02.05.2022 - Volksoper Wien

Heute im Foyer ...
Juliette Khalil &
Benjamin Oeser

A Funny Thing Happened on the Way to the Volksoper

Zwei Publikumslieblinge der Volksoper, Juliette Khalil und Benjamin Oeser, die im August selbst den Bund der Ehe eingehen werden, widmeten sich am 2. Mai im Balkon-Foyer in ihrem 70-minütigen Programm den vielen Facetten der Liebe.

Es gibt bekanntlich verschiedene Formen und Arten der Liebe und so gibt es auch die unterschiedlichsten Zugänge. Nicht nur die großen Philosophen, Lyriker oder Wissenschaftler*innen haben sich mit dem Thema beschäftigt, sondern auch zahlreiche Komponisten und Librettisten. So entstand ein überaus abwechslungsreiches Programm, welches einen großen zeitlichen Bogen von Cole Porter, Rodgers & Hammerstein, Leonard Bernstein, bis Sir Andrew Lloyd Webber und Alan Menken umfasste.

Oxytocin ist an allem schuld! Das ist nämlich jenes Hormon, welches verliebt macht. Denn dieser Gefühlszustand setzt, nüchtern betrachtet, die hormonellen Vorgänge im Körper in Gang. Neben philosophischen Weisheiten so mancher Gelehrter und heitere Anekdoten, Geschichten und Gedichten, wie sich etwa die Liebe im Laufe eines Lebenszyklus verändert, gaben die beiden musikalische Leckerbissen diverser Film-, Operetten- und Musicalwerke zum Besten: „Schau mich bitte nicht so an“, „Küss sie doch“, „Schön, jung und geliebt“ oder ein Eliza Doolittle-Medley aus „My Fair Lady“, um nur einige zu nennen. Ein körperliches Highlight war die geglückte Hebefigur aus „Dirty Dancing“.


Besonders Juliette Khalil strahlte an diesem Abend jede Menge positive Energie aus. Mit Wiener Schmäh und Charme kokettierte sie nicht nur mit den Anwesenden, sondern verzauberte auch ihren Partner und den Pianisten Laszlo Kövi.
Benjamin Oeser
verfügt über eine angenehme Musicalstimme und stand seiner Verlobten um nichts nach. Ob Macho, Verführer oder gekränkter Liebhaber, er fühlte sich in allen Rollen wohl.

„A Funny Thing Happened on the Way to the Volksoper“ war ein heiterer und vergnüglicher Abend in intimen Rahmen mit einem gut gelaunten Pärchen, welches mit schönen Stimmen und humoristischen Einlagen das Publikum begeisterte.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
Kritik & Fotos: Michaela Springer


Matthias Körber, Aurelia Naveau

23.04.2022 - Schauspielhaus Linz (OÖ)

FANNY UND ALEXANDER
Uraufführung des Musicals in Linz

FANNY UND ALEXANDER, der letzte Film von Ingmar Bergmann, feierte am 16. April 2022 als Musical von Gisle Kverndokk und Øystein Wiik seine Uraufführung im Schauspielhaus Linz.

Introvertiert und pessimistisch, beeinflusst von Sigmund Freud, setzt sich Ingmar Bergmann bei seinen Arbeiten stets mit seelischen Konflikten und existenziellen Problemen auseinander. Die religiöse Sinnsuche in einer Welt, wo Gott keine Antwort gibt, die Einsamkeit des Individuums und die Schwierigkeiten des Miteinanders. Die offen gezeigte Erotik war für Bergmann ein wichtiges Instrument in seiner Darstellung.
In Schweden und Norwegen wird die Filmversion jedes Jahr zu Weihnachten ausgestrahlt. Es ist alles andere als ein süßer und kitschiger Fernsehfilm und dennoch wird er als Familien Event zelebriert, das Generationen verbindet. Es muss an der Mentalität der nordischen Bevölkerung liegen, denn in unseren Gefilden würde man sich so einen Film vor allem mit Kindern nicht zur Weihnachtszeit anschauen. Aber wie heißt es so schön: andere Länder, andere Sitten.

Sanne Mieloo, Matthias Körber, Aurelia Naveau

Wie schon beim Einführungsgespräch erörtert, ist es kein Feel Good-, sondern ein Feel Everthing-Musical – und das trifft es auf den Punkt. Es dringt tief in die menschlichen Abgründe ein: religiöser Fanatismus, Züchtigung und psychische Misshandlungen, sexuelle Triebe und Demütigungen. Keine leichte Kost. Mit FANNY UND ALEXANDER schlägt das Musical einen neuen Weg ein. Die Musik ist oft Untermalung, wirkliche Ohrwürmer bleiben aus, lediglich das Trinklied „Schluck, schluck schluck“ und die Liebesballade „Halt mich fest Geliebte(r)“ bleiben in Erinnerung. Walzer und Tangoklänge, wie „Spiel mit mir Hoppa Reiter“ sind genauso zu vernehmen wie Operetten- und moderne Opernelemente.

Die Story:
FANNY UND ALEXANDER ist die Geschichte der Theaterfamilie Ekdahl. Familienoberhaupt und ehemalige Schauspielerin ist Helena, welche drei Söhne hat.
Oskar, der älteste Sohn ist ein mäßiger Schauspieler, aber ein sensibler und kreativer Vater. Mit seiner Frau Emilie hat er die Kinder Fanny und Alexander, vermutlich von zwei verschiedenen Vätern. Obwohl sie sich über alles lieben, sind sie körperlich enthaltsam.
Das genaue Gegenteil ist Gustav Adolf. Obwohl verheiratet, ist er ständig auf der Suche nach weiblichen Abenteuern.
Karl, der jüngste Sohn, ist hochdepressiv und vollkommen verschuldet.
Alexander lebt in mehreren Wirklichkeiten und verliert sich in seinen Geschichten. Bergmann bezeichnet ihn als Fantasie Märtyrer.
Als sein Vater stirbt, bricht seine heile Welt zusammen. Seine Mutter findet Trost beim örtlichen Bischof und heiratet ihn schließlich. Sie zieht mit den Kindern in die düstere Residenz. Alexander spürt, dass im Bischof ein Biest schlummert. Der Bischof wendet boshafte psychische Tricks an, scheut auch vor Gewalt nicht zurück, um Alexander zu brechen. Er schlägt ihn, um ihm seine die Sünden auszutreiben und das unter dem Deckmantel der Liebe. Es ist ein Kampf, den das Kind eigentlich nur verlieren kann. Doch die Stärke des Jungen lässt ihn siegen. Am Ende ist der Bischof tot und die Familie lebt. Doch übernimmt nicht der an Donjuanismus (krankhaft gesteigerter Geschlechtstrieb) leidende Gustav Adolf das Theater, sondern Helena überzeugt Emilia dieses weiterzuführen.
Nach drei Stunden psychischer Tiefen gibt es schlussendlich also doch ein kleines Happy End, welches jedoch aufgesetzt und klischeehaft wirkt. Die Familie überlebt nur dadurch, dass die emanzipierten Frauen das Ruder in die Hand nehmen. Das Böse wird ausgelöscht.

Birgit Zamulo, Gabriel Federspieler, David Arnsperger

Die Inszenierung von Matthias Davids hält sich an die Filmfassung.
Das Bühnenbild von Hans Kudlich gleicht einem Kreisdiagramm, dessen einzelne Sektoren die diversen Schauplätze darstellen, die mittels Drehbühne nach Belieben rasch platziert werden können.
Die Kostüme von
Susanne Hubrich entsprechen der Zeit und sind sehr aufwendig gestaltet. Es gibt einen exakten Bruch zwischen den glamourösen modernen Theaterleben und dem kargen Leben beim Bischof, wo die Bedienstete auch nur schwarz graue gestreifte Kleidung trägt.
Mittels Videoprojekten (Jonatan Salgado) werden die Fantasien von Alexander veranschaulicht.
Die musikalische Leitung obliegt bei Tom Bitterlich.

Daniela Dett, Franziska Stanner, Tina Schöltzke

Oberhaupt der Familie ist Helena. Franziska Stanner verleiht der Rolle die richtige Warmherzigkeit und Güte. Sie ist der Fels in der Brandung, zentraler Mittelpunkt, Zufluchtsort und Retterin in der Not. Sie kann die Drähte ziehen.

Karsten Kenzer ist Oskar, der viel zu früh verstorbene Sohn Helenas, der im Geist in der Nähe Alexanders bleibt und ihm beisteht.

Daniela Dett, Gernot Romic

Sanne Mieloo ist dessen gütige und nach Liebe sehnende Frau Emilie. Sie ist stark und kämpft für sich und ihre Kinder. Schauspielerisch beeindruckend, bricht ihr in den Höhen des Öfteren die Stimme weg.

Gernot Romic gibt Karl, den dritten Sohn Helenas. In Depressionen verfallen, macht er sich und das Leben seiner Gattin zur Qual.

Daniele Duett, als dessen Frau, hat eine nur kleine Rolle. Aber wenn sie auf der Bühne ist, dann mit starker Präsenz und überzeugender Stimme.

Nina Weiß, Max Niemeyer

Max Niemayer ist der vom Sexualtrieb beherrscht werdende Gustav Adolf, der nur so von Kraft strotzt.

Nina Weiß, seine Gattin, nimmt mit stoischer Gelassenheit die Geliebten ihres Mannes zur Kenntnis.

David Arnsperger, Sanne Mieloo

David Arnsperger beeindruckt als Bischof. Sein diabolisches Spiel entsetzt. In seinem Hass, im besten Glauben das Richtige zu tun, schaukelt er sich hoch ein einen wahren Blutrausch. Nichts kann ihn halten. Aber auch seine leisen, ruhigen Drohungen sich furchteinflößend.

Klaus Brantzen als helfender Freund und Geliebter von Helena ist gütig und humorvoll.

Besonders zu erwähnen ist der Countertenor Alois Mühlbacher in seiner ersten Musicalproduktion. Seine Stimme begeistert.

Matthias Körber ist Alexander, der fast durchgehend auf der Bühne stehen muss. Kein leichter Part, den der Junge bravourös meistert. Fast heldenhaft lässt er sich mit dem Teppichklopfer schlagen und bietet dem Bischof die Stirn. Er ist stolz und lässt sich nicht brechen.

David Arnsperger, Sanne Mieloo

FANNY UND ALEXANDER ist kein Stück, das  man, beschwingt mit einer netten Melodie, hinter sich lässt. Es regt in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken an.
Die Moralvorstellung des Klerus der damaligen Zeit. Macht Züchtigung aus jemanden einen besseren Menschen? Warum duldet die Ehefrau die Geliebten ihres Mannes, in einer Zeit, in der die Emanzipation der Frauen schon fortgeschritten war? Warum musste man etliche Passagen als Sprechgesang konzipiert, obwohl Schauspiel mit emotionaler Hintergrundmusik geeigneter gewesen wäre? Wenn man die Handlung strafft, hätte das Stück weniger Längen. Ist dieser Stoff wirklich für ein Musical geeignet?
Diese und viele weitere beschäftigen einen noch eine ganze Weile nach dem Theaterbesuch. Vielleicht muss man dieses Stück mehrmals sehen, um alles zu erfassen. Was man aber sagen kann, ist, dass die Musicalfassung zu FANNY UND ALEXANDER ein mutiger Versuch ist, das Genre Musical auf eine neue, anspruchsvollere Ebene zu heben, weg vom Klischee der seichten Unterhaltung mit ebensolchen Darsteller*innen. Ob es der richtige Ansatz ist? Durchaus. Letztendlich entscheidet aber das Publikum.



4 von 6 Sternen:
★★★★

Kritik: Michaela Springer;
Fotos: Reinhard Winkler

  • Alois-Mühlbacher,-Gabriel-Federspieler
  • Birgit-Zamulo,-Alois-Mühlbacher,-Lukas-Sandmann,-Karsten-Kenzel,-Sanne-Mieloo
  • Birgit-Zamulo,-Gabriel-Federspieler,-David-Arnsperger
  • Franziska-Stanner,-Klaus-Brantzen
  • Gabriel-Federspieler,-Karsten-Kenzel
  • Gabriel-Federspieler,-Muriel-Nova
  • Hanna-Kastner,-Franziska-Stanner
  • Klaus-Brantzen,-David-Arnsperger,-Birgit-Zamulo
  • Lukas-Sandmann,-Gabriel-Federspieler
  • Max-Niemeyer,-Hanna-Kastner8314_300dpi
  • Sanne-Mieloo,-Celina-dos-Santos
  • Sanne-Mieloo,-Gabriel-Federspieler,-Birgit-Zamulo,-Peter-Landerl,-Tina-Schöltzke,-Muriel-Nova,-David-Arnsperger
  • Sanne-Mieloo,-Matthias-Körber,-Aurelia-Naveau
  • Sanne-Mieloo


Elisabeth Sikora, Carin Filipčić; (c) Rudi Gigler

08.04.2022 -
Stadttheater Gmunden (OÖ)

DIE FRAU IN WEISS (The Woman In White)
Musicalfrühling in Gmunden

Mit dem „Musicalfrühling in Gmunden“ wird traditioneller Weise die Sommersaison in der Bezirksstadt am Traunsee eingeleitet. Zum 150-jährigen Jubiläum des Stadttheaters hat man die deutschsprachige Erstaufführung von Sir Andrew Lloyd Webbers DIE FRAU IN WEISS (The Woman In White) ausgewählt. Premiere war am 8. April.
Das Musical basiert lose auf dem Roman von Wilkie Collins aus dem Jahre 1860 und kann in das Genre Mystery Thriller eingeordnet werden. Das Buch stammt von Charlotte Jones, die Gesangstexte von David Zippel. Die kompletten Texte wurden von Wolfgang Adenberg ins Deutsche übertragen.

(c) Peter Kainrath

Am 15. September 2004 fand die Uraufführung im Palace Theatre in London statt. Somit gehört THE WOMAN IN WHITE zu den späteren Werken von A.L. Webber, wo er den Zenit seiner Genialität bereits überschritten hatte. Dennoch wertete The London Guarden es als beste Komposition des Briten seit Jahren.
Die Musik lässt jedoch keinen Spielraum für Interpretationen und ist eher Untermalung. Für A.L. Webber typisch, die immer wiederkehrenden, selben Melodien.
Die Geschichte ist mystisch, spannend mit heiteren und dramatischen Momenten.

Elisabeth Sikora; (c) Peter Kainrath

Die Story:
Der Zeichenlehrer Walter Hartright (Sasha Di Capri) soll die beiden Halbschwestern Marian Halcombe (Carin Filipčić) und Laura Fairlie (Elisabeth Sikora) unterrichten. Auf der Hinreise wird er von einer scheinbar verwirrten Frau, ganz in Weiß gekleidet, (Anaïs Lueken) angesprochen. Es ist Anne Catherick. Sie hütet ein unausgesprochenes Geheimnis, welches aus ihr heraus möchte. Walter verliebt sich in Laura und auch sie hegt Gefühle für ihn, doch sie ist bereits an Sir Percival Glyde (Gerd Achilles) versprochen. Walter verlässt das Anwesen, nachdem er von Maria an seine Pflichten als Gentleman erinnert wurde. Insgeheim hegt auch die burschikose Marian romantische Gefühle für ihn. Laura hält an ihrem Versprechen, dass sie ihren Vater am Sterbebett gab, fest, und heiratet Percival. Die unzertrennlichen Schwestern ziehen auf das Anwesen von Percival, der schon bald sein wahres Gesicht zeigt. Er ist unbeherrscht und gewalttätig. Ihm zur Seite sein Freund und Arzt Graf Fosco (Yngve Gasoy-Romdal). Da die wohlhabende Laura sich weigert eine Generalvollmacht zu unterschreiben, schmiedet Percival mit Fosco einen perfiden Plan. Anne wird gefangen genommen und zu ihrer angeblich eigenen Sicherheit in die Irrenanstalt gebracht.
Marian, die gelauscht hat, wird mittels eines vergifteten Wassers außer Gefecht gesetzt. Als sie wieder zu sich kommt, wird ihr verkündet, dass Laura bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen sei. Marian will den Tod ihrer Schwester nicht wahrhaben und sucht Hilfe bei Walter. Gemeinsam wollen sie herausfinden, wo Anne ist, um das Geheimnis zu lüften. Marian setzt dabei ihre weiblichen Reize ein, um an die Information über den Verbleib Annes heranzukommen. Sie suchen die Irrenanstalt auf, finden dort aber Laura statt Anne, die sie befreien. Laura kehrt zu Glyde als Anne verkleidet zurück und entlockt ihm das grausame Geheimnis. Als sie sich schließlich als Laura zu erkennen gibt, attackiert er sie. Walter kommt ihr zu Hilfe, Percival ergreift die Flucht in einen Zugtunnel und wird dort von einem Zug erfasst. Nun steht der Liebe zwischen Walter und Laura nichts mehr im Wege.

(c) Peter Kainrath

Sasha Di Capri verkörpert den Zeichenlehrer Walter Hartright, der unsterblich in Laura verliebt ist. Mit schüchternem Blick sehnt er sich nach ihrer Nähe. Das sie einem anderen versprochen ist, erträgt er nicht muss gehen. Di Capri harmoniert hervorragend mit Elisabeth Sikora als Laura wie im Duett „Was mein Herz mir sagt“.

(c) Rudi Gigler

Elisabeth Sikora ist prädestiniert für starke Frauen mit dramatischen Lebensgeschichten. Diese Qualität kann sie auch in ihrer neuen Rolle ausspielen. Laura Fairlie ist eine Kämpfernatur, die trotz Schicksalsschläge niemals den Mut verliert. Obwohl von ihrem Mann misshandelt, lässt sie sich nicht brechen. Ihr Rückgrat ist ihre Halbschwester. Zwischen ihnen herrscht eine feste Bindung. Sikoras Stimme verleiht der Figur die notwendige Anmut aber auch Kampfgeist.

(c) Peter Kainrath

Im Gegensatz zu Laura ist Marian die burschikose. Carin Filipčićs ausdrucksvolle Stimme lässt ein Feuerwerk voller Leidenschaft und Gefühle entstehen. „Nur für Laura“ ist ein emotionaler Höhepunkt. Sie nimmt die Zuschauer mit auf eine Achterbahn der Gefühle voller dramatischer Tiefe und heiter-komischen Momenten. Carin Filipčić beweist erneut ihre Vielseitigkeit. Ihre Verführungskünste mit vollem Körpereinsatz bei Graf Fosco sind überaus unterhaltsam.

Anne ist die dritte Schwester im Bunde und wird von Anais Lueken gespielt. Mystisch und geheimnisvoll, voller Verzweiflung und Dramatik legt sie ihre Rolle an.

(c) Peter Kainrath

Doch die drei Schwestern werden in den Schatten gestellt von Yngve Gasoy-Romdal als Graf Fosco. Optisch gleicht er einer Mischung aus Hercules Poirot und Falstaff (aus der gleichnamigen Oper), ein Lebemann, der sich dem Genuss völlig hingibt. Stimmlich artikuliert er wie Johannes Heesters, was der Rolle den gewissen Charme verleiht. Doch der humorvolle und galante Umgang ist nur Fassade, dahinter ist der Graf hinterlistig und durchtrieben. „Gut leben, kann ich gut“ ist sein humoristisches Highlight. Durch seine Leibesfülle beeinträchtigt, muss er dementsprechend viel über seine Mimik arbeiten, hier vor allem mit seinen Augen - ein grandioses Spiel, welches ein wenig an Bustopher Jones („Cats“) erinnert.

Dennis Kozeluh verfügt über eine markante Klangfarbe und vermag damit die Griesgrämigkeit des alten Onkels Frederick Fairlie noch zu verstärken.

(c) Rudi Gigler

Gerd Achilles überzeugt speziell darstellerisch als Fiesling Sir Percival Glyde.

Previn Moore (Bahnwärter), Heidelinde Schuster, Kun Jing, Lukas Müller, Sara Märzinger, Julia Scheiblehner, Rijja Seki und Christina Shamiyeh vervollständigten den Cast am 8. April.

(c) Rudi Gigler

Sebastian Weber, für Kostüme und Maske verantwortlich, hat besonders bei Yngve Gasoy-Romdal hervorragendes geleistet. Die Kostüme entsprechen der Zeit der Handlung, sehen hochwertig aus und haben Stil und Chick.
Das Bühnenbild ist minimalistisch. Mit Projektionen versehene Säulen erzeugen die jeweilige Atmosphäre. Elemente, die in den Zuschauerraum ragen, tragen die persönliche Handschrift von Bühnenbildner und Regisseur Markus Olzinger.

Die musikalische Leitung obliegt Jürgen Goriup. Seine zehn Musiker hatte er recht gut aufeinander abgestimmt. Dennoch waren bei der Premiere auch so manch Unreinheiten zu vernehmen.

Sascha Di Capri, Elisabeth Sikora; (c) Rudi Gigler

DIE FRAU IN WEISS gehört definitiv nicht zu den besten Stücken von A.L. Webber. Die Geschichte ist spannend, Melodien, welche im Gedächtnis bleiben, gibt es jedoch nicht. So liegt der Fokus auf den Protagonistinnen und den Protagonisten auf der Bühne, welche das Werk sehenswert zu machen. Carin Filipčić und Elisabeth Sikora sind zwei starke Persönlichkeiten, die emotional berühren. Zusätzlich mit einem großartig agierenden Yngve Gasoy-Romdal wird das Musical absolut sehenswert und ist eine Reise nach Gmunden wert.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
                                                          Kritik: Michaela Springer

29.03.2022 - Wiener Volksoper

LA CAGE AUX FOLLES
Das Abschiedsmusical von Robert Meyer

Der scheidende Direktor Robert Meyer wählte für seine letzte Musicalpremiere LA CAGE AUX FOLLES, ein Stück, welches oberflächlich betrachtet, humoristisch die schillernde Glitzerwelt des Showbusiness und Travestieszene zeigt. In Wahrheit jedoch dreht sich die Geschichte um Selbstbestimmung, den ewigen Kampf gegen (sexuelle) Vorurteile und dessen Umgang, sowie den Platz inmitten der Gesellschaft zu finden.
Mit dieser Produktion ist Robert Meyer ein fulminanter Abschluss seiner langjährigen und erfolgreichen Intendanz gelungen. Eine besondere Ära geht damit zu Ende. Die Lücke versucht die Niederländerin Lotte de Beer ab der Saison 2022/23 als neue Chefin der Wiener Volksoper zu füllen.

Eva Zamostny (Clo Clo), William Briscoe Peake (Odette), Kevin Perry (Monique), Fabian Lukas Raup (Bitelle), David-Eisinger (Mercedes), Martin Enenkel (Dermah)

Das Musical nach Jean Poirets Theaterstück „La Cage aux Folles“ mit Musik und Songtexten von Jerry Herman und Buch von Harvey Fierstein feierte bereits 1991 mit Karl Heinz Hackl und Frank Hoffmann große Erfolge an der Wiener Volksoper. Zwei Jahre zuvor fand jedoch bereits die österreichische Erstaufführung in Amstetten statt, wo man mit diesem Stück die Weichen auf Musical stellte.
Zahlreiche bekannte deutsche Darsteller verkörperten Zaza/Albin, wie zum Beispiel Helmut Baumann (1985-1986), Steve Barton (1986), Uwe Kröger (2014), Karl Heinz Hackl (1991-2007), Alfons Haider (2008) und nun Drew Sarich.

Drew Sarich (Albin alias Zaza), Viktor Gernot (Georges)

Die Story:
Das in die Jahre gekommene homosexuelle Paar Georges und Albin führen ein durchwegs normales Leben, wenngleich ein wenig intensiver und extravaganter. Georges betreibt seit vielen Jahren den Club La Cage aux Folles in Saint-Tropez. Gefeierter Star der frivolen und glitzernden Travestie-Shows ist Albin, der als Zaza das Publikum begeistert.  Wie in jeder Beziehung ist auch diese geprägt von Liebe, Eifersucht und Verständnis. Die Akzeptanz ist jedoch nicht überall gegeben.
Georges Sohn Jean-Michael, der von Georges und Albin aufgezogen wurde, hat mit Anne Dindon, die Liebe seines Lebens gefunden. Das sich ankündigende Familientreffen hat einen Haken, denn der Vater der Verlobten, Edouard, ein erzkonservativer Politiker und gestrenger Sittenwächter, möchte die Eltern des zukünftigen Schwiegersohnes kennenlernen. Georges muss daher auf die Schnelle ein bürgerlich-konservatives Umfeld für den Besuch schaffen und eine „Mutter“ finden. Schließlich übernimmt Albin die Rolle und kann zunächst auch das Vertrauen von Annes Eltern gewinnen. Als diese jedoch aufgrund einer Unachtsamkeit Albins die Wahrheit erkennen, ist vor allem Annes Vater empört und will die geplante Hochzeit absagen. Nach großen Wirren und viel Komik kündigt sich ein Happy End an.

Obwohl der Grad sehr schmal ist, schwankt Drew Sarich in seinem Spiel würdevoll und elegant, aber nie tuntig, zwischen Dramaqueen und Grande Dame. Er legt viel mütterliche Liebe in Gegenwart seines Ziehsohns. Den Höhepunkt bildet seine Interpretation von „Ich bin was ich bin“. Nachdem er die Show Boys von der Bühne geschickt hat, der Scheinwerfer sich auf ihn richtet, fängt er leise und zaghaft zu singen an, die Musik nimmt Tempo auf, wird schneller und schneller und seine Stimme wird sicherer, fester und singt sich regelrecht in Rage. All seine aufgestauten Emotionen lässt er freien Lauf. Es ist ein Seelenstriptease. Im Rausch der Gefühle verlangt er lediglich Akzeptanz gegenüber seinem Ich. Diese Interpretation geht unter die Haut.
Und der Song ist Kult! Schon nach der Uraufführung schrieb das New York Magazine, dass „I Am What I Am“ die neue nationale Schwulenhymne sei. Obwohl der Text das Outing eines Mannes ist, dessen Gefühle beschreibt und Kult bei Dragqueens und Transvestiten ist, gibt es bereits zahlreiche Sängerinnen, die das Lied interpretierten. Gloria Gaynor machte ihn etwa einst zum Hit. Weitere bekannte Solisten waren unter anderem John Barrowman, Sammy Davis Jr., Linda Eder, Anthony Warlow, Shirley Bassey, Pia Zadora und Conchita.

Viktor Gernot (Georges), Cagelles

Albin/ Zaza steht mit Georges ein liebender und verständnisvoller Ehemann zur Seite, der nach 20 Jahren genauso verliebt in ihn ist, wie am ersten Tag. All die Jahre haben die beiden zusammengeschweißt. Georges würdigt und verehrt seinen Partner. Auch wenn bei dem einen oder anderem Tänzchen die Bandscheiben nicht mehr so mitspielen wollen, ihre Liebe ist immer noch frisch und lebendig.
Viktor Gernot
ist eine Idealbesetzung. Er versprüht den Charme eines Peter Alexanders. Sein bestechendes Lausbubenlächeln und erweicht nicht nur das Herz von Zaza. Seine angenehme Gesangsstimme kommt besonders bei seinem Lied an seine große Liebe zum Tragen. Gernots komödiantische Fähigkeiten kann er des Öfteren eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Juliette Khalil, Oliver Liebl, Juriaan Bles, Viktor Gernot, Sigrid Hauser

Der Rolle entsprechend blass bleibt der Sohn des Hauses Jean-Michael, gespielt von Oliver Liebl.

Neben den Show Boys sorgt Jurriaan Bles als männliche Zofe Jacob für den erotischen Touch. Lasziv in sexy und sehr freizügigen Outfits ist er der nicht immer ergebene Diener seiner Herren, was zu zahlreichen witzigen Momenten führt.

Robert Meyer und Sigrid Hauser spielen die Eltern der Verlobten, Edouard und Marie. Für ihn, der der strikten Moral unterlegen ist, ist die Familie suspekt und der größte Albtraum. Sie ist eine unterdrückte und frustrierte Ehefrau, die jede Gelegenheit ergreift, um auszubrechen. Herrlich Sigrid Hausers Spiel.

Juliette Khalil ist die Verlobte, die sich gleich wohl und geborgen in der etwas anderen Familie fühlt.

Publikumsliebling Jakob Semotan hat als Bühnenmanager Francis kleine, aber spaßige Auftritte, die in Erinnerung bleiben.


Melissa Kings Inszenierung ist schwungvoll, hat viel Tempo und erinnert mit den großen Revueeinlagen an die Fernsehshows der 1980er Jahre.
Die Kostüme stammen von Judith Peter und sind sind bunt und ideenreich. Vor allem jene aus Manner Schnitten-Verpackungen. Vom Katz- und Maus- Spiel bis zum Recycling-Tanz ist im La Cage alles möglich. Kein Wunsch bleibt offen.

Das Bühnenbild von Stephan Prattes ist teils überdimensional, bei dem schon mal eine riesige Weltkugel über die Bühne schwebt, aus der es Plastikflaschen regnet oder eine gigantische, aufblasbare Katze zu Klängen von „Memory“ (Cats) auftritt.
Das Orchester unter der Leitung von Lorenz C. Aichner macht seine Sache ausgezeichnet.

Mit LA CAGE AUX FOLLES in der Volksoper wird, ohne die Bedienung von alten Klischees, eine hervorragende Inszenierung geboten, die technisch, musikalisch und schauspielerisch überzeugen kann - und die mit Drew Sarich und Viktor Gernot ein neues Traumpaar des Musicals geschaffen hat. So muss Musical sein!

  • Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza)-2
  • Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza)-5
  • Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza),-Musical-Ensemble
  • Robert-Meyer-(Edouard-Dindon),-Musical-Ensemble
  • Viktor-Gernot-(Georges),-Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza),-Juliette-Khalil-(Anne-Dindon),-Oliver-Liebl-(Jean-Michel)
  • Viktor-Gernot-(Georges),-Drew-Sarich-(Albin-alias-Zaza)



6 von 6 Sternen: ★★★★★★

Kritik: Michaela Springer
Fotos: Barbara Pálffy/
Volksoper Wien

27.03.2022 - Wiener Stadthalle D

ABBA MANIA - THE SHOW
Die größte ABBA-Tribute Show der Welt

Nur wenige Bands scheinen zeitlos zu sein. Ihre Songs sind generationsübergreifend beliebt und erreichten mehr oder minder Kultstatus. Die 1972 formatierte Band ABBA, mit über 400 Millionen verkauften Tonträgern, gehört zweifelsohne dazu. Das schwedische Quartett schrieb Musikgeschichte. Auch nach 40 Jahren begeistert ihre Musik das Publikum mit Hits wie „SOS“, „Mamma Mia“, „Fernando“, „Dancing Queen“ oder „The Winner Takes It All“, um nur einige zu nennen. Ihr „Best of“-Album 1992 verkaufte sich 31 Millionen Mal und zählt zu den erfolgreichsten in der Musikgeschichte.

Es hat den Anschein, dass ABBA ein Synonym für Erfolg ist. Alle Projekte, die sie in Angriff nehmen, sind von Erfolg gekrönt. So auch ihr Musical „Mamma Mia!“ mit über 60 Millionen Besuchern weltweit und dessen Verfilmung 2008.


ABBA MANIA – THE SHOW tourt seit Jahren erfolgreich durch Europa. Und die Fans der schwedischen Kultband wurden auch in Wien nicht enttäuscht. Die vier Solisten, im typischen Style der Originale aus den 1970er Jahren wurden von einem klassischen Orchester und einer Instrumentation von E-Gitarre, Bassgitarre, Klavier und Schlagzeug begleitet. Ein Hit folgte auf den nächsten. Auch der einzig autobiographische Song „Slipping Through My Fingers“ und das Instrumentalstück „Intermezzo Nr. 1“ das eine komplexere Struktur aufweist, wurden gespielt. Aber auch die 2020 neu erschienenen Songs „I Still Have Faith In You“ und „Don´t Shuttle Me Down“ fanden Platz im neuen Programm. Der 81-jährige schwedische Jazzmusiker Ulf Anderson trat als Special Guest in Erscheinung. Er stand sowohl mit den Originalsänger*innen von ABBA auf der Bühne, wirkte aber auch als Studiomusiker bei den Alben mit. Legendär sein Saxofon-Solo bei „I do I do I do I do Ido“ Er begeisterte an diesem Abend auch mit seiner Flöte bei „Fernando“.

Für kurze Zeit konnte man die Sorgen und Ängste beiseiteschieben und in die Vergangenheit eintauchen. Das Publikum tanzte in den Seitengängen, sang lautstark mit und tauchten mit ihren eingeschalteten Handys die Wiener Stadthalle in ein berauschendes Lichtermeer. Zusätzlich sorgten gut programmierte Lichteffekte für die richtige Atmosphäre. Alle waren in Partylaune, welche immer wieder von den vier Protagonist*innen auf der Bühne angeheizt wurde.
„Thank You For The Music“ bildete den passenden Abschluss für dieses stimmungsvolle Konzerterlebnis.


5 von 6 Sternen:
★★★★★
                          Kritik: Michaela Springer; Fotos: Alfred Bültel

Florian Klein (Audrey II), Michael Konicek (Seymour)

24.03.2022 -
Kulturgarage Seestadt/ Wien

DER KLEINE HORRORLADEN
Premiere in der Seestadt

Wenn eine übergroße Pflanze „Feed Me“ schreit, dann kann es nur Audrey II sein, und man befindet sich inmitten des kleinen Horrorladens in der Skid Row. Ein kleines Blumengeschäft mit Menschen, die Träume und Wünsche haben, aber von der bitteren Wahrheit immer wieder eingeholt werden. Der Traum eines Reihenhauses, der großen Liebe und dem ersehnten Wohlstand scheint nur ein Traum zu sein. Kann eine Pflanze all diese Sehnsüchte stillen? Die Realität lässt kein Happy End zu, das Böse triumphiert und greift schließlich nach der Weltherrschaft. Dieser kleine Horrorladen befindet sich für kurze Zeit in der Seestadt.

Ronald Tettinek (Mr. Mushnik)

Am 6.5.1982 feierte das Musical von Alan Menken und Howard Ashman Premiere in New York. Bereits vier Jahre später fand die Deutschlandpremiere statt und zählt zu den am häufigsten aufgeführten Musicals ohne festen Spielort. 1987 erschien eine B-Movie Verfilmung mit Rick Moranis, Ellen Greene, Vincent Gardenia und Steve Martin als Zahnarzt. Cinema beurteilte sie als „eine schräge Musicalverfilmung für Trash Fans“. Dennoch erhielt der Film 1987 unter anderem den Saturn Award für die beste Musik, zwei Oscars und Golden Globe Nominierungen.

Anna Zagler (Crystal), Michael Konicek (Seymour), Amelie Polak (Chiffon), Rebecca Sougmané (Ronette)

Nun lechzt seit 24. März Audrey II auch in der Kulturgarage in Seestadt nach Blut. Die Wahl dieses Musical zu spielen, war besser als deren Umsetzung. Auch die zweite Produktion hat lediglich semiprofessionellen Charakter.
Michael Konicek gibt den introvertierten Seymour, der unsterblich in Audrey verliebt ist. Sein Spiel war schrullig und naiv.
Bettina Bogdany verkörpert die, sich nach Liebe sehnende, Audrey. Sie überzeugte gesanglich, wenn sie von einem Reihenhaus träumt.
Robert D. Marx darf als Zahnarzt seine sadistischen Züge zeigen, was ihm und auch dem Publikum sichtlich Spaß machte.
Die Überraschung des Abends war Florian Klein, der Puppenspieler von Audrey. Seine rauchige Rockstimme hauchte der fleischfressenden Pflanze (Ab)leben ein.
Obwohl alle engagiert und motiviert bei der Sache waren, konnte dies nicht die mangelnden sängerischen Qualitäten der übrigen Protagonistinnen und Protagonisten ausgleichen.

Bettina Bogdany (Audrey)

Optisch hat man sich bemüht der Lokation der Volkshochschule gerecht zu werden. Statt des Blumenladens hat man sich für einen Marktstand entschieden. Audrey II, das Herzstück des kleinen Horrorladens. Florian Klein schlüpfte dabei nicht in seine Rolle, sondern bespielte sie, sowohl als kleine Topfpflanze als auch als menschenfressendes Monster, von außen. Das mutete jedoch etwas seltsam an. Was bei AVENUE Q funktionierte, mutete hier seltsam an. Die Konzentration der Zuschauer*innen wurde zu sehr auf den Schauspieler projiziert.
Bei den Kostümen hat Ida Bekic in der falschen Altkleiderkiste gewühlt und sind teils nicht sehr schmeichelhaft ausgesucht. Seymour mit Baseballkappe und Blumenplunder gleicht einem CSI-typischen Serien-Mörder und Audrey, die vorrangig sexy und attraktiv sein sollte, sorgte mit eigenwilliger Perücke und altbackener Kleidung für unfreiwillige Lacher, als sie erklärt, dass sie sich hübsch gemacht hat.

Bei der Inszenierung hätte man etwas mehr Mut beweisen können und mit etwas Kreativität das Stück ins Jahr 2022 transportieren sollen. Die 1980er Jahre waren stilistisch keine spannende Zeit, um sich darauf zu versteifen.

Anna Zagler (Crystal), Michael Konicek (Seymour), Rebecca Sougmané (Ronette), Bettina Bogdany (Audrey), Amelie Polak (Chiffon)


DER KLEINE HORRORLADEN hat durchaus gute Ansätze, und wenn die Besucher*innen sich auf Mittelmäßigkeit einstellen, werden sie bestens bedient. Professionalität sollte der Anspruch sein. Diesen Status muss sich das Produktionsteam noch erarbeiten. Bis dahin ist die Einöde der Seestadt genau der richtige Platz, um sich weiterzuentwickeln.

3 von 6 Sternen: ★★★
                                   Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: Sipario

16.03.2022 - Brick-15/ Wien

MUSICAL VISIONS by Leo Floyd
Songs for Tomorrow -
Von Japan bis New York

Am 16.3.2022 präsentierte der Jungkomponist Leo Floyd ein Potpourri seiner fünf bis jetzt teils noch im Entstehen befindenden Musicalwerke unter dem Titel „MUSICAL VISIONS: Songs for Tomorrow - von Japan bis New York“.

So verschieden die Themen sind, so verschieden sind auch die Musikrichtungen. Klassische Musicalelemente wechselten sich mit neuen, im Musicalgenre selten zu findenden Stilen ab. Passend zu den Stücken waren japanische oder irische Klänge zu vernehmen. Etwa die Hälfte der Songs wurden am Klavier von Julian Groller begleitet, ein weiterer Teil kam vom Band, um einen besseren musikalischen Einblick in das Werk zu vermitteln oder weil, wie etwa bei der Rappnummer „Bösester Bösewicht“ das Klavier unpassend gewesen wäre.

Wie schon aus dem Titel ersichtlich führte Leo Floyd die Anwesenden auf eine musikalische Reise quer über den Globus bis in die Welt der Fantasie.

In DAIMYO wird die Geschichte des unbedeutenden japanischen Fischers Yori erzählt, der auserkoren ist, sein Land vor bösen Mächten zu befreien.

Drei Elfen müssen in VERBORGENE WELTEN zu den Menschen reisen, um beide Existenten vor dem Untergang zu retten.

ANDROIDICAL: Ein Roboter als Superheld kommt zur Verbrechensbekämpfung in einer amerikanischen Großstadt zum Einsatz. Nicht alle zeigen sich von der künstlichen Intelligenz begeistert. Probleme sind vorprogrammiert.
Dieses Thema ist nicht neu und fand bereits in zahlreichen bekannten Filmen und TV-Serien sein Publikum.

Der im Kaisertum Österreich geborene Nikola Tesla war ein genialer Erfinder und Physiker. Als Elektroingenieur entwickelte er das bahnbrechende System des Zweiphasenwechselstroms. TESLA´S VISION widmet sich seinen Träumen einer neuen Welt.

Über die größte Katastrophe der österreichischen Theaterwelt handelt das Musical RINGTHEATER. Es ist die Geschichte über Liebe, Hoffnung und Größenwahn. Bei der Brandkatastrophe am 8. Dezember 1881 im Wiener Burgtheater kamen offiziell 382 Menschen zu Tode, als Feuer von der Bühne ausgehend auf den Zuschauerraum übersprang. Es wird aber angenommen, dass nahezu 1.000 den Flammen zum Opfer fielen, darunter auch Ladislaus Vetsera, ein Bruder von Mary Vetsera, die Kronprinz Rudolf in Mayerling mit in den Tod nahm.

Die Songs, teils mit Ohrwurmqualität, erweisen sich durchaus gefällig und vielversprechend. Einige haben zudem potential mit einer großen Orchestrierung noch eindrucksvoller zu klingen.

Die Titel wurden von Stella Kranner, Reinwald Kranner, Konstantin Zander und Lisa Antoni, die bis in die Höhen über eine starke und klare Stimme verfügt, vorgetragen.
Stella Kranner ist für eine kranke Kollegin eingesprungen und musste nun in Windeseile ihre Songs einstudieren. Besonders gelungen war das Duett mit ihrem Vater, „Lieben, Leiden“ (VERBORGENE WELTEN). Ob als Liebender mit einfühlsamer Stimme oder bedrohlich als Schurke, bei Reinwald Kranner erreichen alle Emotionen das Publikum. Doch niemand kann so gekonnt mit bösen Blicken töten, wie Konstantin Zander, der zudem die Zuschauer*innen mit seiner ausdrucksstarken Stimme begeisterte.

Im Gegensatz zum Komponisten Leo Floyd, der offensichtlich sehr nervöse und überwältigt von dem positiven Feedback des Publikums war, gelangen dem Texter Michael Car die Anmoderationen in stoischer Gelassenheit. Zusammen hatte es schon ungewollt kabarettistische Züge und erheiterte das Publikum, weil es so echt, menschlich und unverbraucht wirkte.
Zur Überraschung der Anwesenden sang Leo Floyd selbst einen Song. Mit vollem Körpereinsatz und starken Gesten brachte er zum Ausdruck, wie sehr er Elfen hasst.

Leo Floyds Musical Visionen könnten, wenn er sie weiterspinnt, durchaus Realität werden.
Österreich hat wieder einmal einen talentierten Jungkomponisten, der sicher seinen Weg gehen wird und von dem man noch viel hören wird.

5 von 6 Sternen: ★★★★★
                                                Kritik & Fotos: Michaela Springer

10.03.2022 - Music Hall/ Innsbruck (Tirol)

GHOST - Nachricht von Sam
Tour-Stopp in Tirol

Der Hollywoodfilm mit Demi Moore, Patrick Swayze und der legendären Whoopi Goldberg rührte 1990 viele zu Tränen. Die Handlung wurde für das Musical nicht verändert, lediglich, eine Sache: Sam wird nicht seiner Geldtasche wegen Opfer eines Raubmordes, sondern wegen seines Handys, auf dem alle wichtigen Zugangsdaten gespeichert sind.

Die Story:
Der Banker Sam Wheat (Charles Kreische) und seine Freundin, die Künstlerin Molly Jensen (Karin Merkl), führen eine glückliche Beziehung. Molly sagt Sam sehr oft, dass sie ihn liebt, worauf er fast immer erwidert, „dito“, da er der Meinung ist, dass man die drei Worte nicht überstrapazieren sollte.
Auf dem Heimweg von einem Theaterbesuch werden Sam und Molly von einem Straßenräuber überfallen. Im Handgemenge löst sich ein Schuss und tötet Sam.
Sam will seine Molly jedoch nicht verlassen und gerät zufällig an die Wahrsagerin und Geisterbeschwörerin Oda Mae Brown (Amina Robinson). Diese ist jedoch augenscheinlich nur eine Betrügerin, die ihren Kunden vortäuscht, Kontakt zu verstorbenen Angehörigen aufnehmen zu können. Während einer Sitzung äußert Sam lautstark seinen Unmut über diese Farce – und wird von Oda Mae gehört, die offenbar doch ein Medium ist, ihre Fähigkeit aber bisher noch nicht kannte.
Sam und Oda Mae recherchieren nach dem Drahtzieher seiner Ermordung und stoßen auf Sams ehemaligen beste Freund und Arbeitskollegen Carl Bruner (Kim-David Hamman) der sich mit falschen Leuten eingelassen und Geld veruntreut hat. Die Zugangsdaten aus der gemeinsamen Firma stehen in Sams Handy. Willy Lopez (Calum Melville) sollte es ihm abnehmen. So kam es zum tödlichen Schuss. Sam muss nun seine Molly beschützen und versucht mit Hilfe von Oda Mea Kontakt aufzunehmen. Sie glaubt jedoch nicht an Geister, muss sich aber schließlich eingestehen, Sams Nähe zu spüren. In der Zwischenzeit schaffen es Oda Mea und Sam mit einen Trick Carl das Handwerk zu legen und Sam bekommt seine Rache. Carl stirbt und wird von den bösen Geistern geholt. Ein Letztes mal wird Sam für seine Molly sichtbar. Mit einem innigen Kuss nehmen sie zärtlich voneinander Abschied, bis er unbesorgt ins Licht gehen kann.
Eine Liebe, die den Tod besiegt.

In dieser Show steckt von Beginn an viel Energie. Jeder Song reißt mit und man glaubt sich mitten im Film. Man kennt die Geschichte und wie es ausgeht, aber die Darsteller*innen schaffen es, das Publikum auf die emotionale Reise mitzunehmen und auch ein klein wenig Hoffnung zu geben, dass es diesmal vielleicht anders enden könnte.
Die Bühne ist klein, doch ausreichend. Die Tournee-Produktion überzeugt auf ganzer Linie. Schade, dass der Zwischenstopp in Innsbruck nur einen Tag dauerte. Es wäre interessant gewesen, die Covers zu sehen, wie etwa Livia Wrede als Molly, bekannt unter anderem aus „Mamma Mia!“

GHOST - NACHRICHT VON SAM ist ein Musical, welches in der Musicalwelt leider zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Es hätte sich einen fixen Standort verdient, um viele Menschen anzuziehen und sie in die 1990er Jahre zu bringen!
Die soeben erschienene CD spendet ein wenig Trost. So kann man dieses Stück auch zu Hause erleben.
Sollte GHOST - NACHRICHT VON SAM in der Nähe Halt macht, unbedingt ansehen!

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5 von 6 Sternen: ★★★★★

Kritik: Jacqueline Cerny
Fotos: David Schmelzer

26.02.2022 - Das Vindobona/ Wien

A Night Alone with
DREW SARICH

Eine Gitarre, eine Bühne und ein oder zwei Bier. Mehr braucht es nicht für einen Vollblutmusiker. Zweifelsohne ist Drew Sarich einer der vielseitigsten Musicaldarsteller. Brel, La Cage und Vivaldi sind in nächster Zeit Stücke, in denen er Hauptrollen spielt. So unterschiedlich diese Parts sind, so breit gestreut ist auch sein Musikspektrum.

Von einer ganz intimen Seite, wie er es auch selbst nannte, konnte man ihn am 26.Februar im Vindobona mit seinem Programm „Alone with Drew Sarich“ erleben. Es war selbst für ihn eine neue Erfahrung, da er es nicht gewohnt ist, allein auf der Bühne zu stehen. Er selbst beschreibt seine Lieder, nach einem Zitat von Townes van Zandt, als nicht traurig, sondern hoffnungslos. Seine Songs sind melancholisch und berührend. Sein Tonumfang sucht seinesgleichen, die Stimme ist unverwechselbar, ausdrucksstark und treffsicher.

Zwischen den Songs gab es immer wieder kleine Anekdoten aus seinem bewegten Schauspielerleben. Es sei etwa ein Fluch und Segen große Augen zu habe. Beim Flirten sind diese eher hinderlich, denn einen coolen Womanizer-Blick bekommt man damit nicht so richtig hin.
Auch erzählte er von seinem großen AHA-Erlebnis in der Kirche als Kind, wo seine Berufung zum Sänger erkannte. Es war für ihn nicht leicht seinen Weg zu finden, in einer Familie, in der jedes Familienmitglied sehr erfolgreich war und er nicht wusste, was sein Pfad sei. Jedoch konnte er stets auf die volle Unterstützung seiner Familie zählen. Und wie war er als Jugendlicher? Er beschrieb sich als der Teenager, der in der Ecke stand und beobachtete. Als Darsteller liebt er es, in eine andere Rolle zu schlüpfen, wer anderer zu sein. Und das kann er in der nächsten Zeit auf sehr kontroverse Art. Mit den Stöckelschuhen der Zaza für La Cage aux Folles an der Volksoper zu gehen, ist eine große Herausforderung, und es hat einige Zeit gedauert, nicht wie Bambi am Eis auszusehen. Bis zur Vorpremiere am 19.3 hat er noch Zeit, um seinen Stil zu perfektionieren.

An diesem Abend hat Drew Sarich gezeigt, dass, wenn man Charme besitzt und das notwendige Rüstzeug als Sänger und Musiker mitbringt, keine technischen Hilfsmittel benötigt, um gut unterhalten zu können.



6 von 6 Sternen: ★★★★★★

Kritik & Fotos: Michaela Springer

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24.02.2022 - Kulturgarage Seestadt/ Wien

DRACULA - Das Musical
Premiere in der Seestadt

Die Wiener Volkshochschulen haben ihren Tätigkeitsbereich mit der Kulturgarage als neue Theaterlocation in der Seestadt erweitert. Wie in einem persönlichen Gespräch erklärt, wird bewusst auf eine Intendanz verzichtet, denn jede(r) Künstler*in, Theatergruppe oder Band kann sich einmieten, was auch die Agentur Sipario für mehrere Musicalinszenierungen in den nächsten Monaten gemacht hat.
Am 24. Februar 2022 fand somit die Premiere ihres ersten Musicals DRACULA mit Ex Songcontest-Teilnehmer Cesár Sampson in der Titelrolle statt.

Dem Musical liegt die Romanvorlage von Bram Stoker zugrunde, die Musik stammt von Frank Wildhorn. Am 13. Oktober 2001 feierte das Stück seine Premiere in San Diego. Vier Jahre später teilten sich bei der deutschsprachigen Erstaufführung in St Gallen Thomas Borchert und Drew Sarich die Rolle des Untoten. Bei der Österreich-Premiere 2007 in Graz übernahm erneut Thomas Borchert diesen Part. Gejagt wurde er von Uwe Kröger als Van Helsing.

Der Mythos Dracula fasziniert seit der Veröffentlichung des Romans von Bram Stoker 1897 die Menschen auf der ganzen Welt. Er ist ein Einzelgänger, mystisch und erotisch zugleich. Seine Opfer ließ er stets blutleer zurück. Bram Stoker orientierte sich für sein literarisches Werk an Fürst Vlad III Drăculea (1431-1476), der als grausamer Adeliger berüchtigt war. Mythen besagen, dass er Blut von seinen Opfern trank und beim Öffnen seines Sarges 1931 sein Leichnam verschwunden war … bis heute.
Graf Dracula ist eine Erfindung und hat im Grunde nicht viel mit Vlad gemeinsam. Durch zahlreiche Filme, Bücher und Musicals hat er es dennoch zu Unsterblichkeit gebracht.

Die Faszination liegt im Kampf zwischen hell und dunkel, dem unsterblich Bösen aber auch in der verführerischen, charismatische, Erscheinung Draculas, der sich keiner seiner Auserwählten entziehen kann.
So mystisch und tragend, ist auch die Partitur Wildhorns, die oftmals an sein Meisterwerk „Jekyll & Hyde“ erinnert. Was für ein großes, klassisches Orchester geschrieben wurde, musste für die Seestadt auf eine 9-köpfige Band abgespeckt und neu arrangiert werden.

Cesár Sampson ist als Dracula eine ausdrucksstarke Erscheinung, gekonnt spielt er mit seinen großen Augen. Seine Aussprache ist besonders deutlich und verleiht der Rolle die gewisse Erhabenheit. Er überzeugt auch bei den Popballaden, jedoch gelingt es ihm nicht, die notwendigen Akzente zu setzen und passenden Stimmungen zu vermitteln. Es fehlen die feinen Nuancen im Gesang, welche beim Musiktheater so wichtig sind. So werden Lieder zu Einheitsbrei – passend zu den musikalischen Arrangements, denen zuweilen ebenfalls die Akzente fehlen.

Sarah Zippusch gibt eine stimmgewaltige Mina Murray. Sie versteht es, mit ihrer Stimme Emotionen zu erzeugen und das Publikum auf ihre Achterbahn der Gefühle mitzureißen, schwankend zwischen Vernunft und großer Sehnsucht nach Dracula. Sie kennt die Folgen seines Bisses, dennoch ist ihre Leidenschaft zu ihm so stark, dass sie sich nicht entziehen kann. Ihre Liebe ist so unendlich groß, dass sie ihn am Schluss erlöst, auch wenn es das Ende ihres gemeinsamen Daseins bedeutet. Hoch emotional überwindet sie sich, diesen Schritt zu gehen.

Willensstark und voller Tatendrang ist Robert D. Marx mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz und einer einprägsamen Stimme. Er selbst hat seine Geliebte vor langer Zeit verloren. Sie ist nun eine Gefolgin Draculas. Sein Schmerz ist die Triebkraft für einen besessenen Verfolgungskampf. Er will Dracula besiegen und das um jeden Preis.

Ihm zur Seite stehen der Arzt Dr. Seward (Roland Tettinek), Quincey Morris (Michael Zallinger) und die Ehemänner von Mina und Lucy.
Florian Klein ist Jonathan Harker, selbst ein von Dracula verführter. Er kämpft um seine Mina und liebt sie so sehr, dass er das Versprechen einlöst, sie zu töten, wenn es kein Zurück für sie gibt. Michael Konicek als schüchterner, versnobter Arthur Holmwood amüsiert. Er kämpft genauso für seine Geliebte, aber auf seine ganz eigene Art und Weise.
Anna Zagler als Lucy, die Freundin von Mina und baldiges Opfer Draculas, beeindruckte besonders als Untote. Hingebungsvoll unterwirft sie sich Dracula, um sich dann mit funkelnden Augen dem Reigen seiner Vampirmenagerie lustvoll anzuschließen.

Es sind vier Untote, die ihm stets zu Diensten sind, ausgehungert nach Blut lechzen und ihre Opfer ohne Vampirzähne den roten Saft aus den Adern saugen. Teilweise wirken ihre Körperhaltungen jedoch zombiehaft.
Die Tanzszenen enthalten gute Einfälle und erinnern in Fragmenten an „Tanz der Vampire: Nightmare“. Die Lösung des Bühnenbildes mit einfachen Projektionen und fahrenden Paravents, wo das Mobiliar verändert wird, ist einfach aber effektiv.

Das Stück lebt vom Mythos und der Musik. DRACULA erzielt seine beste Wirkung auf einer großen Bühne mit einem gut ausgestatteten Orchester und mit einem Hauptdarsteller, der nicht nur in der Popszene beheimatet ist, sondern auch seiner Stimme mehr Tiefe und die notwendigen Gefühle entlocken kann. Cesár Sampson ist eine charismatische Erscheinung, doch für tragende und stimmlich herausfordernde Rollen ist er (noch) nicht bereit.
Die erforderlichen Kriterien erfüllen Sarah Zippusch und Robert D. Marx. Die beiden sorgen dafür, dass aus einer guten Schulaufführung doch noch eine  mittelprächige semiprofessionelle Bühnenshow wurde.

Man darf gespannt sein, wie sich die Kulturgarage als neue Location, die im Außenbereich furchteinflößender wirkt als die Inszenierung, bewährt und wie bunt und vielfältig sich das Programm zukünftig gestalten wird. Nicht alle Gäste zeigten sich am Premierenabend begeistert.
DRACULA wird noch sporadisch bis 1. Mai gespielt. Tickets sind jederzeit erhältlich.
Auf die Vampire folgt DER KLEINE HORRORLADEN, der sicherlich besser in den 350 Zuschauer*innen fassenden Festsaal passt. Man darf gespannt sein.

4 von 6 Sternen: ★★★★

                                                Kritik: Michaela Springer; Fotos: Rolf Bock

Teaser DRACULA Seestadt


Wer Lust hat, sieht sich die beiden kurzen Videos an und voted mit.
Wir sind gespannt auf euer Ergebnis.

Welcher DRACULA-Darsteller ist stimmlich dein Favorit?

  Cesár Sampson   Thomas Borchert   Drew Sarich   Chris Murray   David Arnsperger   Gerd Achilles

23.02.2022 - Wiener Stadthalle

WE WILL ROCK YOU
Premiere in Wien

Queen zählt zu den legendärsten Bands der Musikgeschichte mit unzähligen Nummer 1 Hits. Mit WE WILL ROCK YOU haben sie sich mit diesem Musical eine eigene Hommage gesetzt, die laut, bunt und mitreißend ist.

Die Geschichte einer Cyberwelt, in der das ganze Leben über Computer gesteuert wird, ist heute im Zeitalter der globalen Vernetzung durch soziale Netzwerke, Homeoffice oder Distance Learning, realer als noch vor 20 Jahren, als das Musical WE WILL ROCK YOU am 14.5.2002 im Londoner West End Premiere feierte.

Das Juke Box Musical von Ben Elton und Queen konnte bei den Kritikern nicht überzeugen  und erntete vernichtende Kritiken. Dies schreckte die Fans jedoch nicht ab, was dazu führte, dass das Stück mit einer 12-jährigen Laufzeit, 6,5 Millionen Zuschauern und 4.600 Aufführungen zum überwältigenden Publikumserfolg im Dominion Theatre wurde.

Eigentlich hätte das Musical die Biografie von Freddie Mercury erzählen sollen. Schauspieler Robert de Niro arbeitete bereits an einen Plot, der für Brian May und Robert Taylor jedoch unbefriedigend war. Jim Beach, langjähriger Bandmanager, hatte eine andere Perspektive im Kopf. Queen wäre mehr als Freddie Mercury.

Linda Lindgren

Die Story:
Die Handlung von WE WILL ROCK YOU findet in der Zukunft statt. Die Erde heißt nun iPad (in früheren Inszenierungen eBay) und wird von einer künstlich erschaffenen Computerfigur, der Killer Queen, regiert. Jegliche Individualität wird untersagt und strengstens bestraft. Musik ist verboten! Alle sollen dasselbe denken, sich einheitlich kleiden und die vorgegebene computergenerierte Musik hören. Doch es gibt eine kleine Gruppe Widerstandskämpfer, die Bohemians, die für Freiheit der Gedanken und der Musik eintreten.
Die Legende besagt, dass ein Träumer kommen und die Wende herbeibringen wird. Sie erkennen diesen Träumer in dem jungen, rebellischen Schulabgänger Galileo. Ihm und seiner ebenfalls individualistischen Freundin Scaramouche obliegt es, die Welt zu retten.

Philipp Büttner

Die Tourneeproduktion, die seit 23.2. in der Wiener Stadthalle gastiert, setzt auf ein gigantisches Bühnenspektakel. Mit ausdrucksstarken 3D-Projektionen wird der Zuschauer regelrecht in den Cyberspace gesogen. Die Choreografie ist einfallsreich und schwungvoll. Die Szenen mit den Gaga-Kids gleichen einem strengen Workout. Alles ist im Gleichklang, keine Individualität. Im Gegensatz zu den Bohemians, deren Tanzstil hemmungslos, wild und leidenschaftlich ist. Das spiegelt sich auch in den Kostümen. Futuristisch und uniformähnlich glänzen die Kleidungsstücke der „Marionetten“ in der Computerzentrale, und stehen im krassen Gegensatz zu den extravaganten und bunten Kostümen der Underdogs.

Inga Krischke

Die Darsteller*innen boten eine solide Leistung. Philipp Büttner als Galileo ist sympathisch und liebenswert. Mit seiner dünnen Schlagerstimme ist er die Idealbesetzung für jeden Jugendlichen in einem Disney-Musical, was er auch schon als Erstbesetzung des Aladdin im gleichnamigen Stück unter Beweis stellte.
Inga Krischke als Scaramouche ist eine taffe, freche Rockröhre, die stimmlich die beste Leistung aller auf der Bühne bot und auch viel Temperament in die Rolle einbrachte.
Linda Lindgren fehlt es an der notwendigen Bühnenpräsenz für die Killer Queen. Ihr Lakai Khashoggi, alias John Davies ist wohl die größte Fehlbesetzung – in jeder Hinsicht.
Gabin Turnbull gibt sich als witzig verpeilter Flower-Power Altrocker Udo mit gesangstechnischem Potential.

Werner Sobotka

Dem Österreicher Werner Sobotka muss das größte Lob ausgesprochen werden. Er zeichnet sich bei dieser Neuinszenierung als Übersetzer aus und peppte die Dialoge mit sehr vielen witzigen und orginellen Einfällen und Wortspielen auf. Faktisch jeder Gag zündete und sorgte dafür, dass die an sich dünne Handlung, Spaß machte.

2.v.re. John Davies

Das Stück lebt aber hauptsächlich durch die großartige und zeitlose Musik von Queen…. „It´s a Kind of Magic“. Daran konnte auch nicht die, in der Stadthalle  auf Anschlag stehende, Tonanlage etwas ändern, aus der oftmals nur mehr Dröhnen zu vernehmen war und welche die Sänger*innen in den lauten Sequenzen zum Schreien veranlasste.
Doch wenn die virtuelle Silhouette von Freddy Mercury zu Staub zerfällt und in Galileo überfließt, bewahren sich Freddie Mercurys Worte: „Ich werde kein Rockstar sein. Ich werde eine Legende sein.“

In Erinnerung an diese Inszenierung bleibt eine perfekt inszenierte Bühnenshow, die gelungene Übersetzung, die unvergesslichen Musik-Klassiker und ein, bis auf wenige Ausnahmen, mittelmäßiger Cast.

Bringt gute 4 von 6 Sternen: ★★★★

Kritik: Wolfgang Springer; Fotos Wien: Katharina Schiffl

Bis 6.3. gastiert WE WILL ROCK YOU noch in der Wiener Stadthalle. Karten sind genügend verfügbar.
Vom 19.5. bis 22.5. wird zudem in der Tips Arena Linz und vom 27.5. bis 29.5. in der Salzburgarena gerockt.

19.02.2022 - Stadttheater Baden (NÖ)

HALLO, DOLLY!
Premiere im Stadttheater Baden

Sind es heute diverse Dating Plattformen, waren es früher Heiratsvermittlerinnen, die Männer und Frauen verkuppelten, wenn es auf dem normalen Weg nicht funktionierte. Dies war anno dazumal genauso effektiv oder eben nicht, wie heutzutage. Kompliziert wird es jedoch, wenn die Heiratsvermittlerin selbst ein Auge auf den wohlhabenden Auftraggeber wirft. Nicht, weil sie sich verliebt hat, das liegt nach dem Tod ihres Mannes hinter ihr, nein, sie hat es satt, jeden Tag von der Hand in den Mund zu leben. Von so einer Heiratsvermittlerin handelt das Musical HALLO, DOLLY! (Hello, Dolly!).

Was für ein Name, Dolly Gallagher Levi, was für eine selbstbewusste, starke Frau. Als Puppet Master hält sie die Fäden in der Hand. Sie ist eine Meisterin des subtilen Spieles der Anziehung und Abstoßung eines Mannes, um ihn gefügig zu machen.
Jerry Herman schrieb die Musik und Gesangstexte, das Buch stammte von Michael Stewart. Am 16. Jänner 1964 fand in New York die Uraufführung statt und war mit 2.844 Vorstellungen äußerst erfolgreich.
So war der nächste logische Schritt eine Verfilmung unter der Regie von Gene Kelly. Da die Dolly eine Paraderolle für Diven ist, war es nur selbstverständlich, dass die damals noch sehr junge Barbra Streisand die Titelrolle übernahm und Walter Matthau als ihr griesgrämiger Partner zur Seite stand. Legendär auch der Gastauftritt von Louis Armstrong.
Seit 2017 ist nun Bette Midler als Dolly in ihrer ersten Hauptrolle am Broadway zu sehen. Mit 10 Tony Awards gehört HELLO, DOLLY! zu den erfolgreichsten Musicals aller Zeiten.

Nun ist Dolly Levi ins Stadttheater Baden eingezogen und feierte am 19. Februar seine umjubelte Premiere. Patricia Nessy verkörpert die Titelrolle mit einer ungeheuren Bühnenpräsenz. Sie versteht es mit liebenswerter Berechnung und kühler Klugheit die Leute nach ihrem Spiel zu lenken. Stimmlich ist ihr die Rolle auf dem Leib geschrieben. Sie spielt nicht Dolly, sie ist Dolly. Natürlich ist der große Auftritt auf der Showtreppe, bei dem das Lokalpersonal ihr zu Füßen liegt und gesanglich „Hallo Dolly“ schmettert, das glanzvolle Highlight. Aber besonders stark ist Patricia Nessy in den leisen Szenen, etwa im Zwiegespräch mit ihrem verstorbenen Manne. Hier strahlt sie ungeheure Kraft und Emotion aus. Aber es gibt auch viele Momente, wo sie ihr komisches Talent sehr feinfühlig unter Beweis stellt.
Ihr Auftraggeber und zukünftiger Gatte, der zu Beginn davon noch nichts weiß, beauftragt sie, ein Treffen mit der jungen Witwe und Hutmacherin Irene Molloy zu arrangieren. Andreas Steppan bewies sich als Idealbesetzung des griesgrämigen und geizigen Kaufmann Vandergelder. Mürrisch raunzt er sich durchs Stück, bis er mehr oder minder selbst erkennt, dass er Dolly als seine Frau begehrt.
Valerie Luksch überzeugt als junge Hutmacherin. Auf den ersten Blick erscheint sie als süßes Mäderl, doch der Schein trügt. Sie ist eine selbstbewusste, taffe Frau, die mitten im Leben steht. Valerie Luksch spielt köstlich amüsant, aber auch emotional berührend. Aus dem Wunsch heraus, gemeinsam mit ihrer Angestellten Minnie, sich mit den falsch ausgebenden reichen Sunnyboys, die in Wirklichkeit arme Angestellte von Vandergelder sind, zu amüsieren, entsteht Liebe. Iva Schell ist eine herrliche verpeilte Minnie Fay.
Ricardo Frenzel Baudisch (Cornelius Hackl) und Martin Fischerauer (Barnaby Tucker) sind die beiden armen Angestellten, die für viele heitere Momente sorgen. Etwas konfus stolpern sie durchs Leben und versuchen ihren kleinen Schwindel aufrecht zu halten.
Nach einigen Irrungen und Wirrungen bringt Dolly geschickt Vandergelder dazu, sich in sie zu verlieben. Einem großen Happy End steht nichts mehr im Wege.

Das Bühnenbild von Manfred Waba und die Kostüme von Friederike Friedrich sind aufwändig und mit viel Liebe zum Detail. Anna Vita hat sich für das Ballett der Bühne Baden eine schwungvolle Choreografie einfallen lassen. Man hätte da aber getrost etwas kürzen können, um die Handlung zu straffen. Die musikalische Leitung obliegt Franz Josef Breznik, der das Orchester der Bühne Baden werkgetreu intonieren lässt.

Mit HALLO, DOLLY! ist dem Hausherren Michael Lakner eine solide, teils mit witzigen Momenten versehene Inszenierung gelungen, die vielleicht etwas altbacken daherkommt, aber durch ihren Charme den Nerv des älteren Badener Publikums trifft.
Wer moderne Inszenierungen scheut und in Nostalgie schwelgen will, dem sei HALLO, DOLLY! wärmstens empfohlen.

Bis 27. März hat man noch die Gelegenheit für einen Besuch.


Charmant-vergnügliche
5 von 6 Sternen:
★★★★★

Kritik: Michaela Springer
Fotos: Christian Husar


16.02.2022 - Metropol/ Wien

TI AMO 4
Premiere im Wiener Metropol

Es gibt nur sehr wenige Bühnen-Musicals, denen eine Fortsetzung zuteilwurde. Bei TI AMO sind es deren drei. Nach 14 Jahren, 194 Vorstellungen und 61.252 Zuschauern geht der Wahnsinn in die vierte Runde. Am 17. Februar stand die Premiere von TI AMO 4 auf dem Programm des Wiener Metropols.

Neben viel Italo-Pop und Schlagern, Karel Gotts „Biene Maja“ und Freddie Mercurys „Bohemian Rhapsody“ bekamen die Gäste erneut jede Menge italienischen, russischen und Hernalser Humor geboten. Stefano Bernardin, Erik Arno, Christian Deix, Markus Richter, Rene Velazquez und Arthur Büscher sorgten für ausgelassene Stimmung. Ebenfalls zum Ensemble gehören Adriana Zartl, Robert Kolar, Stefan Mosonyi und Michelle Catherine Härle.

In der neuen Fortsetzung geht es um die Zukunft der Liederbar „Da Capo“. Tony Marone, der Sohn des Etablissement-Besitzers Franco Marone, sieht sich nun als Zauberkünstler und träumt von einem Varieté. Die Russenmafia, welche nach dem Erwerb der meisten Anteilsscheine, bereits einen Fuß in der Tür hat, will eine Russendisco daraus machen. Franco möchte hingegen das Lokal so lassen, wie es ist. Eine Location, in der Hits aus den 50iger und 60iger gespielt werden. Er hat auch eine neue Künstlerin eingestellt, bei deren Anblick er wie Wachs in ihren Händen ist. Die unbekannte Schöne nennt sich Nadja X, ist kühl und geheimnisvoll. Verbirgt sich vielleicht ein Geheimnis in ihrem Schritt?
Weitere Aufregung gibt es um Tonys Sohn, welcher in Italien der neue Pate werden soll.

Das „Metropol-Musical“ TI AMO 4 von Peter Hofbauer und Viktoria Schubert sorgt für vergnügliche Stunden. Man bekommt, was man erwartet: Leichte Unterhaltungskost mit einer witzigen Story, mehr oder minder guten Pointen, aufgepeppt mit etlichen Schenkelklopfer-Songs und einen spielfreudigen Cast. Leider trüben einige Längen, wie die unnötige Zaubershow von Tony und seinen Kindern, den Plot. Und auch im zweiten Akt, zweites Drittel, wird es etwas zäh, zumal hier auch viele Gags nicht zünden wollen. Selbiges gilt für die Auftritte der Kinder.

Besonders positiv zu erwähnen und in jeder Hinsicht überzeugend Markus Richter, Christian Deix und Rene Velazquez, deren natürliche „Schmähs“ für jede Menge Lacher sorgten. Markus Richter beweist zudem als Putzfrau eine überaus scharfzüngige Zunge. Arthur Büscher ist als Nadja X eine charismatische Erscheinung und überzeugt mit Charme und Sexappeal. Stefano Bernardin findet als Magic Tony seine Berufung und sorgt für manch heiteren Momente. Erik Arno ist DER Italo-Macho. Wenn er italienische Songs trällert, schmelzen die Herzen der weiblichen Zuschauerinnen. Rene Velazquez stellt gesanglich alle in den Schatten.


Das Bühnenbild ist schlicht aber effizient und besteht hauptsaächlich aus einem Tresen, der zu Beginn als Altar, später als Bar-Theke genutzt wird. Die Bühne ist zu aller Zeit gut ausgeleuchtet.
Die Musik kommt erfreulicherweise nicht vom Band, sondern von einer Band. Dessen satter Klang kommt gut abgestimmt und nicht zu laut im Zuschauerraum an.

Die vorwiegend geladenen Künstler*innen und Freundinnen und Freunde des Metropols zeigten sich sichtlich angetan vom Geschehen auf der Bühne, immerhin war man froh, wieder Live-Theater erleben zu dürfen.

TI AMO 4 ist trotz der einen oder anderen Schwäche ideal für einen vergnüglichen Abend. Einfach seine eigenen Sorgen an der Garderobe abgeben und sich an den Problemen der Famiglia Marone erfreuen.

4 von 6 Sternen: ★★★★
                                Kritik: Wolfgang Springer
; Fotos: Rolf Bock

15.02.2022 - Museumsquartier/ Wien

DIE ROCKY HORROR SHOW

Seit 15. Februar heißt es für zwei Wochen im Wiener Museumsquartier „Don´t Dream It, Be It“, denn es gibt Besuch aus Transsylvanien. Gerüstet mit Strapsen und Korsagen ist Dr. Frank-N-Furter mit seinen Anhängern für ein kurzes Gastspiel in die Bundeshauptstadt gekommen, um nicht nur das biedere Vorstadtpärchen Brad und Janet trans- und bisexueller Vorzüge zu überzeugen.

Zahlreiche Besucher sind freiwillig dem Dresscode gefolgt und selbst in aufreizenden Outfits erschienen. Ein Hingucker bei der Premiere sicherlich eine Gruppe junger Männer in hohen Plateauschuhen, goldenen Minishorts und sehr viel nackter Haut. "Die Rocky Horror Show“ ist eben Kult und das muss zelebriert werden. Aber warum ist das so? Vielleicht, weil die Story so surreal ist, dass sie schon wieder beachtenswert ist. Oder ist die Antwort viel banaler und es muss manchmal einfach nur Trash sein? Fact ist, dass sie Show seinerzeit wie eine Bombe einschlug. Geplant waren nur ein paar Vorstellungen, doch wenig später wurde das Stück zum „Besten Musical 1973“ gekürt. 1975 erschien schließlich der Film mit Tim Curry als sexlüsterner Wissenschaftler. Der Film floppte. Erst als dieser am Campus amerikanischer Universitäten um Mitternacht gezeigt wurde, begann sein Siegeszug und wurde zum Kult. Es ist diese Mischung als Glamour und Trash. Das Publikum sprang an und reagierte an bestimmten Stellen, die mittlerweile zu festen Ritualen manifestiert wurden.

Auch in Wien statteten sich einige Fans mit den üblichen Utensilien, wie Reis, Wasserpistole und Knicklichter aus und erschienen zu der heiß ersehnten Premiere. Doch sie wurden Großteils enttäuscht. Zu stark war die Erinnerung an die Amstettener Sommerproduktion von 2018. Was unter der damaligen Regie von Alex Baga auf die Bühne gebracht wurde, ist kaum zu toppen. Doch auch die Inszenierung der Vereinigten Bühnen Wien mit Paul Kribbe und Uwe Kröger von 1993 packte die Zuschauer*innen von der ersten bis zur letzten Minute. Man war mitten im Geschehen, Akteur und Observator zugleich. Dieses Erlebnis gibt es nur in der „Rocky Horror Show“.
In dieser Tourneeproduktion im Museumsquartier wollte der Funke nicht überspringen. Das noch zu Beginn überschwängliche Publikum wurde sukzessive leiser. Einzig der Erzähler Sky du Mont konnte dieses mit schlagfertigen Antworten einigermaßen motivieren.

Diese Inszenierung ist der Beweis, dass man trotz großem Budget und viel Aufwand ein Kult-Stück enttäuschend umsetzen kann, bewies BB Promotion mit seiner Neuinszenierung. Selbst ein Sky du Mont (er bekam zu Recht den meisten Applaus) mit trockenem Humor, noch ein überragender Riff Raff konnten die Show retten.
Die an sich mitreißende Musik war viel zu laut und nur mit Beat und tiefen Bässen von einem Live-Orchester intoniert. Auch wenn das Museumsquartier eine schlechte Akustik aufweist, ist das kein Grund, dass der Sound derart schlecht ausgesteuert ist. Die Inszenierung und Regie sind mit guten Einfällen behaftet, konnten jedoch durch den mittelmäßigen Cast kaum Emotionen hervorrufen. Die Gags wirkten altbacken und gekünstelt. Dass die Liedtexte auf Englisch gesungen werden, ist positiv anzumerken, doch dass die Zwischentexte in Englisch verblieben, mag für viele auch von Nachteil gewesen sein.
„Boring“ ist DAS Wort des Stückes und trifft es auch für diese Produktion auf den Punkt. Selbst eingefleischte „Rocky Horror Show“-Freaks verließen enttäuscht die Halle.

Fans des gebürtigen Gmundeners Klaus Eberhartinger (EAV) dürfen sich aber freuen. Vom 22 bis 27. Februar übernimmt er die Rolle des Erzählers.

2 von 6 Sternen: ★★
              Kritik: Wolfgang Springer;
              Fotos:
Jens Hauer

(c) Anna Raisl

07.02.2022 - Das Vindobona/ Wien

MÄNNERABEND 2.0 ...
... fast Jugendfrei


Wem „MÄNNERABEND 1.0“ gefallen hat, der wird „MÄNNERABEND 2.0 … fast Jugendfrei“ lieben. Mit noch pointierteren und eindeutigeren Texten sorgten am 7. Februar im Vindobona Mark Seibert und Thomas Smolej für mächtig Stimmung unter den vorwiegend weiblichen Fans.

Um dieses Fortsetzungsprogramm auch musikalische auf ein höheres Niveau zu bringen, wie sie mit Augenzwinkern verkündeten, stand Schlager statt Musical auf dem Programm. Mit einem richtigen Schenkelklopfer-Lied von Karel Gott, versetzten sie das Publikum also bereits beim Opening in ausgelassene Laune.

Wie der Titel schon verrät, bezogen sich die Inhalte der vorgetragenen Texte auf die geistig hochtrabenden und intellektuellen Gesprächsthemen solcher Männerabende, nämlich Sex, Sex und nochmals Sex.
Eine große Herausforderung für Männer stellen, neben Frauen, die eigenen Kinder dar. Ein gekauftes Eis, dessen Sortenzusammenstellung nicht den Wunsch der Tochter entspricht, kann schon nervenaufreibend sein. Aber das ist nichts, rein gar nichts, gegen die Schweißperlen, im Nacken aufsteigende und zur Panikattacke mutierende Situation, wenn das Kind auf offener Straße Fragen über Sex stellt.

Mark Seibert, wie er selbst sagt, hat seine wahre Rollenberufung gefunden, nämlich die des kleinen Mädchens. Inbrünstig vermag er zu weinen oder ist sichtlich erfreut bei quälenden Fragen und verleiht seinen Rollen die notwendige Intensität. Aber er bewies auch, dass er das Potential für große „Mädchen“ hat, sei es als lüsterne, farbige Prostituierte Wanda oder gesanglich als Britney Spears. Das Publikum tobte, als Thomas Smolej zusätzlich sinnliche Tanzeinlagen zum Besten gab. Als Erzähler diverser Texte legte er sehr viel Erotik in die Stimme und gab dieser diese gewisse Note.
Musikalisch wurden sie am Klavier von Michael Römer begleitet. Dieser spielte nach der Pause einen für harte Männerabende passenden Smash. Nichts könnte besser dazu passen als ein Disney-Medley.
Wenn sich die beiden gemütlich in einen großen Lesesessel mit biederer Stehlampe setzen, deren Anmut einer klassisch vorgetragenen „Gute Nacht-Geschichte“ glich, ging es nicht wirklich jugendfrei zur Sache.

Als Stargast durften sich die Zuschauer*innen auf einen Kurzbesuch der Comedy Drag Queen Grazia Patricia (die Kleinkunstprinzessin), die für beste Unterhaltung sorgte. Sie nahm sich selbst nicht so ernst, wirkte dadurch überaus sympathisch. Ihr amüsantes a capella Lied „Schilddrüsenunterfunktion“ wurde zum Hit bei den Anwesenden. Das, von den drei veranstaltete, „Wer bin ich“-Spiel, bei dem auch das Publikum mit eingebunden wurde, sorgte für beste Unterhaltung.
Gegen Ende des Abends stimmte Mark Seibert ganz uneitel „Aber dich gibt es nur einmal für mich“ an. Doch es wurde nicht, wie erwartet, eine Ode an seinen Freund Thomas. Seinen Blick senkte er provokant auf seinen Schritt und jeder wusste, wen er damit meinte. Ein Amüsement für die zahlreichen weiblichen Zuschauer.

"MÄNNERABEND 2.0 … fast Jugendfrei" ist ein Programm voller Heiterkeit, mit stimmungsvollen Songs, eindeutigen Texten, dargeboten von zwei Interpreten, die sich an diesem Abend selbst übertrafen.
Wer diese Show versäumt hat, hat die Möglichkeit dies am 27.2 im Vindobona nachzuholen.
Schauen Sie sich das an, es lohnt sich.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★

Kritik & Fotos: Michaela Springer

Peter Lewys Preston

06.02.2022 - Musiktheater Linz (OÖ)

TITANIC - Das Musical

So viele Hoffnungen und Träume in nur einer Nacht zerstört. 1.514 von 2.214 Menschen verstarben am 15. April 1912 bei einer der größten Seekatastrophen der Geschichte. Die RMS Titanic, das unsinkbar Schiff der britischen Rederei White Star Line, sollte Symbol für eine neue Zeit sein. doch die alten Strukturen wurden aufrecht gehalten. Die Menschen in 3 Klassen geteilt, strikt getrennt, nur vereint im unausweichlichen Schicksal. Auf dem obersten Deck herrschte purer Luxus, die 2. Klasse war für die aufstrebende Mittelschicht und in der 3. Klasse waren die Auswanderer untergebracht, die durch Hunger und Arbeitslosigkeit nach Amerika getrieben wurden, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Der Drang das größte, schnellste und luxuriöseste schnellste Schiff seiner Zeit zu bauen und bereits bei der Jungfernfahrt eine Legende zu schaffen, trat im negativen Sinn auch ein. Es gab gerade 20 von 54 benötigten Rettungsboote, die auch nicht vollausgelastet zur See gelassen wurden. So hätten mehr als 400 Menschen mehr gerettet werden können.
1.514 Stimmen, die im kalten Wasser um Hilfe schrien und erst nach einer halben Stunde verstummten. Hinter diesen Stimmen verbergen sich Einzelschicksale, die Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte hatten.

Lukas Sandmann, Karsten Kenzel, Dean Welterlen, David Arnsperger

Das Musical greift Dramen aus allen Klassen auf. Dabei greifen Maury Yeston (Musik, Liedtexte) und Peter Stone (Buch) Geschichten einiger historischer Personen auf, welche symbolisch für all die anderen Opfer der Tragödie stehen.

Das Werk feierte am 23. April 1997 seine Uraufführung am Lunt-Fontanne Theatre am New Yorker Broadway und wurde im selben Jahr mit fünf Tony-Awards ausgezeichnet: Beste Originalmusik, beste Orchestrierung, bestes Libretto, bestes Bühnenbild und bestes Musical. Das Stück beginnt am Hafen von Southampton und endet nach der Katastrophe mit der Rettung der Überlebenden. Dazwischen lernt man Besatzung und Passagiere der Titanic kennen.

Fast 110 Jahre nach dem Untergang des Luxusliners machte feierte das Musical im Musiktheater Linz am 6. Februar seine Premiere. Die gelungene Übersetzung lieferte Wolfgang Adenberg. Um die große symphonische Orchestrierung und epischen Melodien emotional wirksam zu machen, hat der musikalische Leiter Tom Bitterlich ein 36-köpfiges Orchester um sich geschart.

David Arnsperger, Ensemble

Dean Welterlen als Kapitän Smith wollte nach der Jungfernfahrt in den wohlverdienten Ruhestand gehen, es war seine buchstäblich letzte Fahrt. Er ist hin und hergerissen zwischen der Sicherheit des Schiffes und der Passagiere und dem Druck des Direktors der White Star Line Bruce Ismay New York in kürzester Zeit zu erreichen. Er galt als einer der besten Kapitäne seiner Zeit und diese Souveränität strahlte auch Dean Welterlen aus.
Für Gänsehaut sorgten Lucia Nistler und Martin Berger als liebevolle und bis zum Tod vereinte Paar Ida und Isidor Straus („Wie vor aller Zeit“). Ihr Spiel und Gesang sind höchst emotional und berühren zutiefst. Es sind zärtlich kleine Gesten, die ihre große Zuneigung zum Ausdruck bringen. Obwohl Ida die Möglichkeit gehabt hätte in ein Rettungsboot zu steigen entscheidet sie sich bei ihrem Gatten zu bleiben.
David Arnsperger als Ingenieur Thomas Andrews ist eine Idealbesetzung. Die Wandlung vom anfänglich in Euphorie schwelgenden, gefolgt von Bedenken das Schiff immer schneller fahren zu lassenden und zum Schluss resignierenden Mannes, vollzieht er überaus glaubhaft. Fast fanatisch will den Denkfehler beim Erbauen des Schiffes verstehen und versucht erst gar nicht sich zu retten („Mr. Andrews Vision“). Arnspergers markante Stimme und sein charismatisches Auftreten unterstreichen den Charakter dieser Rolle.
Erfrischend anders die Rolle der Daniela Dett. Als Alice Beane aus der zweiten Klasse lässt sie keinen Versuch aus, um Kontakt mit der Oberschicht zu erlangen und sorgte für einige heitere Momente.
Christian Fröhlich ist Frederick Barrett, ein Oberheizer. Mit „Barretts Lied“ hat er seinen persönlichen, emotionalen Auftritt.
Karsten Kenzel als J. Bruce Ismay hat sie undankbarste Rolle, die er aber hervorragend verkörperte. Er ist es, der den Kapitän ständig antreibt, immer schneller zu fahren. Er will Rekorde brechen und Geschichte schreiben. Es zählt für ihn nur Profit. Als er die Aussichtslosigkeit erkennt, ist er auch einer der ersten im Rettungsboot.
Gernot Romic gibt den einfachen Jim aus der 3.Klasse. Mit seiner Freundin Kate (Hanna Kastner) träumen sie von einer besseren Zukunft.
„CQD THIS IS TITANIC. CQD THIS IS“ war am 15. April 1912 um 2:17 war der letzte Funkspruch. Abgesetzt wurde dieser von Harold Bride (Lukas Sandmann).


Höchst ergreifend der Untergang. In Anspielung der Musiker, die bis zur letzten Minute für die verbliebenen Passagiere spielten – der Legende nach soll ihr letztes Lied „Näher, mein Gott zu dir“ gewesen sein - wird diese auch im Musical symbolisch mit einem Streicher zentral auf der Bühne dramatisch in Szene gesetzt.

Das Bühnenbild (Charles Quiggin) ist auch in Linz sehr aufwändig. Die Hebebühne wird des Öfteren genutzt, um gleichzeitig mehrere Ebenen (Decks) bespielen zu können.
Die Kostüme von Aleš Valášek sind originalgetreu nachempfunden und recht aufwändig.

Linz löst immer öfter Wien als Musicalhauptstadt ab und mit dieser Produktion lohnt sich erneut eine weite Anreise.
TITANIC – Das Musical ist ein Stück mit großartiger Orchestrierung, tollem Cast und Geschichten, die berühren. Die fast drei Stunden vergehen wie im Flug. Jeder kennt den Ausgang und dennoch bangt und hofft man bis zum bitteren Ende. Das Publikum zeigte sich begeistert von der Inszenierung Simon Eichenbergers und Dramaturgie Arne Beekers und dankte es der Besatzung und den Passagieren des Luxusliners mit minutenlangen Standing Ovation. So muss Theater sein!

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  • David Arnsperger
  • Hanna Kastner, Gernot Romic, Ensemble
  • Hanna Kastner, Gernot Romic
  • Im Vordergrund Peter Lewys Preston, Daniela Dett, Christian Bartels
  • Jin Hun Lee, Christian Fröhlich
  • Joel Parnis
  • Lukas Sandmann, Christian Fröhlich
  • Sam Madwar, Daniela Dett
  • Sam-Madwar


6 von 6 Sternen: ★★★★★★

                                       Kritik: Michaela Springer; Fotos: Barbara Pálffy

04.02.2022 - Metropol/ Wien

Thomas Borchert
DER VAMPIR AM KLAVIER

Am 4. Februar empfing das Wiener Metropol gräflichen Besuch. Graf Krolock höchstpersönlich betrat die Bühne und begrüßte sein Publikum stilgerecht mit einem Song aus „Tanz der Vampire“. Bekanntlich ist dieser Vollblutentertainer seit über 400 Jahren.

Das Programm DER VAMPIR AM KLAVIER ist ein Streifzug aus 32 Jahren Bühnenkarriere von Thomas Borchert, bestückt mit Anekdoten und Liedern, die ihn begleitet haben. Thomas Borchert bewies welch Entertainer in ihm steckt. Humorvoll und stimmgewaltig begleitete er sich selbst am Klavier und zeigte seine hervorragenden Qualitäten als Pianist.
Bekannt für tragende Rollen, wie Graf Krolock, Javert, Jekyll oder Dracula kam er auch mal mit Leggins, Stulpen und Tank Top zur „Cats“-Audition. Dieses beschriebene Bild und seine schwungvolle Choreografie sorgte für Gelächter im Publikum und bescherte ihm damals aufgrund des selbstbewussten Auftretens und begnadeten Hüftschwungs letztendlich die Erstebesetzung des Rum Tum Tigger.

Tod und Lucheni zugleich spielen? Wien machts möglich. Bekanntlich ist Wien anders, aber da staunte das Publikum nicht schlecht, als der Lucheni aus dem ersten Akt zum Tod im zweiten Teil wurde, da der eigentliche Tod in der Pause kränkelte.
Auch ist es in Wien möglich, dass Vater und Sohn gleich alt sind. Yngve Gasoy-Romdal als Wolfgang war nämlich im selben Alter wie Borchert als sein Vater. All das und mehr ist nur in Wien möglich, in der Stadt, die er so liebt.
Musikalisch begeisterte die männliche Muse von Frank Wildhorn seine Fans mit all seinen Paradesongs aus „Les Misérables“, „Jekyll & Hyde“, „Dracula“, „Evita“, „Gigi“ und „Tanz der Vampire". Als Frank’n Furter zeigte er sich von seiner lasziv sexy Seite und einem gewissen Augenzwinkern.
Zum Abschluss gab er das Wildschwein Liebesduett aus seinem, immer noch unvollendeten, Musical „Asterix und Obelix“ zum Besten, für das er noch zahlungskräftige Produzenten sucht. Das Publikum tobte.

Thomas Borchert ist der Beweis, dass es noch große Vollblutentertainer im Musicalgeschäft gibt. Trotz Coronaregeln vermochte er mit dem Publikum zu interagieren und nahm sich selbst nicht so ernst, was ihn unglaublich sympathisch machte. So begeisterte er nicht nur mit seiner Stimme.

Im Dezember gibt es die nächste Möglichkeit den Künstler im Wiener Metropol in seinem Weihnachtsprogramm zu erleben.

6 von 6 Sternen: ★★★★★★
                                                                  Kritik & Fotos: Michaela Springer

23.01.2022 - Raimundtheater/ Wien

MISS SAIGON
Premiere im Raimundtheater

Oedo Kuipers(Chris), Vanessa Heinz (Kim)

„Die letzte Nacht der Welt“, und „Oh Gott, warum?“ sollen die bewegendste Liebesgeschichte, unserer Zeit manifestieren. Aber tun sie das auch?

Nach unzähligen covidbedingten Premierenverschiebungen war es am 23. Jänner endlich so weit. Der Vorhang im frisch renovierten Raimundtheater erhob sich für MISS SAIGON. Das allein war beim Publikum schon einen Applaus wert. Man war voller Vorfreude, wurde doch in den letzten Monaten viel medial berichtet. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch.

Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil ließen sich von Giaccomo Puccinis Oper „Madame Butterfly“ inspirieren, welche auf der Erzählung „Madame Butterfly“ (1898) von John Luther Long und der Tragödie „Madame Butterfly. A Tragedy of Japan“ (1900) von David Belasco basiert.

Christian Rey Marbella (Engineer)

MISS SAIGON spielt jedoch nicht gegen Ende des 19. Jahrhunderts, sondern zur Zeit des Vietnamkrieges. Als Erzähler fungiert der Engineer, der in einem Bordell amerikanische Soldaten zufriedenstellt, um sich so ein Visum in die USA zu erschleichen. Dafür schreckt er vor nichts zurück. Die junge Kim, welche im Krieg ihre Familie verloren hat und nun vor dem Nichts steht beginnt dort ebenfalls zu arbeiten. John kauft für seinen Freund Chris das Mädchen, der sich nach längerem zieren doch entscheidet mit ihr zu schlafen. Eine leidenschaftliche Beziehung beginnt, welche durch Thuy gestört wird. Er ist der versprochene Ehemann aus Kims Kindheit und will sie für sich gewinnen. Als er, drei Jahre nach Chris Rückkehr nach Amerika, erfährt, dass sie ein Kind von Chris hat, droht er, Tam zu töten. Doch Kim ist schneller und erschießt Thuy. Nun muss sie fliehen. Nicht ohne Hintergedanken hilft ihr der Engineer.

Chris hat in der Zwischenzeit Ellen geheiratet und erfährt von John, dass er einen Sohn hat. Er überredet ihn und Ellen nach Bangkok zu reisen, wo Kim und ihr Sohn nun in einem Nachtclub leben.
Als Kim von Chris Ankunft erfährt, macht sie sich voller Vorfreude auf ins Hotel. Dort trifft sie lediglich auf Ellen, die ihr mitteilt, dass sie mit Chris verheiratet ist. Ellen erkennt, dass Kim doch nicht nur eine unbedeutende Liebschaft war. Kim möchte, dass die beiden Tam nach Amerika mitnehmen. Ellen lehnt ab und wirft Chris vor, sie belogen zu haben. Beide entschließen sich, die beiden finanziell vor Ort zu unterstützen. Das wiederum lehnt Kim ab und begeht Selbstmord.

Neben diesem primären Erzählstrang, haben Boublil/Schönberg auch in Kims Albtraum-Sequenz den Fall von Saigon (mit der dramatischen Schluss-Sequenz des letzten Hubschrauberflugs) und in „Bui Doi“ die Geschichte der vergessenen Kinder der amerikanischen Soldaten und ihrer vietnamesischen Mütter eingebaut.

Die Show wurde von den Vereinigten Bühnen Wien technisch, nach strengen Vorgaben der Produzenten der Originalproduktion, aufwändig in Szene gesetzt und erweist sich als gewohnt hochwertig. Hier wird großes Theater geboten - doch die großen Gefühle bleiben aus.

James Park (Thuy)

Diese angebliche große Liebesgeschichte, hat nämlich einen Haken – es ist keine – zumindest nicht für den Amerikaner. Da verhält es sich, wie damals in Vietnam, bei unzähligen anderen Soldaten. Sie wollten dem Kriegsalltag entfliehen und suchten Abwechslung. Dieses fanden sie im besten Fall in den Nachtclubs oder Frauen, die sich freiwillig, für ein besseres Leben „opferten“. Im schlimmsten Fall geschah dies durch Vergewaltigung. Dies trifft zwar weder auf Chris noch Kim zu, die beiden werden aber von Kims Zuhälter und Chris Freund John nahezu genötigt miteinander ins Bett zu gehen. Danach fühlen sie sich frei und wie in einem gemeinsamen Traum, fernab dem Elend auf den Straßen und der Schlachtplätze. Doch während Kim sich der Liebe zu Chris sicher ist, wendet sich das Blatt von den GI, als er wieder in Amerika ist. Er setzt sein früheres Leben fort und heiratet Ellen. Kim fristet ihr Dasein in einem Flüchtlingslager und nur die Liebe zu Chris lässt sie für ihren kleinen Sohn und sich stark sein. Sie trägt die Hoffnung, dass Chris sie holen wird. Also doch nicht die große Liebe bei Chris? Warum heiratet er kurz nach seiner Rückkehr in die USA eine andere, obwohl er eigentlich schon Kim geehelicht hat. Warum kämpft er nicht um sie? Es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass er sich angesichts des Krieges in Vietnam amüsiert hat oder sich der Illusion hingab, verliebt zu sein. Sein doch schlechtes Gewissen beschert ihm zwar hin und wieder Albträume, eine Kleinigkeit jedoch was Kim in der Zwischenzeit ertragen musste. Auch wenn man sagt, dass er sowohl Ellen auch als Kim liebt, stellt sich dann die Frage, ob es die große Liebe zwischen Kim und Chris war. Unter dem Vorwand, den Sohn nicht von seiner Mutter zu trennen, entzieht es sich seiner Verantwortung und geht den einfachen Weg der finanziellen Unterstützung. Dass der Kleine auch einen Vater braucht, daran denkt er nicht. Nur durch die Opferung ihres Lebens zwingt Kim, Chris zu seiner Verpflichtung. Bis zu ihrem letzten Atemzug liebt sie Chris, die Heldin die er eigentlich gar nicht verdient hätte.
Die einzig wahre Liebe in dem Stück ist jene zwischen Kim und ihrem Sohn Tam.

Vanessa Heinz verkörpert diese Heldin. Die Newcomerin kämpft sich tapfer durch die Rolle und überzeugt in ihrer Verzweiflung.

Oedo Kuipers Stärke als Chris liegt in den Szenen, in der er emotional in die Enge getrieben wird und seine Wut und Verzweiflung aus ihm herausbricht, wie im Streitgespräch mit Ellen. Das sind Momente, bei denen man Gefühle spürt und die einen an seine grandiose Verkörperung des Wolfgang in „Mozart!“ erinnern lassen.

Abla Alaou (Ellen)

Die ebenfalls unter anderem aus „Mozart!“ bekannte Alba Alaoui ist die liebende und verständnisvolle Gattin Ellen, die man nicht unterschätzen sollte und die Chris ganz im Griff hat. Hinter dem lieblichen Wesen steckt eine willensstarke Frau. Alaoui bringt dies eindrucksvoll zur Geltung.

James Park als versprochener, aber verschmähter Thuy überzeugte im speziellen bei seinen Gesangsparts. Schon lange hat man solch eine schöne Baritonstimme nicht gehört.

Schauspielerisch brillant, aber leider mit deutschem Sprachdefizit ist Christian Rey Marabella als Engineer. Er spielt das Schlitzohr, das mit allen Wassern gewaschen ist und seinen „American Dream“ träumt.

Gino Emnes als John weist sich als guter, aber kritischer Freund, der vermitteln möchte und doch gefühlsbedingt scheitert. Obwohl in „Der Rocky Horror Show“ oder „Ragtime“ fantastisch, bekommt er in MISS SAIGON nicht die Chance sich zu beweisen. „Bui Doi“ wäre für ihn eigentlich wie ein roter Teppich, doch die Inszenierung der Szene lässt keine großen Gefühle aufkommen. Eine Videoeinspielung mit asiatischen Kindern ohne Bezug zum Krieg ist überflüssig und der Konferenzraum, der wie ein Flugzeughangar aussieht als Location, für den an sich besten Song des Musicals, ist ebenfalls ungeeignet. Dazu spielt sich alles eher im hinteren Teil der Bühne ab. Schlechter hätte man die wichtigste Szene im Stück kaum umsetzen können. Besser wäre es, ein großes Ensemble mittig und vorne auf der Bühne zu platziert, jeder mit einer Kerze in der Hand und alles rundherum ausgeblendet. Die gesamte Konzentration läge beim Chor und dem Leadsänger. Lägen die Rechte des Stückes an den VBW und die Regie etwa in den erfahrenen Händen eines Andreas Gergen, man hätte sicherlich vieles besser machen können. 

Gino Emnes (John)

Das 1989 in London uraufgeführte Werk von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil liegt musikalisch und inhaltlich weit hinter ihrem Meisterwerk „Les Misérables“ und reicht auch an „Martin Guerre“ nicht heran. Lediglich wenn Schönberg Puccini anklingen lässt oder sich aus „Les Misérables“ bedient, wird es anspruchsvoller. Michael Römer verwaltet solide das hauseigene Orchester.

Der erste Akt ließe sich um einiges kürzen, würden die sich wiederholenden Liebeserklärungen nicht langatmig in Liedern verpackt sein, sondern gesprochen oder als Sprechgesang dargeboten. Die neue Übersetzung von Michael Kunze verliert sich teilweise in Banalität, was dem erstklassigen Autor („Elisabeth“, Mozart!“, „Rebecca“, „Tanz der Vampire“) nicht zur Ehre gereicht.

Die Choreografie ist wieder spektakulär, jedoch im Zusammenspiel mit der Inszenierung zuweilen nicht jugendfrei und rechtfertig in keinster Weise eine Altersempfehlung von 6 Jahren.
Das Bühnenbild ist sehr detailgetreu gestaltet. Man hätte dies auch etwas abstrakter gestalten können.
Der berühmte, mittlerweile fluguntaugliche, Hubschrauber wird mit Licht und Ton eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Vanessa Heinz (Kim),James Park (Thuy)


MISS SAIGON ist teilweise eine große, bombastische Revue, deren ernste, leise Themen darin fast untergehen. Man ist geneigt, sich von Licht und Show blenden zu lassen. Die Vereinigten Bühnen können sich nicht viel vorwerfen, außer möglichweise auf das falsche Stück gesetzt zu haben. Nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten am Raimundtheater wäre eine Eigenproduktion wünschenswerter gewesen. Denn mit kreativen Ideen, eigenem Leading-Team und einem erstklassigen Orchester haben die VBW schon mehrmals bewiesen, dass Wien DIE Musicalhauptstadt im deutschsprachigen Raum ist.
Aber jetzt geht es erst mal auf nach Saigon, ehe uns anschließend Levay/Kunze nach Cornwall einladen.

4 von 6 Sternen: ★★★

                               Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: Johan Persson

© Bettina Frenzel, Tom Lackner

22.01.2022 - Stadttheater Mödling (NÖ)

AVENUE Q
Österreichische Erstaufführung

Mödling lässt die Puppen tanzen!

Das nicht ganz jugendfreie Musical im Stadttheater Mödling feierte am 22. Jänner nach einwöchiger Verspätung endlich Österreich-Premiere.

Das Musical von Robert Lopez und Jeff (Musik und Songtexte) nach dem Buch von Jeff Whitty gewann 2003 drei der begehrten Tony Awards (Bestes Musical, Beste Musik und Bestes Buch) und wurde über 2.500-mal am Broadway aufgeführt. Bis heute ist es am Off-Broadway zu sehen.

Bettina Soriat, Nick Harras

Für die österreichische Erstaufführung hat Dominik Flaschka die Dialoge und Roman Riklin die Songtexte nicht einfach aus dem Englischen 1:1 übertragen, sondern mit teils politischen Anspielungen angereichert. So ist der Hausmeister kein geringerer als unser ehemaliger „Bundesbasti“, wunderbar interpretiert von Bettina Soriat, die sich auch für Choreografie verantwortlich zeigt.

Katrin Fuchs, Julia Werbick

AVENUE Q ist ein Mikrokosmus unserer Gesellschaft. Sie hält dem Publikum einen Spiegel vors Gesicht. Themen, wie Rassismus, Homophobie und Internetpornographie werden offen angesprochen und in Lieder verpackt. Wenn von Handpuppen sarkastisch festgestellt wird, dass jeder in irgendeiner Form ein bisschen rassistisch ist, löst das beim Publikum Begeisterung aus, stimmt jedoch auch etwas nachdenklich. Durch den Schutzmantel der Puppen kann knallhart die Wahrheit ausgesprochen werden, ohne von den Zuschauer*innen als Bloßstellung empfunden zu werden. Doch ob Puppe oder Mensch, alle suchen nach dem Sinn des Lebens und haben einige Turbulenzen zu bewältigen.

Julia Werbick, Paul Graf

Die Bewohner des Häuserblocks sind genauso bunt gemischt, wie in jeder realen Straße. Princeton hat frisch promoviert, mittellos und sucht eine billige Bleibe. In der Nachbarschaft wohnt die Volksschullehrerin Kate Monster. Es ist Liebe auf den ersten Blick, doch während Kate eine feste Beziehung möchte, will er sich noch nicht binden und lässt sich von Lucy der Schlampe verführen. Am Ende erkennt er jedoch, dass Kate seine wahre Liebe ist. Als Wiedergutmachung organisiert er eine Art Crowdfunding, um Kates Traum einer eigenen Monsterschule (Monstersori) erfüllen zu können.

Marcus Ganser, Paul Graf, Larissa Winkel

Unter den weiteren Mieterinnen und Mietern sind auch Trekkie Monster, dessen Lebensinhalt Internetpornos sind, sowie Brian und seine asiatische Frau Christmas. Sie führen eine glückliche Ehe, obwohl Brians Versuche als Comedian Fuß zu fassen kläglich scheitern. Die beiden Männer/Puppen Rod und Nicky leben in einer WG. Rod will sich lange nicht eingestehen, dass er gay ist und in seinen Mitbewohner Nicky verschossen ist. Er setzt sogar ihre Freundschaft aufs Spiel, um nicht bloß gestellt zu werden. Die gute Seele der Straße, die alles im Griff hat, ist, wie schon erwähnt der Hausmeister Basti. Mit der passenden Frisur und den Ohren sieht er unserem Altbundeskanzler auch zum Verwechseln ähnlich.
Am Schluss gibt, es selbst in dieser Geschichte für Erwachsene, ein Happy End.

Teresa Renner

Brian, Christmas und Basti sind die einzigen Charaktere, welche von echten Personen verkörpert werden, bei allen anderen agieren die Schauspieler*innen aus der zweiten Reihe und verleihen den Puppen ihre Stimme. Katrin Fuchs, Marcus Ganser, Paul Graf, Nick Harras, Marius Lackenbucher, Teresa Renner, Bettina Soriat, Julia Werbick und Larissa Winkel sind ein wunderbares Ensemble, was schauspielerisch, wie auch gesanglich begeistert. Durch das emotionale Spiel der Darsteller*innen hinter den Puppen, ist man immer wieder geneigt seine Aufmerksamkeit auf die Menschen zu richten.

Paul Graf, Nick Harras

Der musikalische Leiter Frizz Fischer hat sein Orchester sehr gut auf die eingängigen Melodien eingestellt.

In AVENUE Q haben das Leading Team und die Akteur*innen auf der Bühne unter der flotten Inszenierung von Marcus Ganser viel Herzblut gesteckt. Diese Leidenschaft springt auch auf das Publikum über, was sich auch am Premierenabend auch anerkennend mit überschwänglichem Applaus bedankte.

Das Musical ist noch bis 4. Februar im Stadttheater Mödling zu sehen.

6 von 6 Sternen: ★★★★★

             Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: Bettina Frenzel

Termine in der SCALA Wien:

Do, 10.3.2022 um 19.45 Uhr
Di – Sa, 15.3. bis 19.3.2022 &
            22.3. bis 26.3.2022;
            jeweils 19:45 Uhr
Di – Fr, 29.3. bis 1.4.2022,
            jeweils 19:45 Uhr


www.theaterzumfuerchten.at

  • Bettina Soriat
  • Katrin Fuchs, Julia Werbick, Paul Graf, Teresa Renner, Nick Harras, Bettina Soriat, Marcus Ganser
  • Katrin Fuchs, Nick Harras
  • Larissa Winkel, Nick Harras, Teresa Renner
  • Marcus Ganser, Katrin Fuchs, Teresa Renner, Nick Harras, Bettina Soriat
  • Marcus Ganser
  • Nick Harras, Julia Werbick
  • Nick Harras, Larissa Winkel, Paul Graf, Teresa Renner
  • Nick Harras
  • Paul Graf, Nick Harras
  • Teresa Renner, Paul Graf, Larissa Winkel, Bettina Soriat, Marcus Ganser
  • avenueQ-0518


13.01.2022 -
Das Vindobona/ Wien

CulinarICAL 5.1
Die Premiere

Nach einer ungewollten Zwangspause im vergangenen Jahr, war es heuer wieder so weit. Mit CulinarICAL 5.1 ging die beliebte Dinner & Musical-Show, das Herzensprojekt von Theaterdirektor Wolfgang Ebner, in die fünfte Runde. Start war am 13. Jänner um 18 Uhr.

Unter das Premierenpublikum mischten sich unter anderem Edith Leyer, Monika Ballwein, Herbert Steinböcke, Ramesh Nair und Caspar Richter.

2022 wurden die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer zum Thema gemacht. Eine interessante Themenauswahl, die einen großen Spielraum der Liederauswahl ermöglichte, da alles Sein ja aus einem bestimmten Mischverhältnis dieser vier Elemente besteht, dem Festen, Flüssigen, Gasförmigen und Glühenden. So stand dementsprechend ein Song-Potpourri quer durch die bunte und vielfältige Musicalwelt auf dem Programm. Bezüglich der Einordnung mancher Songs gäbe es allerdings Diskussionspotential.

Das Ensemble auf der Bühne setzte sich aus Anetta Szabo, Tanja Petrasek, Melanie Gebhard, Georg Leskovih, Lukas Müller und Christian Funk zusammen. Die Regie hatte erneut Rita Sereinig über, die musikalische Leitung oblag Andreas Brenic. Die Musik kam vom Band. Die Projektionen im Hintergrund und am 1. Rang gestaltete Christian Ariel Heredia.

Den Themen entsprechend wurde das 4-Gängige Menü abgestimmt, wobei es auch eine vegetarische Variante gab.

Christian Funk

Im ersten Block ERDE ging es unter anderem in die finsteren Katakomben zum Phantom der Oper, wurde Graf Krolock („Gott ist tot“) im mystischen Schloss besucht und träumte man mit Hercules („Go the Distance“) vom Einzug in den Olymp.

Kaum ein Musical passt besser zu WASSER als „Disneys Arielle die Meerjungfrau“ („Unter dem Meer“, „Arme Seelen in Not“, „Arielles Traum“) oder „Titanic“ („I Must Get on That Ship“). Die „(Ruder)Boote in der Nacht“ wurden kurzerhand an einen idyllischen österreichischen Bergsee projiziert – in diesen Zeiten sollte man ja ohnehin nicht ans Meer reisen.

Mit dem fliegenden Auto „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ und mit der Hexe aus „Wicked“ („Frei und schwerelos“) ging es in die LUFT. Wer nicht unbedingt abheben wollte, der konnte die „Stars“ („Les Misérables“) von der Erde aus genießen.

Nach dem Dessert wurde es richtig heiß und FEURIG – zumindest was die Auswahl der Songs anbelangt. So gab es etwa „Schöne Grüße aus der Hölle“ („Ich war noch niemals in New York“), „I Believe / Spooky Mormon Hell Dream“ („Book of Mormon“), und „It´s All Coming Back to Me Now“ („Bat Out of Hell“). Zwei Zugaben besiegelten den Abend um 22 Uhr, denn laut Covid-Verordnung müssen Theater und Lokale um diese Zeit geräumt sein.

Bis 14. Februar steht CulinarICAL 5.1 noch auf dem Programm des Vindobona.

Kritik: Wolfgang Springer; Fotos: Michaela Springer

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Hier findest du alle Shows und Events des VINDOBONA 2022:
https://vindobona.wien/events13.01.2022 - Das Vindobona/ Wien

01.01.2022 - Musiktheater/
Linz (Oberösterreich)

PRISCILLA -
Königin der Wüste
Österreichische Erstaufführung

Im Linzer Musiktheater wurde es am Neujahrstag mit PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE heiß, richtig heiß, denn schon beim Opening „It´s raining men“ von startete der Roadtrip dreier Dragqueens durch das australische Nirgendwo. Und diese drei könnten unterschiedlicher nicht sein.

Tick (Karsten Kenzel) ist nur eine mittelmäßig erfolgreiche Dragqueen. Seine Frau bittet ihn nach Alice Springs zu kommen, um dort Auftritte zu absolvieren und seinen kleinen Sohn kennen zu lernen. Gemeinsam mit der alternden Transsexuellen Bernadette (David Arnsperger) und den jungen, schrillen Adam (Gernot Romic) macht er sich im altersschwachen Bus Priscilla auf die Reise.

Tick plagen Ängste, ob ihn sein Sohn so akzeptieren wird, wie er ist, Bernadette sehnt sich nach der großen, wahren Liebe und Adam will im Dragqueen-Outfit ein Hochgefühl in den Ayers Rock erleben.

Auf ihrer Reise erleben die drei nicht nur schöne Momente. Nicht alle Menschen sind für das anders sein offen. Beschimpfungen, Demütigungen und eine fast Vergewaltigung, die nur durch das resolute Auftreten Bernadetts verhindern werden kann, müssen die drei durchstehen. Aber auch, wenn es immer wieder kleine Streitigkeiten gibt, bei Schwierigkeiten halten sie fest zueinander.

David Ansperger als Bernadette ist eine Dramaqueen mit Witz und Charme. Er verkörpert Bernadette als warmherzige, romantische aber zugleich resolute und kämpferische Transsexuelle.

Gernot Romic spielt den Paradiesvogel, schrill und extravagant. Er macht im Kylie Minogue-Style, Hot Pants, bauchfreiem T-Shirt und überhöhten High Heels eine atemberaubende Figur. Er schwebt förmlich über die Bühne und setzt lasziv und sexy seinen Körper ein.

Kartsen Kenzel als Tick ist von Ängsten geplagt, hin und hergerissen zwischen seiner Berufung und von den, der Gesellschaft festgelegten, Maßstäben, wie ein Vater sein muss. In kleinen, leisen Momenten spürt man seine innere Zerrissenheit, seinen Kampf mit sich selbst.

Die Diven, die die Egos der drei widerspiegeln (Daniela Dett, Judith Jandl und Hanna Kastner), haben teilweise vom Himmel herabschwebende Auftritte, glamourös und stimmgewaltig – Frauenpower pur.

PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE basiert auf dem gleichnamigen, australischen Film, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Das Musical von Stephan Elliot und Allan Scott feierte 2006 Premiere in Sydney. Den Soundtrack bilden zahlreiche Hits der 1970er und 1980er.
Michael Alexander Rinz hat die Dialoge ins Deutsche übersetzt, die Songs werden in Englisch gesungen.

Die Kostüme von Adam Nee sind farbenfroh, glitzernd und glamourös. Sie strahlen das positive Feeling einer Gay-Parade aus, ohne ins kitschige oder übertriebene zu gleiten.

Die Choreografien von Andrew D. Edwards sind schwungvoll, mit großen Ensemblenummern. Teilweise wird man in Partystimmung versetzt, ausgelassen und voller positiver Lebensfreude.

Auch das Bühnenbild von David Hartland mit Hauptfokus auf Priscilla, den Bus, spiegelt diese Lebenseinstellung.


PRISCILLA ist eine rasante Highspeed-Gay-Parade mit Glanz und Glamour, schwungvollen Choreografien und starken Stimmen. Aber es gibt auch ernste Momente, zum Nachdenken. Hinter all der Show stecken sensible Seelen, die sich nach Liebe und Anerkennung sehnen und ihre Verletzlichkeit hinter selbstgebauten, dicken Fassaden verbergen. Nicht alle können mit Transsexualität umgehen, und ihr einziger Weg ist das demütige, aggressive Vorgehen und beschimpfen. Aber wenn das Leben noch so glitzernd und schrill wirkt, es verbergen sich Menschen, die nur ihren Platz in der Gesellschaft haben möchten. Ein solcher Moment ist, als Tick vor seinem Sohn steht. In dessen kindlicher Unvoreingenommenheit akzeptiert er seinen Vater, sowie er ist.

Überwältigt von dem Glück, dass die drei erfahren, Bernadette findet im Automechaniker Bob auch seine große Liebe, endet das Stück in ausgelassener Partystimmung zu „I will survive“.

Das Stück steht noch bis zum 24. Februar auf dem Spielplan.


6 von 6 Sternen: ★★★★★

             Kritik: Michaela Springer;
             Fotos:
Barbara Pálffy

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  • David-Arnsperger,-Gernot-Romic,-Karsten-Kenzel
  • David-Arnsperger,-John-F.-Kutil
  • Karsten-Kenzel,-Christian-Fröhlich
  • Karsten-Kenzel,-Gernot-Romic,-David-Arnsperger