31.01.2026 - Tiroler Landestheater/ Innsbruck
SEIN ODER NICHTSEIN
Am 31. Jänner 2026 feierte die Komödie SEIN ODER NICHTSEIN im Tiroler Landestheater ihre Premiere – und zwar im intimen Rahmen der Kammerspiele. Ein bewusst gewählter Ort für eine Komödie, die Leichtigkeit verspricht und doch ein historisch schweres Gepäck mit sich trägt.
Die Inszenierung von Bettina Bruinier (Regie) führt das Publikum durch einen Abend, der auf den ersten Blick vor allem eins verspricht: Humor und Witz – doch gleichzeitig viel Stoff zum Nachdenken bietet. Für Bühne und Kostüme zeichnet Elisabeth Vogetseder verantwortlich, musikalisch untermalt wird die Produktion von Hansjörg Sofka, unterstützt von Anita Augustin (Dramaturgie) und David Schuh (Video). Das Zusammenspiel all dieser Künstlerinnen und Künstler verleiht dem Stück eine lebendige Dynamik und ein rundes, stimmiges Ensemblegefühl, das den Abend zu einem echten Erlebnis macht.
Basierend auf dem Filmklassiker von Ernst Lubitsch erzählt das Stück von einer Warschauer Theatertruppe, die sich im Zweiten Weltkrieg mit Mut, Witz und Verkleidungskunst gegen die Nationalsozialisten behauptet. Zwischen Bühnenpathos und politischer Realität verschwimmen die Grenzen – und genau daraus entsteht der Reiz dieser bitterbösen Komödie.
Das Ensemble zeigt starke Leistungen:
• Andrea De Majo als Bronski / fake for real: Hitler /
Rosenkranz / Adjutant Schilz
• Daniela Bjelobradić in der Doppelrolle Professor Siletzky /
Grünberg und weiteren Rollen
• Pasquale di Filippo als Dowasz / Obergruppenführer
von Thadden
• Florian Granzner als Stanislaw Sobinsky und
weitere Figuren
• Kristoffer Nowak als Josef Tura und andere Rollen
• Marion Reiser als Maria Tura
• Stefan Riedl als Marek / Gruppenführer Ehrhardt
• Hansjörg Sofka als Janjerzy
• Laetitia Toursarkissian als Walowski / Adjutant Schulz
• Videostatisterie: Gerhard Nothegger und Carla Nothegger
Der Abend ist zweifellos schwungvoll: Pointen sitzen, das Timing stimmt, und das Ensemble spielt mit sichtbarer Lust an der Überzeichnung. Gerade im Kammerspiel entwickelt sich eine dichte, fast kabarettistische Atmosphäre, in der das Publikum sehr nahe am Geschehen ist. Das Zusammenspiel der Schauspielerinnen und Schauspieler, verbunden mit der Bühnen- und Kostümgestaltung, sorgt für einen rundum gelungenen Theaterabend.
Und doch bleibt ein Nachhall. Denn so sehr SEIN ODER NICHTSEIN als Komödie angelegt ist, so sehr berührt es ein Thema, das nie leicht sein kann: Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Adolf Hitler. Darf, soll, muss man darüber heute noch sprechen?
Ist es notwendig, diese dunkle Epoche immer wieder auf die Bühne zu holen – oder wäre es gerade gefährlich, sie in Vergessenheit geraten zu lassen?
Das Stück beantwortet diese Frage nicht eindeutig, aber es zwingt dazu, sie sich zu stellen. Humor wird hier zur Waffe gegen das Grauen, zur Form des Widerstands. Vielleicht liegt genau darin seine Berechtigung: im Erinnern durch Überzeichnung, im Lächerlich machen des Unmenschlichen.
Gleichzeitig schwingt in der heutigen Zeit ein leiser Beigeschmack mit. In einer Welt, in der Kriege wieder erschreckend präsent sind, stellt sich unweigerlich die Frage, ob man am Theater nicht auch einmal bewusst etwas Leichteres, Versöhnlicheres wählen könnte – ein Stück, das für einen Abend die Realität draußen lässt und Raum für Hoffnung und Schönheit schafft.
Insgesamt ist es ein witziger, temporeicher und klug inszenierter Theaterabend, der das Publikum sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken bringt. Ein Abend, an dem Schauspielerinnen, Schauspieler, Regie, Bühne und Kostüme zu einem schönen, harmonischen Zusammenspiel verschmelzen – und der trotz seines ernsten historischen Themas ein stimmiges, eindrucksvolles Gesamterlebnis bietet.
4 von 6 Sternen: ★★★★
Kritik: Jacqueline Hueber; Fotos: Cordula Treml



















