDWIG II – SEHNSUCHT NACH DEM PARADIS im Jahr 2000 eingebaut wurde. Es ist der Star des Bühnenbildes. Das Becken ist beheizt, bis zu 1,6 m tief und fasst 90.000 Liter Wasser.
Er spielt nicht nur bei dem dramatischen Finale eine wichtige Rolle. Das Stück beginnt im Kindesalter des Prinzen Ludwig, der den Streit seiner Eltern kaum ertragen kann und meist Zuflucht bei seinem Kindermädchen Sybille Meilhaus (Andrea Jörg) sucht, die ihm die Opern von Richard Wagner nahebringt. Vor allem Lohengrin hat es dem Jungen angetan.
Hier erleben die Zuschauer*innen einen von vielen Höhepunkten im Stück. Bei „Mein Ritter“ steigt der junge Prinz Ludwig in ein Boot und fährt über den See. Das Boot bringt den Prinzen zum gegenüberliegenden Ufer. Dort wird er von seinem erwachsenen Ich in Empfang genommen. Nebenbei vollführt seine, in der Fantasie geschaffene, Schwanenprinzessin (Anna Mertens) eine wundervolle Balletteinlage im Wasser. Es ist ein absolut magischer Moment. Der Zeitsprung in der Handlung wurde gekonnt in Szene gesetzt.

In die Rolle des Königs Ludwig II. schlüpfte an diesem Abend Patrick Stanke. Die Figur ist wie für ihn geschaffen. Anfangs gab er der schüchterne König, der viel zu früh gekrönt wurde. Im 2ten Akt lebt Patrick Stanke den Part des Königs gänzlich aus. Er verkörperte ihn mit einer unglaublichen Intensität, sei es bei seinen Visionen, in denen der Zuschauer fast glaubte, er sei wirklich verrückt oder seine Hilflosigkeit, als er seinen kranken Bruder in der Psychiatrie besucht. Er steht in etlichen Soloparts und Duetten auf der Bühne und jeder Ton sitzt. Seine Interpretation von „Kalte Sterne“ sorgte für einen weiteren Gänsehautmoment während des Stückes.

Im Gegensatz zum Musical ELISABETH wurde in LUDWIG² die Beziehung zwischen dem Bayernkönig und der österreichischen Kaiserin (Sigrid Plundrich) mehr Gewicht gegeben, was in dem wunderschönen Duett „In Palästen geboren“ zum Ausdruck kommt.

Prinz Otto (Michael Thurner) wird in den Krieg geschickt. Graf Dürckheim (Daniel Mladenov) ist es zu verdanken, dass er überlebt hat. Prinz Otto landet nach dem Krieg bei Dr. Gudden in der Nervenklinik. Der Besuch Ludwigs II. in der Klinik bei seinem Bruder mündet in dem herzergreifenden Lied „So kalt mein Herz“.

An diesem Abend verkörperte Alexander Kerbst Dr. Gudden. Hervorragend spielte er die Zerrissenheit des Nervenarztes in dem Gewissenkonflikt, ob er König Ludwig II. für unzurechnungsfähig erklären soll oder nicht.

Graf Dürckheim ist der treue Adjutant des Königs und würde sogar für ihn sterben. Das Duett „Freundschaft“ zwischen Daniel Mladenov und Patrick Stanke ist ein weiteres Highlight im Stück.

Das Kind Prinz Ludwig (Simon Wackersreuther) taucht während des Stücks in Ludwigs Visionen immer wieder auf und redet Tacheles mit seinem erwachsenen Ich: „Tränen, die Du als Kind vergossen hast, reichen für ein ganzes Leben“, „Wo ist der Schwanenritter, wo ist sein Schloss. Eine Krone macht noch keinen König. Wenn es zum Erwachsen werden gehört, die Träume, die man als Kind gehabt hat, mit den Füßen zu treten, dann lohnt es sich nicht, erwachsen zu sein.“

Der Schattenmann wurde von Timo Pfeffer gespielt. Er hat nur ein einziges Lied im ganzen Stück, doch dieses hinterlässt seine Spuren beim Publikum: „Schwarze Schatten“. In vielen Szenen ist er allerdings schon allgegenwärtig. Er taucht zum ersten Mal auf, als Ludwig II. zum König gekrönt wird, so als ob er bereits wusste, dass dessen Leben unter keinem guten Stern stehen wird.

Die Hauptbühne ist 110 qm groß, bespielt werden 87 qm, der Rest ist für die Requisiten, die vor jeder Vorstellung von der Regieassistentin geprüft werden, ob sie am richtigen Platz liegen. Der nicht bespielte Raum wird ebenfalls für das Umkleiden der Darsteller*innen genutzt.

Die Drehbühne ist die zweit größte in Deutschland mit 29 Metern Durchmesser. Die größte befindet sich in der Frankfurter Oper mit 37,4 Meter. Sie wurde gebaut, weil man für das Musical LUDWIG II – SEHNSUCHT NACH DEM PARADIES im Jahre (Premiere am 7. April 2000) König Ludwig in einem Schlitten nachts bei Schnee über die Bühne schicken wollte. Es wurde überlegt, ob Räder unter den Schlitten besser wären oder eine Drehbühne. Man hat sich damals für die Drehbühne entschieden. Das Stück von Franz Hummel (Musik) und Stephan Barbarino (Buch und Liedtexte) stand bis 31.  Dezember 2003 auf dem Spielplan und konnte bei 1.506 Vorstellungen über 1,5 Millionen Zuschauer verbuchen.

Während vieler Szenen wird die Bühne hinten nicht bespielt und kann so vom Zuschauer unbemerkt umgebaut werden, da der hintere Teil durch einen schwarzen Bühnenvorhang getrennt ist.

Der Bühnenturm kann bis zu 48 Züge aufnehmen, das heißt es könnte rein theoretisch 48x der Hintergrund gewechselt werden. Im Sternenvorhang, der des Öfteren in Szene gesetzt ist, sind 2.000 Lampen eingearbeitet.

Bei „Das Auge nass“ ist der König wieder einmal am Zweifeln und steht vor einem roten Vorhang. Als dieser im nächsten Moment fällt, hält ihn Ludwig wie einen Umhang, der sich über die gesamte Bühne erstreckt.

Magische Momente gibt es in LUDWIG² viele. Um diese zu erleben, empfiehlt sich der Besuch des Musicals in Füssen.

Bericht & Backstagefotos:
Verena Bartsch


Szenenfotos:
Michael Böhmländer

02.04.2022 - Forum am Schlosspark/ Ludwigsburg

Das Kreisjugendorchester Ludwigsburg lädt zur
MUSICAL-GALA 2022

unterstützt von Besetzungs-Urgestein Kevin Tarte, sowie Maya Hakvoort und Uli Scherbel. Überraschend auch noch mit von der Partie war Michael Pflumm.

Nachdem die Gala im letzten Jahr leider durch die anhaltenden Corona-Bestimmungen und die immerzu schwierige Infektionslage unter keinem guten Stern zu stehen schien, konnte Sie schließlich gegen Ende des Jahres 2021 noch mit einem Termin nachgeholt werden. Traurigerweise musste Sie allerdings ohne Kevin Tarte, der zum Zeitpunkt des Konzerts leider mit einer Corona-Infektion das Bett hüten musste, stattfinden. Umso erfreulicher dann aber die Nachricht als die neuen Termine für den 02. und 03.04.2022 mit hochkarätiger Besetzung bekanntgegeben wurden und diesmal die beiden Konzertabende auch ohne Terminverschiebung stattfinden durften.

Traditionell eröffnete das Jugendorchester des Landkreises unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Roland Haug den Abend mit einem Werk aus der Feder von Philip Sparke mit dem Titel „Merry-Go-Round“. Aber was wäre ein Musical-Konzert ohne einen charmante Begrüßung von Uli Scherbel als Lumiére mit „Sei hier Gast“ aus dem Disney Klassiker ,Die Schöne und das Biest‘.

Trotz einer noch nicht vollständig auskurierten Stimmbandentzündung konnte es sich Kevin Tarte nicht nehmen lassen, den Rat seines Arztes nicht ganz zu befolgen und glänzte in altbekannter Stärke mit einem Titel aus ‚Sound of Music‘.

Wie auch in den vergangenen Jahren gab es auch wieder Solisten aus den Reihen der Musiker. In diesem Jahr hatte das Sopransaxophon, gespielt von Solist Florian Walter seinen großen Auftritt. Direkt gefolgt auf das schöne Solo, welches wir an dieser Stelle nochmal lobend hervorheben wollen, gab es einen weiteren Musical Klassiker den wohl fast jeder kennt. Maya Hakvoort und Michael Pflumm erfreuten uns mit „Tonight“. Erst in diesem Jahr erschien ein neuer Spielfilm der ‚West Side Story‘. Die Idee zum Stück entstand bereits 1949 als man sich darüber Gedanken machte eine moderne Version von Romeo und Julia auf die Bühne zu bringen. Anders als im Shakspeare Klassiker handelt die Geschichte allerdings von ethnischen Konflikten zwischen Puerto-Ricanern und US-Amerikanern, was der Geschichte noch ganz andere Hintergründe gibt und auch wieder aktueller denn je ist.

Für einen Titel der Kevin sehr am Herzen liegt übernahm er die Anmoderation kurzerhand selbst und es gab in diesem Moment kaum bessere Worte um all die schlimmen Dinge die aktuell in der Welt passieren und die Bedeutung des amerikanischen Volksliedes „At the river“ zusammenzufassen. Trotzdem schaffte er es dem Publikum einen kleinen Lacher zu entlocken bei der Frage, ob es ‚der‘ Fluss oder ‚das‘ Fluss sein muss und er schließlich zu der Erkenntnis kam, dass im schwäbischen auch ‚das Fluss‘ vollkommen in Ordnung geht.

Vor der Pause gab es für alle Gäste noch ein Werk aus dem Stück ‚Jekyll and Hyde‘ sowie die „Starlight Sequenz“ von Andrew Lloyd Webber mit der wunderschönen Botschaft, dass man alles schaffen kann, wenn man nur an sich glaubt.

Direkt nach der Pause ging es nach einem schönen Instrumental mit Maya direkt ins eisig kalte Arendelle zur Eiskönigin aus dem gleichnamigen Disney Film und flogen gemeinsam mit Uli aus unserer gemeinsamen Wohnung im „ehrenwerten Haus". Doch all die Mühen lohnten sich als wir bei Ihrer kaiserlichen Majestät Elisabeth im schönen Österreich zur Audienz geladen wurden.

Wer dann aber immer noch nicht genug hatte bekam gleich eine ganze Palette von Angeboten. Übernachten? Oder einfach gleich zum Frühstück zu bleiben? Bei diesem charmanten Angebot kann man doch kaum nein sagen oder vielleicht doch lieber alle gemeinsam ‚Im Weissen Rössel‘ am Wolfgangsee einkehren und die ,Time of my Life´ haben?  Da blieb kein Wunsch des Publikums mehr offen. Da die traditionelle Autogrammstunde auch in diesem Jahr nochmals ausfallen musste gab es aber stattdessen eine etwas verlängerte Zugabe mit „My Way“, „Something Stupid“ und „Thank you for the music“ in der deutschen Fassung die den kompletten Abend so wunderbar mit den Worten: Danke für die Lieder, zusammenfasst.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                                                    Kritik & Fotos: Sabrina Bühler

15.03.2022 - LANXESS arena/ Köln

HANS ZIMMER Live - Europe Tour
Ein Hauch von Hollywood in Köln

Am 16. März gastierte Hans Zimmer für einen Abend in der Lanxess Arena in Köln. Der deutsche Filmkomponist arbeitet und lebt in Hollywood. Mittlerweile hat er für mehr als 200 Projekte über alle medialen Bereiche hinweg die Musik komponiert.

Nach der Opening Nummer wurde es in Köln erstmal ernst. Nicht nur, dass die Tournee immer wieder verschoben werden musste, … „Wir haben ein Orchester aus der Ukraine gebucht“, so Hans Zimmer. „Am Ende haben wir nur zehn Musikerinnen herausbekommen.“ Für diese gab es vom Kölner Publikum erstmal Standing Ovation und Hans Zimmer widmete für all die starken Frauen das nächste Stück, „Wonder Woman“.

Das Publikum durfte auf ein mitreißendes Programm gespannt sein und für 2 ½ Stunden in die Tiefen seiner Filmmusik abtauchen. „Ich spiele ein paar Lieder, die euch gefallen, aber auch ein paar Lieder, die ich gerne spiele“ so Hans Zimmer.

Insgesamt setzte man auf 12 Konzertsuiten. Hier wurden jedoch nicht, wie bei anderen Konzerten, Filmschnipsel der betreffenden Filme eingespielt, man setzte auf eine imposante Bühnenshow, die perfekt auf die Musik abgestimmt war. Hierfür verpflichtete Hans Zimmer die Top-Kreativen aus dem amerikanischen Showbusiness. John Featherstone zeichnete sich für das Lichtdesign verantwortlich, Derek McLane hatte das Bühnenbild entworfen und Peter Nigrini sorgte für das Videodesign. Auf der Videoleinwand gab es dennoch kleine Hinweise zu den jeweiligen Filmen.

Neben Hans Zimmer sorgte seine 19-köpfige Band und das Orchester für den richtigen Sound. 300 Instrumente aus der ganzen Welt kamen zum Einsatz.
Mit dem Komponisten standen zudem auch seine Weggefährten auf der Bühne, so etwa bei „Gladiator“ Lisa Gerrard, mit der er damals den gleichnamigen Soundtrack aufnahm.
Die „Pirates of the Caribbean-Suite“ durfte genauso wenig fehlen wie jene zu „Batman“.

Ein besonderes Highlight des Abends war die „Interstellar-Suite“. Dank des Lichtdesigns wurde die Arena zu einem Sternenmeer. Bei der Musik aus Christopher Nolans Blockbuster schwebte man förmlich durch die Arena und verlor sich in den Weiten des Weltalls zu den Klängen von Geige und Gesang. Bei diesem Konzert gab es jede Menge Gänsehautmomente.

Zu einem weiteren Highlight wurde die „Disneys Die König der Löwen-Suite“, mit DER König der Löwen Stimme Lebo Morake.
Sein neuster Soundtrack „Dune“ durfte ebenfalls nicht fehlen.
Die erste Zugabe des Abends erkannte dann aber doch jeder im Publikum, und zwar „James Bond“.
Den Schlusspunkt setzte Hans Zimmer mit, dem bei Fans überaus beliebten, „Time“ aus „Inception“. Der Score zu Christopher Nolans Meisterwerk brachte dem Deutsch-Amerikaner zumindest eine Oscar-Nominierung ein.

„And the Oscar goes to -
Hans Zimmer.“

In der Nacht vom 27. auf den 28. März 2022 bekam der gebürtige Deutsche für „Dune“ seinen zweiten Oscar in der Kategorie „Original Score“.
Seinen ersten Oscar erhielt er 1995 für „Disneys Der König der Löwen“. Bis heute war er mehr als 10-mal nominiert. Außerdem brachten ihm seine Musik drei Golden Globes („Disneys Der König der Löwen“, „Gladiator“ und „Dune“) und drei Grammys („Disneys Der König der Löwen“, „Crimson Tide“ und „The Dark Knight“) ein.

Am 12.April gastiert Hans Zimmer in der Wiener Stadthalle. Wer genügend Geld zur Verfügung hat, der kann noch Tickets zwischen 129,- Euro und 298,- Euro erhalten.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                              Kritik: Verena Bartsch; Fotos: Dita Vollmond



 

 

 

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