17.07.2026 - Theater des Westens/ Berlin
KU’DAMM 56/59 – Das Konzert
Ein Familientreffen voller großer Bühnenmomente
„Das fühlt sich an wie ein Familientreffen“ – mit diesen Worten begrüßen Peter Plate und Ulf Leo Sommer das Publikum am 13.07.’26 zum ersten von insgesamt zwei Tributkonzerten zu KU’DAMM 56 und KU’DAMM 59 im Berliner Theater des Westens. Treffender hätte man die besondere Stimmung dieses Abends wohl kaum prophezeien können. Denn was auf diese Ansage im Saal des TDW folgt, ist weit mehr als ein klassisches Musicalkonzert: Es ist eine liebevolle Hommage an zwei fantastische Musicalproduktionen, an ihre Figuren, ihre Geschichten, ihre Botschaft und vor allem an die Musik, die sich gleichermaßen ins Herz von Cast und Publikum gespielt hat. Bereits mit dem Opener „Monika“ wird deutlich: Hier passiert heute etwas ganz Besonderes. Aber frenetischer Applaus, stehende Ovationen, Jubelrufe und lautes Mitsingen bleiben an diesem Abend kein Einzelfall. Die Begeisterung auf der Bühne und die unübersehbare Verbundenheit aller Beteiligten machen den Abend zu einem außergewöhnlichen Wiedersehen mit der KU’DAMM-Welt.
Schon die ersten Nummern zeigen, wie viel Leben in den Songs steckt, wenn sie in einem solchen Rahmen noch einmal auf die Bühne gebracht werden. Höhepunkte zu benennen fällt aufgrund der Fülle an großartigen Bühnenmomenten zwar schwer, geht aber in jedem Fall nicht ohne den Namen Katja Uhlig. Als besorgte Mutter Caterina Schöllack zeigt die Ausnahmekünstlerin mit „Früher“ und „Belinda Hochreiter“, warum sie für diese Rolle völlig zurecht mit dem deutschen Musicaltheaterpreis ausgezeichnet wurde. Ihre Interpretation entwickelt stimmlich und im Spiel eine besondere Intensität und macht unmittelbar spürbar, warum diese Musik auch losgelöst von der ursprünglichen Inszenierung funktioniert. Auch das Zusammenspiel von Katja Uhlig und Steffi Irmen sucht seinesgleichen: „Speer und Riefenstahl“ funktioniert wie im Musical und wird zum Showstopper - bei einem Konzert.
Dass Steffi Irmen zu den Lieblingen der Berliner Musicalszene zählt, wird auch bei ihrer Solonummer „Showbetrieb“ deutlich. Humoristisch, authentisch und stimmgewaltig entsteht hier ein Moment, in dem der Saal endgültig von der Energie der Bühne angesteckt wird. Uns fällt auf: Gerade diese Mischung aus großen Emotionen, gesellschaftlich relevanten Themen und herrlich überzeichneten Momenten gehört zu den besonderen Stärken der KU’DAMM-Musicals – und funktioniert auch im Konzertformat hervorragend.
Stimmlich beeindruckend präsentiert sich Sandra Leitner mit „Wenn du dich auflöst“ und „Ich tanz allein“. Beide Nummern zeigen auf unterschiedliche Weise, wie facettenreich die Musik von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und ihrem Team ist. Zwischen verletzlicher Emotionalität und großer Bühnenpräsenz entstehen Momente, die ganz unmittelbar wirken. Isabel Waltsgott begeistert mit „Honig“, während David Nádvornik mit „Ich will nicht werden wie mein Vater“ einen weiteren persönlichen und zugleich eindringlichen Höhepunkt setzt. Und wenn die Schöllack-Schwestern bei „Das kann nur die Rumba“ gemeinsam auf der Bühne stehen, ist die Freude an diesem Wiedersehen endgültig nicht mehr zu übersehen.
Das Finale des Abends läutet Celina dos Santos, die Monika Schöllack des zweiten KU’DAMM Stückes, ein. „Marie läuft Amok“ ist wohl der einzige Song der es schafft, die Energie im Saal um ein weiteres Mal anzuheben. Rockig, frech und feministisch. Der Saal berstet, tanzt und hat wohl kurz vergessen, dass er eigentlich zu einem Theater gehört.
Und dann ist da die „Liebmichallee“. Spätestens als sich Celina dos Santos für die ersten Töne des letzten Songs an den Bühnenrand setzt, wird klar, warum dieser Abend mehr ist als eine Aneinanderreihung bekannter Songs. Die Nummer wird zur emotionalen Klammer eines Konzerts, das die beiden Musicals nicht einfach wiederholt, sondern ihnen auf besondere Weise noch einmal Leben einhaucht. Und es erinnert an die Kernbotschaft der KU’DAMM Stücke, die vor allem in diesen Wochen nicht laut genug sein kann. Daran, dass Liebe immer stärker sein wird als Hass. Die bekannten Melodien bekommen durch den Konzertcharakter eine neue Unmittelbarkeit. Bühnenbild und Handlung treten in den Hintergrund, während die Musik, die Figuren und die Menschen dahinter umso stärker in den Mittelpunkt rücken.
Genau darin liegt die besondere Qualität dieses Abends. Ein Tributkonzert kann schnell zu einer nostalgischen Rückschau werden. Dieses Konzert schafft jedoch etwas anderes: Es fühlt sich tatsächlich wie ein Wiedersehen mit einer Familie an. Einer Familie, die das Publikum über die Geschichten von Monika, Eva und Helga über Jahre begleitet hat und deren Mitglieder nun gemeinsam feiern, was sie miteinander geschaffen haben. Die Begeisterung ist dabei nicht nur im Publikum zu spüren. Sie kommt von der Bühne zurück – ehrlich, unmittelbar und mitreißend.
Wer an diesem Abend dabei war, dürfte das Theater mit einem breiten Lächeln verlassen haben. Und wer die beiden Musicals liebt, wird vermutlich noch lange einige der Songs im Kopf haben. Für uns steht deshalb fest: Wenn sich die KU’DAMM-Familie wieder zum Konzert trifft, sollte man unbedingt dabei sein.
Aufgrund des großen Erfolges gibt es ein weiteres KU’DAMM-Konzert am 19.04.27
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