15.09.2022 - Komödie am Kai/ Wien

Premiere PROBIER´S NOCHMAL!

Am 15.9.2022 startete die Komödie am Kai mit Peter Limburgs Stück PROBIER´S NOCHMAL! in ihre 41. Bühnensaison. In den Hauptrollen agieren Dany Sigel und Sabine Muhar, die nicht nur im Sprechtheater und im Film zu Hause sind, sondern in der Vergangenheit auch erfolgreich als Musicaldarstellerinnen zu sehen waren und nun auch den Schauspiel-Nachwuchs unterrichten. Gemeinsam begeistern sie nun in der unterhaltsamen Komödie PROBIER´S NOCHMAL!“

Anna möchte das „Flittchen“ kennenlernen, die ihren geliebten Mann nach 36 Jahren dazu gebracht hat, sie zu verlassen. Christine will mit einer Opernagentur durchstarten. Mit Hinterlist tritt Anna in das Leben von Christine, um ihren mörderischen Plan in die Tat umzusetzen. Doch es läuft nicht alles wie geplant.

Peter Limburg Stück ist spitz pointiert, mit unerwarteten Wendungen und bietet einiges an Situationskomik. Dabei darf auch ein Schuss Lebensweisheit nicht fehlen und die Botschaft, dass man selbst in verzweifelten Lagen nie den Mut und den Humor verlieren sollte.
Die zwei Protagonistinnen sind ideal besetzt. Ihr Spiel ist von einer Natürlichkeit und Freude, welche sich auf die Zuschauer überträgt. Dany Sigel beeindruckt zusätzlich noch mit ihrer Vitalität, die sie mit 82 Jahren auf der Bühne zu zeigen vermag.

Mit PROBIER´S NOCHMAL! ist die Komödie am Kai erfolgreich in die neue Saison gestartet. Man setzt weiterhin auf humoristische Leckerbissen, welche beste Unterhaltung ohne großen technischen Aufwand, und mit fabelhaften Besetzungen bietet. Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert. Bis zum 15. Oktober steht die Produktion noch auf dem Spielplan.

Kartentelefon: 01/ 533 24 34    *      www.komoedieamkai.at

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                                                               Kritik & Fotos: Michaela Springer

14.09.2022 - Theater im Park/ Wien

Viktor Gernots SCHIeFLIEGEN
Sein musisch-heiteres Kabarettprogramm

Fast gänzlich Politik und Corona befreit trifft der begnadete Allround-Künstler auch in seinem neuen Programm den Nerv der Zeit und begeisterte am 14. September sein Publikum im Theater im Park mit musikalischen wie komödiantischen Gustostückerln. Dabei nahm er auch die aktuelle Austro-Pop-Szene aufs Korn, plauderte aus seiner Kindheit und Jugend ließ einen Adeligen, Alltags-Psychologen und einen Fußballtrainer, der verdächtig an einen bekannten Sportler erinnerte, zu Wort kommen. Dass der Mann, der bereits unzählige Preise und Auszeichnungen sein Eigen nennen darf, noch keinen Romy bekommen hat, ist für ihn und auch seine Fans unverständlich. Humorvoll hat er sich diesem leidigen Thema angenommen und appellierte, ihn doch endlich für diesen Publikumspreis zu nominieren.

In zwei, leider viel zu rasch verflogenen, Stunden, bewies Viktor Gernot, dass er ein Überflieger in der Kabarettszene ist. Schiefliegen konnten die Zuschauer*innen an diesem Abend jedenfalls des Öfteren.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                                                                 Kritik & Foto: Wolfgang Springer

22.07.2022 - Stadttheater/ Baden (NÖ)

SUNSET BOULEVARD
Träume aus Licht

Die Bühne Baden brachte in der diesjährigen Sommerproduktion mit SUNSET BOULEVARD, eine sarkastische Abrechnung auf das Hollywood kurz nach der Stummfilmära.
Das Musical von Sir A.L Webber, Don Black und Christopher Hampson basiert auf den Film „Boulevard der Dämmerung“ von Billy Wilder mit Gloria Swanson als Hauptdarstellerin Norma Desmond, die bereits in den 50iger Jahren Pläne für eine Musicalversion mit Dickson Hughes und Richard Stapley als Komponisten hatte. Das Projekt scheiterte jedoch am Widerstand von Paramount.

Viele Begebenheiten beruhen auf der Realität. So hat zum etwa Norma Desmond sehr viele Gemeinsamkeiten mit Gloria Swanson.
Die schonungslose Abrechnung mit der Traumfabrik wurde zu einem der Meisterwerke des Österreichers Billy Wilder und rangiert auf Platz 12 der besten Filme aller Zeiten.

Am 12. Juli 1993 feierte das Musical in London mit Patti LuPone seine Welturaufführung. Glenn Close erzielte mit dieser Rolle ihren größten Broadwayerfolg.

SUNSET BOULEVARD ist musikalisch gesehen eine Aneinanderreihung von diversen Wiederholungen einiger weniger prägnanter Songs, die nach und nach zu Ohrwürmern werden. Das Stück kann nicht an die Klasse von „Jesus Christ Superstar“, „Cats“ oder „Phantom der Oper“ anschließen. Das Orchester des Stadttheaters unter der Leitung von Andjelko Igrec vermag es dennoch die Komposition des Briten eindringlich umzusetzen.

Die Geschichte selbst ist spannend und bizarr, lebt aber fast ausschließlich durch die Protagonis*innen, welche ausdrucksstarke Persönlichkeiten sein müssen - vor allem die exzentrische Stummfilmdiva. Maya Hakvoort als Norma Desmond zieht dabei alle Register ihres Könnens. Es sind gerade die dramatischen Szenen, in denen sie schauspielerisch brilliert, ihre Einsamkeit, Hoffnung und Verzweiflung, die immer mehr in Besessenheit und Irrsinn mündet. Es genügt „nur ein Blick“ und das Publikum ist ihr verfallen und tief berührt.

Lukas Perman, erst kürzlich als Hakvoorts Sohn Rudolf in „Elisabeth“ vor Schloss Schönbrunn im Einsatz, mutiert in Baden zu ihrem Toy Boy. Dabei erwies er sich als Idealbesetzung des smarten Drehbuchautors Joe Gillis. Seine Rolle ist eine Gradwanderung zwischen Mitleid und eiskalter Berechnung. Die Balance aus der Zersplitterung seiner Seele, die Verlockung eines in Reichtum sorglosen Lebens oder den echten Gefühlen, welche ihm letztendlich das Leben kosten, gelingt ihm durchgehend überzeugend.

Beppo Binder als Max von Mayerling ist passagenweise gesanglich überfordert, kann aber als traurige Gestalt überzeugen. Man fragt sich, was in einem Mann vorgeht, der als Buttler bei seiner Ex-Frau bleibt und zusieht, wie sie mit anderen Männern schläft.

Die zweite, starke Frau im Stück ist Dorina Garuci als Betty Schäfer. Sie ist das Gegenteil von Norma, jung und voller Träume und Ziele. Durch ihre jugendliche Frische und positive Lebensbejahende Art ist sie eine große Konkurrentin zu Norma – zu Recht, wie sich herausstellt. Obwohl sie mit Gillis Freund Artie Green zusammen ist, fängt sie etwas mit dem Autor an.

Vom Ensemble ist noch Thomas Smolej als Gillis Kumpel Artie positiv zu erwähnen, der als sympathischer aber naiver Artie Green zu bedauern ist. Der Rest des Cast fällt mit teilweise schlechter Artikulation auf.

Die Inszenierung unter Andreas Gergen und Projektionen von Andreas Ivancsics bieten großes Kino. Lebende Oscar-Statuen sind die einzigen Freunde der einsamen Diva. Diese zeigen jedoch auch die Schattenseiten des Filmbusiness auf. Sie fordern, zerren. Die sexuelle Ausbeutung von Frauen in dieser Branche wird auch von Gergen in Ansätzen thematisiert. Der Preis von Hollywood, damals, wie heute. Eindrucksvoll setzt er die Silvesternacht auf zwei Ebenen in Szene. Unten wird das neue Jahr hoffnungsvoll erwartet, oben schneidet sich Norma Desmond die Pulsadern auf. Die Glitzerwelt fordert ihren Tribut. Alter ist tabu, ewige Jugend ist gefragt. Schon im Film war dies ein heißes Thema auf der Bühne Baden wird es satirisch mittels eines Beautyprogramms umgesetzt.
Die Einsamkeit einer Diva, die um ihren Affen trauert, als wäre es ihr eigenes Kind, wird grell und steril gezeigt. Mitleid ist in Hollywood nicht gefragt.
Die Kostüme sind der Zeit und Gesellschaftsschicht entsprechend angepasst

SUNSET BOULEVARD begeistert die Zuschauer. Vor allem Maya Hakvoort und Lukas Perman, sowie dem Leading Team des Stadttheaters Baden ist es zu verdanken, dass dem mittelmäßige Stück von Sir A.L. Webber vor den Toren Wiens ein großer Erfolg beschieden wurde.

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5 von 6 Sternen: ★★★★★
                             Kritik: Michaela Springer; Fotos: Christian Husar

20.07.2022 - Pölz-Halle/ Amstetten (NÖ)

GREASE - Das Musical
Musicalsommer Amstetten

Amstetten reist mit GREASE back to the ´60s. Die Geschichte ist belanglos mit einer Menge Klischees. Kreischende Cheerleaderinnen und autovernarrte, pubertierende Möchtegernmachos. Mit Zigarette und sexistischen Sprüchen fühlen sich die Jungs cool und die Mädchen schmachten nach ihnen. Aber GREASE ist Kult! Vor allem die Songs reißen das Publikum mit. Es ist Gute Laune Musical, welches hervorragend in den Sommer passt. Man kann den Alltag für einen Abend vergessen, sorgenfrei und locker.

Die Inszenierung von Alex Balga ist einfallsreich und rasant, in manchen Momenten allerdings etwas übertrieben. Es gibt kaum einen ruhigen Moment. Dem Ensemble wird tänzerisch einiges abverlangt. Optisch gibt es viel nackte Haut zu sehen, inklusive Poblitzer der Jungs.
Beeindruckend das Bühnenbild und die Videoprojektionen von Sam Madwar. Die Kostüme, ebenfalls sehr einfallsreich, stammen von Aleksandra Kica. Das letzte von Sandy war jedoch enttäuschend brav. Kennt man doch das prägnante Lederoutfit von Olivia Newton John. Für den satten Sound zeigte sich Christian Frank und seine Band verantwortlich.

Gerade zur Premiere verlor Hauptdarstellerin Deike Darrelmann im ersten Akt ihre Stimme. Der Abend konnte durch Toneinspielungen der Generalprobe gerettet werden, da es keine Zweitbesetzungen gibt. Gratulation an die Tontechnik für diese rasche Umsetzung und an die Hauptdarstellerin, welche Lippensynchron die Show zu Ende spielte.
Aus dem Cast fielen besonders Muriel Willfurth als Jan und Raphael Gross als Doody durch ihre Natürlichkeit im Spiel auf.
Katharina Gorgi konnte als Rizzo ebenfalls stimmlich, wie schauspielerisch überzeugen.
Deike Darrelmann kämpfte bereits zu Beginn mit ihrer Gesangsstimme. Fairnesshalber sei hier auf eine Beurteilung verzichtet. Darstellerisch wurde sie den Ansprüchen der schüchternen Sandy vollends gerecht. Alexander Auler gibt Danny, den Möchtegern Macho mit weichem Kern. Gekonnt meisterte er diesen Balanceakt.
Ein Manko der Produktion ist jedoch, dass es dem Großteil der Cast an Charisma fehlt. So bleiben viele Figuren blass.


Das Premierenpublikum zeigte sich dennoch sichtlich begeistert und bejubelte minutenlangen das Ensemble.
Mit 85 Prozent Kartenvorverkauf und einigen Zusatzvorstellungen ist Intendant Alex Balga ein weiterer Sommerhit für Amstetten gelungen. „GREASE is the World.“

Das Stück steht noch bis So, 14. Aug. 2022 auf dem Spielplan.
Nähere Infos


4 von 6 Sternen: ★★★★

Kritik: Michaela Springer;
Fotos: Musical Sommer Amstetten/ Agentur-und-Punkt

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Boris Pfeifer, Verena Scheitz

17.06.2022 - Somerarena/ Baden (NÖ)

IM WEISSEN RÖSSL
Premiere

Mit der Operette IM WEISSEN RÖSSL startet die Bühne Baden in die diesjährige Sommersaison. Das Werk war seinerzeit eine Auftragsarbeit und wurde aus Zeitgründen auf mehrere Komponisten aufgeteilt. Hat man oft bei den Gegenwartskompositionen Probleme sich einen Song zu merken, bleiben einem in diesem Stück mehrere Ohrwürmer im Gedächtnis, sei es von Benatzkys „Es muss was Wunderbares sein“ oder „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ von Robert Stolz „Die ganze Welt ist himmelblau“, von Bruno Granichstaedten „Zuschaun kann I net“ oder zu guter Letzt „Was kann der Sigismund dafür“ von Robert Gilbert.

Oliver Baier

Die am 8. November 1930 uraufgeführte Operette wird als Frühform des Musicals gehandelt. In London wurde das Stück 650-mal en Suite gespielt, in New York 223-mal. Es gibt mehrere Verfilmungen. Legendär ist jedoch jene von 1960 mit Waltraud Haas als Rössl Wirtin Josepha Voglhuber und dem unvergesslichen Peter Alexander, der sich die Rolle des Oberkellners Leopold Brandmeyer zu eigen gemacht hat. Seine Darstellung ist so prägnant, dass die Operette stets mit ihm in Verbindung gebracht wird. Es ist diese verklärte Szenerie der scheinbar heilen Welt, mit überzogenen Charakteren.

Heinz Zednik, Verena Scheitz

Nach zahlreichen Wirrungen gibt es schließlich doch ein Happy End, inklusive Auftritt des alten Kaisers Franz Josef – jedoch nicht im Film, aber natürlich in der Sommerarena Baden. Es hat ihn sicher sehr gefreut, dass er als einziger einen Zwischenapplaus beim Betreten der Bühne bekam. Ob dieser Heinz Zednik galt, oder dessen Figur, bleibt dahingestellt. Dass die Österreicher*innen ein verklärtes Verhältnis zum vorletzten Kaiser haben, ist ja bekannt. Und Heinz Zednik zelebriert diese Rolle. Er gibt den Kaiser Franz Josef par excellence, und wenn er dann noch mit gütiger Stimme „Es ist einmal im Leben so“ trällert, berührt der 82-jährige Opernsänger nicht nur Josepha Voglhuber, gespielt von Verena Scheitz. Sie verkörpert die resche, resolute Wirtin ganz wunderbar und kann so gesangliche Defizite überspielen. Smart, charmant, wie einst Peter Alexander, mit breitem Lächeln, ist Boris Pfeifer der verliebte Leopold. Mit Wiener Schmäh und das Herz am richtigen Fleck avanciert er zum Publikumsliebling, auch wenn seine Stimme in höheren Lagen sehr gepresst und krächzend klingt.
Als Retter des Premierenabends fungierte Alexander Krönner, der innerhalb von zwei Tagen die Rolle des Dr. Siedlers einstudieren musste, nachdem die Erstbesetzung erkrankt war.

Jens Janke, Gabrielle Schuchter

Jens Janke gibt den überzogenen, ständig im berlinerischen meckernden Wilhelm Giessecke. Seine Tochter Ottlie im Punker Outfit spielt Melanie Schneider. Ein erfrischender Sigismund Sülzheimer war Oliver Baier, der durch witzige Regieeinfälle die Lacher auf seiner Seite hatte. Sein Klärchen ist die liebreizende Juliette Kahlil mit entzückendem Sprachfehler. Durch ihre quirlige Art war sie sehr präsent. Andreas Steppan als ihr Vater war herzerwärmend. Jonas Zeiler war ein Bilderbuch Piccolo, vorlaut und witzig, verpackt in jugendlich, frischem Charme.
In gleich drei kleinen Rollen bekam man Gabriele Schuchter zu sehen. Das Publikum begeisterte sie mit ihrem Jodeltalent.

Verena Scheitz, Reinhard Alessandri

Die Inszenierung von Isabella Gregor ist humorvoll, frisch und charmant. Es gibt nicht nur einen Briefkasten auf zwei Beinen, sondern auch eine steppende Kuh. Anna Vitas Choreographie ist flott und einfallsreich, perfekt für das fixe Tanz-Ensemble der Bühne Baden. Das Bühnenbild ist plakativ einfach. Die Elemente sind leicht faltbar. Bei einem zu schwungvollen Auftritt bei der Premiere hat sich ein Seitenteil des Restaurants in Bewegung gesetzt und wollte zuklappen. Die Berglandschaft wird als Postkartenidylle mit Stempel dargestellt.
Furchtbar hingegen das Outfit, mit denen sich die Darsteller*innen kleiden müssen. Diese sahen aus, wie aus einem Second-Hand Laden, bunt zusammengewürfelt, zumeist unpassend in Stil und Größe – eher untypisch für die ansonsten hochwertigen Kostüme in den Produktionen des Stadttheaters Baden.

Oliver Baier, Juliette Khalil

Dennoch laden die wunderbaren Melodien, die sympathischen Künstler*innen auf der Bühne und die solide Inszenierung zu einem Theaterbesuch in die Sommerarena ein. Den Premierengästen hat es gefallen. Und wie der Kaiser zu sagen pflegte: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“

IM WEISSEN RÖSSL ist noch bis 21.8.2022 zu sehen.  -  Nähere Infos

4 von 6 Sternen: ★★★★
                                    Kritik: Michaela Springer; Fotos: Lukas Beck

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11.06.2022 - Das Vindobona/ Wien

The ABBA-solutely Mamma Mia's

Nach mehreren krankheitsbedingten Verschiebungen und Umbesetzungen war es am 11. Juni 2022 für „The ABBA-solutely Mamma Mia´s“ soweit. Jacqueline Braun, Monika Ballwein, Andreas Wanasek und Katharina Gorgi präsentierten die größten ABBA Hits – und mehr.

Das Quartett wurde von Bela Fischer am Klavier begleitet, durch das Programm führte Jacqueline Braun mit Charme und Esprit. Sie flirtete wild mit dem Publikum und konnte es immer wieder zum Mitmachen animieren. Sie ist eine Künstlerin mit unsagbar viel Energie und man fragte sich, warum sie nicht des Öfteren als Gastgeberin engagiert wird. Mit ihrer Freundin Monika Ballwein, welche gesundheitlich angeschlagen war, ging bei den Songs der schwedischen Kultband richtig die Post ab. Motorrad und Straßenbahnschienen sind keine ideale Kombination und dennoch humpelte sie elegant mit Krücken über die Bühne. Ihre Stimme war zum Glück in keiner Weise beeinträchtigt.
Im ersten Teil konnte man viele der größten ABBA Hits hören. Im zweiten gab es schließlich ein Potpourri diverser Musicals. Mit „There Are Worse Things (I Could Do)" präsentierte Katharina Gorgi einen Ausschnitt aus „Grease“. Beim Musicalsommer Amstetten wird sie dort als Rizzo zu sehen sein.
Für einen Gänsehautmoment sorgte Jacqueline Braun mit „On My Own“ und „Maybe This Time“. Letzteres singt sie bei jeder Audition, was vom anwesenden, ehemaligen Musikdirektor der Vereinigten Bühnen Wien, Caspar Richter, bestätigt wurde.
Eine eigene Interpretation von „Somewhere“ hörte man von Monika Ballwein. Mit dem Duett „About Paradise“ aus „Footlose“ von Andreas Wanasek und Katharina Gorgi endete der Abend.

Das Publikum tobte, und bei der Zugabe wurde nochmals kräftig mitgesungen und ausgelassen getanzt. …. „Thank you for the music – Thank you for the evening“.

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4 von 6 Sternen: ★★★★

Kritik & Fotos:
Michaela Springer

02.06.2022 - Steinbruch Winzendorf (NÖ)

ROMEO & JULIA - Aufbruch in eine neue Welt
Sommerfestspiele

Julia als Emanze, Männer mit Nagellack, ein gütiger Pfarrer mit Nietenhandschuhen und -gürtel und eine Amme mit Sado Maso-Vorlieben. Das alles gibt es bei der neuen, ROMEO & JULIA Interpretation von Benedikt Karasek (Autor) und Günter Fiala (Musik), die am 2. Juni im Steinbruch Winzendorf uraufgeführt wurde.

Das Werk von Wilhelm Shakespeare stammt aus dem Jahre 1597 und handelt über zwei junge Liebende, die durch die Umstände, dass ihre Familien verfeindet sind auf tragische Weise Selbstmord begehen. Zahlreiche Werke haben diesen Stoff aufgegriffen wie etwa die Musicals „West Side Story“ und „Romeo und Julia“ von Gérard Presgurvic.

Neuinszenierungen sehen mitunter Julia als eine Frau, die selbst über ihr Leben bestimmen möchte, aber dennoch zu einer Heirat mit Paris gezwungen wird - so auch in der Winzendorfer Produktion. Julia sehnt sich nach Freiheit ohne Fremdbestimmung und beugt sich zu Beginn scheinbar dem Diktat ihres Vaters. Ist sie aber wirklich in Romeo unsterblich verliebt oder sieht sie darin lediglich ihre Chance, sich von all den familiären Zwängen zu befreien. All ihre Wünsche projiziert sie in die hineingesteigerte Liebe zu Romeo, den sie kaum kennt. Julia ist die Charakterstärkere. Sie zeigt Widerstand und handelt bedachter. Romeo ist hitzköpfiger und oft unbeherrscht, was ihm auch die Verbannung einbringt. Er liebt sie wirklich und wählt, nach Julias vermeintlichen Selbstmord, den Tod. Sie nutzt diese gewonnene Freiheit als Chance, sich von ihrem Vater, der mit Paris die Herrschaft in der Stadt an sich reißen will, loszusagen, die beiden anzuklagen und selbst die Macht zu übernehmen.

Anna Zagler und Eike N.A. Onyambu sind Julia und Romeo. Beide sehr bemüht, können das Publikum weder mit ihren dünnen Stimmen noch schauspielerischem Talent berühren. Sie stehen im Schatten von zwei Musicalprofis, die zeigen, wie es funktioniert: Marika Lichter als Amme und Axel Herrig als Julias Vater.

Es war eine sehr gute Entscheidung, die Intendantin mit auf die Bühne zu holen. Ihr perfektes Timing verleiht der Rolle den nötigen Esprit. Einfühlsam, liebevoll, aber auch bestimmend, wenn es verlangt wird, wird sie zur Drahtzieherin im Stück. Axel Herrig ist der charismatische und strenge Vater von Julia. Er verfügt über eine starke Bühnenpräsenz und Stimme. Deren beider Auftritte sind die Glanzpunkte der Produktion und erteilen den Nachwuchsdarsteller*innen ihre Lektion.
Das Stück hat durchaus Potential, wirft derzeit jedoch Fragen auf. Fecht- und Kampfszenen sind durchaus gelungen choreographiert. So manche Rolleninterpretation ist dagegen verwirrend. Benjamin Oeser gibt einen sehr tuntigen Paris. Mit dazu passend, übertriebener Gestik umwirbt er Julia. Soll es eine missglückt, adelige Performance sein oder ist Paris so machtgierig, dass er seine wahren Neigungen unterdrückt?
Florian Klein als Tybalt, sowie Rebecca Soumagné als Fürstin sind zwei positive Erscheinungen aus dem ansonst schwachen Ensemble.

Um die Zugehörigkeit der beiden Häuser der Montagues und Capulets zu erkennen, gibt es ein Farbleitsystem mit Blau und Magenta.

Das Bühnenbild ist minimalistisch und bis auf ein Würfelgerüst statisch.  Sollen sie den Aufbruch in eine neue Zeit symbolisieren oder sind dies bereits die Bauten für die im Anschluss stattfindenden Winnetou-Festspiele.

Günther Fiala greift bei seiner Musik auf die Methode der Leitmotive zurück, die von Hector Berlioz erstmals angewendet wurde. In dramatischen Musicals mit literarischen Vorlagen, findet man solche Leitmotive etwa in der „West Side Story“ oder „Les Misérables“. Doch der Beat bestimmt zumeist den Ton. An manchen Passagen wären Streicher wünschenswert gewesen, um besser Stimmungen erzeugen zu können. Die einzelnen Songs verblassen im Ganzen und werden zu Einheitsbrei. Ohrwürmer gibt es ad hoc nicht.

Die Kostüme sind bunt und schrill, die Zeit ist nur zitatweise angedeutet. Nur die Fürstin als starre Konstante ist historisch Gekleidet. Jeansjacken, Reifrock-Fragmente über Latexhosen kündigen die Umbruchstimmung an. Das Alte zerfällt, aber etwas Neues tritt bereits aus dem Schatten.

Auch, wenn das Stück Romeo und Julia heißt, sind die Stars des Abends Marika Lichter und Axel Herrig.
Das Buch weist teils interessante Ansätze auf, die Musik ist ausbaufähig und kann sich mit einem passend besetztem Orchester unter einem guten musikalischen Leiter sicherlich auch hören lassen. Die Besetzung ist, bis auf wenige, bereits erwähnte Ausnahmen, höchstens Mittelmaß. Die Inszenierung trägt ebenfalls nicht gerade für einen unterhaltsamen Abend bei.
Es ist zu hoffen, dass sich Benedikt Karasek und Günter Fiala an eine gründliche Überarbeitung machen, denn Grundpotential ist vorhanden, um das Stück an anderen Orten mit neuem Leading Team und Cast  erfolgreich aufführen zu können.

2 von 6 Sternen: ★★
Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: Musicalsommer Winzendorf 2022

 www.musicalsommer-winzendorf.at

25.05.2022 - BRUNO Brunn am Gebirge (NÖ)

INTO THE WOODS
Sommerfestspiele

Seit 25.Mai heißt es beim Bruno in Brunn am Gebirge „Ab in den Wald“, denn Maya Hakvoort treibt als Hexe ihr Unwesen in Stephen Sondheims „Into the Woods“. Das deutsche Libretto hat Michael Kunze verfasst.

Es ist keine leichte und eingängige Sommerkost. Sondheim zählt zu den musikalisch anspruchsvollsten Komponisten, mit Johann Sebastian Bach als Vorbild. Er komponierte sehr komplex und nur wenige seiner Kompositionen wurden zu Hits, wie etwa „Send in the Clowns“ oder „Losing my Mind“.
Er warnte stets seine Studentinnen und Studenten, sich vom „Markt“ abhängig zu machen. Man sollte das Thema ergreifen, das man als Herausforderung empfindet. Auch seine Vorgehensweise war kein Geheimnis. Zuerst suchte er nach Ideen, erarbeitete den Text und schließlich vertonte er ihn.
Zahlreiche Preise, darunter Tony, Grammy, Oscar, Laurence Olivier Award oder Kennedy wurden ihm verliehen.

Die Premiere von INTO THE WOODS fand am 5.11.1987 in New York statt. Der Broadway-Star Bernadette Peters verkörperte die Hexe. Drei Jahre später am 31.3.1990 fand die Deutsche Erstaufführung in Heilbronn, 2014 wurde das Stück mit Meryl Streep als Hexe verfilmt.

In Brunn am Gebirge übernahm Maya Hakvoort diese Rolle und beweist in ihrer Interpretation eine große Portion Selbstironie. Herrlich, wie sie nach der Verwandlung, wie ein Model die Hüften schwingt und die Bühne zum Catwalk wird. Stimmlich berührte sie das Publikum besonders mit „Kinder versteh´n schon / Children Will Listen“. Doch überzeugen kann das gesamte Ensemble. Jede Rolle wurde passend mit renommierten Musicaldarsteller*innen und Newcomern besetzt. Da gibt es keine Schwächen.
Anne Mandrella verkörpert die Bäckersfrau liebevoll, mit Raffinesse und humorvoll. Ihr Mann, Reinwald Kranner, ist der liebende und überforderte Bäcker. Seine Stärken liegen in den leisen, bedachten Momenten. 

André Bauer ist gleich in zwei Rollen zu sehen. Einmal als verführerischer Wolf und später als selbstverliebter Prinz und Mann von Aschenputtel. Amüsant seine übertriebenen und großen Gesten. Andreas Kammerzelt gibt sowohl den zweiten Prinzen, als auch Aschenputtels Stiefmutter. Mit blonder Perücke und Vollbart gleicht er Conchita Wurst und hat somit die Lacher auf seiner Seite. Vorallem seine markante (Hörspiel-)Stimme begeistert das Publikum.

Missy May legt ihre Rolle als schrilles, leicht psychopathisches Rotkäppchen richtig gruselig an. Ein wenig erinnert sie an Chucky, die Mörderpuppe. Sie steht damit im krassen Gegensatz zum liebreizenden und warmherzigen Aschenputtel, verkörpert von Valerie Luksch.
Nazide Alylin muss sich als Rapunzel mit einem eher kleineren Part zufriedengeben. Nur sporadisch gibt ihr das die Möglichkeit, ihre Gesangsstimme in vollem Umfang zu zeigen.

Matthias Trattner gibt den einfältigen aber liebenswerten Hans. Dabei beweist er, dass er für diese Figur die Idealbesetzung ist. Mit kindlichem Charme und Naivität meistert er sein Leben.
Ines Trimmer, die ebenfalls mehrere Rollen innehat, besticht mit einfühlsamer Stimme.

Und dann gibt es noch den Erzähler. Als Außenstehender führt er durch die Geschichte, bis er selbst zu deren Opfer wird. Markus Richter, seriös und mit honoriger Klangfarbe verleiht er dieser Rolle die gebührende Gewichtung.
Stefanie Riege und Silke Braas Wolters ergänzen das Ensemle als Aschenputtels Stiefschwestern, deren schaurig, heiterer Moment die Schuhanpassung war. Da fiel dann schon mal eine Zehe oder Ferse zu Boden.

Dean Welterlen schaffte es, aus INTO THE WOODS eine rasante, heitere Inszenierung ohne einen Augenblick der Langeweile auf die Bühne zu zaubern. Dafür hat er auch den Rotstift angesetzt und Kürzungen vorgenommen. Im 2. Teil hätte er sogar noch mehr streichen können.
Das Bühnenbild ist einfallsreich. Quer über die Bühne erstreckt sich mittig ein Laufsteg, dahinter versteckt sich das 6-köpfige Orchester unter der musikalischen Leitung von Jeff Frohner, welches gut auf die Protagonistinnen und Protagonisten im Vordergrund abgestimmt ist.
Das Top-Ensemble überzeugt mit erstklassigen gesanglichen und schauspielerischen Qualitäten.

Maya Hakvoort und ihr kreatives Team liefert im heurigen Musicalsommer Brunn am Gebirge eine rundum gelungene Produktion auf hohem Niveau ab, welche eine eher schwer verdauliche Musicalkost zum Hochgenuss werden lässt!

Die Produktion ist noch bis 12. Juni in Brunn am Gebirge zu sehen:
https://sommerfestspiele-brunn.at/into-the-woods/das-stueck

6 von 6 Sternen: ★★★★★★

Kritik:
Michaela Springer
;
Fotos:
Herwig Prammer


21.05.2022 - Komödie am Kai (Wien)

GUT GEGEN NORDWIND
Wiederaufnahme

„Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf“.

Kann man sich in eine Person verlieben, mit der man nur schriftlich in Kontakt steht und noch nie gesehen hat? Laut Psychologen ist dies durchaus möglich, da jeder Mensch bestimmte Sehnsüchte und Wünsche hat. Man lernt jemanden im Internet kennen, der diese Sehnsüchte zu erfüllen scheint. Es ist das Gefühl des gehalten und aufgefangen werden, wonach man strebt. Aber das ist nicht eine moderne Erscheinung, ausgelöst durch das Internet. Das gab es schon immer, etwa in Form des guten, alten Briefwechsels. Aber wohin führt dieser oft intensive Gedankenaustausch. Genügt das Schreiben oder nimmt das körperliche Begehren auf Dauer überhand? Wo sind die Grenzen? Man ist mit einem Menschen im Geiste vertraut, körperlich zugleich fremd. Es ist eine Art Außenwelt, in die man flieht und leben will, ohne das enge Korsett des Alltags, einfach nur ICH sein.

Auf diese Achterbahn der Gefühle begeben sich Emmi und Leo in der Theateradaption des Bestsellers GUT GEGEN NORDWIND, das am 21. Mai 2022 seine Wiederaufnahme an der Komödie am Kai feierte. Das kleine, privat geführte Theater versprüht einen besonderen Charme. Ohne Dreh und Hebebühne ohne LCD-Projektionen und anderen technischen Firlefanz liegt der Fokus ganz allein auf dem Können der Schauspieler. Hier wird Theater noch mit Herzblut betrieben.
Unter der Regie der Hausherrin Sissy Boran und Andrea Eckstein entstand eine sehr intime Atmosphäre und eine berührende und zum Nachdenken anregende Inszenierung.

Anna Sophie Krenn ist die quirlige, etwas verpeilte Emmi, die zufällig online auf den bedächtigen Professor Leo, gespielt von Anatol Rieger stößt. Ein falsch adressiertes Mail und ein daraus entstehender belangloser Plausch ist der Beginn einer intensiven Beziehung zweier im Leben gefestigter Menschen, die dennoch auf der Suche nach der Erfüllung ihrer verborgenen Sehnsüchte sind. Der Schriftverkehr wird immer intensiver, das Warten auf die nächste Antwort unerträglicher. Man öffnet sich dem Fremden gegenüber, bis sich Zuneigung entwickelt. In diesem Rausch der Begierde vermengen sich Sehnsucht, Enttäuschung, Zorn und Verzweiflung. Man will den anderen persönlich kennenlernen, scheut sich dennoch, denn die Angst vor einer Enttäuschung ist zu groß. Was ist, wenn der andere oder man selbst nicht den Erwartungen entspricht. Eine lange Zeit hat man sich ein Phantasiegerüst aufgebaut. Wie mag der/die andere wohl aussehen? Immer öfters nimmt das dazugehörige Umfeld Einfluss auf ihre Beziehung. Denn Emmi ist verheiratet und ihr Mann Bernhard bekommt langsam Wind von dieser heimlichen Liebe seiner Frau. Dies bringt schlussendlich diese Internet-Liebe zum Scheitern, obwohl beide so intensiv und tief füreinander empfunden haben.

Anna Sophie Krenn und Anatol Rieger geben das Online-Traumpaar auf Distanz – eine Idealbesetzung. Sie lassen das Publikum überzeugend an ihren Gefühlsschwankungen teilhaben. Mal schüchtern, mal herausfordernd legen sie ihre Rolle an. Die Intensität ihres Spiels nimmt stetig zu. Man fühlt und leidet mit ihnen mit.

Das Bühnenbild von Siegbert Zivny ist einfach aber effektiv. Zwei Kommoden als Raumtrenner für die zwei unterschiedlichen Wohnbereiche, ein Sofa, ein Tischchen, ein Schreibtisch mit Drehstuhl und ein Fauteuil reichen völlig aus. Die Kostüme von Barbara Langbeinig entsprechen der Alltagskleidung unserer Zeit.

„Zu meinem Glück gehören eMails von Leo“.  – GUT GEGEN NORDWIND wird als der zauberhafteste und klügste Liebesdialog der Gegenwartsliteratur gefeiert. Das Buch des Österreichers Daniel Glattauer ist ein Bestseller. Und auch die Verfilmung 2019 fand großen Zuspruch.
Bis zum 18. Juni hat man noch die Gelegenheit das Stück im Herzen von Wien zu sehen.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik: Michaela Springer; Fotos: Komödie am Kai

17.05.2022 - Stadttheater Mödling (NÖ)

REVANCHE -
Mord mit kleinen Fehlern

Premiere in Mödling

Es liegt in der Natur des Menschen zu spielen. Wir spielen mit den Kindern, mit unseren Haustieren, Gesellschaftsspiele oder in Casinos um Geld. Alles in der Norm. Aber wie weit darf man moralisch gehen? Ist es rechtens einen Menschen in Todesangst zu versetzen oder gar tödlich zu verletzen? Wenn ein psychologisches Spiel zu weit geht und die Grenzen von beiden Spielern überschritten werden, dann ergibt sich daraus REVANCHE – MORD MIT KLEINEN FEHLERN.

Das bekannteste Stück von Anthony Shaffer, welcher unter anderem auch für Alfred Hitchcock und Peter Ustinov zahlreiche Drehbücher verfasst hat, zählt zu den großen Klassikern und feierte im Stadttheater Mödling am 17.5 Premiere. Es ist eine Mischung aus Krimi, Krimi-Parodie und Drama. Die Zuschauer*innen sind nie auf der richtigen Fährte, denn nichts ist so, wie es scheint.

Andrew Wyke ist ein erfolgreicher, englischer Krimiautor, arrogant und glaubt über allen Dingen zu stehen. Er ist im Glauben, niemand sei ihm ebenbürtig. Johannes Terne verkörpert die Rolle großartig. Vom Aussehen her die Idealbesetzung als englischer, etwas versnobter Upper Class Angehöriger. Er zeigt sich temperamentvoll, mit regem Geist und Scharfsinn. Terne bewegt sich auf einen schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Sein intensives Spiel steigert sich nach unde nach, bis er augenscheinlich dem Wahnsinn verfällt. Glaubwürdig zudem sein Wechsel vom Täter zum Opfer.

Otto Beckmann ist ihm als Milo Tindle ein ebenbürtiger Gegner. Tindle ist in England geboren, seine Wurzeln hat er in Italien. Beruflich hat er einen Friseursalon - und er ist der Liebhaber von Wykes Ehefrau. Bereits durch seine Herkunft ist er ihm kein ebenbürtiger Gegner und in der Tat der Gegensatz zu Wyke. Tindle ist ein italienischer Sunnyboy, was für den kühlen Wyke natürlich ein Dorn im Auge ist. Dessen Stärken liegen in den Spielen in seinem Kopf. So wird ein Treffen im Haus des Autors ein Spiel der Worte, scharf wie ein Skalpell und der Manipulation des Gegenübers, gefolgt von einem wilden Rausch der Erregung beim Spüren der Todesangst des anderen, was unendlich ausgekostet wird.

Nach einer Stunde kommt der Schnitt. Otto Beckmann betritt die Bühne als Inspector Doppler, für die Zuschauer nicht erkennbar. Das Spiel kann erneut beginnen. Der Täter wird zum Opfer und das Opfer zum Täter. Der Zuschauer wird auch im Programmheft mit einem dritten erfundenen Schauspieler in die Irre geführt.

Besonders zu erwähnen ist die Inszenierung von Sam Madwar. Das Bühnenbild hat die versnobte Atmosphäre eines englischen Anwesens. Düstere, dunkle Schwere, verstaubt, bedrückend und der langen Tradition des englischen Adels ausstrahlend. Es spiegelt auch das verspielte, geniale Gemüt des Besitzers wider. So steht am Stiegenaufgang etwa eine Ritterrüstung, welche Wyke bei Witzen zum Lachen bringen kann.

Auch die Kostüme von Anna Pollack sind detailgetreu und stellen den klaren Gegensatz der zwei Hauptprotagonisten dar. Der schwere, aufwändig, aber biedere Anzug Wykes und der farbenfrohe Italo-Style von Milo, Zeichen seines lockeren und leichten Lebensstils.

Der Hauptfokus liegt jedoch auf den zwei Darstellern, die sich wunderbare Wortgefechte liefern. Von der ersten Minute schaffen sie es das Publikum auf einen heiteren und spannenden Psychotrip zu nehmen. Beide legen ihre Rolle brillant genial und vielfältig an. Was ist wahr und was ist Täuschung. Lange Zeit glaubt man, dass Wyke einen Schritt voraus ist und Milo zu naiv, um das Spiel zu durschauen. Aber der Schein trügt. Das Stück kann nur funktionieren, wenn die beiden Schauspieler diesen Spagat schaffen. Johannes Terne und Otto Beckmann schaffen ihn definitiv.
Großes Theater in einem kleinen Theater. Chapeau!

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                          Kritik: Michaela Springer
; Fotos: Bettina Frenzel

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Weitere Spieltage:
Di., 24.5. 2022 um 19:30 Uhr
Do. – Sa., 26.5. – 28.5.2022, jeweils um 19:30 Uhr

www.theaterzumfuerchten.at

Veranstaltungs-Tipp:

Wer Johannes Terne hautnah erleben möchte, dem sei ein Besuch bei
A TRIBUTE TO STEPHEN SONDHEIM am 25. Mai, 19.30,
im Alten Rathaus
empfohlen.

Mehr Infos und Restkarten unter:
https://www.musicalcocktail.info/A-Tribute-to-Stephen-Sondheim/
oder
rene.rumpold@chello.at



02.05.2022 - Volksoper Wien

Heute im Foyer ...
Juliette Khalil &
Benjamin Oeser

A Funny Thing Happened on the Way to the Volksoper

Zwei Publikumslieblinge der Volksoper, Juliette Khalil und Benjamin Oeser, die im August selbst den Bund der Ehe eingehen werden, widmeten sich am 2. Mai im Balkon-Foyer in ihrem 70-minütigen Programm den vielen Facetten der Liebe.

Es gibt bekanntlich verschiedene Formen und Arten der Liebe und so gibt es auch die unterschiedlichsten Zugänge. Nicht nur die großen Philosophen, Lyriker oder Wissenschaftler*innen haben sich mit dem Thema beschäftigt, sondern auch zahlreiche Komponisten und Librettisten. So entstand ein überaus abwechslungsreiches Programm, welches einen großen zeitlichen Bogen von Cole Porter, Rodgers & Hammerstein, Leonard Bernstein, bis Sir Andrew Lloyd Webber und Alan Menken umfasste.

Oxytocin ist an allem schuld! Das ist nämlich jenes Hormon, welches verliebt macht. Denn dieser Gefühlszustand setzt, nüchtern betrachtet, die hormonellen Vorgänge im Körper in Gang. Neben philosophischen Weisheiten so mancher Gelehrter und heitere Anekdoten, Geschichten und Gedichten, wie sich etwa die Liebe im Laufe eines Lebenszyklus verändert, gaben die beiden musikalische Leckerbissen diverser Film-, Operetten- und Musicalwerke zum Besten: „Schau mich bitte nicht so an“, „Küss sie doch“, „Schön, jung und geliebt“ oder ein Eliza Doolittle-Medley aus „My Fair Lady“, um nur einige zu nennen. Ein körperliches Highlight war die geglückte Hebefigur aus „Dirty Dancing“.


Besonders Juliette Khalil strahlte an diesem Abend jede Menge positive Energie aus. Mit Wiener Schmäh und Charme kokettierte sie nicht nur mit den Anwesenden, sondern verzauberte auch ihren Partner und den Pianisten Laszlo Kövi.
Benjamin Oeser
verfügt über eine angenehme Musicalstimme und stand seiner Verlobten um nichts nach. Ob Macho, Verführer oder gekränkter Liebhaber, er fühlte sich in allen Rollen wohl.

„A Funny Thing Happened on the Way to the Volksoper“ war ein heiterer und vergnüglicher Abend in intimen Rahmen mit einem gut gelaunten Pärchen, welches mit schönen Stimmen und humoristischen Einlagen das Publikum begeisterte.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik & Fotos: Michaela Springer

Matthias Körber, Aurelia Naveau

23.04.2022 - Schauspielhaus Linz (OÖ)

FANNY UND ALEXANDER
Uraufführung des Musicals in Linz

FANNY UND ALEXANDER, der letzte Film von Ingmar Bergmann, feierte am 16. April 2022 als Musical von Gisle Kverndokk und Øystein Wiik seine Uraufführung im Schauspielhaus Linz.

Introvertiert und pessimistisch, beeinflusst von Sigmund Freud, setzt sich Ingmar Bergmann bei seinen Arbeiten stets mit seelischen Konflikten und existenziellen Problemen auseinander. Die religiöse Sinnsuche in einer Welt, wo Gott keine Antwort gibt, die Einsamkeit des Individuums und die Schwierigkeiten des Miteinanders. Die offen gezeigte Erotik war für Bergmann ein wichtiges Instrument in seiner Darstellung.
In Schweden und Norwegen wird die Filmversion jedes Jahr zu Weihnachten ausgestrahlt. Es ist alles andere als ein süßer und kitschiger Fernsehfilm und dennoch wird er als Familien Event zelebriert, das Generationen verbindet. Es muss an der Mentalität der nordischen Bevölkerung liegen, denn in unseren Gefilden würde man sich so einen Film vor allem mit Kindern nicht zur Weihnachtszeit anschauen. Aber wie heißt es so schön: andere Länder, andere Sitten.

Sanne Mieloo, Matthias Körber, Aurelia Naveau

Wie schon beim Einführungsgespräch erörtert, ist es kein Feel Good-, sondern ein Feel Everthing-Musical – und das trifft es auf den Punkt. Es dringt tief in die menschlichen Abgründe ein: religiöser Fanatismus, Züchtigung und psychische Misshandlungen, sexuelle Triebe und Demütigungen. Keine leichte Kost. Mit FANNY UND ALEXANDER schlägt das Musical einen neuen Weg ein. Die Musik ist oft Untermalung, wirkliche Ohrwürmer bleiben aus, lediglich das Trinklied „Schluck, schluck schluck“ und die Liebesballade „Halt mich fest Geliebte(r)“ bleiben in Erinnerung. Walzer und Tangoklänge, wie „Spiel mit mir Hoppa Reiter“ sind genauso zu vernehmen wie Operetten- und moderne Opernelemente.

Die Story:
FANNY UND ALEXANDER ist die Geschichte der Theaterfamilie Ekdahl. Familienoberhaupt und ehemalige Schauspielerin ist Helena, welche drei Söhne hat.
Oskar, der älteste Sohn ist ein mäßiger Schauspieler, aber ein sensibler und kreativer Vater. Mit seiner Frau Emilie hat er die Kinder Fanny und Alexander, vermutlich von zwei verschiedenen Vätern. Obwohl sie sich über alles lieben, sind sie körperlich enthaltsam.
Das genaue Gegenteil ist Gustav Adolf. Obwohl verheiratet, ist er ständig auf der Suche nach weiblichen Abenteuern.
Karl, der jüngste Sohn, ist hochdepressiv und vollkommen verschuldet.
Alexander lebt in mehreren Wirklichkeiten und verliert sich in seinen Geschichten. Bergmann bezeichnet ihn als Fantasie Märtyrer.
Als sein Vater stirbt, bricht seine heile Welt zusammen. Seine Mutter findet Trost beim örtlichen Bischof und heiratet ihn schließlich. Sie zieht mit den Kindern in die düstere Residenz. Alexander spürt, dass im Bischof ein Biest schlummert. Der Bischof wendet boshafte psychische Tricks an, scheut auch vor Gewalt nicht zurück, um Alexander zu brechen. Er schlägt ihn, um ihm seine die Sünden auszutreiben und das unter dem Deckmantel der Liebe. Es ist ein Kampf, den das Kind eigentlich nur verlieren kann. Doch die Stärke des Jungen lässt ihn siegen. Am Ende ist der Bischof tot und die Familie lebt. Doch übernimmt nicht der an Donjuanismus (krankhaft gesteigerter Geschlechtstrieb) leidende Gustav Adolf das Theater, sondern Helena überzeugt Emilia dieses weiterzuführen.
Nach drei Stunden psychischer Tiefen gibt es schlussendlich also doch ein kleines Happy End, welches jedoch aufgesetzt und klischeehaft wirkt. Die Familie überlebt nur dadurch, dass die emanzipierten Frauen das Ruder in die Hand nehmen. Das Böse wird ausgelöscht.

Birgit Zamulo, Gabriel Federspieler, David Arnsperger

Die Inszenierung von Matthias Davids hält sich an die Filmfassung.
Das Bühnenbild von Hans Kudlich gleicht einem Kreisdiagramm, dessen einzelne Sektoren die diversen Schauplätze darstellen, die mittels Drehbühne nach Belieben rasch platziert werden können.
Die Kostüme von
Susanne Hubrich entsprechen der Zeit und sind sehr aufwendig gestaltet. Es gibt einen exakten Bruch zwischen den glamourösen modernen Theaterleben und dem kargen Leben beim Bischof, wo die Bedienstete auch nur schwarz graue gestreifte Kleidung trägt.
Mittels Videoprojekten (Jonatan Salgado) werden die Fantasien von Alexander veranschaulicht.
Die musikalische Leitung obliegt bei Tom Bitterlich.

Daniela Dett, Franziska Stanner, Tina Schöltzke

Oberhaupt der Familie ist Helena. Franziska Stanner verleiht der Rolle die richtige Warmherzigkeit und Güte. Sie ist der Fels in der Brandung, zentraler Mittelpunkt, Zufluchtsort und Retterin in der Not. Sie kann die Drähte ziehen.

Karsten Kenzer ist Oskar, der viel zu früh verstorbene Sohn Helenas, der im Geist in der Nähe Alexanders bleibt und ihm beisteht.

Daniela Dett, Gernot Romic

Sanne Mieloo ist dessen gütige und nach Liebe sehnende Frau Emilie. Sie ist stark und kämpft für sich und ihre Kinder. Schauspielerisch beeindruckend, bricht ihr in den Höhen des Öfteren die Stimme weg.

Gernot Romic gibt Karl, den dritten Sohn Helenas. In Depressionen verfallen, macht er sich und das Leben seiner Gattin zur Qual.

Daniele Duett, als dessen Frau, hat eine nur kleine Rolle. Aber wenn sie auf der Bühne ist, dann mit starker Präsenz und überzeugender Stimme.

Nina Weiß, Max Niemeyer

Max Niemayer ist der vom Sexualtrieb beherrscht werdende Gustav Adolf, der nur so von Kraft strotzt.

Nina Weiß, seine Gattin, nimmt mit stoischer Gelassenheit die Geliebten ihres Mannes zur Kenntnis.

David Arnsperger, Sanne Mieloo

David Arnsperger beeindruckt als Bischof. Sein diabolisches Spiel entsetzt. In seinem Hass, im besten Glauben das Richtige zu tun, schaukelt er sich hoch ein einen wahren Blutrausch. Nichts kann ihn halten. Aber auch seine leisen, ruhigen Drohungen sich furchteinflößend.

Klaus Brantzen als helfender Freund und Geliebter von Helena ist gütig und humorvoll.

Besonders zu erwähnen ist der Countertenor Alois Mühlbacher in seiner ersten Musicalproduktion. Seine Stimme begeistert.

Matthias Körber ist Alexander, der fast durchgehend auf der Bühne stehen muss. Kein leichter Part, den der Junge bravourös meistert. Fast heldenhaft lässt er sich mit dem Teppichklopfer schlagen und bietet dem Bischof die Stirn. Er ist stolz und lässt sich nicht brechen.

David Arnsperger, Sanne Mieloo

FANNY UND ALEXANDER ist kein Stück, das  man, beschwingt mit einer netten Melodie, hinter sich lässt. Es regt in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken an.
Die Moralvorstellung des Klerus der damaligen Zeit. Macht Züchtigung aus jemanden einen besseren Menschen? Warum duldet die Ehefrau die Geliebten ihres Mannes, in einer Zeit, in der die Emanzipation der Frauen schon fortgeschritten war? Warum musste man etliche Passagen als Sprechgesang konzipiert, obwohl Schauspiel mit emotionaler Hintergrundmusik geeigneter gewesen wäre? Wenn man die Handlung strafft, hätte das Stück weniger Längen. Ist dieser Stoff wirklich für ein Musical geeignet?
Diese und viele weitere beschäftigen einen noch eine ganze Weile nach dem Theaterbesuch. Vielleicht muss man dieses Stück mehrmals sehen, um alles zu erfassen. Was man aber sagen kann, ist, dass die Musicalfassung zu FANNY UND ALEXANDER ein mutiger Versuch ist, das Genre Musical auf eine neue, anspruchsvollere Ebene zu heben, weg vom Klischee der seichten Unterhaltung mit ebensolchen Darsteller*innen. Ob es der richtige Ansatz ist? Durchaus. Letztendlich entscheidet aber das Publikum.



4 von 6 Sternen:
★★★★

Kritik: Michaela Springer;
Fotos: Reinhard Winkler

  • Alois-Mühlbacher,-Gabriel-Federspieler
  • Birgit-Zamulo,-Alois-Mühlbacher,-Lukas-Sandmann,-Karsten-Kenzel,-Sanne-Mieloo
  • Birgit-Zamulo,-Gabriel-Federspieler,-David-Arnsperger
  • Franziska-Stanner,-Klaus-Brantzen
  • Gabriel-Federspieler,-Karsten-Kenzel
  • Gabriel-Federspieler,-Muriel-Nova
  • Hanna-Kastner,-Franziska-Stanner
  • Klaus-Brantzen,-David-Arnsperger,-Birgit-Zamulo
  • Lukas-Sandmann,-Gabriel-Federspieler
  • Max-Niemeyer,-Hanna-Kastner8314_300dpi
  • Sanne-Mieloo,-Celina-dos-Santos
  • Sanne-Mieloo,-Gabriel-Federspieler,-Birgit-Zamulo,-Peter-Landerl,-Tina-Schöltzke,-Muriel-Nova,-David-Arnsperger
  • Sanne-Mieloo,-Matthias-Körber,-Aurelia-Naveau
  • Sanne-Mieloo


09.04.2022 - Kulturgarage Seestadt/ Wien

JESUS CHRIST SUPERSTAR

Am 8. April feierte JESUS CHRIST SUPERSTAR Premiere in der Seestadt. Man konnte nicht erwarten, dass „Sipario“ in nur zwei Wochen eine hochwertige Produktion auf die Beine stellt. Und so ist es auch. Man hätte gutgetan, ein Stück zu wählen, bei dem nur wenige Instrumente verlangt werden und sich zudem die Zeit geben sollen, es mit den Sänger*innen zu entwickeln und erarbeiten. Mit mehr Inspiration und Einsatz hätten die Besucher*innen durchaus sehenswertes, semiprofessionelles Musiktheater, erleben können. Aber da man sich selbst als hoch professionelle Theatergruppe bezeichnet, muss dies dementsprechend bewertet werden.

Die Inszenierung von Patricia Nessy ist, sicherlich auch bedingt durch den Zeitmangel, farblos mit nur wenig zündenden Ideen. Der Einzug Jesus in Jerusalem unter dem Jubel der Menge, welche Palmen schwingend „Hosanna“ singt, wird in der Seestadt lediglich durch wahlloses herumtänzeln des Ensembles mit erhobenen Händen dargestellt.
Kreativ gelöst wird hingegen der Selbstmord von Judas, der sich nach und nach in ein Seil verstrickt, symbolisch für die auswegslose Lage, in der er sich befindet.
Jesus stirbt hingegen unspektakulär auf einer kleinen Treppe stehend und durch seitliches Austrecken der Arme ein Kreuz andeutend. Die Schaulustigen liegen leblos mit dem auferstandenen Judas dem Messias zu Füßen. Unmittelbar darauf lässt Jesus die Arme hängen, steigt von den Stufen und geht beglückt mit seinen Freundinnen und Freunden von der Bühne ab. Da die meisten Zuschauer*innen im Saal das Stück noch nicht kannten, gab es viele ratlose Gesichter. Dass die Aufführung in Englisch war, trug auch nicht gerade zum besseren Verständnis bei.

Jesus wird von Joel Zupan verkörpert, der laut Presseaussendung nicht nur Kandidat bei "The Voice of Germany" war, sondern sogar singen kann, Seine Streitgesprächen mit Judas ähneln einem aufmüpfigen und trotzigen Jugendlichen – high statt inspirierend und als Anführer ungeeignet. Auch fehlt es Zupan an Charisma. Stimmlich fischt er im Trüben, in den Höhen wird geschrien. Hier lohnt sich ein Vergleich mit der Interpretation und Intonation von Glenn Carters „Gethsemane“ („Jesus Christ Superstar 2000“ DVD) oder Ted Neeley (1973 bzw. 2021).
Der Song gilt nicht umsonst als einer der am schwersten zu singenden im Musical-Genre.

Florian Klein gibt den Judas. Er ist sehr bemüht im Spiel und auch Gesang. Dennoch fällt es ihm schwer seine Wut und Verzweiflung zu transportieren.

Rebecca Soumagné als Maria Magdalena vermag technisch sauber zu singen, jedoch steckt wenig Gefühl in „I Don't Know How to Love Him“, DEM Liebeslied des Stückes. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie den Inhalt des Textes nicht versteht.

Robert D. Marx, eigentlich der Fels in der Brandung im Team von „Sipario“ kann bei Jesus Christ Superstar auch nicht seine Fähigkeiten ausspielen. Sein Herodes ist zwar in seinem goldenen Rapper-Outfit amüsant anzusehen, doch richtig überzeugend wirkt er in der Rolle nicht. Dies zeigt auch die Schwierigkeiten eines fixen, sehr kleinen Ensembles auf. Jede und jeder muss sämtliche Figuren übernehmen, selbst wenn sie ihnen nicht entsprechen.

Das Orchester besteht aus Keyboard und Synthesizer, zu laut abgestimmten Drums und zwei Gitarren. Etwas dürftig, um dem Rock-Musical Leben einzuhauchen und der Partitur Webbers Nachdruck zu verleihen. Die Harmonie zwischen Darsteller*innen und Musik wird zudem des Öfteren unterbrochen. Das schlechte Timing ist sicherlich auch den mangelnden Proben zu zuschreiben.

Auch zwischen den Sänger*innen gibt es einige stimmliche Diskrepanzen.
In den zwei Jahren Pandemie haben viele Musicaldarsteller*innen merklich an Qualität eingebüßt. Dies ist jedoch ein auffälliges Problem in vielen Shows.

Die wenigen choreographischen Ergüsse muten an wie Fitness-Workouts.

Presse, Zuschauer*innen und Prominente waren schon von DRACULA enttäuscht und mieden in Folge die weiteren Inszenierungen. Man muss leider sagen, dass mit solch einer Professionalität dem Genre Musical kein Gefallen getan wird und der Kulturgarage von Beginn an ein Image angeheftet wird, welches der Seestadt entspricht: Öd, kahl und leblos.

Jene, welche sich nach „Sipario“ in die Kulturgarage einmieten, werden es nicht leicht haben, das Image zu verbessern. Wie schon eine bekannte Künstlerin nach der Premiere von DRACULA verkündete: „An diesen Ort fahre ich nie wieder.“ So dachten viele, was zu einem drastischem Publikumsschwund bei den weiteren Produktionen, DER KLEINE HORRORLADEN und JESUS CHRIST SUPERSTAR führte. Und auch dem Schauspielstück MUTTERTAG sollte kein Zuschauererfolg beschieden sein.
Aber aller Anfang ist schwer und man wird sehen, welche Zukunft „Sipario“ beschieden ist.

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2 von 6 Sternen: ★★

Kritik: Wolfgang Springer
Fotos: Rolf Bock

Elisabeth Sikora, Carin Filipčić; (c) Rudi Gigler

08.04.2022 -
Stadttheater Gmunden (OÖ)

DIE FRAU IN WEISS (The Woman In White)
Musicalfrühling in Gmunden

Mit dem „Musicalfrühling in Gmunden“ wird traditioneller Weise die Sommersaison in der Bezirksstadt am Traunsee eingeleitet. Zum 150-jährigen Jubiläum des Stadttheaters hat man die deutschsprachige Erstaufführung von Sir Andrew Lloyd Webbers DIE FRAU IN WEISS (The Woman In White) ausgewählt. Premiere war am 8. April.
Das Musical basiert lose auf dem Roman von Wilkie Collins aus dem Jahre 1860 und kann in das Genre Mystery Thriller eingeordnet werden. Das Buch stammt von Charlotte Jones, die Gesangstexte von David Zippel. Die kompletten Texte wurden von Wolfgang Adenberg ins Deutsche übertragen.

(c) Peter Kainrath

Am 15. September 2004 fand die Uraufführung im Palace Theatre in London statt. Somit gehört THE WOMAN IN WHITE zu den späteren Werken von A.L. Webber, wo er den Zenit seiner Genialität bereits überschritten hatte. Dennoch wertete The London Guarden es als beste Komposition des Briten seit Jahren.
Die Musik lässt jedoch keinen Spielraum für Interpretationen und ist eher Untermalung. Für A.L. Webber typisch, die immer wiederkehrenden, selben Melodien.
Die Geschichte ist mystisch, spannend mit heiteren und dramatischen Momenten.

Elisabeth Sikora; (c) Peter Kainrath

Die Story:
Der Zeichenlehrer Walter Hartright (Sasha Di Capri) soll die beiden Halbschwestern Marian Halcombe (Carin Filipčić) und Laura Fairlie (Elisabeth Sikora) unterrichten. Auf der Hinreise wird er von einer scheinbar verwirrten Frau, ganz in Weiß gekleidet, (Anaïs Lueken) angesprochen. Es ist Anne Catherick. Sie hütet ein unausgesprochenes Geheimnis, welches aus ihr heraus möchte. Walter verliebt sich in Laura und auch sie hegt Gefühle für ihn, doch sie ist bereits an Sir Percival Glyde (Gerd Achilles) versprochen. Walter verlässt das Anwesen, nachdem er von Maria an seine Pflichten als Gentleman erinnert wurde. Insgeheim hegt auch die burschikose Marian romantische Gefühle für ihn. Laura hält an ihrem Versprechen, dass sie ihren Vater am Sterbebett gab, fest, und heiratet Percival. Die unzertrennlichen Schwestern ziehen auf das Anwesen von Percival, der schon bald sein wahres Gesicht zeigt. Er ist unbeherrscht und gewalttätig. Ihm zur Seite sein Freund und Arzt Graf Fosco (Yngve Gasoy-Romdal). Da die wohlhabende Laura sich weigert eine Generalvollmacht zu unterschreiben, schmiedet Percival mit Fosco einen perfiden Plan. Anne wird gefangen genommen und zu ihrer angeblich eigenen Sicherheit in die Irrenanstalt gebracht.
Marian, die gelauscht hat, wird mittels eines vergifteten Wassers außer Gefecht gesetzt. Als sie wieder zu sich kommt, wird ihr verkündet, dass Laura bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen sei. Marian will den Tod ihrer Schwester nicht wahrhaben und sucht Hilfe bei Walter. Gemeinsam wollen sie herausfinden, wo Anne ist, um das Geheimnis zu lüften. Marian setzt dabei ihre weiblichen Reize ein, um an die Information über den Verbleib Annes heranzukommen. Sie suchen die Irrenanstalt auf, finden dort aber Laura statt Anne, die sie befreien. Laura kehrt zu Glyde als Anne verkleidet zurück und entlockt ihm das grausame Geheimnis. Als sie sich schließlich als Laura zu erkennen gibt, attackiert er sie. Walter kommt ihr zu Hilfe, Percival ergreift die Flucht in einen Zugtunnel und wird dort von einem Zug erfasst. Nun steht der Liebe zwischen Walter und Laura nichts mehr im Wege.

(c) Peter Kainrath

Sasha Di Capri verkörpert den Zeichenlehrer Walter Hartright, der unsterblich in Laura verliebt ist. Mit schüchternem Blick sehnt er sich nach ihrer Nähe. Das sie einem anderen versprochen ist, erträgt er nicht muss gehen. Di Capri harmoniert hervorragend mit Elisabeth Sikora als Laura wie im Duett „Was mein Herz mir sagt“.

(c) Rudi Gigler

Elisabeth Sikora ist prädestiniert für starke Frauen mit dramatischen Lebensgeschichten. Diese Qualität kann sie auch in ihrer neuen Rolle ausspielen. Laura Fairlie ist eine Kämpfernatur, die trotz Schicksalsschläge niemals den Mut verliert. Obwohl von ihrem Mann misshandelt, lässt sie sich nicht brechen. Ihr Rückgrat ist ihre Halbschwester. Zwischen ihnen herrscht eine feste Bindung. Sikoras Stimme verleiht der Figur die notwendige Anmut aber auch Kampfgeist.

(c) Peter Kainrath

Im Gegensatz zu Laura ist Marian die burschikose. Carin Filipčićs ausdrucksvolle Stimme lässt ein Feuerwerk voller Leidenschaft und Gefühle entstehen. „Nur für Laura“ ist ein emotionaler Höhepunkt. Sie nimmt die Zuschauer mit auf eine Achterbahn der Gefühle voller dramatischer Tiefe und heiter-komischen Momenten. Carin Filipčić beweist erneut ihre Vielseitigkeit. Ihre Verführungskünste mit vollem Körpereinsatz bei Graf Fosco sind überaus unterhaltsam.

Anne ist die dritte Schwester im Bunde und wird von Anais Lueken gespielt. Mystisch und geheimnisvoll, voller Verzweiflung und Dramatik legt sie ihre Rolle an.

(c) Peter Kainrath

Doch die drei Schwestern werden in den Schatten gestellt von Yngve Gasoy-Romdal als Graf Fosco. Optisch gleicht er einer Mischung aus Hercules Poirot und Falstaff (aus der gleichnamigen Oper), ein Lebemann, der sich dem Genuss völlig hingibt. Stimmlich artikuliert er wie Johannes Heesters, was der Rolle den gewissen Charme verleiht. Doch der humorvolle und galante Umgang ist nur Fassade, dahinter ist der Graf hinterlistig und durchtrieben. „Gut leben, kann ich gut“ ist sein humoristisches Highlight. Durch seine Leibesfülle beeinträchtigt, muss er dementsprechend viel über seine Mimik arbeiten, hier vor allem mit seinen Augen - ein grandioses Spiel, welches ein wenig an Bustopher Jones („Cats“) erinnert.

Dennis Kozeluh verfügt über eine markante Klangfarbe und vermag damit die Griesgrämigkeit des alten Onkels Frederick Fairlie noch zu verstärken.

(c) Rudi Gigler

Gerd Achilles überzeugt speziell darstellerisch als Fiesling Sir Percival Glyde.

Previn Moore (Bahnwärter), Heidelinde Schuster, Kun Jing, Lukas Müller, Sara Märzinger, Julia Scheiblehner, Rijja Seki und Christina Shamiyeh vervollständigten den Cast am 8. April.

(c) Rudi Gigler

Sebastian Weber, für Kostüme und Maske verantwortlich, hat besonders bei Yngve Gasoy-Romdal hervorragendes geleistet. Die Kostüme entsprechen der Zeit der Handlung, sehen hochwertig aus und haben Stil und Chick.
Das Bühnenbild ist minimalistisch. Mit Projektionen versehene Säulen erzeugen die jeweilige Atmosphäre. Elemente, die in den Zuschauerraum ragen, tragen die persönliche Handschrift von Bühnenbildner und Regisseur Markus Olzinger.

Die musikalische Leitung obliegt Jürgen Goriup. Seine zehn Musiker hatte er recht gut aufeinander abgestimmt. Dennoch waren bei der Premiere auch so manch Unreinheiten zu vernehmen.

Sascha Di Capri, Elisabeth Sikora; (c) Rudi Gigler

DIE FRAU IN WEISS gehört definitiv nicht zu den besten Stücken von A.L. Webber. Die Geschichte ist spannend, Melodien, welche im Gedächtnis bleiben, gibt es jedoch nicht. So liegt der Fokus auf den Protagonistinnen und den Protagonisten auf der Bühne, welche das Werk sehenswert zu machen. Carin Filipčić und Elisabeth Sikora sind zwei starke Persönlichkeiten, die emotional berühren. Zusätzlich mit einem großartig agierenden Yngve Gasoy-Romdal wird das Musical absolut sehenswert und ist eine Reise nach Gmunden wert.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
                                                          Kritik: Michaela Springer

29.03.2022 - Wiener Volksoper

LA CAGE AUX FOLLES
Das Abschiedsmusical von Robert Meyer

Der scheidende Direktor Robert Meyer wählte für seine letzte Musicalpremiere LA CAGE AUX FOLLES, ein Stück, welches oberflächlich betrachtet, humoristisch die schillernde Glitzerwelt des Showbusiness und Travestieszene zeigt. In Wahrheit jedoch dreht sich die Geschichte um Selbstbestimmung, den ewigen Kampf gegen (sexuelle) Vorurteile und dessen Umgang, sowie den Platz inmitten der Gesellschaft zu finden.
Mit dieser Produktion ist Robert Meyer ein fulminanter Abschluss seiner langjährigen und erfolgreichen Intendanz gelungen. Eine besondere Ära geht damit zu Ende. Die Lücke versucht die Niederländerin Lotte de Beer ab der Saison 2022/23 als neue Chefin der Wiener Volksoper zu füllen.

Eva Zamostny (Clo Clo), William Briscoe Peake (Odette), Kevin Perry (Monique), Fabian Lukas Raup (Bitelle), David-Eisinger (Mercedes), Martin Enenkel (Dermah)

Das Musical nach Jean Poirets Theaterstück „La Cage aux Folles“ mit Musik und Songtexten von Jerry Herman und Buch von Harvey Fierstein feierte bereits 1991 mit Karl Heinz Hackl und Frank Hoffmann große Erfolge an der Wiener Volksoper. Zwei Jahre zuvor fand jedoch bereits die österreichische Erstaufführung in Amstetten statt, wo man mit diesem Stück die Weichen auf Musical stellte.
Zahlreiche bekannte deutsche Darsteller verkörperten Zaza/Albin, wie zum Beispiel Helmut Baumann (1985-1986), Steve Barton (1986), Uwe Kröger (2014), Karl Heinz Hackl (1991-2007), Alfons Haider (2008) und nun Drew Sarich.

Drew Sarich (Albin alias Zaza), Viktor Gernot (Georges)

Die Story:
Das in die Jahre gekommene homosexuelle Paar Georges und Albin führen ein durchwegs normales Leben, wenngleich ein wenig intensiver und extravaganter. Georges betreibt seit vielen Jahren den Club La Cage aux Folles in Saint-Tropez. Gefeierter Star der frivolen und glitzernden Travestie-Shows ist Albin, der als Zaza das Publikum begeistert.  Wie in jeder Beziehung ist auch diese geprägt von Liebe, Eifersucht und Verständnis. Die Akzeptanz ist jedoch nicht überall gegeben.
Georges Sohn Jean-Michael, der von Georges und Albin aufgezogen wurde, hat mit Anne Dindon, die Liebe seines Lebens gefunden. Das sich ankündigende Familientreffen hat einen Haken, denn der Vater der Verlobten, Edouard, ein erzkonservativer Politiker und gestrenger Sittenwächter, möchte die Eltern des zukünftigen Schwiegersohnes kennenlernen. Georges muss daher auf die Schnelle ein bürgerlich-konservatives Umfeld für den Besuch schaffen und eine „Mutter“ finden. Schließlich übernimmt Albin die Rolle und kann zunächst auch das Vertrauen von Annes Eltern gewinnen. Als diese jedoch aufgrund einer Unachtsamkeit Albins die Wahrheit erkennen, ist vor allem Annes Vater empört und will die geplante Hochzeit absagen. Nach großen Wirren und viel Komik kündigt sich ein Happy End an.

Obwohl der Grad sehr schmal ist, schwankt Drew Sarich in seinem Spiel würdevoll und elegant, aber nie tuntig, zwischen Dramaqueen und Grande Dame. Er legt viel mütterliche Liebe in Gegenwart seines Ziehsohns. Den Höhepunkt bildet seine Interpretation von „Ich bin was ich bin“. Nachdem er die Show Boys von der Bühne geschickt hat, der Scheinwerfer sich auf ihn richtet, fängt er leise und zaghaft zu singen an, die Musik nimmt Tempo auf, wird schneller und schneller und seine Stimme wird sicherer, fester und singt sich regelrecht in Rage. All seine aufgestauten Emotionen lässt er freien Lauf. Es ist ein Seelenstriptease. Im Rausch der Gefühle verlangt er lediglich Akzeptanz gegenüber seinem Ich. Diese Interpretation geht unter die Haut.
Und der Song ist Kult! Schon nach der Uraufführung schrieb das New York Magazine, dass „I Am What I Am“ die neue nationale Schwulenhymne sei. Obwohl der Text das Outing eines Mannes ist, dessen Gefühle beschreibt und Kult bei Dragqueens und Transvestiten ist, gibt es bereits zahlreiche Sängerinnen, die das Lied interpretierten. Gloria Gaynor machte ihn etwa einst zum Hit. Weitere bekannte Solisten waren unter anderem John Barrowman, Sammy Davis Jr., Linda Eder, Anthony Warlow, Shirley Bassey, Pia Zadora und Conchita.

Viktor Gernot (Georges), Cagelles

Albin/ Zaza steht mit Georges ein liebender und verständnisvoller Ehemann zur Seite, der nach 20 Jahren genauso verliebt in ihn ist, wie am ersten Tag. All die Jahre haben die beiden zusammengeschweißt. Georges würdigt und verehrt seinen Partner. Auch wenn bei dem einen oder anderem Tänzchen die Bandscheiben nicht mehr so mitspielen wollen, ihre Liebe ist immer noch frisch und lebendig.
Viktor Gernot
ist eine Idealbesetzung. Er versprüht den Charme eines Peter Alexanders. Sein bestechendes Lausbubenlächeln und erweicht nicht nur das Herz von Zaza. Seine angenehme Gesangsstimme kommt besonders bei seinem Lied an seine große Liebe zum Tragen. Gernots komödiantische Fähigkeiten kann er des Öfteren eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Juliette Khalil, Oliver Liebl, Juriaan Bles, Viktor Gernot, Sigrid Hauser

Der Rolle entsprechend blass bleibt der Sohn des Hauses Jean-Michael, gespielt von Oliver Liebl.

Neben den Show Boys sorgt Jurriaan Bles als männliche Zofe Jacob für den erotischen Touch. Lasziv in sexy und sehr freizügigen Outfits ist er der nicht immer ergebene Diener seiner Herren, was zu zahlreichen witzigen Momenten führt.

Robert Meyer und Sigrid Hauser spielen die Eltern der Verlobten, Edouard und Marie. Für ihn, der der strikten Moral unterlegen ist, ist die Familie suspekt und der größte Albtraum. Sie ist eine unterdrückte und frustrierte Ehefrau, die jede Gelegenheit ergreift, um auszubrechen. Herrlich Sigrid Hausers Spiel.

Juliette Khalil ist die Verlobte, die sich gleich wohl und geborgen in der etwas anderen Familie fühlt.

Publikumsliebling Jakob Semotan hat als Bühnenmanager Francis kleine, aber spaßige Auftritte, die in Erinnerung bleiben.


Melissa Kings Inszenierung ist schwungvoll, hat viel Tempo und erinnert mit den großen Revueeinlagen an die Fernsehshows der 1980er Jahre.
Die Kostüme stammen von Judith Peter und sind sind bunt und ideenreich. Vor allem jene aus Manner Schnitten-Verpackungen. Vom Katz- und Maus- Spiel bis zum Recycling-Tanz ist im La Cage alles möglich. Kein Wunsch bleibt offen.

Das Bühnenbild von Stephan Prattes ist teils überdimensional, bei dem schon mal eine riesige Weltkugel über die Bühne schwebt, aus der es Plastikflaschen regnet oder eine gigantische, aufblasbare Katze zu Klängen von „Memory“ (Cats) auftritt.
Das Orchester unter der Leitung von Lorenz C. Aichner macht seine Sache ausgezeichnet.

Mit LA CAGE AUX FOLLES in der Volksoper wird, ohne die Bedienung von alten Klischees, eine hervorragende Inszenierung geboten, die technisch, musikalisch und schauspielerisch überzeugen kann - und die mit Drew Sarich und Viktor Gernot ein neues Traumpaar des Musicals geschaffen hat. So muss Musical sein!

  • Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza)-2
  • Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza)-5
  • Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza),-Musical-Ensemble
  • Robert-Meyer-(Edouard-Dindon),-Musical-Ensemble
  • Viktor-Gernot-(Georges),-Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza),-Juliette-Khalil-(Anne-Dindon),-Oliver-Liebl-(Jean-Michel)
  • Viktor-Gernot-(Georges),-Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza)



6 von 6 Sternen: ★★★★★★

Kritik: Michaela Springer
Fotos: Barbara Pálffy/
Volksoper Wien

27.03.2022 - Wiener Stadthalle D

ABBA MANIA - THE SHOW
Die größte ABBA-Tribute Show der Welt

Nur wenige Bands scheinen zeitlos zu sein. Ihre Songs sind generationsübergreifend beliebt und erreichten mehr oder minder Kultstatus. Die 1972 formatierte Band ABBA, mit über 400 Millionen verkauften Tonträgern, gehört zweifelsohne dazu. Das schwedische Quartett schrieb Musikgeschichte. Auch nach 40 Jahren begeistert ihre Musik das Publikum mit Hits wie „SOS“, „Mamma Mia“, „Fernando“, „Dancing Queen“ oder „The Winner Takes It All“, um nur einige zu nennen. Ihr „Best of“-Album 1992 verkaufte sich 31 Millionen Mal und zählt zu den erfolgreichsten in der Musikgeschichte.

Es hat den Anschein, dass ABBA ein Synonym für Erfolg ist. Alle Projekte, die sie in Angriff nehmen, sind von Erfolg gekrönt. So auch ihr Musical „Mamma Mia!“ mit über 60 Millionen Besuchern weltweit und dessen Verfilmung 2008.


ABBA MANIA – THE SHOW tourt seit Jahren erfolgreich durch Europa. Und die Fans der schwedischen Kultband wurden auch in Wien nicht enttäuscht. Die vier Solisten, im typischen Style der Originale aus den 1970er Jahren wurden von einem klassischen Orchester und einer Instrumentation von E-Gitarre, Bassgitarre, Klavier und Schlagzeug begleitet. Ein Hit folgte auf den nächsten. Auch der einzig autobiographische Song „Slipping Through My Fingers“ und das Instrumentalstück „Intermezzo Nr. 1“ das eine komplexere Struktur aufweist, wurden gespielt. Aber auch die 2020 neu erschienenen Songs „I Still Have Faith In You“ und „Don´t Shuttle Me Down“ fanden Platz im neuen Programm. Der 81-jährige schwedische Jazzmusiker Ulf Anderson trat als Special Guest in Erscheinung. Er stand sowohl mit den Originalsänger*innen von ABBA auf der Bühne, wirkte aber auch als Studiomusiker bei den Alben mit. Legendär sein Saxofon-Solo bei „I do I do I do I do Ido“ Er begeisterte an diesem Abend auch mit seiner Flöte bei „Fernando“.

Für kurze Zeit konnte man die Sorgen und Ängste beiseiteschieben und in die Vergangenheit eintauchen. Das Publikum tanzte in den Seitengängen, sang lautstark mit und tauchten mit ihren eingeschalteten Handys die Wiener Stadthalle in ein berauschendes Lichtermeer. Zusätzlich sorgten gut programmierte Lichteffekte für die richtige Atmosphäre. Alle waren in Partylaune, welche immer wieder von den vier Protagonist*innen auf der Bühne angeheizt wurde.
„Thank You For The Music“ bildete den passenden Abschluss für dieses stimmungsvolle Konzerterlebnis.


5 von 6 Sternen:
★★★★★
                          Kritik: Michaela Springer; Fotos: Alfred Bültel

Florian Klein (Audrey II), Michael Konicek (Seymour)

24.03.2022 -
Kulturgarage Seestadt/ Wien

DER KLEINE HORRORLADEN
Premiere in der Seestadt

Wenn eine übergroße Pflanze „Feed Me“ schreit, dann kann es nur Audrey II sein, und man befindet sich inmitten des kleinen Horrorladens in der Skid Row. Ein kleines Blumengeschäft mit Menschen, die Träume und Wünsche haben, aber von der bitteren Wahrheit immer wieder eingeholt werden. Der Traum eines Reihenhauses, der großen Liebe und dem ersehnten Wohlstand scheint nur ein Traum zu sein. Kann eine Pflanze all diese Sehnsüchte stillen? Die Realität lässt kein Happy End zu, das Böse triumphiert und greift schließlich nach der Weltherrschaft. Dieser kleine Horrorladen befindet sich für kurze Zeit in der Seestadt.

Ronald Tettinek (Mr. Mushnik)

Am 6.5.1982 feierte das Musical von Alan Menken und Howard Ashman Premiere in New York. Bereits vier Jahre später fand die Deutschlandpremiere statt und zählt zu den am häufigsten aufgeführten Musicals ohne festen Spielort. 1987 erschien eine B-Movie Verfilmung mit Rick Moranis, Ellen Greene, Vincent Gardenia und Steve Martin als Zahnarzt. Cinema beurteilte sie als „eine schräge Musicalverfilmung für Trash Fans“. Dennoch erhielt der Film 1987 unter anderem den Saturn Award für die beste Musik, zwei Oscars und Golden Globe Nominierungen.

Anna Zagler (Crystal), Michael Konicek (Seymour), Amelie Polak (Chiffon), Rebecca Sougmané (Ronette)

Nun lechzt seit 24. März Audrey II auch in der Kulturgarage in Seestadt nach Blut. Die Wahl dieses Musical zu spielen, war besser als deren Umsetzung. Auch die zweite Produktion hat lediglich semiprofessionellen Charakter.
Michael Konicek gibt den introvertierten Seymour, der unsterblich in Audrey verliebt ist. Sein Spiel war schrullig und naiv.
Bettina Bogdany verkörpert die, sich nach Liebe sehnende, Audrey. Sie überzeugte gesanglich, wenn sie von einem Reihenhaus träumt.
Robert D. Marx darf als Zahnarzt seine sadistischen Züge zeigen, was ihm und auch dem Publikum sichtlich Spaß machte.
Die Überraschung des Abends war Florian Klein, der Puppenspieler von Audrey. Seine rauchige Rockstimme hauchte der fleischfressenden Pflanze (Ab)leben ein.
Obwohl alle engagiert und motiviert bei der Sache waren, konnte dies nicht die mangelnden sängerischen Qualitäten der übrigen Protagonistinnen und Protagonisten ausgleichen.

Bettina Bogdany (Audrey)

Optisch hat man sich bemüht der Lokation der Volkshochschule gerecht zu werden. Statt des Blumenladens hat man sich für einen Marktstand entschieden. Audrey II, das Herzstück des kleinen Horrorladens. Florian Klein schlüpfte dabei nicht in seine Rolle, sondern bespielte sie, sowohl als kleine Topfpflanze als auch als menschenfressendes Monster, von außen. Das mutete jedoch etwas seltsam an. Was bei AVENUE Q funktionierte, mutete hier seltsam an. Die Konzentration der Zuschauer*innen wurde zu sehr auf den Schauspieler projiziert.
Bei den Kostümen hat Ida Bekic in der falschen Altkleiderkiste gewühlt und sind teils nicht sehr schmeichelhaft ausgesucht. Seymour mit Baseballkappe und Blumenplunder gleicht einem CSI-typischen Serien-Mörder und Audrey, die vorrangig sexy und attraktiv sein sollte, sorgte mit eigenwilliger Perücke und altbackener Kleidung für unfreiwillige Lacher, als sie erklärt, dass sie sich hübsch gemacht hat.

Bei der Inszenierung hätte man etwas mehr Mut beweisen können und mit etwas Kreativität das Stück ins Jahr 2022 transportieren sollen. Die 1980er Jahre waren stilistisch keine spannende Zeit, um sich darauf zu versteifen.

Anna Zagler (Crystal), Michael Konicek (Seymour), Rebecca Sougmané (Ronette), Bettina Bogdany (Audrey), Amelie Polak (Chiffon)


DER KLEINE HORRORLADEN hat durchaus gute Ansätze, und wenn die Besucher*innen sich auf Mittelmäßigkeit einstellen, werden sie bestens bedient. Professionalität sollte der Anspruch sein. Diesen Status muss sich das Produktionsteam noch erarbeiten. Bis dahin ist die Einöde der Seestadt genau der richtige Platz, um sich weiterzuentwickeln.

3 von 6 Sternen: ★★★
                                   Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: Sipario

16.03.2022 - Brick-15/ Wien

MUSICAL VISIONS by Leo Floyd
Songs for Tomorrow -
Von Japan bis New York

Am 16.3.2022 präsentierte der Jungkomponist Leo Floyd ein Potpourri seiner fünf bis jetzt teils noch im Entstehen befindenden Musicalwerke unter dem Titel „MUSICAL VISIONS: Songs for Tomorrow - von Japan bis New York“.

So verschieden die Themen sind, so verschieden sind auch die Musikrichtungen. Klassische Musicalelemente wechselten sich mit neuen, im Musicalgenre selten zu findenden Stilen ab. Passend zu den Stücken waren japanische oder irische Klänge zu vernehmen. Etwa die Hälfte der Songs wurden am Klavier von Julian Groller begleitet, ein weiterer Teil kam vom Band, um einen besseren musikalischen Einblick in das Werk zu vermitteln oder weil, wie etwa bei der Rappnummer „Bösester Bösewicht“ das Klavier unpassend gewesen wäre.

Wie schon aus dem Titel ersichtlich führte Leo Floyd die Anwesenden auf eine musikalische Reise quer über den Globus bis in die Welt der Fantasie.

In DAIMYO wird die Geschichte des unbedeutenden japanischen Fischers Yori erzählt, der auserkoren ist, sein Land vor bösen Mächten zu befreien.

Drei Elfen müssen in VERBORGENE WELTEN zu den Menschen reisen, um beide Existenten vor dem Untergang zu retten.

ANDROIDICAL: Ein Roboter als Superheld kommt zur Verbrechensbekämpfung in einer amerikanischen Großstadt zum Einsatz. Nicht alle zeigen sich von der künstlichen Intelligenz begeistert. Probleme sind vorprogrammiert.
Dieses Thema ist nicht neu und fand bereits in zahlreichen bekannten Filmen und TV-Serien sein Publikum.

Der im Kaisertum Österreich geborene Nikola Tesla war ein genialer Erfinder und Physiker. Als Elektroingenieur entwickelte er das bahnbrechende System des Zweiphasenwechselstroms. TESLA´S VISION widmet sich seinen Träumen einer neuen Welt.

Über die größte Katastrophe der österreichischen Theaterwelt handelt das Musical RINGTHEATER. Es ist die Geschichte über Liebe, Hoffnung und Größenwahn. Bei der Brandkatastrophe am 8. Dezember 1881 im Wiener Burgtheater kamen offiziell 382 Menschen zu Tode, als Feuer von der Bühne ausgehend auf den Zuschauerraum übersprang. Es wird aber angenommen, dass nahezu 1.000 den Flammen zum Opfer fielen, darunter auch Ladislaus Vetsera, ein Bruder von Mary Vetsera, die Kronprinz Rudolf in Mayerling mit in den Tod nahm.

Die Songs, teils mit Ohrwurmqualität, erweisen sich durchaus gefällig und vielversprechend. Einige haben zudem potential mit einer großen Orchestrierung noch eindrucksvoller zu klingen.

Die Titel wurden von Stella Kranner, Reinwald Kranner, Konstantin Zander und Lisa Antoni, die bis in die Höhen über eine starke und klare Stimme verfügt, vorgetragen.
Stella Kranner ist für eine kranke Kollegin eingesprungen und musste nun in Windeseile ihre Songs einstudieren. Besonders gelungen war das Duett mit ihrem Vater, „Lieben, Leiden“ (VERBORGENE WELTEN). Ob als Liebender mit einfühlsamer Stimme oder bedrohlich als Schurke, bei Reinwald Kranner erreichen alle Emotionen das Publikum. Doch niemand kann so gekonnt mit bösen Blicken töten, wie Konstantin Zander, der zudem die Zuschauer*innen mit seiner ausdrucksstarken Stimme begeisterte.

Im Gegensatz zum Komponisten Leo Floyd, der offensichtlich sehr nervöse und überwältigt von dem positiven Feedback des Publikums war, gelangen dem Texter Michael Car die Anmoderationen in stoischer Gelassenheit. Zusammen hatte es schon ungewollt kabarettistische Züge und erheiterte das Publikum, weil es so echt, menschlich und unverbraucht wirkte.
Zur Überraschung der Anwesenden sang Leo Floyd selbst einen Song. Mit vollem Körpereinsatz und starken Gesten brachte er zum Ausdruck, wie sehr er Elfen hasst.

Leo Floyds Musical Visionen könnten, wenn er sie weiterspinnt, durchaus Realität werden.
Österreich hat wieder einmal einen talentierten Jungkomponisten, der sicher seinen Weg gehen wird und von dem man noch viel hören wird.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
                                                Kritik & Fotos: Michaela Springer

10.03.2022 - Music Hall/ Innsbruck (Tirol)

GHOST - Nachricht von Sam
Tour-Stopp in Tirol

Der Hollywoodfilm mit Demi Moore, Patrick Swayze und der legendären Whoopi Goldberg rührte 1990 viele zu Tränen. Die Handlung wurde für das Musical nicht verändert, lediglich, eine Sache: Sam wird nicht seiner Geldtasche wegen Opfer eines Raubmordes, sondern wegen seines Handys, auf dem alle wichtigen Zugangsdaten gespeichert sind.

Die Story:
Der Banker Sam Wheat (Charles Kreische) und seine Freundin, die Künstlerin Molly Jensen (Karin Merkl), führen eine glückliche Beziehung. Molly sagt Sam sehr oft, dass sie ihn liebt, worauf er fast immer erwidert, „dito“, da er der Meinung ist, dass man die drei Worte nicht überstrapazieren sollte.
Auf dem Heimweg von einem Theaterbesuch werden Sam und Molly von einem Straßenräuber überfallen. Im Handgemenge löst sich ein Schuss und tötet Sam.
Sam will seine Molly jedoch nicht verlassen und gerät zufällig an die Wahrsagerin und Geisterbeschwörerin Oda Mae Brown (Amina Robinson). Diese ist jedoch augenscheinlich nur eine Betrügerin, die ihren Kunden vortäuscht, Kontakt zu verstorbenen Angehörigen aufnehmen zu können. Während einer Sitzung äußert Sam lautstark seinen Unmut über diese Farce – und wird von Oda Mae gehört, die offenbar doch ein Medium ist, ihre Fähigkeit aber bisher noch nicht kannte.
Sam und Oda Mae recherchieren nach dem Drahtzieher seiner Ermordung und stoßen auf Sams ehemaligen beste Freund und Arbeitskollegen Carl Bruner (Kim-David Hamman) der sich mit falschen Leuten eingelassen und Geld veruntreut hat. Die Zugangsdaten aus der gemeinsamen Firma stehen in Sams Handy. Willy Lopez (Calum Melville) sollte es ihm abnehmen. So kam es zum tödlichen Schuss. Sam muss nun seine Molly beschützen und versucht mit Hilfe von Oda Mea Kontakt aufzunehmen. Sie glaubt jedoch nicht an Geister, muss sich aber schließlich eingestehen, Sams Nähe zu spüren. In der Zwischenzeit schaffen es Oda Mea und Sam mit einen Trick Carl das Handwerk zu legen und Sam bekommt seine Rache. Carl stirbt und wird von den bösen Geistern geholt. Ein Letztes mal wird Sam für seine Molly sichtbar. Mit einem innigen Kuss nehmen sie zärtlich voneinander Abschied, bis er unbesorgt ins Licht gehen kann.
Eine Liebe, die den Tod besiegt.

In dieser Show steckt von Beginn an viel Energie. Jeder Song reißt mit und man glaubt sich mitten im Film. Man kennt die Geschichte und wie es ausgeht, aber die Darsteller*innen schaffen es, das Publikum auf die emotionale Reise mitzunehmen und auch ein klein wenig Hoffnung zu geben, dass es diesmal vielleicht anders enden könnte.
Die Bühne ist klein, doch ausreichend. Die Tournee-Produktion überzeugt auf ganzer Linie. Schade, dass der Zwischenstopp in Innsbruck nur einen Tag dauerte. Es wäre interessant gewesen, die Covers zu sehen, wie etwa Livia Wrede als Molly, bekannt unter anderem aus „Mamma Mia!“

GHOST - NACHRICHT VON SAM ist ein Musical, welches in der Musicalwelt leider zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Es hätte sich einen fixen Standort verdient, um viele Menschen anzuziehen und sie in die 1990er Jahre zu bringen!
Die soeben erschienene CD spendet ein wenig Trost. So kann man dieses Stück auch zu Hause erleben.
Sollte GHOST - NACHRICHT VON SAM in der Nähe Halt macht, unbedingt ansehen!

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5 von 6 Sternen: ★★★★★

Kritik: Jacqueline Cerny
Fotos: David Schmelzer

26.02.2022 - Das Vindobona/ Wien

A Night Alone with
DREW SARICH

Eine Gitarre, eine Bühne und ein oder zwei Bier. Mehr braucht es nicht für einen Vollblutmusiker. Zweifelsohne ist Drew Sarich einer der vielseitigsten Musicaldarsteller. Brel, La Cage und Vivaldi sind in nächster Zeit Stücke, in denen er Hauptrollen spielt. So unterschiedlich diese Parts sind, so breit gestreut ist auch sein Musikspektrum.

Von einer ganz intimen Seite, wie er es auch selbst nannte, konnte man ihn am 26.Februar im Vindobona mit seinem Programm „Alone with Drew Sarich“ erleben. Es war selbst für ihn eine neue Erfahrung, da er es nicht gewohnt ist, allein auf der Bühne zu stehen. Er selbst beschreibt seine Lieder, nach einem Zitat von Townes van Zandt, als nicht traurig, sondern hoffnungslos. Seine Songs sind melancholisch und berührend. Sein Tonumfang sucht seinesgleichen, die Stimme ist unverwechselbar, ausdrucksstark und treffsicher.

Zwischen den Songs gab es immer wieder kleine Anekdoten aus seinem bewegten Schauspielerleben. Es sei etwa ein Fluch und Segen große Augen zu habe. Beim Flirten sind diese eher hinderlich, denn einen coolen Womanizer-Blick bekommt man damit nicht so richtig hin.
Auch erzählte er von seinem großen AHA-Erlebnis in der Kirche als Kind, wo seine Berufung zum Sänger erkannte. Es war für ihn nicht leicht seinen Weg zu finden, in einer Familie, in der jedes Familienmitglied sehr erfolgreich war und er nicht wusste, was sein Pfad sei. Jedoch konnte er stets auf die volle Unterstützung seiner Familie zählen. Und wie war er als Jugendlicher? Er beschrieb sich als der Teenager, der in der Ecke stand und beobachtete. Als Darsteller liebt er es, in eine andere Rolle zu schlüpfen, wer anderer zu sein. Und das kann er in der nächsten Zeit auf sehr kontroverse Art. Mit den Stöckelschuhen der Zaza für La Cage aux Folles an der Volksoper zu gehen, ist eine große Herausforderung, und es hat einige Zeit gedauert, nicht wie Bambi am Eis auszusehen. Bis zur Vorpremiere am 19.3 hat er noch Zeit, um seinen Stil zu perfektionieren.

An diesem Abend hat Drew Sarich gezeigt, dass, wenn man Charme besitzt und das notwendige Rüstzeug als Sänger und Musiker mitbringt, keine technischen Hilfsmittel benötigt, um gut unterhalten zu können.



6 von 6 Sternen: ★★★★★★

Kritik & Fotos: Michaela Springer

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24.02.2022 - Kulturgarage Seestadt/ Wien

DRACULA - Das Musical
Premiere in der Seestadt

Die Wiener Volkshochschulen haben ihren Tätigkeitsbereich mit der Kulturgarage als neue Theaterlocation in der Seestadt erweitert. Wie in einem persönlichen Gespräch erklärt, wird bewusst auf eine Intendanz verzichtet, denn jede(r) Künstler*in, Theatergruppe oder Band kann sich einmieten, was auch die Agentur Sipario für mehrere Musicalinszenierungen in den nächsten Monaten gemacht hat.
Am 24. Februar 2022 fand somit die Premiere ihres ersten Musicals DRACULA mit Ex Songcontest-Teilnehmer Cesár Sampson in der Titelrolle statt.

Dem Musical liegt die Romanvorlage von Bram Stoker zugrunde, die Musik stammt von Frank Wildhorn. Am 13. Oktober 2001 feierte das Stück seine Premiere in San Diego. Vier Jahre später teilten sich bei der deutschsprachigen Erstaufführung in St Gallen Thomas Borchert und Drew Sarich die Rolle des Untoten. Bei der Österreich-Premiere 2007 in Graz übernahm erneut Thomas Borchert diesen Part. Gejagt wurde er von Uwe Kröger als Van Helsing.

Der Mythos Dracula fasziniert seit der Veröffentlichung des Romans von Bram Stoker 1897 die Menschen auf der ganzen Welt. Er ist ein Einzelgänger, mystisch und erotisch zugleich. Seine Opfer ließ er stets blutleer zurück. Bram Stoker orientierte sich für sein literarisches Werk an Fürst Vlad III Drăculea (1431-1476), der als grausamer Adeliger berüchtigt war. Mythen besagen, dass er Blut von seinen Opfern trank und beim Öffnen seines Sarges 1931 sein Leichnam verschwunden war … bis heute.
Graf Dracula ist eine Erfindung und hat im Grunde nicht viel mit Vlad gemeinsam. Durch zahlreiche Filme, Bücher und Musicals hat er es dennoch zu Unsterblichkeit gebracht.

Die Faszination liegt im Kampf zwischen hell und dunkel, dem unsterblich Bösen aber auch in der verführerischen, charismatische, Erscheinung Draculas, der sich keiner seiner Auserwählten entziehen kann.
So mystisch und tragend, ist auch die Partitur Wildhorns, die oftmals an sein Meisterwerk „Jekyll & Hyde“ erinnert. Was für ein großes, klassisches Orchester geschrieben wurde, musste für die Seestadt auf eine 9-köpfige Band abgespeckt und neu arrangiert werden.

Cesár Sampson ist als Dracula eine ausdrucksstarke Erscheinung, gekonnt spielt er mit seinen großen Augen. Seine Aussprache ist besonders deutlich und verleiht der Rolle die gewisse Erhabenheit. Er überzeugt auch bei den Popballaden, jedoch gelingt es ihm nicht, die notwendigen Akzente zu setzen und passenden Stimmungen zu vermitteln. Es fehlen die feinen Nuancen im Gesang, welche beim Musiktheater so wichtig sind. So werden Lieder zu Einheitsbrei – passend zu den musikalischen Arrangements, denen zuweilen ebenfalls die Akzente fehlen.

Sarah Zippusch gibt eine stimmgewaltige Mina Murray. Sie versteht es, mit ihrer Stimme Emotionen zu erzeugen und das Publikum auf ihre Achterbahn der Gefühle mitzureißen, schwankend zwischen Vernunft und großer Sehnsucht nach Dracula. Sie kennt die Folgen seines Bisses, dennoch ist ihre Leidenschaft zu ihm so stark, dass sie sich nicht entziehen kann. Ihre Liebe ist so unendlich groß, dass sie ihn am Schluss erlöst, auch wenn es das Ende ihres gemeinsamen Daseins bedeutet. Hoch emotional überwindet sie sich, diesen Schritt zu gehen.

Willensstark und voller Tatendrang ist Robert D. Marx mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz und einer einprägsamen Stimme. Er selbst hat seine Geliebte vor langer Zeit verloren. Sie ist nun eine Gefolgin Draculas. Sein Schmerz ist die Triebkraft für einen besessenen Verfolgungskampf. Er will Dracula besiegen und das um jeden Preis.

Ihm zur Seite stehen der Arzt Dr. Seward (Roland Tettinek), Quincey Morris (Michael Zallinger) und die Ehemänner von Mina und Lucy.
Florian Klein ist Jonathan Harker, selbst ein von Dracula verführter. Er kämpft um seine Mina und liebt sie so sehr, dass er das Versprechen einlöst, sie zu töten, wenn es kein Zurück für sie gibt. Michael Konicek als schüchterner, versnobter Arthur Holmwood amüsiert. Er kämpft genauso für seine Geliebte, aber auf seine ganz eigene Art und Weise.
Anna Zagler als Lucy, die Freundin von Mina und baldiges Opfer Draculas, beeindruckte besonders als Untote. Hingebungsvoll unterwirft sie sich Dracula, um sich dann mit funkelnden Augen dem Reigen seiner Vampirmenagerie lustvoll anzuschließen.

Es sind vier Untote, die ihm stets zu Diensten sind, ausgehungert nach Blut lechzen und ihre Opfer ohne Vampirzähne den roten Saft aus den Adern saugen. Teilweise wirken ihre Körperhaltungen jedoch zombiehaft.
Die Tanzszenen enthalten gute Einfälle und erinnern in Fragmenten an „Tanz der Vampire: Nightmare“. Die Lösung des Bühnenbildes mit einfachen Projektionen und fahrenden Paravents, wo das Mobiliar verändert wird, ist einfach aber effektiv.

Das Stück lebt vom Mythos und der Musik. DRACULA erzielt seine beste Wirkung auf einer großen Bühne mit einem gut ausgestatteten Orchester und mit einem Hauptdarsteller, der nicht nur in der Popszene beheimatet ist, sondern auch seiner Stimme mehr Tiefe und die notwendigen Gefühle entlocken kann. Cesár Sampson ist eine charismatische Erscheinung, doch für tragende und stimmlich herausfordernde Rollen ist er (noch) nicht bereit.
Die erforderlichen Kriterien erfüllen Sarah Zippusch und Robert D. Marx. Die beiden sorgen dafür, dass aus einer guten Schulaufführung doch noch eine  mittelprächige semiprofessionelle Bühnenshow wurde.

Man darf gespannt sein, wie sich die Kulturgarage als neue Location, die im Außenbereich furchteinflößender wirkt als die Inszenierung, bewährt und wie bunt und vielfältig sich das Programm zukünftig gestalten wird. Nicht alle Gäste zeigten sich am Premierenabend begeistert.
DRACULA wird noch sporadisch bis 1. Mai gespielt. Tickets sind jederzeit erhältlich.
Auf die Vampire folgt DER KLEINE HORRORLADEN, der sicherlich besser in den 350 Zuschauer*innen fassenden Festsaal passt. Man darf gespannt sein.

4 von 6 Sternen: ★★★★

                                                Kritik: Michaela Springer; Fotos: Rolf Bock

Teaser DRACULA Seestadt


Wer Lust hat, sieht sich die beiden kurzen Videos an und voted mit.
Wir sind gespannt auf euer Ergebnis.

Welcher DRACULA-Darsteller ist stimmlich dein Favorit?

  Cesár Sampson   Thomas Borchert   Drew Sarich   Chris Murray   David Arnsperger   Gerd Achilles

23.02.2022 - Wiener Stadthalle

WE WILL ROCK YOU
Premiere in Wien

Queen zählt zu den legendärsten Bands der Musikgeschichte mit unzähligen Nummer 1 Hits. Mit WE WILL ROCK YOU haben sie sich mit diesem Musical eine eigene Hommage gesetzt, die laut, bunt und mitreißend ist.

Die Geschichte einer Cyberwelt, in der das ganze Leben über Computer gesteuert wird, ist heute im Zeitalter der globalen Vernetzung durch soziale Netzwerke, Homeoffice oder Distance Learning, realer als noch vor 20 Jahren, als das Musical WE WILL ROCK YOU am 14.5.2002 im Londoner West End Premiere feierte.

Das Juke Box Musical von Ben Elton und Queen konnte bei den Kritikern nicht überzeugen  und erntete vernichtende Kritiken. Dies schreckte die Fans jedoch nicht ab, was dazu führte, dass das Stück mit einer 12-jährigen Laufzeit, 6,5 Millionen Zuschauern und 4.600 Aufführungen zum überwältigenden Publikumserfolg im Dominion Theatre wurde.

Eigentlich hätte das Musical die Biografie von Freddie Mercury erzählen sollen. Schauspieler Robert de Niro arbeitete bereits an einen Plot, der für Brian May und Robert Taylor jedoch unbefriedigend war. Jim Beach, langjähriger Bandmanager, hatte eine andere Perspektive im Kopf. Queen wäre mehr als Freddie Mercury.

Linda Lindgren

Die Story:
Die Handlung von WE WILL ROCK YOU findet in der Zukunft statt. Die Erde heißt nun iPad (in früheren Inszenierungen eBay) und wird von einer künstlich erschaffenen Computerfigur, der Killer Queen, regiert. Jegliche Individualität wird untersagt und strengstens bestraft. Musik ist verboten! Alle sollen dasselbe denken, sich einheitlich kleiden und die vorgegebene computergenerierte Musik hören. Doch es gibt eine kleine Gruppe Widerstandskämpfer, die Bohemians, die für Freiheit der Gedanken und der Musik eintreten.
Die Legende besagt, dass ein Träumer kommen und die Wende herbeibringen wird. Sie erkennen diesen Träumer in dem jungen, rebellischen Schulabgänger Galileo. Ihm und seiner ebenfalls individualistischen Freundin Scaramouche obliegt es, die Welt zu retten.

Philipp Büttner

Die Tourneeproduktion, die seit 23.2. in der Wiener Stadthalle gastiert, setzt auf ein gigantisches Bühnenspektakel. Mit ausdrucksstarken 3D-Projektionen wird der Zuschauer regelrecht in den Cyberspace gesogen. Die Choreografie ist einfallsreich und schwungvoll. Die Szenen mit den Gaga-Kids gleichen einem strengen Workout. Alles ist im Gleichklang, keine Individualität. Im Gegensatz zu den Bohemians, deren Tanzstil hemmungslos, wild und leidenschaftlich ist. Das spiegelt sich auch in den Kostümen. Futuristisch und uniformähnlich glänzen die Kleidungsstücke der „Marionetten“ in der Computerzentrale, und stehen im krassen Gegensatz zu den extravaganten und bunten Kostümen der Underdogs.

Inga Krischke

Die Darsteller*innen boten eine solide Leistung. Philipp Büttner als Galileo ist sympathisch und liebenswert. Mit seiner dünnen Schlagerstimme ist er die Idealbesetzung für jeden Jugendlichen in einem Disney-Musical, was er auch schon als Erstbesetzung des Aladdin im gleichnamigen Stück unter Beweis stellte.
Inga Krischke als Scaramouche ist eine taffe, freche Rockröhre, die stimmlich die beste Leistung aller auf der Bühne bot und auch viel Temperament in die Rolle einbrachte.
Linda Lindgren fehlt es an der notwendigen Bühnenpräsenz für die Killer Queen. Ihr Lakai Khashoggi, alias John Davies ist wohl die größte Fehlbesetzung – in jeder Hinsicht.
Gabin Turnbull gibt sich als witzig verpeilter Flower-Power Altrocker Udo mit gesangstechnischem Potential.

Werner Sobotka

Dem Österreicher Werner Sobotka muss das größte Lob ausgesprochen werden. Er zeichnet sich bei dieser Neuinszenierung als Übersetzer aus und peppte die Dialoge mit sehr vielen witzigen und orginellen Einfällen und Wortspielen auf. Faktisch jeder Gag zündete und sorgte dafür, dass die an sich dünne Handlung, Spaß machte.