Alexander Peer (Autor)
01. 111 ORTE IM PINZGAU, die man gesehen haben muss
Verlag: Emons Verlag GmbH
Broschur
VÖ: 14. April 2022
Umfang: 240 Seiten
zahlreiche Abbildungen
mit Fotografien von Christine Peer-Valenta
Größe: 13,5 x 20,5 cm
Alter: k.A.
ISBN Buch: 978-3-7408-1199-0
Mit 111 ORTE IM PINZGAU, DIE MAN GESEHEN HABEN MUSS unternimmt Alexander Peer den Versuch einer ebenso ambitionierten wie leserfreundlichen Kartografie einer Region, die im touristischen Diskurs allzu häufig auf ihre alpinen Postkartenmotive reduziert wird. Der Pinzgau erscheint hier nicht als bloße Landschaftskulisse, sondern als komplexer Kulturraum, dessen historische Tiefenschichten, sozialen Eigenheiten und randständigen Phänomene in 111 pointierten Miniaturen freigelegt werden.
Der Band folgt der bewährten Dramaturgie der Reihe, kurze, prägnante Texte, die jeweils einen Ort, ein Objekt oder eine Begebenheit ins Zentrum rücken. Gerade in dieser formalen Beschränkung liegt jedoch seine ästhetische Produktivität. Peer gelingt es, mit sprachlicher Präzision und einem feinen, bisweilen ironisch gebrochenen Ton Verdichtungen zu erzeugen, die über das rein Informative hinausreichen. Neben kanonischen Sehenswürdigkeiten treten unscheinbare, mitunter skurrile Schauplätze, deren Bedeutung sich erst durch die literarische Rahmung erschließt.
Ein besonders instruktives Beispiel für Peers Gespür für das Periphere ist das sogenannte „Kirchenklo“. Die Episode kreist um eine scheinbar marginale Infrastruktur im Umfeld eines sakralen Raums und entwickelt daraus eine überraschende Reflexionstiefe. Was zunächst als Kuriosum erscheint, erweist sich als analytischer Hebel. Das „Kirchenklo“ wird zur Chiffre für die Verschränkung von Körperlichkeit und Spiritualität, von alltäglichem Bedürfnis und religiöser Ordnung. Der vermeintlich profane Ort irritiert die Aura des Sakralen, ohne sie gänzlich zu suspendieren.
Ähnlich produktiv operiert der Text zur Figur der Kümmernis, jener bärtigen, gekreuzigten Heiligen, die zwischen Legende und Ikonografie oszilliert. Peer nutzt dieses Motiv, um Verschiebungen religiöser Bildtraditionen sichtbar zu machen und zugleich die Einschreibung gesellschaftlicher Projektionen, etwa im Spannungsfeld von Geschlecht, Frömmigkeit und Devianz offenzulegen.
Mit der Einbindung von Virginia Hill erweitert der Band seinen Horizont in Richtung transnationaler Verflechtungen. Die Präsenz der US-amerikanischen Gangsterwelt im alpinen Raum erscheint hier nicht als bloße Anekdote, sondern als Symptom einer überraschenden historischen Durchlässigkeit. Hill fungiert als emblematische Figur einer schillernden, von Rückzug geprägten Zwischenwelt.
Auch der Verweis auf Clark Gable und dessen im Schloss Mittersill aufbewahrten Golfbag verdichtet internationale Film- und Prominenzgeschichte in einem materiellen Relikt. Das Schloss wird zum Erinnerungsort einer Epoche, in der sich der alpine Raum als exklusives Refugium globaler Eliten inszenierte, der Golfbag fungiert dabei als pars pro toto einer spezifischen Kultur der Distinktion.
Solche Beispiele machen deutlich, dass Peer konsequent mit Brüchen operiert, zwischen Hochkultur und Alltagsgeschichte, zwischen lokaler Verankerung und globalen Referenzen. Aus diesen Spannungen bezieht der Band seine eigentümliche Dynamik und unterscheidet sich damit signifikant von konventionellen Reiseführern.
Bemerkenswert ist die Balance zwischen fundierter kulturhistorischer Recherche und subjektiver Perspektivierung. Peer entgeht der Falle eines bloßen Kuriositätenkabinetts, indem er seine Auswahl immer wieder in größere Deutungszusammenhänge einbettet. Fragen von Identität, Erinnerungskultur und regionaler Selbstinszenierung bleiben dabei stets präsent, ohne didaktisch ausgestellt zu werden. Zugleich bewahrt der Text eine Zugänglichkeit, die ihn auch als praktischen Begleiter vor Ort brauchbar macht, eine Gratwanderung, die innerhalb des Genres keineswegs selbstverständlich ist.
Kritisch bleibt anzumerken, dass die notwendige Kürze der einzelnen Beiträge bisweilen zu einer gewissen Skizzenhaftigkeit führt. Nicht alle Miniaturen entfalten ihr erzählerisches oder analytisches Potenzial in gleicher Intensität, punktuell wäre eine stärkere thematische Bündelung oder vertiefende Kontextualisierung wünschenswert gewesen, um dem Band zusätzliche Stringenz zu verleihen.
Dennoch überzeugt das Buch durch seine programmatische Haltung. Es plädiert für eine entschleunigte, aufmerksame Wahrnehmung einer Region, die sich jenseits stereotyper Zuschreibungen erschließt. Peer gelingt es, den Pinzgau als kulturelles Gefüge sichtbar zu machen, in dem Vergangenheit und Gegenwart, Natur und menschliche Gestaltung in einem produktiven Spannungsverhältnis stehen.
Christine Peer-Valenta steuert so einige wunderbare Bilder bei, welche das Buch auflockern und bereichern.
So erweist sich 111 ORTE IM PINZGAU, DIE MAN GESEHEN HABEN MUSS weniger als klassischer Reiseführer denn als literarisch fundierte Einladung zur Schärfung des Blicks ein Buch, das nicht nur Wege weist, sondern Wahrnehmungsweisen verschiebt.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Alexander Peer lebt seit 2004 als freier Autor, Journalist und Referent in Wien. Er schreibt regelmäßig Essays, Rezensionen und Reportagen zu Literatur, Architektur und Philosophie. Dem Pinzgau ist der gebürtige Salzburger seit seiner Kindheit verbunden.
www.peerfact.at
Die Fotografin:
Christine Peer-Valenta war nach Studien in Germanistik und Geographie langjährig in der Privatwirtschaft tätig. Nach Wohnsitz in Salzburg-Stadt dient der Kosmopolitin und begeisterten Fotografin heute Wien und Zell am See als Angelpunkt für vielfache Reisen und Erkundungen sowohl weltweit als auch zu den geheimen Plätzen des Pinzgaus.
Walter M. Weiss (Autor)
02. 111 ORTE IM AUSSEERLAND, die man gesehen haben muss
Verlag: Emons Verlag GmbH
Broschur
VÖ: 14. April 2022
Umfang: 240 Seiten
zahlreiche Abbildungen
Größe: 13,5 x 20,5 cm
Alter: k.A.
ISBN Buch: 978-3-7408-1464-9
Mit 111 ORTE IM AUSSEERLAND, DIE MAN GESEHEN HABEN MUSS legt Walter M. Weiss einen Band vor, der sich souverän zwischen klassischem Reiseführer und kulturjournalistischer Miniaturensammlung positioniert. Das etablierte Konzept der „111 Orte“-Reihe basiert auf pointierten, meist zweiseitigen Porträts, die Bekanntes mit Entlegenem verschränken. Im Falle des Ausseerlands, einer Region, die gleichermaßen von touristischen Klischees wie von literarischer und historischer Aufladung geprägt ist, erweist sich dieses Format als besonders ergiebig, bleibt jedoch nicht frei von Ambivalenzen.
Weiss gelingt es, die topografische wie kulturelle Vielschichtigkeit der Region prägnant sichtbar zu machen. Zwischen Trachtenkultur, k. u. k.-Erinnerungslandschaften und alpiner Gegenwart entfaltet sich ein Panorama, das sowohl Einheimischen als auch kulturinteressierten Reisenden neue Perspektiven eröffnet. Überzeugend sind vor allem jene Passagen, in denen der Autor mikrohistorische Details freilegt, kleine Anekdoten, randständige Ereignisse oder biografische Splitter, die den porträtierten Orten narrative Tiefenschärfe verleihen. Hier tritt die journalistische Erfahrung von Weiss deutlich hervor, in präziser Beobachtung und pointierter Verdichtung.
Stilistisch präsentiert sich der Band durchweg zugänglich, gelegentlich jedoch von einer gewissen Gleichförmigkeit geprägt. Die strikte Binnenstruktur der Beiträge, Einführung, Anekdote, Pointe, schafft zwar Orientierung, führt jedoch mitunter zu formelhaften Wiederholungen. Dort, wo Weiss diese Struktur aufbricht und essayistische Freiräume nutzt, gewinnt der Text deutlich an literarischer Qualität und Differenzierung.
Auch visuell fügt sich der Band nahtlos in die Reihe ein. Großzügige Fotografien, klare Typografie und ein übersichtliches Layout unterstützen sowohl das assoziative Blättern als auch die gezielte Lektüre. Die Bildauswahl begleitet die Texte funktional, bleibt jedoch überwiegend illustrativ und entwickelt nur selten eine eigenständige interpretative Ebene.
Insgesamt erweist sich 111 ORTE IM AUSSEERLAND, DIE MAN GESEHEN HABEN MUSS als solider, stellenweise inspirierender Beitrag zur populären Reisekultur, der insbesondere durch Detailfreude und fundierte regionale Kenntnis überzeugt, zugleich jedoch in seiner formalen Strenge und analytischen Zurückhaltung auch Grenzen des Formats sichtbar macht.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Walter M. Weiss, geboren und wohnhaft in Wien, bereist den Orient – und insbesondere den Iran – seit über 30 Jahren intensiv und publiziert darüber häufig in namhaften Medien und Verlagen. Über den Iran, durch den er auch regelmäßig Studienreisen leitet, sind von ihm unter anderem mehrere Text-Bild-Bände, ein politisches Sachbuch über Geschichte und Gegenwart sowie eine literarische Anthologie erhältlich. Insgesamt hat er mehr als 100 Sach- und Reisebücher veröffentlicht.
www.wmweiss.com
Jo Nesbø (Autor), Günther Frauenlob (Übersetzer)
03. MINNESOTA
Kriminalroman
Verlag: Ullstein
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 2. Jänner 2026
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 416 Seiten
Alter: 16
ISBN Buch: 978-3-550-20309-1
ISBN eBook: 978-3-843-73724-1
MINNESOTA ist weit mehr als ein klassischer Kriminalroman. Zwar greift der norwegische Bestsellerautor auf die vertrauten Motive von Gewalt, Schuld und moralische Ambivalenz zurück, doch entwickelt sich daraus ein düsteres Gesellschaftsporträt, das die amerikanische Provinz zum Spiegel existenzieller Verwerfungen macht. Der Titel bezeichnet dabei nicht nur den geografischen Schauplatz, sondern steht zugleich für Isolation, emotionale Erstarrung und die fragile Fassade gesellschaftlicher Ordnung.
Die Story:
Im Minnesota des Jahres 2016 lebt der Ermittler Bob Oz nach dem Tod seiner kleinen Tochter in einem Zustand permanenter innerer Zerrüttung. Die Trauer entfremdet ihn von seiner Frau und treibt ihn zunehmend in die Isolation. Nur die kompromisslose Polizeiarbeit verleiht seinem Leben noch Struktur. Als Minneapolis von einer Serie brutaler Morde erschüttert wird, übernimmt Oz die Ermittlungen. Der Täter hat es gezielt auf Drogenbosse und Waffenhändler abgesehen, agiert mit kalkulierter Präzision und scheint den Behörden stets einen Schritt voraus zu sein. Während Oz versucht den Täter zu stellen, gerät er selbst immer tiefer in ein Netz aus Gewalt, Rache und Täuschung, in dem die Grenzen zwischen Verfolger und Gejagtem zunehmend verschwimmen.
Im Zentrum des Romans stehen Figuren, die zwischen familiären Loyalitäten, sozialem Druck und verdrängter Vergangenheit gefangen sind. Jo Nesbø interessiert sich dabei weniger für die klassische Auflösung eines Verbrechens als für die psychologischen Mechanismen, die Menschen in Extremsituationen antreiben. Seine Figuren handeln selten heroisch, sie sind beschädigt, widersprüchlich und von einer latenten Verzweiflung geprägt. Gerade darin entfaltet der Roman seine größte Stärke. Die Charaktere wirken nicht wie dramaturgische Konstruktionen, sondern wie Menschen, die in einer Gesellschaft emotionaler Sprachlosigkeit allmählich den Halt verlieren.
Auch formal bleibt Nesbø einer präzisen, reduzierten Erzählweise treu. Die Handlung entwickelt sich mit kontrollierter Langsamkeit und verzichtet weitgehend auf spektakuläre Effekte. Stattdessen erzeugt der Roman eine Atmosphäre schleichender Bedrohung. Fragmentarische Episoden, Rückblenden und Perspektivwechsel verdichten sich zu einem beklemmenden Gesamtbild. Die nüchterne Sprache verstärkt dabei die emotionale Wirkung vieler Szenen, weil Gewalt nie effekthascherisch inszeniert wird, sondern als Konsequenz sozialer und psychischer Prozesse erscheint. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Roman seine verstörende Glaubwürdigkeit.
Thematisch kreist MINNESOTA um Schuld, männliche Selbstbilder und die Fragilität gesellschaftlicher Ordnung. Besonders eindringlich gelingt Nesbø die Darstellung toxischer Männlichkeit. Viele seiner Figuren definieren sich über Kontrolle, Stärke oder wirtschaftlichen Erfolg und zerbrechen letztlich an genau diesen Erwartungen. Daraus entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der emotionale Kommunikation kaum noch möglich scheint und Gewalt zur Ersatzsprache geworden ist.
So überzeugt der Roman vor allem als literarisch ambitionierte Studie menschlicher Abgründe. Nesbø nutzt die Struktur des Thrillers nicht primär zur Spannungserzeugung, sondern als Mittel, um gesellschaftliche Desillusionierung und existenzielle Einsamkeit sichtbar zu machen. Die nachhaltige Wirkung des Buches liegt weniger in seiner Handlung als in seiner Atmosphäre, Minnesota hinterlässt keine einfachen Antworten, sondern ein Gefühl tiefgreifender Unruhe, das weit über die letzte Seite hinaus nachhallt.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Jo Nesbø lebt in Oslo. Seine Bücher sind in 51 Sprachen übersetzt und haben sich über 60 Millionen mal verkauft, sie wurden mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.
Dirk Stermann (Autor)
04. Die Republik der Irren
Ein historischer Roman über den verrücktesten Staat der Geschichte
Verlag: Rowohlt Hundert Augen
gebunden
VÖ: 16. September 2025
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (argon Verlag) erhältlich
Umfang: 304 Seiten
Alter: 14
ISBN Buch: 978-3-498-00745-4
ISBN eBook: 978-3-644-02298-0
Dirk Stermann unternimmt in seinem Roman DIE REPUBLIK DER IRREN einen mutigen literarischen Versuch. Er verknüpft eine weitgehend übersehene historische Episode mit einem scharf konturierten Panorama aus politischer Groteske, leiser Melancholie und präziser Satire. Entstanden ist ein Text, der zugleich irritiert, fasziniert und nachhaltig verstört.
Im Mittelpunkt steht die Besetzung Fiumes nach dem Ersten Weltkrieg, jedoch nicht als heroische Erzählung, sondern als Schauplatz kollektiver Entgleisung. Stermann treibt diese Ausgangslage mit einem markanten Kunstgriff voran. Sein Erzähler Cherubino, ein nüchterner Krankenpfleger, erhält den Auftrag, einen Patienten aus einer Nervenklinik nach Fiume zu überführen, wo dieser in Gabriele D’Annunzios kurzlebigem Staatsprojekt eine politische Funktion übernehmen soll. Die Idee eines von Exzentrikern zusammengehaltenen Experimentalregimes entfaltet Stermann mit fast protokollarischer Klarheit, ein aufschlussreicher Kontrast zur anarchischen Szenerie, die er beschreibt.
Gerade diese kontrollierte Distanz bildet eine der großen Stärken des Romans. Stermann verweigert sich jeder grellen Zuspitzung des Absurden. Stattdessen zeigt er, wie politische Machtgesten und individuelle Verwirrung ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken. Der Humor entsteht nicht aus pointierten Effekten, sondern aus der bitteren Erkenntnis, wie schnell ein gesellschaftliches Gefüge ins Irrationale kippen kann. Durch Cherubinos zurückhaltende Beobachtungen entsteht ein gedämpfter Grundton, ein literarischer Resonanzraum, in dem das Ungeheuerliche mit beinahe beiläufiger Selbstverständlichkeit aufscheint.
Doch nicht jeder Teil dieses Konzepts trägt gleichermaßen. Die bewusst verlangsamte Erzählweise erzeugt zwar eine dichte Atmosphäre, nimmt der Handlung aber phasenweise den Vortrieb. Manche Passagen wirken, als würden sie eher registriert als gestaltet. Diese formale Strenge ist konsequent, verlangt aber Durchhaltevermögen. Cherubino Wahrnehmungen sind präzise, doch emotional bleibt er eine Projektionsfläche, eine Stimme ohne klaren Umriss.
Trotz dieser Brüche erweist sich DIE REPUBLIK DER IRREN als ein beeindruckendes literarisches Statement. Der Roman ist kein lautes Werk, sondern eines, welches das Groteske durch Reduktion freilegt. Stermann interessiert sich weniger für dokumentarische Genauigkeit als für die inneren Widersprüche politischer Visionen für jene Momente, in denen Ideale entstehen, obwohl die logische Grundlage längst erodiert ist. Das Buch zeigt, wie schmal die Grenze zwischen Überzeugung und Selbsttäuschung sein kann.
So präsentiert sich DIE REPUBLIK DER IRREN als bedeutender Beitrag zur literarischen Auseinandersetzung mit politischer Radikalisierung, inszenierter Realität und dem ungebrochenen Reiz utopischer Experimente. Ein Roman, der auf einfache Antworten verzichtet, dafür aber eine Fülle unbequemer Fragen stellt und gerade deshalb lange nachhallt.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Dirk Stermann, geboren 1965 in Duisburg, lebt seit 1987 in Wien. Er zählt zu den populärsten Kabarettisten und Fernsehmoderatoren Österreichs und ist auch in Deutschland durch Fernseh- und Radioshows sowie durch Bühnenauftritte und Kinofilme weit bekannt. 2016 erschien sein Roman Der Junge bekommt das Gute zuletzt, und NDR Kultur urteilte: «Ein lustiger deutscher Medienstar, der als österreichischer Romancier sehr ernst genommen werden sollte.» 2019 folgte Der Hammer und 2022 Maksym.
Dirk Stermann, geboren 1965 in Duisburg, lebt seit 1987 in Wien. Er zählt zu den populärsten Kabarettisten und Fernsehmoderatoren Österreichs und ist auch in Deutschland durch Fernseh- und Radioshows sowie durch Bühnenauftritte und Kinofilme weit bekannt. 2016 erschien sein Roman «Der Junge bekommt das Gute zuletzt», 2019 «Der Hammer» und 2022 «Maksym». «Mir geht‘s gut, wenn nicht heute, dann morgen.» erreichte in den österreichischen Bestseller-Charts den Spitzenplatz.
Der musicalcocktail verlost 1x das Buch beendet !
Beate Maxian (Autor)
05. Tod im Wiener Rathaus
Ein Wien-Krimi
Verlag: Goldmann
Taschenbuch, Klappenbrosch.
Originalausgabe
VÖ: 22. April 2026 (1. Auflage)
Umfang: 352 Seiten
Größe: 12,5x18,7 cm
Alter: 14
ISBN TB: 978-3-442-49676-1
ISBN eBook: 978-3-641-32844-3
Mord im altehrwürdigen Wiener Rathaus. Der sechzehnte Fall für die Journalistin Sarah Pauli.
TOD IM WIENER RATHAUS verbindet den klassischen Ermittlungsroman mit einer präzisen gesellschaftlichen Gegenwartsdiagnose und führt seine Leser tief in die politischen, medialen und sozialen Machtstrukturen Wiens.
Im Zentrum steht die Journalistin Sarah Pauli, die nach einem mysteriösen Mord im Wiener Rathaus gemeinsam mit Chefinspektor Martin Stein die Ermittlungen aufnimmt. Die Spuren führen zu anonymen Onlinekampagnen, persönlichen Abhängigkeiten und verborgenen Konflikten innerhalb der Wiener Gesellschaft. Mit fortschreitender Handlung wird deutlich, dass nicht allein physische Gewalt zerstörerisch wirkt, sondern ebenso digitale Hetze, öffentliche Vorverurteilung und mediale Manipulation.
Gerade diese Verbindung aus kriminalistischer Spannung und gesellschaftlicher Aktualität zählt zu den großen Stärken des Romans. Beate Maxian gelingt es, Wien nicht lediglich als dekorative Kulisse einzusetzen, sondern als atmosphärisch verdichteten Raum voller Schichten, politischer Symbolik und sozialer Spannungen.
Sarah Pauli agiert zwar souverän und glaubwürdig, bleibt in ihrer Entwicklung jedoch weitgehend statisch. Auch zahlreiche Nebenfiguren erfüllen primär dramaturgische Funktionen, ohne über größere emotionale oder psychologische Tiefe zu verfügen. Dadurch wirken manche Konflikte eher konstruiert als organisch aus den Figuren heraus entwickelt.
Besonders gelungen ist hingegen die gesellschaftliche Dimension des Romans. Maxian zeigt eindringlich, wie digitale Manipulation, Gerüchte und öffentliche Diffamierung Existenzen nachhaltig beschädigen können. Damit erweitert sie ihre Krimireihe um eine zeitgenössische Perspektive auf Medienmacht, soziale Kontrolle und die Dynamik öffentlicher Empörung. Verbrechen erscheint hier nicht ausschließlich als individuelle Tat, sondern als Symptom gesellschaftlicher Mechanismen und kollektiver Eskalation.
Insgesamt erweist sich TOD IM WIENER RATHAUS als routiniert erzählter, atmosphärisch dichter Kriminalroman mit starkem Wien-Bezug und hoher gesellschaftlicher Aktualität. Zwar schöpft Beate Maxian die psychologischen Möglichkeiten ihres Stoffes nicht vollständig aus, dennoch überzeugt der Roman durch seine Spannung, seine urbane Atmosphäre und seine präzise Beobachtung gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Die gebürtige Münchnerin Beate Maxian verbrachte ihre Jugend in Bayern und im arabischen Raum, bevor sie sich in Österreich niederließ und sich verschiedenen Projekten im Film-, Medien- und Event-Bereich widmete. Neben der Kinderliteratur gilt die Leidenschaft der zweifachen Mutter dem Kriminalroman und sie hat bereits erfolgreich mehrere in Österreich angesiedelte Krimis veröffentlicht. 2008 war sie Jury-Mitglied beim Friedrich-Glauser-Preis und von 2009-2011 Organisatorin der Glauser-Jury in der Sparte Roman. Des Weiteren ist sie die Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals: Krimi Literatur Festival.at
Homepage der Autorin * Das Buch beim Goldmann Verlag
Rudi Anschober (Autor)
06. ERMUTIGUNG
Erfolgsgeschichten für eine bessere Welt
Verlag: Carl Ueberreuter Verlag
Hardcover
VÖ: Februar 2026 (1. Auflage)
Umfang: 220 Seiten
Größe: 14,6cm x 22cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-8000-7842-4
Rudi Anschober zeigt inspirierende Beispiele aus aller Welt, die zeigen, wie positive Veränderungen gelingen können. Er gibt realistische Hoffnung für morgen.
Dieses Buch versammelt fundierte Beispiele für gelungene Veränderung in Politik, Umwelt und Gesellschaft – faktenbasiert und konstruktiv.
ERMUTIGUNG versteht sich weniger als klassische politische Analyse denn als moralischer Appell. Der ehemalige Gesundheits- und Sozialminister Rudi Anschober entwirft darin ein Gegenmodell zur gesellschaftlichen Erschöpfung der Gegenwart, Optimismus als Haltung, Empathie als politische Praxis und Solidarität als demokratische Notwendigkeit. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung trifft das Buch damit einen empfindlichen Nerv der Zeit.
Eine besondere Stärke des Bandes liegt in seiner persönlichen Tonlage. Anschober schreibt nicht aus der distanzierten Perspektive eines politischen Beobachters, sondern als unmittelbarer Beteiligter. Besonders überzeugend sind jene Passagen, in denen konkrete Begegnungen, gesellschaftliche Initiativen oder individuelle Formen des Engagements geschildert werden. Hier entfaltet ERMUTIGUNG jene Wärme und Glaubwürdigkeit, die bereits der Titel programmatisch ankündigt.
Auch stilistisch bewegt sich das Buch bewusst im Grenzbereich zwischen Essay, persönlichem Erfahrungsbericht und politischem Appell.
Die Relevanz von ERMUTIGUNG liegt daher weniger in seiner theoretischen Tiefenschärfe als vielmehr in seiner gesellschaftlichen Funktion. Das Buch artikuliert ein politisches Selbstverständnis, das sich demonstrativ gegen Zynismus, Resignation und gesellschaftliche Verhärtung richtet. In einer Öffentlichkeit, die zunehmend von Empörung, Krisendiskursen und Polarisierung geprägt ist, beharrt Anschober auf der Möglichkeit kollektiver Handlungsfähigkeit. Gerade diese Beharrlichkeit verleiht dem Buch seine politische Wirkungskraft.
So bleibt ERMUTIGUNG ein durchaus ambivalenter Beitrag, rhetorisch zugänglich, menschlich glaubwürdig und gesellschaftspolitisch von erkennbarer Ernsthaftigkeit getragen. Wer eine tiefgreifende politische Diagnose oder systematische Analyse erwartet, dürfte enttäuscht sein. Wer hingegen ein persönliches Plädoyer für gesellschaftlichen Zusammenhalt sucht, findet hier einen ernsthaften und diskussionswürdigen Beitrag zur gegenwärtigen Debattenkultur.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Rudi Anschober, geboren 1960 in Wels, nach Tätigkeiten als Pädagoge und Journalist 13 Jahre in Parlamenten und 18 Jahre in Regierungen, zunächst in Oberösterreich und während der Pandemie als Gesundheits- und Sozialminister. Seit 2022 ist Anschober Autor zweier Bestseller, Vortragender und Berater. Er lebt heute in Wien.
Das Buch beim ueberreuter Verlag
Friedrich Arnold (Autor)
aus der Reihe "Nix wie los!"
07. Wandern für Ausgeschlafene
70 gemütliche Touren rund um Wien
Verlag: Kral-Verlag
Taschenbuch
VÖ: 2025 (aktualisierte Neuauflage)
Umfang: 216 Seiten
zahlreiche Abbildungen
Größe: 21 x 13 cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-99103-309-7
Mit WANDERN FÜR AUSGESCHLAFENE setzt Friedrich Arnold einen bewussten Kontrapunkt zur im zeitgenössischen Outdoor-Diskurs verbreiteten Verklärung des Frühaufstehens. Der programmatische Titel ist dabei mehr als eine ironische Geste gegenüber alpinistischen Leistungsidealen, er markiert den Ausgangspunkt einer kulturkritischen Reflexion über das Zusammenspiel von Naturerfahrung, gesellschaftlichen Zeitordnungen und den Imperativen der Selbstoptimierung.
Arnolds Zugang ist konsequent antiasketisch angelegt. Wandern erscheint nicht als Übung in Disziplin und Effizienz, sondern als Praxis der Entschleunigung und der vertieften Wahrnehmung. Die sorgfältig komponierten Kapitel verbinden essayistische Überlegungen mit konkreten Routenvorschlägen, deren moderate Anforderungen und bewusst verschobene Tagesrhythmen gängige Erwartungen unterlaufen. Der Verzicht auf den frühen Aufbruch wird so als ästhetische Entscheidung lesbar, die zugleich neue Formen der Erkenntnis und Erfahrung eröffnet.
Dieses Programm konkretisiert sich in 70 Routen, gegliedert in fünf thematische Abschnitte, die allesamt von Wien aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Das Spektrum reicht von stadtnahen Wegen im Wiener Prater über die Waldlandschaften rund um Sparbach bis hin zu kulturhistorisch geprägten Regionen wie Petronell-Carnuntum und Bad Deutsch-Altenburg. Im Fokus stehen dabei weniger spektakuläre Gipfelerlebnisse als vielmehr differenzierte Landschaftsräume und Übergangszonen, die eine andere, weniger zielgerichtete Form des Unterwegsseins ermöglichen.
Stilistisch überzeugt Arnold durch eine gelungene Verbindung von feuilletonistischer Leichtigkeit und analytischer Genauigkeit. Seine Sprache ist klar und differenziert, ohne an Zugänglichkeit einzubüßen, und zeugt von fundierter Kenntnis sowohl der topografischen Gegebenheiten als auch ihrer kulturhistorischen Einbettung. Reflexion und praktische Anleitung greifen dabei ineinander und verstärken sich gegenseitig.
WANDERN FÜR AUSGESCHLAFENE erweist sich als eigenständiger Beitrag zur aktuellen Outdoor-Literatur, der etablierte Narrative nicht frontal infrage stellt, sondern subtil verschiebt. Indem Arnold den frühen Aufbruch als kulturell geprägte Praxis sichtbar macht, öffnet er den Blick für alternative Formen der Naturerfahrung. Für eine Fachöffentlichkeit bietet das Buch damit eine differenzierte und anregende Auseinandersetzung mit den ästhetischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Wanderns.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Friedrich Arnold, Jahrgang 1941, ist Kultur- und Sagenwanderer und Langschläfer aus Überzeugung. Als Beamter im Ruhestand ist er begeisterter Bergsteiger und Wanderer und vermittelt die Schönheit seiner Heimat als Organisator der Wiener Weinwandertage.
Er ist Autor zahlreicher Wander- und Themenführer u..a.: Wandern mit der ganzen Familie: Rings um Wien, Wienerwald, Wiener Hausberge; Zauber der Thermenregion; Wiener Weinwanderwege.
Cover (c) Kral Verlag, Kral GmbH
Sebastian Fitzek (Autor)
08. DIE THERAPIE
Psychothriller
Verlag: Droemer HC
Hardcover
VÖ: 2. März 2026
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (Argon Verlag) erhältlich
Umfang: 336 Seiten
Alter: ab 16 Jahren
ISBN HC: 978-3-426-57053-1
ISBN TB: 978-3-426-63309-0
ISBN eBook: 978-3-426-55481-4
Das brillante Thriller-Debüt von Sebastian Fitzek jetzt als Hardcover-Sonderausgabe
Sebastian Fitzeks 2006 erschienenes Thriller-Debüt DIE THERAPIE inszeniert ein raffiniert konstruiertes Spiel mit Wahrnehmung, Erinnerung und psychischer Desintegration. Dabei bewegt sich der Text bewusst im Spannungsfeld zwischen literarischem Anspruch und den kalkulierten Erwartungen eines breiten Publikums, das vor allem auf narrative Dynamik und Suspense ausgerichtet ist.
Im Zentrum steht der angesehene Psychiater Viktor Larenz, dessen Tochter unter ungeklärten Umständen verschwindet. Jahre später lebt er zurückgezogen auf einer Nordseeinsel, wo ihm eine Patientin begegnet, die von Wahnvorstellungen berichtet, Visionen, die auffällige Parallelen zum Schicksal seiner Tochter aufweisen. Bereits diese Ausgangskonstellation deutet Fitzeks zentrale Erzählstrategie an, eine systematische Verunsicherung der Realitätsebenen, die sich im Verlauf der Handlung zunehmend verdichtet und schließlich ineinander verschiebt.
Formal überzeugt der Roman durch eine straffe, beinahe filmische Dramaturgie. Kurze Kapitel und konsequent gesetzte Cliffhanger erzeugen ein hohes Erzähltempo und halten die Spannung konstant aufrecht. Diese stilistische Ökonomie gehört zu den prägnantesten Stärken des Textes, da sie die Lesenden in einen permanenten Erwartungszustand versetzt. Gleichzeitig tritt jedoch eine gewisse Reduktion der psychologischen Differenzierung zutage. Die Figuren erscheinen mitunter weniger als komplexe Individuen denn als funktionale Träger der Handlung. Insbesondere Viktor Larenz bleibt stärker Projektionsfläche für das zentrale Thema, die Fragilität subjektiver Wirklichkeitskonstruktion, als eigenständig konturierte Persönlichkeit.
Inhaltlich verhandelt DIE THERAPIE zentrale Motive wie Trauma, Schuld und Verdrängung. Die therapeutische Rahmensituation fungiert dabei nicht nur als dramaturgischer Motor, sondern auch als metaphorischer Resonanzraum für die Frage nach der Zuverlässigkeit von Erinnerung. Fitzek greift bekannte Versatzstücke des psychologischen Thrillers auf und variiert sie durch eine gezielt irreführende Erzählperspektive, deren Tragweite sich erst im finalen Twist vollständig erschließt.
Sprachlich bleibt der Roman klar und zugänglich, konsequent auf Effizienz und Wirkung hin ausgerichtet. Literarische Ambivalenzen oder stilistische Experimente treten zugunsten einer zielgerichteten Narration in den Hintergrund. Entsprechend liegt die Qualität des Textes weniger in sprachlicher Eigenwilligkeit als in der präzisen Konstruktion seiner Handlung.
So erweist sich DIE THERAPIE als exemplarischer Vertreter des modernen Unterhaltungsthrillers: ein Text, der mit kalkulierter Spannung und dramaturgischer Präzision arbeitet. Seine Stärke liegt im Tempo und in der strukturellen Anlage, während er in der Figurenpsychologie und sprachlichen Ausdifferenzierung hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Gerade diese Spannung zwischen erzählerischer Raffinesse und formelhafter Zuspitzung macht den Roman jedoch zu einem aufschlussreichen Beispiel für die Funktionsweisen populärer Spannungsliteratur.
Das Buch beim DROEMER-KNAUR-Verlag
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Sebastian Fitzek, geboren 1971 in Berlin, ist einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Er studierte Jura, promovierte im Urheberrecht und arbeitete als Programmdirektor für verschiedene Radiostationen in Deutschland. Seit 2006 schreibt Fitzek Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein erster Roman „Die Therapie“ eroberte innerhalb kürzester Zeit die Bestsellerliste und wurde als bestes Krimidebüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Fitzeks Bücher wurden bisher in 36 Sprachen übersetzt und weltweit über 20 Millionen Mal verkauft. Viele davon sind inzwischen erfolgreich verfilmt – so wurde „Die Therapie“ als sechsteilige Miniserie für Prime Video produziert und stieg sofort auf Platz 1 der meistgesehenen deutschsprachigen Sendungen ein. Zudem ist Sebastian Fitzek für seine spektakulären Buchvorstellungen bekannt, die er als Shows inszeniert - im Herbst 2024 brach er mit der "Größten Thriller Tour der Welt" alle Zuschauerrekorde.
Sebastian Fitzek wurde als erster deutscher Autor mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er ist Preisstifter des Viktor Crime Awards und engagiert sich als Schirmherr für den Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.
Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
www.facebook.de/sebastianfitzek.de Insta: @sebastianfitzek
Kelly Mullen (Autorin), Katharina Naumann (Übersetzerin)
09. DIE EINLADUNG -
Mord nur für geladene Gäste
Kriminalroman
Verlag: Rowohlt
Taschenbuch
VÖ: 16. September 2025
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (argon Verlag) erhältlich
Umfang: 400 Seiten
Alter: 14
ISBN-13 Taschenbuch: 978-3-499-01640-0
ISBN-13 eBook: 978-3-644-02218-8
Kelly Mullen legt mit „DIE EINLADUNG – Mord nur für geladene Gäste“ einen Kriminalroman vor, der sich bewusst in die Tradition des klassischen Landhauskrimis einreiht und diesem vertrauten Genre zugleich eine zeitgemäße Note verleiht. Entstanden ist ein atmosphärisch dichtes, durchwegs unterhaltsames Werk, das seine Vorbilder kennt, ohne sich von ihnen gänzlich bestimmen zu lassen.
Die Story:
Im Mittelpunkt stehen Mimi MacLaine und ihre Enkelin Addie, zwei ungleiche Frauen, die unversehens in eine undurchsichtige Affäre geraten. Eine mysteriöse Einladung führt sie in ein abgelegenes Anwesen, dessen Bewohnerinnen und Bewohner kaum weniger rätselhaft erscheinen als die Gastgeberin, die kurz nach ihrer Ankunft tot aufgefunden wird. Ein aufziehender Schneesturm versiegelt das Haus und setzt den vertrauten Mechanismus des isolierten Settings in Gang.
Mullen inszeniert diese Ausgangslage mit sicherem Gespür für Tempo, Stimmung und dramaturgische Akzente, das traditionsreiche Motiv des eingeschlossenen Personenkreises entfaltet ein nostalgisch gefärbtes, zugleich ansprechend zeitloses Flair.
Besondere Stärke gewinnt der Roman durch das Zusammenspiel der beiden Protagonistinnen. Mimi, eine verwitwete Grand Dame mit scharfem Blick und trockener Schlagfertigkeit, sorgt für humorvolle Reibungen. Addie bringt jugendliche Ungeduld, technisches Know-how und eine gewisse Spontaneität ein. Die Dynamik zwischen beiden trägt den Roman zuverlässig, auch wenn die Figurenzeichnung an manchen Stellen eher skizzenhaft bleibt. Mullen eröffnet zwar Potenziale für tiefere Konfliktlinien, nutzt sie jedoch nur stellenweise aus.
Der Bauplan des Krimis orientiert sich am klassischen Muster, Dialoge, Verdachtsmomente, wohl dosierte Enthüllungen. Mullen verzichtet bewusst auf drastische Effekte und vertraut stattdessen auf ironische Brechungen, situativen Witz und das Vergnügen des Miträtselns. Für Leserinnen und Leser, die einen unaufgeregten, stimmungsgetragenen Kriminalroman bevorzugen, bietet dieser Ansatz eine willkommene Alternative zum oft reißerischen Gegenwartsangebot.
Als Beitrag zum traditionellen Detektivroman bleibt das Buch über weite Strecken konventionell, jedoch handwerklich überzeugend. Es zeigt, wie dauerhaft tragfähig die Motive des Genres sind, wenn sie sorgfältig und mit einem feinen Gefühl für Atmosphäre arrangiert werden. „Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste“ erweist sich damit als souverän komponierter Landhauskrimi, der bewährte Muster aufgreift, leichtfüßig variiert und letztlich ein rundum vergnügliches Leseerlebnis bietet.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Kelly Mullen ist Autorin, Produzentin und Marketingmanagerin. Ihre kreative Arbeit für Marken wurde mit über fünfzig Preisen ausgezeichnet, als leitende Produzentin hat sie unter anderem den für den Oscar nominierten Film Trumbo und den Dokumentarfilm Dads verantwortet. Kelly Mullen ist in Iowa geboren, heute lebt sie mit ihrem Mann und einigen geretteten Katzen in London.
Eva Gruber (Autorin)
10. stille Wasser - weite Berge - goldener Wein
Wanderungen im Osten Österreichs
Verlag: Styria
Broschur
VÖ: 7. Mai 2005 (1. Auflage)
Umfang: 192 Seiten
Größe: 14,5 x 20,5 cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-222-13682-5
Eva Grubers Band „stille Wasser, weite Berge, goldener Wein“ bewegt sich souverän an der Schnittstelle von Wanderliteratur, kulturhistorischem Essay und poetischer Landschaftserkundung. Die Autorin versammelt darin Routen durch den Osten Österreichs, verfolgt jedoch dezidiert nicht das Ziel eines klassischen Outdoor-Guides. Stattdessen unternimmt sie den Versuch, Landschaft als kulturellen Erfahrungsraum lesbar zu machen, ein Ansatz, der die besondere Qualität des Buches ausmacht, zugleich aber auch dessen Grenzen markiert.
Grubers Prosa zeichnet sich durch eine spürbare Nähe zu ihren Schauplätzen aus. In ruhigem, präzisem Ton entfaltet sie dichte Atmosphären, in denen Wälder, Weinberge und Flusslandschaften nicht als bloße Kulissen erscheinen, sondern als Speicher von Erinnerung, Geschichte und regionaler Identität. Besonders überzeugend sind jene Passagen, in denen sich genaue Naturbeobachtung mit kulturhistorischen Exkursen verbindet. Burgruinen, alte Handelswege und lokale Erzähltraditionen werden organisch in die Texte integriert und verleihen den beschriebenen Wanderungen eine zusätzliche Tiefenschärfe. Daraus entsteht eine bewusst entschleunigte Erzählhaltung, die sich der Effizienzlogik konventioneller Wanderführer entzieht.
Die Konzentration auf Ostösterreich erweist sich dabei als programmatische Stärke. Während weite Teile der alpinen Literatur auf spektakuläre Gipfelpanoramen setzen, richtet Gruber den Blick auf leisere Topografien, sanfte Höhenzüge, Wasserläufe, Kellergassen und Übergangszonen zwischen Natur- und Kulturlandschaft. Das vermeintlich Unspektakuläre gewinnt auf diese Weise literarische Kontur und Eigenwert. In diesen Momenten entfaltet der Band seine größte Originalität.
Gleichwohl gerät die poetische Verdichtung bisweilen zur Schwachstelle. Einzelne Passagen neigen zu einer Überästhetisierung, die nahe an eine romantisierende Verklärung von Natur heranreicht. Konfliktfelder wie Tourismusdruck, Bodenversiegelung oder ökologische Transformationsprozesse bleiben weitgehend ausgespart. Dadurch entsteht mitunter ein idealisiertes Bild ländlicher Räume, das gesellschaftliche und ökologische Spannungen ausblendet.
Auch formal oszilliert das Buch zwischen literarischem Anspruch und praktischem Nutzen. Zwar sind die Angaben zu Wegführung und Organisation verlässlich, treten jedoch deutlich hinter die essayistischen und reflexiven Teile zurück. Leser mit Erwartung an einen funktionalen Wanderführer könnten die Gewichtung zugunsten von Stimmung und Deutung als ausufernd empfinden. Umgekehrt bleibt die Sprache bewusst zugänglich und vermeidet experimentelle Verfahren, was manchen Texten eine gewisse Vorhersehbarkeit verleiht.
In der Gesamtbetrachtung überzeugt der Band dennoch durch seine klare Haltung. Wandern erscheint hier nicht als sportliche Leistung, sondern als kulturelle Praxis der Aufmerksamkeit. Gruber gelingt ein Buch, das Landschaft nicht konsumiert, sondern betrachtet, erinnert und erzählt. Gerade im Kontext einer zunehmend beschleunigten, medial inszenierten Reisekultur entfaltet dieser zurückhaltende Zugriff seine eigentliche Relevanz.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Eva Gruber wuchs in einer Bergsteigerfamilie im Schwarzatal auf, studierte Germanistik und Anglistik in Wien, startete ihre Berufslaufbahn im Art-Brut-Center „Haus der Künstler“ in Maria Gugging und war anschließend im Verlagswesen tätig. Seit 2007 setzt sie sich als Autorin und Landartistin mit dem Thema Naturlandschaft auseinander – in Form von Fußreisen, Landart-Installationen im öffentlichen Natur-Raum, Publikationen, Ausstellungen und Vorträgen. Sie lebt in Gloggnitz und auf Reisen.
www.eva-gruber.com
Im Styria Verlag von Eva Gruber bereits erschienen: „Semmering,Rax, Schneeberg. Die schönsten Wanderungen in den Wiener Alpen“.
Gabriel García Márquez (Autor), Dagmar Ploetz (Übersetzerin)
11. Wir sehen uns im August
Roman
Verlag: S. FISCHER Verlage
Taschenbuch, Broschur
VÖ: 24.09.2005 (1. Auflage)
Umfang: 144 Seiten
Alter: ab 14
ISBN: 978-3-596-71194-9
Mit WIR SEHEN UNS IM AUGUST erscheint ein bislang unveröffentlichtes Manuskript von Gabriel García Márquez, das nahezu zehn Jahre nach dem Tod des kolumbianischen Nobelpreisträgers von seinen Söhnen zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Der posthum erschienene Roman eröffnet einen eindringlichen Blick auf das späte Schaffen eines der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts.
Im Zentrum der Erzählung steht Ana Magdalena Bach, eine Frau mittleren Alters, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Jahr für Jahr reist sie am 16. August allein auf eine kleine Insel, auf der ihre Mutter begraben liegt. Die wiederkehrende Reise ist längst zu einem ritualisierten Rückzug geworden, eine Unterbrechung ihres geordneten Alltags, aber zugleich auch ein Raum der Selbstbefragung. Während Ana Magdalena über ihr vergangenes Leben reflektiert, beginnt sich ihr Verhältnis zu Ehe, Begehren und persönlicher Freiheit schleichend zu verändern.
Márquez verbindet in diesem schmalen Werk zentrale Themen seines literarischen Kosmos: Liebe, Vergänglichkeit, Einsamkeit und die Unausweichlichkeit des Alters. Die Handlung entfaltet sich in einer stillen, beinahe traumartigen Atmosphäre, getragen von poetischer Sprache und melancholischer Intensität. Gerade die Reduktion der äußeren Handlung lenkt den Blick auf die inneren Bewegungen der Figur und verleiht dem Roman seine besondere emotionale Dichte.
Dass das Manuskript unvollendet blieb, ist beim Lesen spürbar. Einige erzählerische Linien wirken skizzenhaft, das Ende setzt abrupt ein. Dennoch mindert dies nicht die Faszination des Textes. Vielmehr entsteht der Eindruck eines literarischen Fragments, das weniger auf narrative Geschlossenheit als auf Stimmung, Erinnerung und existentielle Fragen zielt. Gerade in seiner Offenheit entfaltet der Roman eine eigentümliche Kraft.
WIR SEHEN UNS IM AUGUST ist daher nicht nur eine literarische Veröffentlichung von historischem Interesse, sondern auch ein bewegendes Dokument des späten Denkens von Gabriel García Márquez, ein leiser, nachdenklicher Abschiedstext über Sehnsucht, Identität und die Vergänglichkeit des Lebens.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Gabriel García Márquez, geboren 1927 in Aracataca, Kolumbien, gilt als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller der Welt. 1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur für seine Werke, »in denen sich das Phantastische und das Realistische […] vereinen, die Leben und Konflikt eines Kontinents widerspiegeln«. Gabriel García Márquez hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt. Er starb am 17. April 2014 in Mexiko City.
Das Werk von Gabriel García Márquez ist bei Kiepenheuer & Witsch und im Fischer Taschenbuch lieferbar.
Marc Gruppe (Autor)
12. Sherlock Holmes –
Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs
Band 5: Der Frauenmörder von Boston
Verlag: Titania Medien
VÖ: 31. März 2025 (1. Auflage)
Alter: ab 14
ISBN: 978-3-69027-018-2 (Buch)
978-3-69027-008-3 (E-Book)
Sherlock Holmes zwischen Viktorianik und Psychothriller.
Mit Der Frauenmörder von Boston erweitert Titania Medien die Reihe Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs um einen bemerkenswert düsteren Beitrag, der sich bewusst von konventioneller Krimiunterhaltung absetzt. Der Band verbindet klassische Detektivliteratur mit psychologischer Spannung und entwickelt daraus eine ungewöhnlich dichte, atmosphärisch und eindringliche Erzählung.
Bereits zu Beginn etabliert die Geschichte ein Klima latenter Bedrohung. Boston fungiert dabei nicht lediglich als historische Kulisse, sondern als sozialer Raum, geprägt von Angst, Unsicherheit und gesellschaftlichen Spannungen. Die Serie von Vermisstenfällen junger Frauen wird nicht sensationsorientiert inszeniert, sondern als Symptom struktureller Gewalt und moralischer Verwahrlosung verstanden. Gerade diese Perspektive verleiht dem Roman eine bemerkenswerte erzählerische Tiefe.
Der Text bewegt sich souverän zwischen viktorianischem Kriminalroman und modernen Thriller-Elementen. Dabei bleibt die Nähe zur klassischen Holmes-Tradition stets gewahrt, ohne in bloßer Nostalgie zu verharren. Vielmehr gelingt es, die vertrauten Figuren in einen tonal deutlich finstereren Kontext zu überführen.
Sherlock Holmes erscheint hier weniger als exzentrisches Genie denn als präziser Analytiker menschlicher Abgründe. Diese zurückgenommene Darstellung verleiht der Figur zusätzliche Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit. Gleichzeitig erhält Dr. Watson eine stärkere emotionale Kontur als in vielen vergleichbaren Holmes-Adaptionen. Das Zusammenspiel der beiden Figuren entwickelt eine spürbare Dynamik und verhindert, dass die Handlung trotz ihrer düsteren Thematik in bloße funktionale Ermittlungsroutine abgleitet.
Besonders hervorzuheben ist die atmosphärische Gestaltung. Titania Medien gelingt es, ein eindrucksvolles Bild viktorianischer Großstadttristesse zu entwerfen, Nebelverhangene Straßenzüge, Gaslicht und soziale Verwahrlosung verdichten sich zu einer beinahe filmischen Bildsprache. Die Inszenierung bleibt dabei stets kontrolliert und vermeidet stilistische Überfrachtung.
Der Frauenmörder von Boston zählt damit zu den stärksten Veröffentlichungen der Reihe. Der Band demonstriert eindrucksvoll, dass die Figur des Sherlock Holmes auch heute noch erzählerisches Entwicklungspotenzial besitzt, wenn psychologische Glaubwürdigkeit, atmosphärische Präzision und literarische Konsequenz ernst genommen werden. Statt vertraute Muster lediglich zu reproduzieren, entsteht hier ein eigenständiger historischer Kriminalroman mit klarer stilistischer Handschrift.
Ein atmosphärisch dichter, literarisch überzeugender Holmes-Fall, der klassische Detektivtradition mit moderner Spannungsliteratur verbindet und gerade durch seine düstere Konsequenz nachhaltig wirkt.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Hanns-Josef Ortheil (Autor)
13. Die große Liebe
Roman
Verlag: btb
Taschenbuch, Broschur
VÖ: 24.06.2005 (1. Auflage)
Umfang: 320 Seiten
Größe: 11,8 x 18,7 cm
Alter: ab 14
ISBN: 978-3-442-72799-5
Hanns-Josef Ortheil zählt seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In seinem Roman DIE GROSSE LIEBE Die große Liebe entfaltet er die langsame, behutsame Annäherung zweier Menschen, für die Liebe weniger ein dramatischer Einschnitt als vielmehr ein Prozess innerer Transformation ist. Der Text kreist um Wahrnehmung, Erinnerung und Selbstvergewisserung und entfaltet daraus eine poetische Studie über emotionale Offenheit.
Im Zentrum steht ein männlicher Protagonist, der sich aus einem Leben der inneren Abgrenzung vorsichtig in eine Liebesbeziehung hineinwagt. Ortheil erzählt diese Entwicklung nicht als lineare Handlung, sondern als fein nuancierte Bewegung des Bewusstseins. Äußere Ereignisse treten bewusst in den Hintergrund, während innere Prozesse, Zweifel und Hoffnungen mit großer psychologischer Präzision ausgeleuchtet werden. Gerade darin liegt die besondere literarische Qualität des Romans. Er macht erfahrbar, wie Liebe entsteht, wächst und zugleich in ihrer Fragilität erfahrbar bleibt.
Stilistisch überzeugt Ortheil durch sprachliche Klarheit und formale Disziplin. Die ruhige, kontrollierte Sprache verzichtet auf rhetorische Effekte und entfaltet ihre Wirkung durch kurze, präzise gesetzte Sätze. So entsteht ein meditativer Rhythmus, der den Leser tief in die Innenwelt der Figuren hineinzieht. DIE GROSSE LIEBE wirkt weniger wie eine konventionell erzählte Geschichte als vielmehr wie ein stilles Protokoll emotionaler Annäherung.
Thematisch behandelt der Roman nicht nur romantische Liebe, sondern vor allem die Fähigkeit zur Selbstöffnung. Ortheil zeigt, wie sehr Liebesfähigkeit an biografische Prägungen gebunden ist. Vergangene Verletzungen, familiäre Bindungen und eingeübte Schutzmechanismen bestimmen das Verhalten der Figuren und verleihen ihrer vorsichtigen Annäherung große Glaubwürdigkeit. Liebe erscheint hier nicht als Erlösung, sondern als mutiger Schritt ins Ungewisse.
Besonders hervorzuheben ist die subtile Figurenzeichnung. Ortheil verzichtet konsequent auf plakative Charakterisierungen und setzt stattdessen auf leise Nuancen. Gesten, beiläufige Beobachtungen und innere Monologe formen ein dichtes psychologisches Porträt. Der Roman fordert eine aufmerksame Lektüre, belohnt diese jedoch mit bemerkenswerter emotionaler Tiefe.
DIE GROSSE LIEBE ist ein fein komponierter Roman über Verletzlichkeit und Vertrauen. Hanns-Josef Ortheil beweist sein feines Gespür für seelische Zwischentöne und bestätigt seinen Rang als Chronist innerer Bewegungen. Ein leises, anspruchsvolles Buch, das weniger durch äußere Handlung als durch Atmosphäre und emotionale Genauigkeit lange nachwirkt.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den beliebtesten und meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Thomas-Mann-Preis, dem Nicolas-Born-Preis, dem Stefan-Andres-Preis und dem Hannelore-Greve-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.
www.ortheil-blog.de * www.hanns-josef-ortheil.de
Alexandra Gruber (Autorin),
Wolfgang Muhr (Autor)
aus der Reihe "Rundumadum"
14. Mysteriöses Niederösterreich
Unterwegs zu rätselhaften Orten
Verlag: Kral-Verlag
Taschenbuch
VÖ: 2025 (1. Auflage)
Umfang: 196 Seiten
zahlreiche Abbildungen
Größe: 21 x 13 cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-99103-311-0
Hauptbeschreibung Verlag:
Erfahren Sie, wie ein Waldviertler Graf einst versuchte, künstliche Menschlein zu züchten, warum unglaubliche Sichtungen im Ottensteiner Stausee Schlagzeilen machten, was es mit bizarren Weinviertler Turmschädeln und geheimnisvollen Wachauer Mumien auf sich hat, wo beeindruckende Keller und Tunnelsysteme aus dem Mittelalter verborgen sind, welche Geistergeschichten sich um eine Burg im Wienerwald ranken und wer vor langer Zeit im Horner Becken den Bau einer Metropole plante.
Kritik:
Mit „rundumadum – Mysteriöses Niederösterreich: Unterwegs zu rätselhaften Orten" erweitern Alexandra Gruber und Wolfgang Muhr ihr literarisches Erkundungsprojekt um eine Facette, die sich im Spannungsfeld von Regionalgeschichte, Mythologiepoetik und populärer Wissensvermittlung bewegt. Der Band versammelt Schauplätze in Niederösterreich, die sich einem eindeutig rationalen Zugriff entziehen, Orte, an denen sich historische Überlieferung, lokale Legenden und narrative Deutungsangebote überlagern.
Bereits die Konzeption des Buches macht ein zentrales Spannungsverhältnis sichtbar, den Versuch, das „Mysteriöse“ erzählerisch zu erschließen, ohne es dabei vorschnell zu entzaubern. Gruber und Muhr operieren auf der schmalen Linie zwischen dokumentarischer Präzision und atmosphärischer Verdichtung. Ihre Texte changieren zwischen reportagehafter Beschreibung, essayistischer Reflexion und literarischer Ausgestaltung. Daraus entsteht ein hybrides Format, das sich konventionellen Gattungszuschreibungen bewusst entzieht und gerade daraus seine Eigenständigkeit bezieht.
Im Zentrum stehen Orte, die im kulturellen Gedächtnis als rätselhaft codiert sind sagenumwobene Landschaften, historisch aufgeladene Stätten mit offenen Fragen oder Schauplätze, deren Aura sich primär aus tradierten Erzählungen speist. Die Autoren begegnen diesen Räumen mit einer Haltung, die Neugier und methodische Zurückhaltung verbindet. Anstelle spekulativer Zuspitzung setzen sie auf dichte, präzise Beobachtung und nehmen das Ungewisse als eigenständige kulturelle Kategorie ernst.
Stilistisch überzeugt der Band durch eine kontrollierte, präzise Sprache, die auf Effekte verzichtet und gerade dadurch atmosphärische Dichte erzeugt. Landschaften erscheinen nicht als romantisch überhöhte Kulissen, sondern als ambivalente Räume, in denen sich reale Gegebenheiten und kulturelle Zuschreibungen überlagern. In diesen Passagen gewinnt das Buch über den regionalen Kontext hinaus an Relevanz, indem es grundlegende Fragen nach der Funktion von Mythen in der Gegenwart aufwirft.
„rundumadum – Mysteriöses Niederösterreich" entfaltet eine nachhaltige Sogwirkung. Gerade die Zurückhaltung gegenüber dem Sensationellen erweist sich als programmatische Stärke. Das Rätselhafte wird nicht aufgelöst, sondern als erfahrbare Dimension kultureller Wirklichkeit inszeniert. In einem kulturellen Umfeld, das das Unheimliche häufig trivialisiert oder kommerzialisiert, setzt der Band damit einen differenzierten Kontrapunkt.
So liest sich das Buch weniger als Sammlung spektakulärer Kuriositäten denn als Reflexion über die Persistenz des Unerklärlichen im kulturellen Raum. Niederösterreich erscheint als Landschaft der Geschichten, ein Gefüge, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Fakt und Fiktion unauflöslich verschränken. Gerade darin liegt aus kulturjournalistischer Perspektive die Qualität dieser Publikation. Sie eröffnet einen Denkraum, in dem das Rätselhafte nicht als Defizit, sondern als produktive Irritation wirksam wird.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorin:
Alexandra Gruber wurde in Oberösterreich geboren und lebt in Wien. Die Journalistin und Co-Autorin zahlreicher Sachbücher sammelt leidenschaftlich gern Anekdoten und außergewöhnliche, aber wahre Geschichten.
Der Autor:
Wolfgang Muhr ist gebürtiger Burgenländer und lebt in Wien. Gemeinsam mit seiner Co-Autorin hat er mehrere Sachbücher verfasst. Beim Recherchieren und Schreiben lebt er sein Faible für Verstecktes, Ungewöhnliches und Kurioses aus.
Webseite des Autorenduos: www.panoramabox.at
Cover (c) Kral Verlag, Kral GmbH
Robert Bouchal (Autor),
Johannes Sachslehner (Autor)
15. KRIEGSENDE
Wien im April 1945
Verlag: Kral-Verlag
VÖ: 6. April 2025 (1. Auflage)
Hardcover
Umfang: 240 Seiten
zahlreiche Abbildungen
Größe: 23 x 16,5 cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-99103-345-5
Hauptbeschreibung Verlag:
Ostern 1945. Schneller als gedacht bricht die Apokalypse über Groß-Wien, das angebliche Bollwerk Hitlerdeutschlands, herein. Die Tage der Naziherrschaft sind gezählt, inmitten von Bomben und Bränden sehnen sich die Wienerinnen und Wiener nach Frieden. Parteibonzen räumen fluchtartig ihre Büros und setzen sich ab, wer bleibt, übersiedelt in den Luftschutzkeller. In den KZ-Außenlagern zwingen SS-Schergen ihre Häftlingssklaven auf Todesmärsche nach Westen. Das Regime, das sich nicht geschlagen geben will, schickt junge Burschen und alte Männer in den aussichtslosen Kampf gegen die unaufhaltsam vordringende Rote Armee, in der Stadt formiert sich der militärische und private Widerstand, die SS mordet bis zur buchstäblich letzten Minute. In wenigen dramatischen Tagen entscheidet sich das Schicksal der Stadt und ihrer Bewohner, vollzieht sich der Wechsel von der Diktatur zur Freiheit auch wenn diese überschattet ist von Gewalt, Zerstörung und Hunger. Es lebt die Hoffnung auf hellere Zeiten...
Kritik:
Das von Robert Bouchal und Johannes Sachslehner vorgelegte Werk „Kriegsende / Wien im April 1945" versteht sich als dokumentarische Annäherung an die letzten Kriegstage in Wien und positioniert sich an der Schnittstelle von Bildband und historischer Darstellung. Es gelingt dem Band, eine Phase der österreichischen Geschichte, die oft in pauschalen Narrativen erstarrt ist, durch eine dichte Verschränkung von fotografischem Material und quellengestütztem Text neu zu akzentuieren.
Im Zentrum steht die visuelle Evidenz. Zahlreiche, teils selten publizierte Fotografien strukturieren die Publikation und entfalten eine unmittelbare Wirkung. Bouchals kuratorischer Zugriff zeigt sich in der präzisen Auswahl und Anordnung der Bilder, die nicht bloß illustrieren, sondern als eigenständige historische Dokumente fungieren. Zerstörte Straßenzüge, improvisierte Alltagsbewältigung und militärische Präsenz werden in einer Weise sichtbar gemacht, die die Ambivalenz zwischen Zusammenbruch und Neubeginn eindrücklich transportiert. Die Bildstrecken vermeiden dabei weitgehend eine ästhetisierende Überhöhung des Krieges und behalten stattdessen ihren dokumentarischen Charakter.
Sachslehners textlicher Beitrag ergänzt diese visuelle Ebene durch eine klar strukturierte, quellennah argumentierende Darstellung. Der Autor verortet die Ereignisse des April 1945 präzise im militärischen und politischen Kontext und verzichtet auf spekulative Zuspitzungen zugunsten einer nüchternen Rekonstruktion. Besonders hervorzuheben ist die Integration zeitgenössischer Berichte, die dem Geschehen eine vielstimmige Perspektive verleihen. Dennoch bleibt der Fokus primär auf der Makroebene der Ereignisse; individuelle Erfahrungsräume werden zwar punktuell angedeutet, hätten jedoch noch stärker vertieft werden können.
Eine besondere Stärke des Bandes liegt in der gelungenen Verzahnung von Text und Bild. Anders als in vielen vergleichbaren Publikationen stehen beide Ebenen nicht in einem hierarchischen Verhältnis, sondern treten in einen dialogischen Austausch. Die Fotografien eröffnen Interpretationsräume, die durch die Texte kontextualisieren, jedoch nicht abschließend festgelegt werden. Dadurch entsteht ein produktives Spannungsverhältnis, das die Leser zur eigenständigen Auseinandersetzung anregt.
Insgesamt erweist sich „Kriegsende / Wien im April 1945“ als ein überzeugend gestaltetes und inhaltlich fundiertes Werk, das sowohl durch seine visuelle Qualität als auch durch seine historische Präzision besticht. Es richtet sich nicht nur an ein fachlich interessiertes Publikum, sondern bietet auch für die breitere Erinnerungskultur wertvolle Impulse, indem es die letzten Kriegstage in Wien differenziert und anschaulich neu erschließt.
Die Autoren:
Robert Bouchal, Höhlenforscher, Autor und Fotograf, widmet sich seit über 30 Jahren der Erforschung seiner Heimat Österreich. Die Auseinandersetzung mit geschichtsträchtigen Orten und deren wissenschaftliche Dokumentation sind sein besonderes Anliegen. Durch seine akribischen Recherchen entwickelte er sich zu einem Experten für das unterirdische Österreich. Seine besondere Aufmerksamkeit widmet er dem unterirdischen Wienerwald mit all seinen Erscheinungsformen. Zahlreiche seiner erfolgreichen Publikationen finden Sie auf www.bouchal.com. Viele seiner Filme können Sie auf dem eigenen YouTube-Kanal abrufen: https://www.youtube.com/@robertbouchal
Dr. Johannes Sachslehner, geboren 1957 in Scheibbs, studierte an der Universität Wien Geschichte und Germanistik und ist Autor zahlreicher Bücher zu historischen und kulturhistorischen Themen. Sein besonderes Interesse gilt den verborgenen und verdrängten Seiten der österreichischen und Wiener Geschichte. Zuletzt erschienen die Bände Wien. Biografie einer vielfältigen Stadt, Wiener Villen und ihre Geheimnisse (gemeinsam mit Robert Bouchal) und Wiener Hotels und ihre Geheimnisse.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Cover (c) Kral Verlag, Kral GmbH
Eva Damyanovic (Autorin)
16. Lauter Leidenschaften
Verlag: Edition Roesner
Kartoniert / Broschiert
VÖ: 25. März 2026 (1. Auflage)
Umfang: 154 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN-13 Buch: 9783950571158
Mit LAUTER LEIDENSCHAFTEN legt Eva Damyanovic (Eva D.) ein Werk vor, das programmatisch die Vielstimmigkeit emotionaler und künstlerischer Ausdrucksformen in den Fokus rückt. Bereits der Titel verweist auf eine ästhetische Strategie, die weniger einer linearen Narration verpflichtet ist als vielmehr auf Verdichtung, Fragmentierung und das Eröffnen von Resonanzräumen zielt. Damyanovics Zugang bewegt sich dabei souverän im Spannungsfeld zwischen essayistischer Reflexion und literarischer Miniatur.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich Leidenschaft, verstanden als existenzielle, oft widersprüchliche Energie sprachlich fassen lässt, ohne in klischeehafte Muster oder bloße Emotionalisierung abzugleiten. Die Autorin begegnet dieser Herausforderung mit einer präzisen, konzentrierten Sprache, deren Intensität gerade aus der Reduktion erwächst. Andeutungen, Leerstellen und elliptische Konstruktionen strukturieren die Texte und binden die Lesenden aktiv in den Prozess der Bedeutungsgenese ein.
Formal prägt eine ausgeprägte Hybridität aus Humor, Poetik, zuweilen Absurditäten den Band aus 24 Texten. Lyrische Sequenzen stehen neben essayistischen Passagen und subjektive Beobachtungen. Diese Kompositionsweise ist als bewusst eingesetzte Irritation lesbar, die jedoch nicht durchgehend in eine stringente Gesamtarchitektur überführt wird.
Dennoch erweist sich LAUTER LEIDENSCHAFTEN als ein bemerkenswerter Beitrag zur Gegenwartsliteratur. Indem Damyanovic narrative Konventionen gezielt unterläuft und stattdessen auf Verdichtung, Reflexion und formale Offenheit setzt, fordert sie ihr Publikum gleichermaßen intellektuell wie ästhetisch heraus. Es entstehen Erfahrungsräume, in denen Leidenschaft nicht als bloßes Gefühl erscheint, sondern als komplexe, vielschichtige Kategorie erfahrbar wird.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer
Das Buch bei Edition ROESNER * Homepage Eva D.
Marco Politi (Autor), Gabriele Stein (Übersetzerin)
17. Der Unvollendete.
Franziskus' Erbe und der Kampf um seine Nachfolge
Verlag: Herder
Gebunden mit Schutzumschlag
VÖ: 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 240 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-451-39745-5
ISBN eBook (epub): 978-3-451-83688-6
ISBN eBook (pdf): 978-3-451-83988-7
Das Buch „Der Unvollendete. Franziskus’ Erbe und der Kampf um seine Nachfolge“ von Marco Politi gehört zu jenen publizistischen Arbeiten, die nicht nur eine Amtszeit beschreiben, sondern ein institutionelles Spannungsfeld sichtbar machen.
Im Zentrum des Buches steht die These, dass das Reformprojekt von Franziskus strukturell „unvollendet“ bleiben müsse, nicht primär aus persönlichem Versagen, sondern aufgrund der komplexen Machtmechanismen der römischen Kirchenleitung. Politi beschreibt das Pontifikat als permanentes Ringen zwischen pastoraler Öffnung und institutioneller Trägheit.
Dabei rekonstruiert er die wichtigsten Reformfelder, die Umgestaltung der Kurienstrukturen, den Versuch einer neuen kirchlichen Synodalität sowie die Neuakzentuierung sozialethischer Themen. Besonders eindringlich schildert Politi die innerkirchlichen Konfliktlinien, die sich im Laufe des Pontifikats zunehmend verschärft haben. Konservative Netzwerke innerhalb der Kurie erscheinen in seiner Darstellung als organisierte Opposition gegen den Kurs der Öffnung.
Politi gelingt es, diese Konflikte nicht bloß als ideologische Auseinandersetzung darzustellen, sondern als Machtfrage innerhalb einer globalen Institution mit mehr als einer Milliarde Gläubigen.
Formal bewegt sich das Buch zwischen politischer Analyse, kirchenhistorischer Einordnung und journalistischer Reportage. Politi greift auf eine Vielzahl von Gesprächen, Hintergrundinformationen und vatikanischen Quellen zurück. Diese Nähe zur kurialen Realität verleiht der Darstellung eine bemerkenswerte Detaildichte.
Besonders überzeugend ist Politis Analyse der langfristigen Dynamiken innerhalb der Weltkirche. Der Autor beschreibt das Pontifikat von Franziskus als Übergangsphase zwischen zwei kirchlichen Epochen, einer zentralistisch geprägten Kirche des 20. Jahrhunderts und einer potenziell stärker dezentralisierten globalen Kirche.
Die zentrale Frage des Buches lautet daher weniger, was Franziskus bereits erreicht hat, sondern welche kirchenpolitischen Prozesse er angestoßen hat. Die Zukunft dieser Prozesse, so Politis Diagnose hängt entscheidend vom nachfolgenden Papst ab und davon, ob der Reformimpuls institutionell verankert werden kann.
DER UNVOLLNDETE ist weniger eine klassische Papstbiografie als eine politische Anatomie der katholischen Kirche im frühen 21. Jahrhundert. Politi beschreibt eine Institution, die zwischen Reformdruck, globaler Diversität und innerer Polarisierung steht.
Als zeitdiagnostische Studie überzeugt das Buch durch seine präzise Kenntnis vatikanischer Machtstrukturen und seine klare argumentative Linie. Gleichzeitig bleibt der analytische Blick gelegentlich von der Hoffnung auf eine Reform der Kirche geprägt, ein Umstand, der die Darstellung nicht entwertet, aber ihre Perspektive deutlich markiert.
Damit legt Politi eine engagierte und zugleich materialreiche Analyse eines Pontifikats vor, dessen historische Bewertung noch aussteht. Gerade in dieser Offenheit liegt die eigentliche Stärke des Buches. Es zeigt ein Reformprojekt, das zwar weitreichende Veränderungen angestoßen hat, dessen endgültige Gestalt jedoch weiterhin im Werden begriffen ist.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Marco Politi, geb. 1947, wurde in Rom geboren und gilt als einer der bekanntesten Vatikanexperten überhaupt. Der deutsch-italienische Journalist ist Autor zahlreicher Bücher. Sein letztes Buch bei Herder „Franziskus unter Wölfen“ war SPIEGEL-Bestseller.
Univ.-Prof. Dr. Walter Rabl (Autor),
Dr. Birgit Kofler-Bettschart
18. Leichen lügen nicht
Fälle und Fakten aus der Gerichtsmedizin
Verlag: Carl Ueberreuter Verlag GmbH
Hardcover
VÖ: Oktober 2025 (1. Auflage)
Umfang: 208 Seiten
Größe: 14,6 x 22 cm
ISBN Buch: 978-3-8000-7894-3
Wussten Sie …
• wie man einen perfekt getarnten
Mord erkennt?
• warum Erfrorene oft halb entkleidet
aufgefunden werden?
• was im Körper bei Ertrinken oder Ersticken geschieht?
• wie gezielte Gewalt gegen Kinder erkannt wird?
• wie man Partnergewalt hinter verschlossenen Türen aufdeckt?
In LEICHEN LÜGEN NICHT öffnet der Gerichtsmediziner Univ.-Prof. Dr. Walter Rabl gemeinsam mit der Journalistin Dr. Birgit Kofler-Bettschart den Blick in einen beruflichen Erfahrungsraum, in dem der menschliche Körper zum zentralen Erkenntnisträger wird. Das Buch versammelt eine Reihe realer Fälle aus der rechtsmedizinischen Praxis und zeigt, wie Todesursachen rekonstruiert, Fehldeutungen korrigiert und scheinbar eindeutige Sachverhalte neu gelesen werden müssen.
Das Werk ist episodisch angelegt. Rabl schildert ausgewählte Obduktionen und Ermittlungsverläufe, bei denen zunächst naheliegende Erklärungen Unfall, Suizid oder natürliche Todesursache, durch präzise Untersuchung infrage gestellt werden. Anhand von Verletzungsmustern, inneren Befunden, Lageveränderungen oder zeitlichen Inkonsistenzen rekonstruiert er das tatsächliche Geschehen. Wiederkehrend ist dabei das Motiv der Diskrepanz zwischen äußerem Anschein und forensischer Realität: Der Körper widerspricht Zeugenaussagen, entlarvt voreilige polizeiliche Annahmen oder korrigiert gesellschaftlich etablierte Narrative über Tod und Schuld.
Die Fallgeschichten dienen jedoch nicht allein der Darstellung überraschender Wendungen. Regelmäßig unterbricht Rabl die narrativen Passagen durch erklärende Einschübe, in denen er grundlegende rechtsmedizinische Prinzipien erläutert, etwa zur Abgrenzung von Unfall und Fremdeinwirkung, zu typischen Fehlinterpretationen bei Brand- oder Ertrinkungstoten oder zu den Grenzen forensischer Beweisbarkeit. Die Struktur folgt dabei weniger einer dramaturgischen als einer didaktischen Logik. Jeder Fall fungiert als Ausgangspunkt für methodische Reflexion und fachliche Einordnung.
Stilistisch bleibt der Autor konsequent sachlich. Die Sprache ist präzise, nüchtern und frei von Sensationalismus. Gewalt und Tod werden funktional beschrieben. Diese Zurückhaltung mag für ein Publikum, das aus der populären True-Crime-Rezeption Spannung und Emotionalisierung erwartet, zunächst spröde erscheinen. Im fachlichen Kontext jedoch erweist sie sich als Stärke. Rabl wahrt professionelle Distanz und vermeidet moralische Vereindeutigungen, ohne dabei an Anschaulichkeit einzubüßen.
LEICHEN LÜGEN NICHT demontiert den Mythos der allwissenden Forensik ebenso wie den Glauben an einfache Wahrheiten. Es zeigt, dass Erkenntnis im Umgang mit dem Tod stets das Ergebnis sorgfältiger Interpretation ist, ein Prozess, der Präzision, Zweifel und methodische Strenge voraussetzt. Gerade in dieser Haltung liegt die nachhaltige Qualität des Buches.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Univ.-Prof. Dr. Walter Rabl, MME (Bern) lebt in Tirol und blickt auf eine mehr als 40-jährige Karriere in der Gerichtsmedizin zurück. Nach dem Medizinstudium in Innsbruck arbeitete er unter anderem an der Gerichtsmedizin in St. Gallen, und habilitierte sich 1998 in Innsbruck, wo er in den Bereichen Morphologie, biologische Spuren, DNA, Toxikologie und klinische Gerichtsmedizin tätig und sehr häufig als gerichtlicher Sachverständiger im Einsatz war. Bis zu seiner Pensionierung Ende 2024 war er stellvertretender Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin an der Medizinischen Universität Innsbruck und 20 Jahre lang Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gerichtliche Medizin (ÖGGM).
Die Autorin:
Dr. Birgit Kofler-Bettschart stammt aus Tirol und lebt und arbeitet als Autorin in Wien und Triest. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete sie für die UNESCO in Paris, im österreichischen diplomatischen Dienst und als Kabinettchefin im österreichischen Gesundheitsministerium, bevor sie sich als Journalistin, Kommunikationsberaterin und Verlegerin selbstständig machte. Zuletzt bei Ueberreuter erschienen: »Ich habe getötet, aber ein Mörder bin ich nicht«.
Das Buch beim UEBERREUTER-Verlag
Moussa Al-Hassan Diaw (Autor)
19. Die Radikalisierten
Wie islamistischer Extremismus junge Menschen vereinnahmt und unsere Gesellschaft herausfordert
Verlag: Brandstätter
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 16. Juli 2025 (1. Auflage)
Umfang: 176 Seiten
Größe: 13,5 x 21 cm
ISBN Buch: 978-3-7106-0902-2
ISBN eBook: 978-3-7106-0917-6
Mit DIE RADIKALISIERTEN legt Islamismusforscher Moussa Al-Hassan Dia ein politisches Sachbuch vor, das Radikalisierung nicht als Randphänomen extremistischer Milieus behandelt, sondern als Ausdruck tieferliegender gesellschaftlicher Spannungen in westlichen Demokratien.
Zentral ist die These, dass Radikalisierung weniger aus ideologischer Überzeugung hervorgeht als aus sozialer, politischer und emotionaler Entfremdung. Al-Hassan Dia beschreibt sie als Reaktion auf empfundene Ohnmacht, mangelnde politische Repräsentation und das Gefühl ausgeschlossen zu sein. Der Begriff der Radikalisierung wird dabei bewusst erweitert. Er umfasst nicht nur gewaltförmigen Extremismus, sondern ebenso verhärtete Diskurse, Feindbildkonstruktionen und eine wachsende Bereitschaft zur Delegitimierung demokratischer Institutionen.
Analytisch überzeugt das Buch insbesondere durch seinen interdisziplinären Zugriff. Al-Hassan Dia verknüpft politikwissenschaftliche Forschung mit soziologischen und psychologischen Ansätzen und illustriert diese durch Beispiele aus der aktuellen politischen Praxis. Differenziert arbeitet er heraus, wie soziale Medien, identitätspolitische Zuschreibungen und polarisierte Öffentlichkeiten Radikalisierungsprozesse verstärken, ohne dabei in vereinfachende oder technikdeterministische Erklärungen zu verfallen.
Auch stilistisch bleibt DIE RADIKALISIERTEN nüchtern und zugänglich. Der Autor verzichtet auf polemische Zuspitzungen und setzt stattdessen auf begriffliche Präzision und einen stringenten argumentativen Aufbau. Diese Zurückhaltung stärkt die analytische Glaubwürdigkeit des Buches, verlangt jedoch eine konzentrierte Lektüre und schließt bewusst nicht an populäre Vereinfachungen oder moralische Kurzschlüsse an.
Besonders überzeugend ist das Buch dort, wo es dominante Deutungsmuster infrage stellt. Radikalisierung erscheint weder als individuelles Versagen noch als kulturelle Abweichung, sondern als gesellschaftliche Herausforderung, die demokratische Selbstreflexion erfordert. Entsprechend richtet sich der Band nicht allein an Politik und Sicherheitsbehörden, sondern ebenso an Medien, Zivilgesellschaft und eine Öffentlichkeit, die im Umgang mit Radikalisierung allzu oft zwischen Alarmismus und Verharmlosung oszilliert.
DIE RADIKALISIERTEN ist ein analytisch fundierter, differenzierter und politisch relevanter Beitrag zur Debatte über Polarisierung und demokratische Resilienz. Das Buch bietet keine einfachen Lösungen, schärft jedoch den Blick für die strukturellen Ursachen von Radikalisierung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis gesellschaftlicher Fragmentierungsprozesse in gegenwärtigen Demokratien.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Moussa Al-Hassan Diaw ist Islamismusforscher und beschäftigt sich in seinen Publikationen mit den Themen politische Ideologisierung von Religion, Migration und Identität sowie Antisemitismus. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Koordinator der Weiterbildung der Imame an der Universität Osnabrück, lehrte an der Pädagogischen Hochschule Linz und war u. a. an einem Projekt im Rahmen der Extremismusprävention in Brandenburg beschäftigt.
Diaw ist Gründer der österreichischen Organisation DERAD, die Jugendliche, die Gefahr laufen, sich zu radikalisieren, oder bereits mit Radikalismus in Kontakt gekommen sind, durch Aufklärung von Gewalt abzuhalten versucht. Im Auftrag der Generaldirektion des österreichischen Bundesministeriums für Justiz arbeitet er mit wegen terroristischer Straftaten verurteilten Straftätern in Gefängnissen und nach der Haft. Auch mit dem Landesamt Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Wien arbeitet die Organisation zusammen.
Das Buch beim BRANDSTÄTTER-Verlag
Dipl. Psych. Catrin Marnitz (Autorin),
Tina Epking (Autorin)
20. Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache
Wie Stress und Schmerz zusammenhängen
Verlag: Rowohlt Polaris
Taschenbuch
VÖ: 16. September 2025
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (argon Verlag) erhältlich
Umfang: ca. 240 Seiten
Alter: o.A.
ISBN-13 Taschenbuch: 978-3-499-01716-2
ISBN-13 eBook: 978-3-644-02348-2
Mit „Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache“ positioniert sich Catrin Marnitz an der Schnittstelle von Körperarbeit, Psychologie und Gesundheitsprävention. Das Buch richtet sich an Leser:innen, die Rückenschmerzen nicht ausschließlich als biomechanisches Problem verstehen, sondern offen sind für einen ganzheitlichen Blick auf Ursachen, die im Zusammenspiel von Haltung, Bewegung, Stress und mentalen Mustern entstehen.
Zentraler Gedanke des Buches ist die These, dass Rückengesundheit wesentlich von inneren Einstellungen, emotionalen Belastungen und Stressverarbeitung beeinflusst wird. Marnitz argumentiert nachvollziehbar, dass muskuläre Verspannungen häufig Ausdruck psychischer Anspannung sind und rein körperliche Therapieansätze daher oft zu kurz greifen. Diese Perspektive ist nicht neu, wird hier jedoch konsequent und für ein breites Publikum verständlich aufbereitet.
Stilistisch ist das Buch klar und zugänglich geschrieben. Fachbegriffe werden sparsam eingesetzt und in der Regel verständlich erklärt, was den Text auch für medizinische Laien gut lesbar macht. Positiv hervorzuheben ist der praxisnahe Ansatz. Übungen zur Körperwahrnehmung, Reflexionsimpulse und alltagsnahe Beispiele sollen Leser:innen dazu anregen, eigene Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Dadurch gewinnt das Buch an konkretem Nutzwert und bleibt nicht auf der Ebene abstrakter Gesundheitsratschläge.
Kritisch anzumerken ist, dass die psychische Dimension von Rückenschmerzen stellenweise sehr stark betont wird. Körperliche Ursachen wie strukturelle Veränderungen, Verletzungen oder chronische Erkrankungen treten demgegenüber in den Hintergrund. Für Betroffene mit klar diagnostizierten orthopädischen Problemen könnte dieser Fokus verkürzend wirken.
Insgesamt überzeugt „Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache“ als motivierender Ratgeber, der den Blick auf Rückenschmerzen erweitert und zur Eigenverantwortung anregt. Das Buch eignet sich besonders für Leser:innen, die offen für ganzheitliche Gesundheitskonzepte sind und bereit, körperliche Beschwerden auch im Kontext von Lebensstil und mentaler Belastung zu reflektieren. Als Ergänzung zu medizinischer oder physiotherapeutischer Behandlung bietet es wertvolle Denkanstöße ersetzt diese jedoch nicht.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autorinnen:
Catrin Marnitz hat Psychologie in Münster studiert und am Institut für Verhaltenstherapie Hamburg die Approbation zur Psychologischen Psychotherapeutin erworben. Heute ist sie die leitende Diplom-Psychologin am renommierten Rückenzentrum Am Michel in Hamburg. Bevor sie vor 20 Jahren dorthin wechselte, war sie in der Psychiatrie des Universitätskrankenhauses Eppendorf tätig. 2010 schloss sie die Weiterbildung im Bereich der Speziellen Schmerzpsychotherapie ab.
Tina Epking hat Deutsche Literatur- und Medienwissenschaften und Spanisch in Düsseldorf und Hamburg studiert und ist Absolventin der Axel Springer Akademie in Berlin. Sie arbeitet seit 20 Jahren als Redakteurin, Journalistin und Autorin für Titel wie BRIGITTE, ZEIT ONLINE und DIE WELT.
Achilles (Autor)
21. Lügen haben schnelle Beine
Laufende Ermittlungen, Band 2
Verlag: Droemer TB
Klappbroschur
VÖ: 2. Mai 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) und Hörbuch (Argon Verlag) erhältlich
Umfang: 304 Seiten
Alter: ab 16 Jahren
ISBN Buch: 978-3-426-30966-7
ISBN eBook: 978-3-426-46837-1
Schon der Titel LÜGEN HABEN SCHNELLE BEINE deutet an, dass „Bewegung“ hier mehr bedeutet als körperliche Aktivität. Sie wird zur Metapher für die Dynamik von Täuschung, Machtspielen und Wahrheitsfindung und für ein Erzählen, das selten stillsteht.
Der Roman eröffnet mit einem Paukenschlag. Ein Mordanschlag im Berliner Olympiastadion erschüttert die Stadt und zieht die Öffentlichkeit in einen Strudel aus Spekulationen und Angst. Mitten im Geschehen Peer Pedes, der gemeinsam mit seiner Mutter Zeuge des Attentats wird. Rasch fällt der Verdacht auf Marina Gabor, eine erfahrene SEK-Scharfschützin und frühere Weggefährtin von Pedes.
Während Gabor sich intensiv auf den Berliner Triathlon vorbereitet, verdichten sich die Hinweise gegen sie. Doch Pedes, zerrissen zwischen professioneller Pflicht und persönlicher Loyalität, zweifelt an ihrer Schuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Als weitere Morde geschehen, weitet sich der Fall zu einem Netz aus Intrigen, Verrat und tödlichen Ambitionen aus.
Peer Pedes ist dabei ein wohltuend untypischer Ermittler, kein genialischer Einzelgänger, sondern ein Mann, der an seinen Grenzen arbeitet, physisch wie emotional. Achilles gelingt es, ihn zwischen sportlichem Ehrgeiz, privater Verantwortung und beruflichem Druck fein auszubalancieren.
Auch Marina Gabor ist weit mehr als eine bloße Verdächtige. Ihre Figur gewinnt durch Ambivalenz und Eigenständigkeit. Das Triathlon-Training wird zum Spiegel ihres Strebens nach Disziplin und Kontrolle, eine Ordnung, die im Verlauf der Ermittlungen zunehmend brüchig wird. Gerade diese psychologische Verschränkung verleiht dem Roman Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Stilistisch setzt Achilles auf Tempo, kurze Kapitel, klare Sprache, schnelle Szenenwechsel. Diese Struktur verleiht dem Buch einen Sog, lässt die Handlung fließen und erhöht die Spannung.
Besonders reizvoll ist die Verbindung von Kriminalhandlung und Sportwelt. Die detaillierten Schilderungen von Training, Wettkampfvorbereitung und Triathlon-Atmosphäre wirken authentisch und gut recherchiert. Sie verleihen dem Genre frische Impulse, auch wenn sie für Leserinnen und Leser ohne sportliche Affinität mitunter ausführlich erscheinen mögen.
Die Sprache bleibt überwiegend nüchtern, durchzogen von feinem Humor, der den ernsten Grundton auflockert.
Lügen haben schnelle Beine ist ein moderner Kriminalroman, der Genregrenzen abtastet und zugleich erweitert. Achilles zeigt Mut zur Eigenständigkeit, indem er den klassischen Ermittlerkrimi mit sportlichem Drive und urbaner Dynamik verbindet. Trotz kleiner Schwächen in der Figurenzeichnung und gelegentlicher Vorhersehbarkeit überzeugt das Werk durch hohes Tempo, atmosphärische Dichte und psychologische Genauigkeit.
Für Leserinnen und Leser, die Kriminalliteratur nicht allein als Rätsel, sondern auch als Spiegel menschlicher Ambitionen, Körperlichkeit und moralischer Belastung begreifen, ist dieses Buch eine lohnende Entdeckung.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Die Autoren:
Michael Meisheit – Jahrgang 1972 – hat Drehbuch studiert. Seit 1997 hat er knapp vierhundert Folgen der Lindenstraße geschrieben, mehr als tausend entwickelt und zehn Jahre lang als Chefautor die Endlosserie maßgeblich geprägt.
Dr. Hajo Schumacher, geboren 1964, hat beim SPIEGEL gearbeitet und war Chefredakteur von MAX. Er ist freier Journalist, TV-Moderator und Autor zahlreicher Sachbücher, darunter die Bestseller Restlaufzeit und Solange du deine Füße auf meinen Tisch legst. Seine Kolumnen unter dem Pseudonym Achim Achilles haben Millionen Läufer:innen begeistert.
Zusammen schreiben sie laufende Ermittlungen um den eigenwilligen Kommissar Peer Pedes, der in Berlin hartnäckig und sportlich brisante Fälle löst.
Das Buch beim DROEMER-KNAUR-Verlag
Prof. Dr. Karl Rieder (Autor)
aus der Reihe "Rundumadum"
22. Puchberg - mehr als nur am Schneeberg
Entdeckungsreise in der Landschaft
am Fuße des Schneebergs
Verlag: Kral-Verlag
Taschenbuch
VÖ: 2025 (1. Auflage)
Umfang: 228 Seiten
zahlreiche Abbildungen
Größe: 21 x 13 cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-99103-315-8
Mit „Rundumadum / Puchberg - mehr als nur am Schneeberg“ legt Karl Rieder eine Publikation vor, die sich bewusst jenseits klassischer Regionalmonografien positioniert. Der Band widmet sich der niederösterreichischen Gemeinde Puchberg am Schneeberg und ihrem Umfeld, ohne sich in bloßer touristischer Verwertbarkeit zu erschöpfen. Stattdessen entsteht ein vielschichtiges Porträt, das topografische, historische und kulturelle Dimensionen miteinander verschränkt.
Bereits der Titel signalisiert programmatisch den Anspruch, den Blick „rundumadum“ zu weiten. Der namensgebende Schneeberg fungiert dabei weniger als dominantes Zentrum denn als Ausgangspunkt für eine Reihe von Erkundungen, die den Ort in größere Zusammenhänge einbetten. Rieder gelingt es eine differenzierte Wahrnehmung der Region zu fördern.
Methodisch bewegt sich der Autor an der Schnittstelle von essayistischer Annäherung und dokumentarischer Verdichtung. Historische Exkurse stehen neben anekdotischen Einschüben, lokalgeschichtliche Details neben subjektiven Beobachtungen. Diese Hybridität ist eine der Stärken des Buches.
Besonders hervorzuheben ist die sensible Behandlung regionaler Identität. Rieder vermeidet folkloristische Klischees und nähert sich Puchberg am Schneeberg als einem dynamischen sozialen Gefüge. Fragen von Erinnerungskultur, wirtschaftlicher Transformation und touristischer Überformung werden implizit mitverhandelt, ohne explizit theoretisch gerahmt zu werden. Gerade in dieser Zurückhaltung liegt eine gewisse Qualität. Der Text lädt zur Reflexion ein, statt interpretative Vorgaben zu liefern.
Gestalterisch unterstützt der Band diesen Ansatz durch eine sorgfältige visuelle Aufbereitung, die den Text nicht illustriert, sondern dialogisch ergänzt. Bild- und Textmaterial treten in ein Verhältnis, das die Wahrnehmung des Raums als kulturelle Konstruktion unterstreicht.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Prof. Dr. Karl Rieder ist promovierter Sprachwissenschaftler mit interdisziplinärer Ausbildung in Ur- und Frühgeschichte, Sprachwissenschaft sowie Psychologie und Neurologie. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der Psycho- und Neurolinguistik.
Nach Tätigkeiten als Lehrer und Direktor einer Schule für hörbehinderte Kinder in Wien wurde er Hochschulprofessor für Sprachpathologie und Pädagogische Psychologie. Er veröffentlichte zahlreiche Facharbeiten, war international als Gastdozent tätig und wirkte an europäischen Forschungsprojekten mit.
Nach seiner Pensionierung widmete er sich der Ortsgeschichte von Puchberg am Schneeberg und baute ein umfassendes Dokumentationsarchiv auf. 2016 wurde er dafür mit der Goldenen Ehrennadel der Gemeinde ausgezeichnet.
Cover (c) Kral Verlag, Kral GmbH
Martin Krake (Autor)
aus der Reihe "Nix wie los!"
23. RAUS AUS WIEN!
40 Ausflüge ohne Auto in Niederösterreich und Nordburgenland
Verlag: Kral-Verlag
Taschenbuch
VÖ: 2025 (1. Auflage)
Umfang: 174 Seiten
zahlreiche Abbildungen
Größe: 21 x 13 cm
Alter: o.A.
ISBN: 978-3-99103-217-5
Wien hat mit ca. 363 Pkw pro 1.000 Einwohnern (Stand 2024/2025) die niedrigste Pkw-Dichte aller österreichischen Landeshauptstädte. Dennoch hegen die Menschen den Drang, der Großstadt zu entfliehen, um neues zu sehen zu entdecken und durch die Natur zu streifen. Wer statt eines fahrbaren Untersatzes das Klimaticket sein Eigen nennen kann, dem stehen nahezu alle Möglichkeiten offen. Viele Ausflugsziele sind mit den Öffis gut bis sehr gut zu erreichen, wenngleich man doch erhebliche Zeiteinbußen in Kauf nehmen muss, denn direkte Verbindungen mit Bus oder Bahn sind spärlich, Wartezeiten an Haltestellen keine Seltenheit.
Martin Krake hat es sich in diesem Buch zur Aufgabe gemacht, die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu 40 attraktiven und bekannten Ausflugsziele in Niederösterreich und dem nördlichen Burgenland akribisch zu recherchieren. Dass viele von ihnen durch den Besitz der Niederösterreich-Card zu einem kostenlosen Zutritt berechtigen, macht es umso interessanter. Zudem ist es möglich mit der Card schon vergünstigt anzureisen. Die Mariazellerbahn oder der Reblaus-Express sind zudem Erlebnisse für sich.
Der Inhalt umfasst eine reichliche Bandbreite an Attraktionen. Kulturliebhaber:innen und Wanderfreudige kommen gleichermaßen auf ihre Kosten. Stifte, Burgen, Schlösser, wie Göttweig, Rosenburg und Schloss Esterházy, Museen, wie Carnuntum und Nationalpark-Zentrum Schloss Orth, dazu Naturparks, wie Laxenburg und Sparbach und zu guter Letzt Wanderungen am Schneeberg, auf der Rax und am Semmering sorgen für jede Menge Abwechslung. Das Skifahren und Snowboarden ist auf der Raxalpe allerdings nicht mehr möglich. Der Schlepplift hinter der Bergstation wurde schon vor einigen Jahren eingestellt.
Ansonsten sind sämtliche Ausflugsziele über mehrere Seiten hinweg sehr ausführlich und informativ beschrieben. Die Texte sind mit umfangreichem geschichtlichem Hintergrund verfasst und mit schönen Fotos aufgelockert, was eine gute Übersicht bringt. Neben der Anfahrtsplänen erfasst der Autor auch Öffnungszeiten, Eintritte und verweist auf weiterführende Internetauftritte der einzelnen Orte.
Also worauf noch warten: RAUS AUS WIEN!
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Wolfgang Springer
Der Autor:
Martin Krake wurde 1970 in Kassel in Deutschland geboren. Seit 2004 lebt er in Österreich, zunächst in Wien, heute im niederösterreichischen Weinviertel.
Seine Leidenschaft fürs Wandern und sein Interesse für historische Zusammenhänge hat er mit seiner Fähigkeit verbunden, spannende Texte zu verfassen. Das Ergebnis sind elf Reise- und Wanderführer über verschiedene Länder Europas, die im eigenen Verlag erschienen sind. Für dieses Buch hat er die nähere Umgebung seiner Wahlheimat entdeckt.
Cover (c) Kral Verlag, Kral GmbH
Thorsten Steffens (Autor)
24. Oma, Ouzo und andere Katastrophen
Postkarten an Haushälterin und Hund
Verlag: Piper
Broschur
VÖ: 28. November 2025 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 224 Seiten
Größe: 12 cm x 18,7 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-492-50885-8
ISBN eBook: 978-3-377-90250-4
Mit seinem Roman Oma Ouzo und andere Katastrophen entwirft Thorsten Steffens eine turbulente Komödie über Familienbande, kulturelle Identität und das unerwartete Eindringen der Vergangenheit in ein sorgfältig geordnetes Leben. Der Roman verbindet humorvolle Überzeichnung mit einer klassischen Familiengeschichte, in der sich Selbstbild und Herkunft unweigerlich begegnen.
Im Mittelpunkt steht Philipp, ein erfolgreicher Unternehmer Anfang dreißig, der ein scheinbar perfektes Leben führt, eine stilvolle Wohnung, beruflicher Erfolg und die Freiheit eines ungebundenen Single-Daseins. Diese Ordnung gerät jedoch schlagartig ins Wanken, als eines Tages eine ältere Frau vor seiner Tür steht und behauptet, seine totgeglaubte Großmutter zu sein. Die temperamentvolle Toula eröffnet ihm nicht nur, dass er griechische Wurzeln hat, sondern zieht kurzerhand bei ihm ein. Mit ihrer redseligen Art, ihren unkonventionellen Ansichten und ihrem festen Plan, ihren Enkel endlich zu verheiraten, bringt sie Philipps strukturierten Alltag vollständig durcheinander.
Der Roman lebt vor allem von seiner zentralen Konstellation, dem Aufeinandertreffen zweier Lebenswelten. Auf der einen Seite steht Philipp, der seine Existenz rational organisiert und beruflich erfolgreich ist, auf der anderen Seite Toula, deren temperamentvolle Persönlichkeit und traditionelle Vorstellungen das geordnete Leben ihres Enkels konsequent infrage stellen. Aus dieser Gegenüberstellung entwickelt Steffens zahlreiche komische Situationen, die häufig auf kulturellen Missverständnissen, familiären Erwartungen und generationellen Differenzen beruhen.
Stilistisch setzt der Autor auf eine leicht zugängliche Erzählweise. Die Handlung schreitet zügig voran, viele Szenen sind bewusst pointiert gestaltet und zielen auf humoristische Effekte. Besonders die Figur der Großmutter fungiert als erzählerischer Motor. Sie provoziert Konflikte, kommentiert unverblümt das Leben ihres Enkels und sorgt durch ihre unerschütterliche Entschlossenheit für eine Reihe absurder Situationen.
Oma Ouzo und andere Katastrophen präsentiert sich als unterhaltsame Familienkomödie mit hoher erzählerischer Dynamik. Der Roman überzeugt vor allem durch seinen humorvollen Ton, lebendige Dialoge und die schillernde Figur der Großmutter Toula. Literarisch anspruchsvoll im engeren Sinne ist der Text zwar nicht, doch bietet er eine kurzweilige, pointenreiche Lektüre, die das Chaos familiärer Beziehungen mit ironischem Blick betrachtet.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Thorsten Steffens, geboren 1974, studierte Germanistik und Anglistik an der Universität zu Köln. Im Sommer 2009 schrieb er seinen ersten Roman „Klugscheißer Royale“, der mit etwas Verzögerung nach neun Jahren (im August 2018) im Piper Verlag erschien. Inzwischen dauern Veröffentlichungen zum Glück nicht mehr ganz so lange: Mittlerweile sind mit „Klugscheißer Deluxe“ und „Klugscheißer Supreme“ zwei Fortsetzungsromane erschienen. Im Herbst 2023 folgte die romantische Liebeskomödie „Ein Hund für zwei“. Neuen Lesestoff gibt es Ende 2025 mit dem lustigen Familienroman „Oma, Ouzo und andere Katastrophen“.
Rüdiger Bertram (Autor), Mateo Dineen (Illustrator)
25. NINAS MONSTER - Falsch geliefert
Postkarten an Haushälterin und Hund
Verlag: Tulipan
VÖ: 25. Februar 2026 (1. Auflage)
Gebundenes Buch, Pappband
Umfang: 144 Seiten
Größe: 15,5 x 21,0 cm
Alter: ab 8 Jahren
ISBN Buch: 978-3-86429-676-5
Mit NINAS MONSTER – FALSCH GELIEFERT legen Rüdiger Bertram und Mateo Dineen ein humorvolles Kinderbuch vor, das sich souverän im Spannungsfeld zwischen Alltagsrealismus und fantasievoller Überzeichnung bewegt. Die Erzählung greift ein zentrales Motiv der Kinderliteratur, die Begegnung mit dem vermeintlich Unheimlichen, auf und transformiert es in eine Geschichte über Wahrnehmung, Verantwortung und das kreative Potenzial kindlicher Vorstellungskraft.
Im Zentrum steht Nina, die sich ein furchteinflößendes Monster erhofft, um sich gegen Hänseleien zu behaupten. Über eine Monsteragentur bestellt sie ein besonders abschreckendes Exemplar, doch geliefert wird versehentlich ein schüchternes, ängstliches Wesen. Aus der anfänglichen Enttäuschung entwickelt sich eine unerwartete Freundschaft, in der sich die Zuschreibungen von Stärke und Schwäche verschieben. Die humorvoll erzählte Handlung verhandelt Fragen der Selbstbehauptung, der Empathie und des Umgangs mit eigenen Ängsten und verbindet komische Situationen mit einer klar konturierten Botschaft über Akzeptanz und Mut.
Die Ausgangssituation entfaltet eine doppelte Lesbarkeit. Sie fungiert einerseits als komödiantischer Motor, andererseits als erzählerischer Rahmen für die Auseinandersetzung mit Angst und Fremdheit. Bertrams Sprache bleibt bewusst klar und zugänglich, ohne in Simplifizierung zu verfallen. Dialoge strukturieren den Text dynamisch, treiben die Handlung voran und eröffnen zugleich Raum für pointierte Situationskomik. Besonders überzeugend ist die Balance zwischen kindlicher Perspektive und narrativer Ironie, die auch erwachsene Mitlesende subtil adressiert.
Dineens Illustrationen erweisen sich als integraler Bestandteil der Erzählstrategie. Sie erweitern den Text nicht nur visuell, sondern kommentieren ihn eigenständig. Charakterdesign und Bildkomposition folgen einer reduzierten Farbdramaturgie, die emotionale Zustände präzise markiert. Die Bildsequenzen rhythmisieren den Leseprozess und verstärken die komischen Momente, ohne die narrative Spannung zu unterlaufen. Hervorzuheben ist die produktive Wechselwirkung zwischen Text und Bild, aus der zentrale Bedeutungen erst im Zusammenspiel beider Ebenen hervorgehen.
Thematisch überzeugt das Buch durch seine niedrigschwellige, zugleich wirkungsvolle Auseinandersetzung mit dem Umgang mit dem Unbekannten. Das „Monster“ fungiert weniger als Bedrohung denn als Projektionsfläche kindlicher Deutungsversuche. Emotionale Kompetenzen werden nicht didaktisch ausgestellt, sondern in humorvoll zugespitzten Szenarien erfahrbar gemacht.
Insgesamt präsentiert sich das Werk als formal stimmig konzipiertes Kinderbuch, das Humor, visuelle Dynamik und thematische Zugänglichkeit überzeugend verbindet. Die enge Verzahnung von Text und Illustration erzeugt ein kohärentes ästhetisches Konzept, das gleichermaßen unterhaltend wie reflexionsanregend wirkt. Damit empfiehlt sich der Band sowohl für den Vorlesekontext als auch für die selbstständige Lektüre und stellt einen beachtenswerten Beitrag zur aktuellen deutschsprachigen Kinderliteratur dar.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Rüdiger Bertram wurde 1967 in Ratingen geboren und arbeitete nach seinem Studium (Geschichte, Volkswirtschaft und Germanistik) zunächst als freier Journalist. Heute schreibt er Drehbücher und hat zahlreiche erfolgreiche Bücher für Kinder veröffentlicht. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in Köln.
Der Illustrator:
Mateo Dineen, 1972 in San Mateo/Kalifornien geboren, studierte Illustration an der Academy of Art University in San Francisco. Seit 2004 lebt er als freischaffender Künstler in Berlin. Bekannt wurde er durch seine Monster-Gemälde im Comic-Stil.
Mag. Georg Hamann (Autor)
26. Bertha von Suttner auf Reisen
Postkarten an Haushälterin und Hund
Verlag: Amalthea
VÖ: 25. September 2025 (1. Auflage)
mit zahlreichen Abbildungen, durchgehend vierfarbig
Umfang: 224 Seiten
Alter: ab 12 Jahren
ISBN Buch: 978-3-99050-290-7
ISBN eBook: 978-3-90344-151-4
Georg Hamanns BERTHA VON SUTTNER AUF REISEN entzieht sich bewusst der Form des klassischen Lebensporträts. Statt einer chronologisch angelegten Biografie wählt der Autor Bewegung als zentrales erzählerisches Prinzip. Die Protagonistin erscheint nicht als historische Figur, sondern als eine Frau in permanenter Transitzone, in Pensionen und Eisenbahnabteilen, auf Podien und zwischen Kontinenten, stets mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit unterwegs für den Frieden.
Dieser Mobilität nähert sich Hamann mit einem ausgeprägten Sinn für Materialität und Detail. Fotografien, Postkarten, Notizen und Reiseimpressionen sind präzise ausgewählt und komponiert, ohne den Gestus eines musealen Arrangements anzunehmen. Die Dokumente fügen sich zu einem „wandernden Archiv“, das Suttners Leben nicht linear ordnet, sondern entlang atmosphärischer Verdichtungen entfaltet. In diesen Passagen entfaltet der Band seine größte Stärke. Er macht sichtbar, dass das Reisen für Suttner weit mehr war als eine organisatorische Notwendigkeit. Das Unterwegssein wird als Denk- und Resonanzraum lesbar, in dem sich ihre pazifistischen Überzeugungen schärfen und politisches Handeln formt.
Besonders überzeugend ist Hamanns Fähigkeit, Nähe zu erzeugen, ohne biografische Verkürzungen vorzunehmen. Die Annäherung bleibt kontrolliert, gewinnt jedoch immer wieder eine beinahe private Intensität. Zwischen internationalen Friedenskongressen und großen Vorträgen treten unscheinbare Momente des Alltags hervor, Erschöpfung nach langen Fahrten, beiläufige Begegnungen, kurze Beobachtungen am Rand. Gerade diese leisen Töne verleihen der historischen Figur Kontur und Wärme.
Gleichzeitig bleibt der Band nicht ohne Einschränkungen. Der konsequente Fokus auf das Motiv des Reisens eröffnet eine originelle Perspektive, verengt jedoch den Blick. Eine systematische Darstellung von Suttners intellektueller Entwicklung oder ihres literarischen Werks wird nur angedeutet. Manche Zusammenhänge bleiben skizzenhaft, manche Linien werden nicht weiterverfolgt, weil sie dem konzeptuellen Rahmen des Buches widersprechen. Diese Fragmentierung ist als ästhetisches Verfahren plausibel, kann jedoch Leserinnen und Leser irritieren, die nach stärkerer orientierender Gesamtschau suchen.
Dennoch gelingt Hamann ein Werk, das ästhetisch überzeugt und biografisch anregt. BERTHA VON SUTTNER AUF REISEN zeigt, wie politisches Engagement aus Bewegung, Begegnung und Offenheit hervorgeht. Die historische Figur wird erfahrbar, indem ihr jene Dynamik zurückgegeben wird, die in traditionellen Biografien häufig zugunsten geschlossener Erzählungen geglättet wird.
So entsteht ein einprägsames, fein komponiertes Porträt, nicht umfassend, aber eindringlich. Ein Band, der gerade durch seine poetisch aufgeladene Perspektive einen neuen Zugang zu einer der zentralen Stimmen des Pazifismus eröffnet.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Mag. Georg Hamann, geboren in Wien, ist als freischaffender Autor und Historiker seit 20 Jahren auf die Wiener Stadtgeschichte spezialisiert sowie seit Langem in der Erwachsenenbildung tätig.
Gisèle Pelicot (Autorin), Judith Perrignon (Mitautorin), Patricia Klobusiczky (Übersetzerin)
27. Eine Hymne an das Leben
Die Scham muss die Seite wechseln - Die offizielle Autobiografie der Frau, die das Schweigen brach
Verlag: Piper
Hardcover mit Schutzumschlag
VÖ: 17. Februar 2026 (1. Auflage)
ebenfalls als eBook (epub) erhältlich
Umfang: 256 Seiten
Größe: 13,8 cm x 22 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-492-07435-3
ISBN eBook: 978-3-492-61200-5
Das Buch EINE HYMNE AN DAS LEBEN versteht sich als literarisches Zeugnis radikaler Verletzbarkeit und zugleich als eindringliche Verteidigung menschlicher Würde. In einer Gegenwart, in der persönliche Erfahrung zunehmend als politischer und kultureller Resonanzraum fungiert, entfaltet der Text seine Wirkung weniger über eine konventionelle Handlung als über die beharrliche Arbeit am Sinn. Erinnerung wird zur erzählerischen Form, Sprache zur Überlebensstrategie.
Im Zentrum des Buches steht die autobiografisch geprägte Auseinandersetzung der Autorin mit einer Erfahrung sexualisierter Gewalt und deren langfristigen Folgen. Ausgehend von fragmentarischen Erinnerungen rekonstruiert sie die biografischen und emotionalen Bruchlinien, die ein solches Ereignis hinterlässt, Scham, Sprachlosigkeit und gesellschaftliche Verdrängung stehen neben dem mühsamen Prozess der Selbstermächtigung. Die Erzählerin tastet sich durch Szenen aus Kindheit, Jugend und späterem Leben, reflektiert familiäre Konstellationen und gesellschaftliche Reaktionen und fragt immer wieder nach den Möglichkeiten, traumatische Erfahrung in Sprache zu überführen, ohne sie zu trivialisieren oder zu dramatisieren.
Stilistisch setzt die Autorin auf eine reduzierte, kontrollierte Prosa. Pathos wird konsequent vermieden, ohne dass die emotionale Intensität der geschilderten Erfahrungen verloren ginge. Gerade diese asketische Tonlage erzeugt eine produktive Spannung: Wo autobiografische Narrative häufig zur Dramatisierung tendieren, vertraut der Text auf die Evidenz des Erlebten. Besonders eindrücklich sind jene Passagen, in denen Wahrnehmung und Reflexion ineinandergreifen und ein dichtes Gewebe aus Körpererinnerung, Scham, Widerstand und Selbstbehauptung entsteht.
Inhaltlich bewegt sich das Buch an der Schnittstelle von individueller Erfahrung und kollektiver Verantwortung. Schreiben erscheint hier als Akt der Sichtbarmachung, nicht im Sinne eines spektakulären Bekenntnisses, sondern als insistierende Forderung nach Anerkennung. Das Private wird politisch, ohne in programmatische Thesen zu verfallen. Die ethische Dimension des Textes liegt in seiner Haltung. Er fordert Aufmerksamkeit, ohne sie zu instrumentalisieren, und verweigert die bequeme Dramaturgie von Schuldzuweisung und Erlösung.
Formal bemerkenswert ist die Strukturierung über Erinnerungsinseln statt über eine lineare Chronologie. Kurze Kapitel, die wie lose montierte Szenen wirken, erzeugen eine Rhythmik des Annäherns und Zurückweichens. Erinnerung erscheint dabei als Arbeit am Unabgeschlossenen. Wiederkehrende Motive, Stille, Blick, Körper, fungieren als semantische Anker und verleihen dem Text Kohärenz, ohne seine Offenheit zu beschneiden.
Die programmatische Setzung des Titels bleibt dabei nicht frei von Ambivalenzen. Die Beschwörung einer „Hymne“ an das Leben steht in einem produktiven, mitunter auch irritierenden Kontrast zur Nüchternheit der Darstellung. Gerade dort, wo der Text zur Generalisierung tendiert, droht die individuelle Erfahrung in eine universelle Lebensbejahung überführt zu werden, die nicht immer vollständig begründet erscheint.
Diese Spannung lässt sich jedoch auch als bewusste poetische Strategie lesen, als Versuch, aus fragmentarischer Erinnerung eine Form von Sinn zu gewinnen.
Besondere Resonanz erhält das Buch im kulturgesellschaftlichen Kontext der jüngsten Debatten über Zeugenschaft, Gewalt und Öffentlichkeit in Frankreich, insbesondere im Umfeld der Diskussionen in der südfranzösischen Kulturstadt Avignon. In diesem Umfeld versteht sich der Text auch als Beitrag zu einer breiteren Reflexion über Empathie, Verantwortung und die gesellschaftlichen Bedingungen des Zuhörens.
So überzeugt EINE HYMNE AN DAS LEBEN letztlich als literarisch reflektiertes Zeugnis, das die Möglichkeiten und Grenzen autobiografischen Schreibens auslotet. Seine Stärke liegt in der Präzision der Wahrnehmung und in der ethischen Ernsthaftigkeit, mit der Erfahrung in Sprache überführt wird.
Am Ende entsteht kein abgeschlossenes Narrativ der Bewältigung, sondern ein literarischer Raum, in dem Erfahrung, Sprache und Verantwortung miteinander in Spannung bleiben.
5 von 6 Sternen: ★★★★★ Kritik: Michaela Springer
„Die Scham muss die Seite wechseln“
Mit diesen Worten veränderte Gisèle Pelicot 2024 die Welt. Sie verzichtete im Prozess gegen ihren Ex-Mann und über 50 weitere Täter auf Anonymität – und wurde zur Stimme von Millionen. Ihr Mut löste internationale Debatten aus, brachte Gesetze ins Wanken und gab Betroffenen weltweit neue Kraft.
Gisèle Pelicot wurde vom TIME Magazine zur bedeutendsten Frau des Jahres 2024 gewählt.
Andreas Englisch (Autor)
28. Das Vermächtnis von Papst Franziskus
Verlag: C.Bertelsmann
eBook (epub)
VÖ: 1. März 2023 (1. Auflage)
ebenfalls als Hardcover und Audio erhältlich
Umfang: 368 Seiten
mit Farbbildteil
Größe: 13,5 x 21,5 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-570-10514-6
ISBN eBook (epub): 978-3-641-30479-9
Der Vatikan ist für Außenstehende oft ein schwer zugängliches Machtzentrum, ein Ort der Rituale, der Intrigen und der leisen, aber tiefgreifenden Umbrüche. Einer, der dort seit Jahrzehnten hinter die Kulissen blickt, ist Andreas Englisch. Mit „Das Vermächtnis von Papst Franziskus“ legt er nun ein Buch vor, das als persönliches Resümee eines Pontifikats, der so vieles anders gemacht hat und dabei die katholische Kirche bis ins Mark erschütterte.
Andreas Englisch will nicht erklären, sondern erzählen, einordnen und bewerten. Und genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Im Zentrum steht eine Figur, die polarisiert wie kaum ein Kirchenoberhaupt zuvor, Papst Franziskus, der argentinische Jesuit, der sich weigert, in päpstlichen Palästen zu wohnen und stattdessen die Nähe zu den Menschen sucht. Englisch zeigt Franziskus als Mann mit Mission und diese Mission heißt Rückkehr zum Evangelium, zu Einfachheit, Barmherzigkeit und Menschlichkeit. Es ist das Bild eines Papstes, der keine Angst hat, mit Traditionen zu brechen und genau deshalb so heftig bekämpft wird.
Das Buch lebt von der Nähe des Autors zur Figur Franziskus. Englisch hat den Papst mehrfach persönlich getroffen, er kennt die Abläufe in der Kurie, die Ränkespiele hinter verschlossenen Türen, die Gesichter des Widerstands. Seine Erzählungen sind lebendig, gut recherchiert und gespickt mit Anekdoten, die den Leser tief in das Herz des Vatikans blicken lassen.
Er schreibt flüssig, pointiert, eingängig. Man merkt, dass hier ein Profi am Werk ist, der weiß, wie man komplexe Themen für ein breites Publikum aufbereitet. Theologische Begriffe werden vermieden oder erklärt, der Ton bleibt durchgehend zugänglich.
„Das Vermächtnis von Papst Franziskus“ ist ein lesenswertes, mitreißend geschriebenes Buch über einen Papst, der den katholischen Kosmos verändert hat und das nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Andreas Englisch gelingt es, Franziskus als Mensch, als Machtfaktor und als spirituelle Leitfigur zu zeigen.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
Andreas Englisch lebt seit fast vierzig Jahren in Rom und gilt als einer der bestinformierten Journalisten im Vatikan. Seit der Amtszeit von Johannes Paul II. trifft er alle amtierenden Päpste regelmäßig und begleitet sie auf ihren Reisen. Die Wahl und den Amtsantritt von Leo XIV. hat er aus der Nähe begleitet und für große Medien kommentiert. Als Vatikanexperte und Italienkenner ist er ein gefragter Talkshowgast und Interviewpartner, seine Bücher sind Bestseller und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter »Franziskus – Zeichen der Hoffnung« (2013), »Der Kämpfer im Vatikan. Papst Franziskus und sein mutiger Weg« (2015), »Der Pakt gegen den Papst. Franziskus und seine Feinde im Vatikan« (2020) sowie »Das Vermächtnis von Papst Franziskus» (2023). Zudem begeistert Andreas Englisch als kenntnisreicher Reiseführer durch Rom. Die Geschichte und Geschichten der Ewigen Stadt hat er in seinen Bestsellern »Mein Rom. Die Geheimnisse der Ewigen Stadt« (2018), »Mein geheimes Rom. Die verborgenen Orte der Ewigen Stadt« (2021) und »Alle Wege führen nach Rom« aufgeschrieben. Regelmäßig gibt Andreas Englisch Einblicke in die Welt des Vatikans in seinen Artikeln für »Die Zeit« sowie in seinem Podcast »Vatikangeflüster«.
Das Buch beim C.Bertelsmann-Verlag
Papst Franziskus (Autor)
29. LEBEN. Meine Geschichte in der Geschichte
Verlag: HarperCollins
eBook (epub)
VÖ: 19. März 2024 (1. Auflage)
ebenfalls Hardcover und Audio erhältlich
Umfang: 272 Seiten
Größe: 20,5 x 12,5 cm
Alter: ab 14 Jahren
ISBN Buch: 978-3-365-00763-1
ISBN eBook (epub): 978-3-749-90763-2
»Die Geschichte unseres Lebens nachzulesen ist wichtig, um uns zu erinnern und denjenigen etwas weiterzugeben, die uns zuhören. Um aber lernen zu leben, müssen wir lernen zu lieben. Das sollten wir nicht vergessen!«
- Papst Franziskus -
Mit „Leben. Meine Geschichte in der Geschichte“ legte Papst Franziskus eine Autobiografie vor, die in mehrfacher Hinsicht ein Novum darstellt, erstmals nahm ein amtierender Pontifex in dieser Form Rechenschaft über sein eigenes Leben ab. Entstanden im Dialog mit dem Journalisten Fabio Marchese Ragona, entfaltet sich ein Text, der gleichermaßen persönlich wie politisch ausgerichtet ist.
Das gewählte Gesprächsformat prägt die Lektüre entscheidend. Franziskus tritt nicht als distanzierter Autor auf, sondern als Erzähler, der den Leser unmittelbar anspricht. Dadurch entsteht Nähe, die Lebensstationen erscheinen jedoch weniger als kontinuierlicher Entwicklungsprozess, sondern vielmehr als lose verbundene Episoden entlang historischer Wegmarken vom Zweiten Weltkrieg über die Militärdiktatur in Argentinien bis zu den globalen Erschütterungen des 11. September und schließlich der eigenen Wahl zum Papst.
Auffällig ist die Spannung zwischen Offenheit und Selbstinszenierung. Franziskus zeigt sich in Anekdoten humorvoll und volksnah, berichtet von Kindheitserinnerungen, von Fußballspielen oder Begegnungen in Buenos Aires. Zugleich wahrt er an kritischen Stellen eine spürbare Zurückhaltung, ein Balanceakt zwischen persönlicher Offenbarung und institutioneller Rolle.
In theologischer Hinsicht bleibt das Buch bewusst im Modus der Impulse. Franziskus bezieht klare Positionen für Frieden, gegen soziale Ungleichheit und für den Schutz der Schöpfung. Eine systematische Durchdringung oder argumentative Schärfe sucht man jedoch vergeblich. Das Werk versteht sich nicht als dogmatische Abhandlung, sondern als erzählerisches Zeugnis, darin liegt seine Stärke, zugleich aber auch seine Grenze.
Stilistisch überzeugt das Buch durch Schlichtheit. Franziskus verwendet eine Sprache, die sich an Alltagskommunikation orientiert, nicht an der Diktion der Kurie. Für ein Fachpublikum stellt sich allerdings die Frage, ob diese Zugänglichkeit nicht zugleich eine Vereinfachung bedeutet. Die dialogische Form hat zweifellos populärliterarischen Reiz, erschwert jedoch eine präzise Analyse der Inhalte.
„Leben. Meine Geschichte in der Geschichte“ präsentiert sich weniger als schonungslose Lebensbilanz denn als moralische Standortbestimmung des Papstes innerhalb der Weltgeschichte. Für die kultur- und theologiegeschichtliche Debatte bleibt das Werk dennoch relevant, als Dokument päpstlicher Selbstinszenierung, das Nähe sucht und gerade dadurch neue Fragen aufwirft.
4 von 6 Sternen: ★★★★ Kritik: Michaela Springer
Der Autor:
JORGE MARIO BERGOGLIO wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien, als Sohn italienischer Einwanderer geboren. 1969 wurde er zum Priester des Jesuitenordens, der Gesellschaft Jesu, geweiht. Nach seiner Ernennung zum Weihbischof 1992 wurde er 1998 zum Erzbischof von Buenos Aires und 2001 zum Kardinal ernannt. Im März 2013 wurde er zum Papst, zum 266. Oberhaupt der Katholischen Kirche, gewählt. Papst Franziskus starb am 21. April 2025.
Das Buch beim HarperCollins-Verlag















-Frank-Bauer.jpg/picture-200?_=19dd44b60b8)





















