13.02.2026 - Scala/ Wien
Die Katze auf dem heißen Blechdach
Die Inszenierung von Felix Metzner legt das Familiendrama als konzentriertes Psychogramm frei, ein Abend über Begehren und Verdrängung, über die Macht der Sprache und ihr Scheitern. An die Stelle südstaatlicher Opulenz tritt eine kontrollierte Spannung, die Konflikte nicht ausstellt, sondern beharrlich freilegt.
Das Drama von Tennessee Williams entfaltet anlässlich des Geburtstags des wohlhabenden Plantagenbesitzers Big Daddy ein dichtes Familiendrama im US-amerikanischen Süden.
Im Zentrum stehen Brick und Maggie als Gegenpole einer tief beschädigten Ehe. Brick, einst gefeierter Sportler, hat sich nach dem Tod seines engen Freundes Skipper in Passivität und Alkoholismus zurückgezogen. Seine Sprachverweigerung und emotionale Erstarrung fungieren als Abwehr gegen Schuldgefühle und die Konfrontation mit unterdrückten Begehren, das Motiv des „Klicks“ markiert dabei den Moment innerer Betäubung. Zwischen Erbansprüchen, moralischen Selbstbildern und unterdrückter Sehnsucht verstricken sich die Figuren in ein Geflecht aus Halbwahrheiten.
Die Regie vertraut auf die Expressivität der Pause und macht Dialoge als Abwehrbewegungen hörbar. So entsteht ein dichtes Spannungsfeld, in dem Wahrheit weniger ausgesprochen als umkreist wird.
Maggie hingegen erscheint als hochgradig wache, strategisch agierende Figur. Ihr Drängen nach körperlicher und emotionaler Nähe ist zugleich existenziell motiviert. In einer von Erbfolge und sozialem Status bestimmten Ordnung hängt ihre Zukunft von der Stabilität der Ehe ab. Rhetorisch virtuos versucht sie, Bricks Selbsttäuschungen aufzubrechen, während sie selbst zwischen Aufrichtigkeit und taktischer Inszenierung oszilliert.
Die Beziehung beider Figuren wird so zum Brennpunkt zentraler Themen des Stücks, die Unvereinbarkeit von Wahrheit und sozialer Fassade, die Verflechtung von Begehren und Macht sowie die Frage, ob Intimität unter den Bedingungen von Verdrängung und Konkurrenz überhaupt möglich ist.
Wolfgang Seidenberg gestaltet Big Daddy mit autoritärer Wucht und feinem Gespür für ironische Brechungen, seine Präsenz oszilliert überzeugend zwischen Dominanz und existenzieller Verunsicherung.
Christina Saginth verleiht Big Mama ein warmes Timbre und klare Kontur, wodurch Fürsorge und Verdrängung zugleich sichtbar werden.
Adrian Stowasser gibt Brick, Big Daddies Sohn, in einer zurückgenommenen, körperlich disziplinierten Interpretation, seine Verweigerung erscheint als schmerzhafte Form der Selbstkontrolle, nicht als emotionale Kälte.
Samantha Steppan zeichnet Maggie mit energischer Vitalität und verletzlicher Dringlichkeit und hält damit den emotionalen Puls des Abends. Maggie erscheint als hochgradig wache, strategisch agierende Figur. Ihr Drängen nach körperlicher und emotionaler Nähe ist zugleich existenziell motiviert. In einer von Erbfolge und sozialem Status bestimmten Ordnung hängt ihre Zukunft von der Stabilität der Ehe ab. Rhetorisch virtuos versucht sie, Bricks Selbsttäuschungen aufzubrechen, während sie selbst zwischen Aufrichtigkeit und taktischer Inszenierung oszilliert.
Die Beziehung beider Figuren wird so zum Brennpunkt zentraler Themen des Stücks, die Unvereinbarkeit von Wahrheit und sozialer Fassade, die Verflechtung von Begehren und Macht sowie die Frage, ob Intimität unter den Bedingungen von Verdrängung und Konkurrenz überhaupt möglich ist.
Als ältester Sohn von Big Daddie, Gooper, setzt Boris Alexander Popovic markante Akzente zwischen Opportunismus und latentem Groll, während Johanna Rehm als seine Ehefrau Mae mit präziser sozialer Schärfe profiliert. Reverend Tooker (Randolf Destaller) und Doctor Baugh (Markus Tavakoli) fügen sich mit rhythmischer Sicherheit in das Ensemble ein und strukturieren die Konfliktachsen.
Der von Robert Notsch entworfene Raum verzichtet auf naturalistische Üppigkeit zugunsten einer reduzierten, offen einsehbaren Anordnung. Gezielte Sichtachsen erzeugen eine Atmosphäre permanenter Beobachtung, in der Rückzug zur Illusion wird. Das Licht modelliert Stimmungen statt Orte und verdichtet die psychische Temperatur des Geschehens.
Die Kostüme von Sigrid Dreger verorten die Figuren präzise im sozialen Gefüge. Nuancierte Farbskalen und differenzierte Stofflichkeiten markieren Status und Selbstbild, feine Unordnungen im Detail verweisen auf die Brüchigkeit der familiären Fassade.
Die Aufführung überzeugt durch Ensemblepräzision und eine klar konturierte ästhetische Linie. Indem sie den Text nicht illustriert, sondern analytisch freilegt, macht sie die Mechanismen von Selbsttäuschung und Begehren sichtbar, konzentriert, gegenwärtig und von nachhaltiger Wirkung.
Noch bis 28. Februar 2026 in der Scala zu sehen.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer; Fotos: Bettina Frenzel
www.theaterzumfuerchten.at/TheaterScala/



















