07.08.2020
MUSICAL MELANGE
mit Leo Floyd

Am 7. August war der Wiener Komponist und Autor LEO FLOYD zu Gast bei Elisabeth Springer und dem Wiener Rösthaus im Prater (www.wienerroesthaus.at).
Im Gespräch erzählte er über seine aktuellen Projekte, Pläne und ehrgeizigen Ziele für die Zukunft. Denn wer etwas im hart umkämpften Musical-Business erreichen will, muss im großen Rahmen denken und hartnäckig seinen Weg gehen.
Im Anschluss versuchte sich Floyd, unter den strengen Augen von  Tom aus dem Rösthaus als Barista. Dass er dafür ein ganz passables Händchen hat, könnt ihr im Video auf unserer Facebook-Seite sehen.

Die erste Frage, die wir jedem Gast im Rösthaus stellen: Wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten?

Ich trinke meinen Kaffee am liebsten mit Milch und viel Zucker.

Du bist ja ein junger, aufstrebender Komponist. Wie kam der Wunsch zustande etwas mit Musik zu machen?

Den Wunsch etwas mit Musik zu machen hatte ich schon sehr früh. Mir ist gerade erst vor kurzem wieder eingefallen, dass ich schon seit der Volkschule Komponist werden wollte. Im Laufe meiner Jugend ist der Wunsch immer mehr in den Hintergrund gerückt, doch Jahre später war er plötzlich wieder da.

Was wolltest du zwischenzeitlich werden?

Ich hatte die Musicalausbildung zum Darsteller am Vienna Konservatorium begonnen, habe aber schnell gemerkt, dass ich hinter die Bühne gehöre und nicht darauf.

In den letzten Jahren hat sich die Musicalszene immer wieder verändert? Glaubst du, es ist für einen Newcomer schwerer sich in dieser Szene zu etablieren?

Meine Meinung ist - man hat heutzutage bessere Promotion-Möglichkeiten im Vergleich zu früher. Gleichzeitig ist ein Problem, dass alle dieselben nutzen. Es ist aber so – Qualität setzt sich durch. Es ist wichtig sicherzustellen, dass diese gewährleistet wird, um sich am Markt durchzusetzen. Solang das stimmt und man wettbewerbsfähig ist, ist das Zeitalter irrelevant. Früher war die ganze Musikproduktion sehr privilegiert - sag ich mal. In den 1960er Jahren sind die Leute ins Tonstudio gekommen und mussten bereits einiges können, um überhaupt die Chance zu kriegen, dass man eine Platte aufnimmt. Heute hat jeder von zuhause aus die Möglichkeit etwas auf die Beine zu stellen. Man muss schauen, was man selbst tut, und was die Leute hören wollen. Diese Komponenten gilt es richtig abzustimmen. Blöd ist nur, wenn man ein super talentierter Künstler ist, aber am Markt vorbeiproduziert. Ich versuche das nicht zu machen.

Wer sind deine Vorbilder, die dich inspirieren?

Ideologisch ist es auf jeden Fall Stephen Joshua Sondheim, wegen der Originalität und Kreativität mit der er an seine Projekte herangeht. Ich hatte auch schon mal das Vergnügen ihm die Hand zu schütteln. Das war sehr schön. Musikalisch gesehen inspirieren mich Maury Yeston, Andrew Lloyd Webber und Stephen Schwartz. Persönlich sag ich immer spaßhalber Falco. Er war ein auffälliger Typ, und das will ich auch irgendwie sein.

Wie würdest du selber deine Kompositionen beschreiben?

Meine Musik ist sehr emotional. Das denke ich, ist meine Stärke. Ich lege meinen Fokus sehr auf die „Emotions“. Mir ist es sehr wichtig, dass meine Songs eine gewisse Botschaft transportieren. Was ich nicht mag und hoffentlich auch nicht mache sind, Blabla-Lieder, die belanglos sind. Ich will gute Momente in der Handlung und in der Show und starke Emotionen, sowohl musikalisch als auch darstellerisch haben. Der Zuschauer soll einen musikalischen „Impact“ mitnehmen. Ich möchte nicht zu den Künstlern gehören, die über Belangloses schreiben und das Publikum den Wunsch hat den Saal zu verlassen oder sich fragt, warum es kein Sprechstück ist. Es ist wichtig, gute Momente zu finden, die sich dafür eignen musikalisch ausgeführt zu werden. Erst dann wird es für das Publikum interessant bleiben.

Was ist dein Lieblingsmusical?

Da gibt es mehrere. Emotional gesehen ist es „Tick, Tick… BOOM!". Da es darin um einen Komponisten geht, spricht mich das besonders an. Ansonsten „Sunday in the Park with George" von Stephen Sondheim und „Titanic" von Maury Yeston.

Also magst du auch den Film „Titanic"?

Ja, auf jeden Fall. Das ist die Art von Filmen, bei denen man, wenn sie im Fernsehen laufen, einfach nicht wegsehen kann.

Gibt es schon aktuelle Pläne über die du reden kannst?

Definitiv. Wir veröffentlichen vermutlich Anfang Oktober mein neues Musikvideo „Mondprinzessin“. Durch Corona muss man sich überlegen, wie man die Zeit effizient nutzt, da man nichts Großartiges auf die Bühne bringen kann. Zum Glück bin ich ja auch Filmemacher. Den Song performen Lisa Antoni als Sängerin und Hinako Sakuraoka übernimmt den tänzerischen Part. Zu sehen war Sakuraoka unter anderem in „Disneys Der König der Löwen" in Hamburg. Da habe ich sehr coole Ladies am Start. Wir haben ein sehr schönes, märchenhaftes Musikvideo zum Song gemacht. Das sollte von der Stimmung her sehr gut in den Herbst passen. Es gibt auch noch eine zweite Show, "Ancient Mysteries - An Irish Tale", ein irisches Jukebox-Musical. Bei diesem Stück fehlen noch ein paar Songs, die ich noch komponiere. Diese Produktion soll, wenn alles funktioniert, im November aufgeführt werden. Darin spielen unter anderem Jana Werner und Kun Jing. Es wird ein cooles irisches Märchen. Den Titelsong habe ich bereits komponiert und er ist schon im Tonstudio aufgenommen worden. Er wird auch als Single erscheinen, allerdings steht das Release Datum noch nicht fest.

Wo siehst du dich selber in fünf Jahren?

Hahaha … naja es liegt im Moment daran, wie es mit der Weltgeschichte weitergeht. Sofern sich die Situation verbessert, sollte ich eigentlich in einigen Jahren einen Tony Award haben. Ein Ziel wäre auch am „Westend“ oder in Japan Fuß zu fassen, je nachdem was der Markt dort hergibt. Ich wäre auch gerne Komponist für Film-Musicals und hätte kein Problem die Musik für „High School Musical 17" zu schreiben. Ich bin auch schön langsam mit meinen Disney Connections gut aufgestellt. Also schauen wir mal. Es bleibt spannend.

Bist du selbst auch ein Disney Fan?

Ja klar. Mein Lieblingsfilm ist „Disneys Der Glöckner von Notre Dame".

Welche Musik hörst du privat?

Ich höre privat auch sehr viel Musical. Von den neuen Sachen momentan „Matterhorn", „Der Mann mit dem Lachen", „Der Hase mit den Bernsteinaugen". Ich probiere immer am Puls der Zeit zu sein, vor allem im deutschsprachigen Raum, weil ich verfolge, wie die aktuellen Bewegungen sind. Gerade „Der Mann mit dem Lachen" oder „Der Hase mit den Bernsteinaugen" waren coole Produktionen.

Eine Abschließende Frage: Wenn du die Möglichkeit hättest mit einer verstorbenen Person zu sprechen. Welche wäre dies?

Falco. Er ist einfach der erste der mir eingefallen. Er war cool und war eine gute Kombination aus allen. Er hat einige Erfahrung im Showbusiness gemacht und viel erlebt, auch Sachen, die ich persönlich nicht gerne erleben möchte, wie den Drogen- und Alkoholkonsum und den Car-Crash. Ich versuche auch, den Eskapaden mit den Ladies aus dem Weg zu gehen.
Coole Musik, cooler Typ!

Danke für das nette Gespräch und toi, toi, toi für deine anstehenden Projekte!

Mehr über Leo Floyd könnt ihr unter anderem
auf seiner Homepgae erfahren:

www.leofloyd.com
oder auf seinem YouTube-Kanal:
www.youtube.com/channel/UCjHhivg-3v1diuCa74bPw0g

© Fotos: Michaela Springer

 

 

 

E-Mail
Instagram