Sommer 2026 Oper im Steinbruch/ St. Margarethen -Burgenland
TOSCA - Backstage bei Winter Artservice zur Entstehung des Bühnenbildes
Wenn sich im Sommer 2026 der Steinbruch von St. Margarethen erneut in das Rom um 1800 verwandelt, speist sich diese Metamorphose nicht allein aus der suggestiven Kraft der Musik. Entscheidend ist vielmehr die visuelle Dramaturgie eines Bühnenbildes, das in seiner Dimension und Präzision Maßstäbe setzt. Verantwortlich dafür zeichnet einmal mehr die Wiener Werkstätte Winter Artservice, die bereits zum 16. Mal die monumentale Szenerie für die Oper im Steinbruch realisiert.
Die Inszenierung von TOSCA ist von radikalen Gegensätzen durchzogen, spirituelle Erhebung trifft auf brutale Gewalt, intime Emotionen auf politische Repression. In der diesjährigen Produktion wird dieser Dualismus in eine eindringliche Bildsprache überführt, die sich bewusst an der Ästhetik des römischen Barocks orientiert. Thaddeus Strassberger, der Regie und Bühne verantwortet, versteht den Raum dabei als emotionalen Resonanzkörper, der das Innere der Figuren nach außen kehrt.
Opulente Goldtöne, marmorierte Oberflächen und fein ausgearbeitete Skulpturen entfalten eine Pracht, die stets von latenter Bedrohung durchzogen ist. Es entsteht ein Spannungsfeld, das an das dramatische Chiaroscuro Caravaggios erinnert, an die psychologische Dichte Artemisia Gentileschis und die theatralische Bewegtheit Gian Lorenzo Berninis. Auch die architektonischen Impulse von Francesco Borromini und Guarino Guarini sind deutlich spürbar. Die Bühne wird zum gestalteten Raum, der nicht bloß Hintergrund ist, sondern aktiv in das dramatische Geschehen eingreift.
Was als illusionistische Welt erscheint, gründet auf akribischer Planung und einem enormen handwerklichen wie technischen Aufwand. Mehr als 9.000 Arbeitsstunden flossen in die Realisierung der diesjährigen Kulisse. Traditionelle Techniken werden dabei durch CNC-basierte Holzbearbeitung, robotergestützte Fertigung und 3D-Druckverfahren ergänzt – eine Synthese, die höchste Präzision im großen Maßstab ermöglicht.
Die Dimensionen der einzelnen Elemente unterstreichen den monumentalen Anspruch der Inszenierung. Ein Hauptaltar von über 24 Metern Breite und bis zu 7,6 Metern Höhe, getragen von einer zwölf Tonnen schweren Stahlkonstruktion, dominiert das Zentrum der Bühne. Flankiert wird er von zwei überdimensionalen Kerzenständern, während das sogenannte Heiligtum mit einer Breite von 16,5 Metern und einem Gesamtgewicht von rund 40 Tonnen als wandelbares architektonisches Herzstück fungiert.
Ein besonderer Akzent liegt auf dem Weihrauchfass, das an das berühmte „Botafumeiro“ der Kathedrale von Santiago de Compostela erinnert. Wie ein monumentales Pendel durchmisst es den Raum und verleiht der Inszenierung eine eindringlich-sakrale Dynamik. Ergänzt wird diese Bildsprache durch einen mechanisch konstruierten Engel, dessen scheinbare Fragmentierung und Wiederherstellung exemplarisch für die Verbindung von technischer Raffinesse und symbolischer Aufladung steht.
Die Umsetzung dieser komplexen Entwürfe erfolgt in enger Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern, insbesondere im Metallbau. Rund 80 Tonnen Stahl, eine halbe Million Schrauben und kilometerlange Konstruktionselemente bilden das statische Gerüst der Anlage. Hinzu kommen tausende Quadratmeter Holz sowie große Mengen an Putz und Farbe, die den Oberflächen ihre charakteristische barocke Erscheinung verleihen.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Technik nicht hinter der Illusion verschwindet, sondern selbst Teil der Erzählung wird. Eine überdimensionale Kanone, hoch über dem Steinbruch positioniert, fungiert nicht nur als visuelles Zeichen, sondern entfaltet auch akustische Präsenz. Bewegliche Elemente, Transformationen und kinetische Effekte strukturieren die Aufführung ebenso nachhaltig wie Musik und Gesang.
Trotz der beeindruckenden Dimensionen gewinnt auch der Aspekt der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Viele Bauteile sind modular konzipiert und für eine Wiederverwendung ausgelegt, ein Ansatz, der den Ressourcenverbrauch reduziert und zugleich ein zukunftsweisendes Denken im großformatigen Bühnenbau etabliert.
Für Daniel Serafin, Intendant der Oper im Steinbruch, manifestiert sich in dieser Produktion das Ideal eines Gesamtkunstwerks. Tatsächlich verschränken sich Raum, Musik und Bild zu einer Einheit, die weit über die Summe ihrer Teile hinausgeht.
Dass dieses Zusammenspiel in solcher Konsequenz gelingt, ist nicht zuletzt der Erfahrung und gestalterischen Vision von Christopher Winter und seinem Team zu verdanken. Ihr Anspruch, monumentale Räume nicht nur zu errichten, sondern dramaturgisch zu durchdringen, prägt die Arbeit von Winter Artservice seit Jahren und findet in TOSCA eine besonders eindrucksvolle Ausprägung.
So avanciert der Steinbruch von St. Margarethen im Sommer 2026 erneut zu einem Ort, an dem sich Kunst, Technik und Geschichte zu einer dichten, sinnlichen Erfahrung werden, weit über das Opernhafte hinaus.
Tickets und Termine:
Tickets können im Ticketbüro pan.event unter T + 43 2682 65 0 65 oder per E-Mail: tickets@panevent.at gebucht werden.
Weitere Informationen finden sich unter www.operimsteinbruch.at.
Premiere: 15. Juli 2026
Weitere Termine: bis 22. August 2026
Text: Michaela Springer; Fotos: musicalcocktail




















