(c) Maya Hakvoort Music Productions

30.05.2021 - Theater im Park/ Wien

4 VOICES OF MUSICAL
Maya Hakvoort, Missy May, André Bauer, Lukas Perman

Wie bereits in der letzten Saison, stand auch heuer „4 Voices of Musical“ auf dem Spielplan des Theater im Park. War es 2020 an einem lauschig, warmen Septemberabend, war es am 30. Mai eindeutig frischer. Die Zuschauer*innen mit Wintergarderobe und orangefarbenen (in Anlehnung an die Nationalfarbe der Niederlande) Flauschdecken, ausgestattet, lauschten den sichtlich frierenden Protagonistinnen und Protagonisten Maya Hakvoort, Missy May, Andre Bauer und Lukas Perman. Besonderen den weiblichen Sängerinnen in ihren anmutigen Abendkleidern setzte die Kälte zu. Doch die Freude wieder auf der Bühne zu stehen, erwärmte zumindest ihre Gemüter.

Wer rastet der rostet und so gestaltete sich der Beginn noch ein wenig holprig. Die Stimmen mussten nach mehr als einem Jahr Bühnenabstinenz erst auf Betriebstemperatur gebracht werden. Doch einmal in Fahrt, konnten sie stimmlich treffsicher auf ihr umfangreiches Potpourri mit Liedern aus alten Musicals, aus A.L. Webber-Stücken, aus Produktionen der VBW oder auch Anastasia zurückgreifen. Überrascht wurde man auch mit selten dargebotenen Songs.

Maya Hakvoort glänzte besonders in „Sunset Boulevard“, „Rebecca“ und  „Elisabeth“. Wie üblich sorgte sie bei „Ich gehör nur mir“ für zusätzliche Gänsehaut. Dramatische Rollen sind ihre Spezialität, in diesen kann sie ihre großen Gefühle zeigen. Zum emotionalen Höhepunkt wurde jedoch Österreichs geheime Bundeshymne „I am from Austria“, dargeboten von Lukas Perman mit Unterstützung von Missy May und den beiden Wahlösterreichern Maya Hakvoort und André Bauer. Beim Refrain gab es mächtig Unterstützung vom Publikum, das mit eingeschalteten Handylichtern den Park in ein stimmungsvolles Lichtermeer verwandelte.

Die Überraschung des Abends war „Unstillbare Gier“ von André Bauer. Er vermochte die  Zuschauerinnen mit einfühlsamer und starker Stimme zu verführen.
Missy May wagte sich auch an unbekanntere Musicalsongs. In Schlagermanier interpretierte sie zum Beispiel „Das bin ich“ aus dem Musical „Die Päpstin“.

Nicht nur das Publikum war froh wieder Kultur genießen zu können. Auch den 4 Sänger*innen  merkte man die Freude an. Sie brannten regelrecht wieder vor Publikum singen zu dürfen und waren voll überschäumendem Esprit.

Nach nicht einmal 90 Minuten ohne Pause war dieser Auftritt kurz aber intensiv. Das Publikum dankte mit tobendem Applaus für Songs aus unter anderem „Chicago", ‚AIDA“, „Romeo & Julia“, „Sunset Boulevard“, „West Side Story“, „Tanz der Vampire“, „Elisabeth“, „Mann von la Mancha“, „Mozart!“, „Rebecca“ und „Die Päpstin“.

Gut gelaunte 5 von 6 Sternen: ★★★                  
Kritik:
Michaela Springer;  Fotos: Wolfgang Springer




 

29.05.2021 - Theater im Park/ Wien

WEIBS-BILDER
Ein musikalisch-literarischer Abend von Thomas Kahr

mit
Angelika Kirchschlager
(Gesang), Ulrike Beimpold (Rezitation)
Maria Happel
(Rezitation) und Arabella Cortesi (Klavier)

„Frau Sein“ als Thema eines ganzen Abends stand am 29.5 am Spielplan des Theater im Park. Klingt vorerst trocken, nüchtern und emanzipiert, wenn jedoch drei Vollblutfrauen auf der Bühne stehen, wird diese Problematik ganz anders aufgearbeitet und zwar mit Witz und Esprit. Für die musikalische Bereicherung sorgte eindrucksvoll Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager und spannte dabei einen weiten Bogen mit Liedern von und über Frauen von Johannes Brahms, Hugo Wolf, Robert Schumann, Clara Schumann, Georges Bizet bis Kurt Weill. Mit Leichtigkeit und Klarheit in der Stimme bescherte sie den Anwesenden angenehme Glücksgefühle. Begleitet wurde sie am Klavier von Arabella Cortesi.

Ulrike Beimpold und Maria Happel durchleuchteten das „Frau-Sein“ mit humoristischen, emotionalen und kritischen Texten von unter anderem Bertha von Suttner, Clara Schumann, Henriette Vogel, Käthe Kollwitz, Liselotte von der Pfalz, Henriette Herz, Eva Schuster, Hertha Pachl, Charlotte Lichtenecker, Heike Anhut, Silvia Wagner, Ama Ata Aidoo, Jane Camland, Katharina Strommer, Hugo von Hofmannsthal, Daniel Glattauer und Thomas Kahry. Letzterer zeichnet sich auch für die Zusammenstellung des Programms verantwortlich.

Mit messerscharfer Zunge wird mit dem Bild der Frau in der Gesellschaft abgerechnet: „Wenn Gott gewollt hätte, dass man das Skelett sieht, dann hätte er es außen angebracht“. Der ewige Druck einem Ideal zu entsprechen und der dadurch entstandene Jugendwahn wird genauso thematisiert, wie der Wunsch nach einem sexy Ehemann, am besten in Gestalt eines George Cloney oder Brad Pitt.

Ulrike Beimpold und Maria Happel verstanden es von der ersten Sekunde an bestens zu unterhalten.

Sie interpretierten glaubhaft die Geschichten so, wie sie von den Autor*innen gedacht waren und brachten damit das Publikum zum Lachen und zum Nachdenken.

Aufgrund der Corona-Bestimmungen lief das Programm gekürzt und ohne Pause und war daher auch schon nach nicht einmal 90 Minuten zu Ende. An diesem Abend hätten sich die Zuschauer*innen sicherlich eine Verlängerung gewünscht.

Und wer glaubt, dass WEIBS-BILDER nur von Frauen besucht und verstanden wurde, der brauchte nur in die belustigten Gesichter der Männer zu schauen.

Kurzweilig, amüsante 6 von 6 Sternen: ★★★                 

Kritik: Michaela Springer;  Fotos: Wolfgang Springer

28.05.2021 - Schauspielhaus/ Linz

DIE WELLE
Das Musical

Kaum sind die Theater aus dem Corona-Tiefschlaf erwacht, präsentierte das Linzer Schauspielhaus am 28. Mai seinem Publikum die Uraufführung des Musicals DIE WELLE von Or Matias.

Das Musical basiert auf dem Schulexperiment von Geschichtsprofessor Ron Jones im Jahre 1967. Ihn beschäftigte die Frage eines Schülers, warum die Deutschen behaupten konnten, nichts von der Judenvernichtung gewusst zu haben und sich so fanatisch Adolf Hitler angeschlossen zu haben. So beschloss er ein außergewöhnliches Experiment zu wagen. Er wollte, dass seine Schüler den Faschismus selbst durchleben.

Christian Fröhlich und Ensemble

Als der neue Geschichtslehrer Ron, überzeugend von Christian Fröhlich gespielt, den Klassenraum betritt und das Thema Nationalsozialismus anspricht, kommen ihm nur gelangweilte Reaktionen entgegen, obwohl der Kurs von den unterschiedlichsten Schülern besucht wird. Ein kleiner Mikrokosmos innerhalb der Schule, der im Laufe des Stückes immer größere Wellen schlägt und die ganze Schule in sich einverleibt.

Samuel Bertz, Celina dos Santos, Malcolm Henry

Stevie (Malcom Henry) ist ein äußerst schlechter Schüler, aber durch seine Leistungen im Baseball der Held auf der High School. James (Samuel Bertz) stammt aus reichem Haus und bemüht sich an den anderen zu orientieren, die nicht dieses gesellschaftliche Ansehen haben. Die verarmte Jess (Celia dos Santos) stiehlt sich durchs Leben, sei es Essen oder für Jugendliche begehrte Artikel. Ella (Hanna Kastner) ist die Streberin. Durch ihr reifes Gedankengut und ihre leistungsorientierte Einstellung lässt sie sich von der Bewegung „Die Welle“ nicht anstecken. Sie will es nicht dulden, dass alle die Bestnote bekommen, nur weil sie bei dem Experiment mitmachen. Erfolg durch eigenes Erarbeiten ist ihr Credo, und so geht sie ihren eigenen Weg, auch alleine. Sie bleibt sich ihrem Motto treu und ist keine Mitläuferin. Dafür nimmt sie jegliche Konsequenz in Kauf.

Celina dos Santos, Lukas Sandmann, Malcolm Henry

Robert (Lukas Sandmann) ist ein sehr schüchterner Schüler, der von den anderen gemobbt wird. Als Ron die Organisation „Die Welle“ gründet, blüht Robert so richtig auf. Er übernimmt eine wichtige Position, wird vom Opfer zum Täter. Keiner steht so stark hinter der Ideologie wie Robert. Auch als das Experiment bereits beendet wurde, klammert er sich noch fest daran, will das Ende mit jeglicher Gewalt verhindern. Lukas Sandmann vollzieht sowohl gesanglich als auch schauspielerisch diese Verwandlung ausdrucksstark. Er glänzt auch durch die meiste Bühnenpräsenz.
Nicht nur Robert, fast alle Schüler unterwerfen sich dem Verhaltenscodex und finden innerhalb der Organisation ihre Rolle. Schritt für Schritt wird „Macht durch Disziplin“, „Macht durch Gemeinschaft“ und „Macht durch Handeln“ demonstriert und umgesetzt. Ron ist selbst erstaunt, wie die Schüler durch diesen Drill ihre Leistungen steigern. In der Gruppe verliert der Einzelne seine Individualität und wird eins mit der Gruppenideologie. Der Schwache wird durch die Gemeinschaft gestärkt. Gerade diese Außenseiter sind es, die diese Gruppe fanatisch bis zum bitteren Ende verteidigen. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht, sie sehen den Einzelnen nicht mehr, sondern nur mehr das große Ganze, in dem ein Einzelner nichts mehr zählt. Eigenständig Denkende und jene, die der Sache kritisch gegenüberstehen, müssen überzeugt oder bestraft werden.

Hanna Kastner, Celina dos Santos

Schon bald bekommt das Experiment eine Eigendynamik und gerät außer Kontrolle. Als der Lehrer es vorzeitig abbrechen möchte, stellen sich die Mitglieder dagegen. Erst bei einer von ihm geplanten Kundgebung, bei der er eine fanatische Rede Hitlers als Einspielung projiziert, erkennen die Schüler zu was sie geworden sind. Die Masken fallen, es wird ihnen bewusst, dass sie kein Stück besser sind als die Deutschen und Österreicher von damals.

Hanna Kastner, Lukas Sandmann

Nach wie vor ist das Thema aktuell und kein Erscheinungsbild vergangener Jahre.
Die Musicalversion ist beklemmend. In kürzester Zeit werden frei denkende Individuen sich zu einer unterwerfenden, selbstaufgebenden Masse, die ihre eigenen Bedürfnisse opfern, um nur homogen zu fungieren. Die Musik von Or Matis ist modern, durchwegs melodisch und stets passend zur Szene mal hart oder sanft umschmeichelnd.

Das Bühnenbild von Veronika Tupy, besteht aus einem drehbaren Kubus mit weißen, transparenten Schiebewänden. Diese erweisen sich als einfach aber äußert effektiv. Mittels Projektionen werden entweder Botschaften und Live-Handyübertragungen von Geschehnissen auf der Bühne übertragen oder die kurze Einspielung einer Hitlerrede als Showdown eingespielt.

Christoph Drewitz (Regie), Arne Beeker (Dramaturgie) und Arne Beeker (Kostüme) lassen das Ensemble weiß gekleidet hinter den Wänden agieren. Symbolhaft für das nichtexistierende Individuum und dem alleinigen Erscheinungsbild einer in sich homogenen Masse, deren Gesinnung gleich ist und kein eigenständiges Gedankengut zustande kommen darf. Nur die Schauspieler*innen sind zu Beginn individuell gekleidet, legen dies aber im Laufe der Geschehnisse ab, um sich in einer Uniform als Gleichgesinnte und nicht nur durch den Gruß erkennbar zu machen. Drei blaue Bänder am Hemd skizzieren eine Welle. Passend für deren Ideologie, da blau in matriarchalen Kulturen Treue und Tradition bzw in China Unsterblichkeit symbolisiert.

Lukas Sandmann

Auch die Körperhaltung der Darsteller verwandelt sich drastisch. Cool oder lässig verschwindet zu Gunsten einer steifen, mechanischen Abwicklung einstudierter Strukturabläufe.

Auch wenn die gesanglichen Leistungen bei den meisten Darsteller*innen noch ausbaufähig sind, schauspielerisch konnten die jungen Nachwuchshoffnungen aus Österreich und Deutschland bereits voll überzeugen.


5 von 6 Sternen: ★★★                   

          Kritik: Michaela Springer
          Fotos:
Reinhard Winkler

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  • Christian Froehlich, Ensemble3
  • Christian Fröhlich
  • Christian-Froehlich-Ensemble1
  • Christian-Froehlich-Ensemble3
  • Christian-Froehlich,-Ensemble
  • Samuel-Bertz,-Hanna-Kastner


Juliette Khalil (Rotkäppchen)

27.05.2021 - Volksoper/ Wien

INTO THE WOOD
Premiere

Am 27. Mai konnte in der Volksoper endlich die erste Musical-Premiere 2021 gefeiert werden. Dabei stellte sich heraus, dass sich die bereits im vergangenen Jahr erfolgreich erarbeiteten Sicherheitskonzepte auch heuer bewähren. Lediglich der Besucherandrang hielt sich aufgrund der strengen Covid-Auflagen in Grenzen.
Im März 2021 feierte Stephen Sondheim seinen 91. Geburtstag.

Nach „Die spinnen, die Römer!" und „Sweeney Todd“ ist „Into the Woods“ (Uraufführung 1987) nun das dritte Musical des Komponisten, welches die Volksoper auf ihren Spielplan gesetzt hat.

Nach der Vorlage von Bruno Bettelheims Klassiker „Kinder brauchen Märchen“, dem Plädoyer für „die Wahrheit unserer Fantasie“ hat Sondheim mit Autor James Lapine seine Interpretation für Erwachsene mit zahlreichen bekannten Figuren aus der Märchenwelt geschaffen.

Oliver Liebl (Hans)

Hans tauscht seine Kuh gegen Zauberbohnen, Aschenputtel flüchtet vor ihrem Prinzen, Rotkäppchen und die Oma werden vom Wolf verspeist, Rapunzels Prinz darf seine Angebetete nur vom Fuße eines Turms bewundern, und dann wären noch Dornröschen und Schneewittchen. Primär dreht sich aber alles um den Bäcker und seine Frau, die gegen den Fluch der bösen Hexe antreten, um ihren Herzenswunsch nach einem Kind zu erfüllen.
All diese Geschichten sind geschickt und witzig miteinander verwoben. Dazu gesellt sich die eine oder andere eingängige Melodien, wie „Giants in the sky / Riesen über uns“ oder „Agony /Liebesqual“. Oftmals ist die Komposition durchwachsen und ermöglicht lediglich
Sprechgesang.

Laura Friedrich Tejero (Aschenputtel), Drew-Sarich (Aschenputtels Prinz)

INTO THE WOODS ist keine ganz leichte Kost. Das Märchen für Erwachsene wartet doch mit einigen nicht jugendfreien Szenen auf. Moralisch ist einiges fragwürdig obwohl manches performhalber hinterfragt wird. Ob Ehebruch, Diebstahl, Betrug oder eben Mord, Steven Sondheim und James Lapine haben sich hier einiges einfallen lassen, um ihr Publikum gut zu unterhalten. So war es nicht verwunderlich, dass keine Kinder und kaum ein Jugendlicher in den spärlich besetzten Reihen zu sichten waren, denn INTO THE WOOD besteht nicht nur aus dem kitschigen Märchenland mit Happy End, sondern setzt sich im 2. Akt mit der Frage auseinander, was passiert, wenn man die Geschichten weitererzählen würde und sich Probleme nicht einfach in Luft auflösen.

Die Aufregung vor diesem besonderen Abend war nicht nur im Zuschauerraum spürbar, auch so manch Darsteller*in hatte seine/ihre Nervosität mit auf die Bühne gebracht.

Drew Sarich (Aschenputtels-Prinz), Martin Enenkel (Rapunzels Prinz)

Aus der Vielzahl an Protagonistinnen und Protagonisten ragten an diesem Abend lediglich Robert Meyer, der als Erzähler mit tragender Stimme durch das Märchen führte und auch als Sänger seine Qualitäten eindrucksvoll bewies und Drew Sarich als verführerisches Schaf im Wolfspelz bzw. arroganter Schnösel und Prinz von Aschenputtel, heraus, dem der One-Night-Stand mit der Bäckersgattin seine Ehe kostet. Schauspielerisch und stimmlich zeigte er erneut beeindruckend seine Wandlungsfähigkeit.

Julia Koci (Frau des Bäckers), Peter Lesiak (Bäcker), Juliette Khalil (Rotkäppchen), Christian Graf (Kammerdiener), Bettina Mönch (Hexe), Ensemble

Der Rest des Ensembles konnte nicht ganz an die Leistungen vor dem langen Kultur-Lockdown anschließen. Viele kamen erst nach und nach in Schwung, wirkten gesanglich eingerostet. Dennoch konnten sie ihren Figuren die notwendige Glaubhaftigkeit verleihen. Der eine oder andere Gag vermochte bei den Zuschauer*innen sogar zu zünden.

Stets ein Augenschmaus in der Volksoper sind das Bühnenbild (Frank Philipp Schlößmann) und die Kostüme (Lena Weikhard). Hier wurde sichtlich nicht gespart - aufwändig aber funktionell die Bauten und Requisiten, liebevoll und bunt die Kleider für die Künstler*innen.

Julia Koci (Frau des Bäckers), Peter Lesiak (Bäcker)

Die Inszenierung von Olivier Tambosi und Simon Eichenberger ist erstklassig und ohne nennenswerte Überraschungen.

Der Choreographie nahm sich ebenfalls Simon Eichenberger an. Sie erfüllt perfekt ihren Zweck. Große Tanznummern gibt es im Stück ja nicht.

Wolfram-Maria Märtig hat von Dirigent James Holmes im Frühjahr die musikalische Einstudierung von INTO THE WOODS übernommen, nachdem die Corona-bedingte Pause und die Verschiebung der Vorstellungen dessen Anreise zu den Endproben nicht zuließ. Wolfram-Maria Märtig stand somit als musikalischer Leiter bei der Premiere als Dirigent vor dem groß aufspielenden Orchester und wird dies auch bei den Folgevorstellungen tun.

Als Fazit nach der Premiere kann festgehalten werden, dass noch Luft nach oben ist. Es wurde hervorragend gearbeitet, sodass nach mehreren Vorstellungen alle sicherlich wieder den gewohnten Rhythmus finden werden. INTO THE WOODS wird sein Publikum finden, auch wenn wir einen Besuch für Kinder bis 12 Jahren nicht uneingeschränkt empfehlen.

Durchwachsene, aber ausbaufähige 4 von 6 Sternen: ★★★ 

                  
         Kritik: Wolfgang Springer;  Fotos: Barbara Pálffy/Volksoper

  • Drew-Sarich-(Wolf)
  • Franz-Suhrada-(Aschenputtels-Vater),-Elisabeth-Schwarz-(Florinda),-Theresa-Dax-(Lucinda),-Martina-Dorak-(Aschenputtels-Stiefmutter),-Drew-Sarich-(Aschenputtels-Prinz)
  • Juliette-Khalil-(Rotkäppchen),-Drew-Sarich-(Wolf)
  • Juliette-Khalil-(Rotkäppchen),-Oliver-Liebl-(Hans)
  • Lauren-Urquhart-(Rapunzel),-Julia-Koci-(Frau-des-Bäckers)
  • Martina-Dorak-(Aschenputtels-Stiefmutter),-Franz-Suhrada-(Aschenputtels-Vater),-Elisabeth-Schwarz-(Florinda),-Theresa-Dax-(Lucinda),-Christian-Graf-(Kammerdiener),-U
  • Robert-Meyer-(Geheimnisvoller-Mann),-Bettina-Mönch-(Hexe)


24.05.2021 - Theater im Park/ Wien

Sona McDonald &  - Johannes Krisch
Hemingways Liebeshöllen

Die beiden Kammerschauspieler Sona MacDonald und Johannes Krisch begeben sich auf die Spuren des exzentrischen Schriftstellers Ernest Hemingway, seiner Ehefrau Martha Gellhorn und seiner Brief-Geliebten Marlene Dietrich.

Sona MacDonald, Star der Josefstadt, spielt immer wieder große, schwierige Frauen und ließ Legenden wie Billie Holiday, Lotte Lenya und Marlene Dietrich wieder auferstehen.
Johannes Krisch ist Spezialist für starke Charaktere im Film, zuletzt in der Bestseller-Verfilmung „Der Trafikant”, und einer der intensivsten Darsteller des Burgtheaters sowie des Theaters in der Josefstadt: Johannes Krisch.

Wenn zwei so charismatische Darsteller auf der Bühne stehen, entsteht ein Feuerwerk voller Leidenschaft und Gefühle. Dafür bedarf es keines großen Bühnenbildes oder aufwendiger Effekte. Kleine Gesten, wie ein Blick oder eine Handbewegung und natürlich zwei ausdrucksstarke und tragende Stimmen lassen die Zuschauer*innen an den Lippen der Darsteller hängen.

Johannes Krisch las Hemingway ruhig und bedacht, doch auch mit unerwartet-exzentrischen Wutausbrüchen, die die Tragweite von Hemingways Seelenschmerz erahnen lassen. Seine Versagensängste, nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen zu können, fraßen ihn innerlich auf. Johannes Krisch erschütterte die Biografie Hemingways: „Dass ein solcher Gigant solchen seelischen Schmerzen und Versagensängsten ausgesetzt war, berührte mich beim Erarbeiten des Textes zutiefst.”
In Marlene Dietrich fand er schließlich eine Seelenverwandte.

Sona Mac Donald interpretierte die Briefe der Frauen mal lebhaft und quirlig, dann melancholisch aber auch sinnlich. So spielt sie die Brandbreite ihres Könnens aus. Ihre Stimme war voller Leichtigkeit und strahlte unglaubliche Bühnenpräsenz aus, besonders als Marlene Dietrich und Martha Gellhorn, Hemingways dritte Frau, die vor allem eine fantastische Kriegsreporterin und Autorin war. Sie unterwarf sich Hemingway nicht, sondern verwirklichte ihr eigenes ICH. Sie war emanzipiert und unabhängig wie Marlene Dietrich.

Die Dietrich verband mit Hemingway eine geheime, sehr intensive Beziehung, die bis zu seinem Selbstmord aufrecht blieb. Es war Liebe auf den ersten Blick, die aber eine rein platonische Freundschaft blieb. Über Jahre hinweg flirteten sie als Freunde. Er nannte sie „Kraut“ (so nannte man die Deutschen damals) und sie ihn „Papa“. Oft endeten ihre Briefe mit „Ich könnte dich nicht mehr lieben, als ich es tue“.

Beide waren sich sehr ähnlich, eng verbunden, Seelenverwandte, die sich alles anvertrauen konnten. Sie waren zwei Berühmtheiten, die mit Selbstzweifeln kämpften und deren innere Leere sie aufzufressen drohte.
„Was bleibt ist die Einsamkeit“, wird Marlene Dietrich zitiert. Ein Satz der alles über sie offenbart, begab sie sich selbst in ihren letzten Jahren in Isolation, um den Mythos Dietrich zu manifestieren.

„Hier haben sich zwei Spezialisten für Leidenschaft und große Gefühle gefunden, die natürlich wie maßgemacht sind für die Lebensgeschichten von Hemingway, Martha Gellhorn, Hemingways dritter Frau und Marlene Dietrich,” so die Autorin Angelika Hager, die die Lesung dramaturgisch gestaltete.

Christian Frank, Arrangeur und Bühnenpartner von Sona MacDonald und musikalisch verantwortlich für „Lenya Story" und „Blue Moon" am Theater in der Josefstadt und auf Tournee, gestaltete auch hier die musikalische Seite und begleitete die Künstlerin am Flügel bei einigen Marlene Dietrich Liedern. Sie kopierte sie jedoch dabei nicht, sondern gab ihnen eine ganz persönliche Note, was die Zuschauer*innen mit großem Beifall honorierten. „Sag mir wo die Blumen sind“ und „Moonriver“ sorgten neben den kühlen Temperaturen für verstärktes Gänsehautfeeling.

HEMINGWAYS LIEBESHÖLLEN ist eine Achterbahn der Gefühle, voller Leidenschaft und tiefer Verzweiflung, interpretiert durch zwei Ausnahmekünstler, die das Publikum ab der ersten Minute zu fesseln vermochten.

6 von 6 Sternen: ★★★                   

                   Kritik: Michaela Springer;  Fotos: Wolfgang Springer

 

 

 

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