08.07. 2018 - Sommerspiele Melk / Niederösterreich

HELLS BELLS - Der Teufel hat den Schnaps gemacht

In Melk hallt das Glockengeläut durch die Nacht. Mit der Uraufführung HELLS BELLS wird eine Musikrevue geboten, die durch über 50 Songs der letzten sieben Jahrzehnte führt. Regisseurin Rita Sereinig weiß es hier, trotz eines Mangels an Dialogen eine verständliche Geschichte zu erzählen, die das Publikum in seinen höllischen Bann zieht.  

In einer postapokalyptischen Welt begegnen wir einer achtköpfigen Gruppe. Das friedliche, wenn auch eintönige Zusammenleben steht an der Kippe, als der Teufel die Gruppe für seine Zwecke gewinnen will. Einer nach dem anderen wird auf die Probe gestellt und verfällt einer der Todsünden und somit dem Teufel.

Der Teufel scheint zunächst gewonnen zu haben. Schlussendlich schafft es die Gemeinschaft jedoch sich mit vereinter Kraft gegen den Teufel aufzulehnen und sich aus seinen Fängen zu befreien. Ihr Triumph wird allerdings getrübt. Die Hells Bells erklingen und der Teufel erscheint erneut, ein Zeichen dafür, dass der Kampf gegen das Böse nie ein Ende finden wird.

Eleftherios Chladt in der Rolle des teuflischen Diabolus gibt den Gentleman, der es weiß die Gruppe um seinen Finger zu wickeln und für seine Machenschaften zu gewinnen. Gesanglich besticht Chladt sowohl im titelgebenden „Hells Bells“ als auch in Rap-Nummern wie „Gangsta‘s Paradise“ oder im Genre des Schlagers wie in „Aber bitte mit Sahne“. Passend zur Rolle sind auch Chladts Interaktionen mit dem Publikum. Applaus an einer nicht angebrachten Stelle wird sogleich lässig mit einer Handbewegung unterbunden.

Die anderen Figuren sind den sieben Todsünden nachempfunden und nach deren lateinischen Namen benannt. Ergänzt werden diese sieben durch Custos – den Wächter –, der die Rolle des Anführers in der kleinen Gruppe übernimmt. Custos, gespielt von Stefan Bleiberschnig, lehnt sich gegen den Teufel auf, doch wird auch er nach seinem Verfall versklavt. Schlussendlich findet er wieder zu seiner Führungsrolle und animiert die Gruppe in „Do you hear the people sing“ zum Aufstand gegen den Teufel. Bleiberschnig schafft es, diese Energie und Entschlossenheit auf den Punkt zu bringen.

Das gesamte Ensemble besitzt ausdrucksstarke Stimmen sowie schauspielerisches wie auch tänzerisches Talent. Die Choreographie von Rita Sereinig und Marina Petkov ist den verschiedenen Musiknummern entsprechend angeglichen und verlangt den Darstellern einiges ab. Als ein Highlight ist hier „Shout“ zu nennen, in welchem Petkov als Jähzorn Ira besonders viel Energie versprüht.

Enny de Alba als Wollust Luxuria besticht durch ihre kräftige Stimme, die sie in „Go to hell“ unter Beweis stellen kann. Energisch stellt sie sich dem Teufel entgegen, de Alba stellt diese Stärke überzeugend dar. 

Die Kostüme von Monika Biegler fügen sich wunderbar dem düsteren Bühnenbild ein und spiegeln auch die Charakterzüge der Figuren wieder. Dies wird vor allem bei Katharina Dorian als Geiz Avaritia deutlich, welche mit Prunk und Glamour ausgestattet ist. Die charakterliche Entwicklung wird durch Dorian ebenfalls gut zur Geltung gebracht, so verschenkt sie letztlich den Schmuck, der ihr einst so teuer war.

Obwohl sie nach den sieben Todsünden benannt sind und ihnen auch verfallen, hebt das Stück hervor, dass es sich bei Todsünden keineswegs um unverzeihbare Fehler handelt, wie das – scheinbare – Happy End unterstreicht. Die Charaktere sind alle durchwegs sympathisch, wie Sigrid Brandstetter als Neid Invidia beweist. Die Einsamkeit, die Brandstetter portraitiert, lädt zum Mitfühlen ein.

Die Band der einsamen Herzen weiß es, das Publikum mit viel Leidenschaft in ihren Bann zu ziehen und zu begeistern. Auch der Cast greift selbst zu den Instrumenten. So wird auf Tonnen getrommelt und Peter Groisböck als Hochmut Superbia begleitet ein Lied auf der Gitarre. Groisböcks Interpretation von „Egoist“ überzeugt zusätzlich dank seiner energetischen Darbietung.

Die breite Liedauswahl verspricht, dass für jeden etwas dabei ist. Ob alt oder modern, Schlager oder Rock, Englisch oder Deutsch – und Mundart –, alles wird an diesem Abend abgedeckt. Bei dem bunten Patchwork, das dadurch entsteht, fügt sich alles perfekt zusammen. Die Lieder gehen nahtlos ineinander über, die Übergänge sind großartig inszeniert. Dies wird vor allem in den Medleys ersichtlich. Hervorzuheben ist hier das Mashup aus „Do you hear the people sing“ und „Another brick in the wall“, eine ungewöhnliche Kombination, die überzeugt.

Die Wechsel zwischen den verschiedenen Musikgenres und Sprachen vollbringt das Ensemble gekonnt und mühelos. Die Lieder bekommen einen neuen Touch und werden teilweise auch umgedichtet. Manchmal hält man sich auch näher an das Original. Als Beispiel sei hier Thomas Dapoz als Völlerei Gulam in „Alkohol“ zu nennen. Dapoz vermag es, die spezielle Betonung Herbert Grönemeyers gekonnt rüberzubringen.

Obwohl das Ensemble groß ist, schafft jeder der Darsteller es, im Gedächtnis zu bleiben. Obwohl ein Lied in das andere übergeht und die Handlung nicht durch Dialoge ergänzt wird, werden die Charaktere anschaulich dargestellt, dass mit Fortschreiten der Handlung gut zu erkennen ist, wer welche Todsünde verkörpert. So lässt Max Niemeyers Auftritt mit schwerfälligen Bewegungen schnell darauf schließen, dass er die Trägheit Acedis verkörpert.

Das Lichtdesign von Dietrich Körner lässt je nach Lied die passende Atmosphäre aufkommen. So zum Beispiel ein Disco-Feeling in „Maniac“ oder auch eine düstere Stimmung zu dem dramatischen Auftritt des Teufels – der sich aus dem Boden der Bühne erhebt – in „Engel“.

Das Bühnenbild von Daniel Sommergruber stellt einen heruntergekommenen Schrottplatz dar, welcher das postapokalyptische Setting unterstreicht. Eine Drehbühne sorgt zusätzlich für Dynamik. Im Hintergrund der Wachauarena ist stets das Stift Melk zu sehen, welches vor allem durch die Beleuchtung einen beeindruckenden Anblick bietet. Da es sich um eine Open-Air Bühne handelt, halten die Wetterverhältnisse stets eine Überraschung parat. An diesem Premierenabend durchzuckten Blitze die Abendstimmung. Dieses Lichtspiel erzeugte eine durchaus eindrucksvolle, um nicht zu sagen höllische, Atmosphäre, die nicht besser zu dem Stück hätte passen können und fragen lässt, ob der Teufel hier nicht seine Finger im Spiel gehabt haben könnte.  

Alle Darsteller liefern eine überzeugende Performance und der Abend endet mit einer Zugabe zu „Looking for freedom“, welche zum Mitmachen einlädt. Das Publikum dankt der gelungenen Premiere mit tosendem Applaus und Standing Ovation. Wer ein zum Nachdenken anregendes Stück, welches auch mit Humor besticht, mit einer vielseitigen Musikauswahl sucht, der sollte sich HELLS BELLS in Melk auf keinen Fall entgehen lassen und hat hierfür noch Zeit bis zum 14. August!

Kritik: Lisa A. Murauer  // Fotos: Daniela Matejschek

08.06. 2018 - Stadttheater Grein/ Oberösterreich

KEINE PANIK! Es ist alles nur Theater

Dass dieser Abend kein alltäglicher werden wird, wird klar, sobald man in das Stadttheater Grein tritt. Dieses Theater ist das älteste noch bespielte Theater in Österreich (seit dem Jahr 1791). Man nimmt auf Holzbänken Platz und es gibt noch die sogenannten „Sperrsitze“. Diese stammen aus jener Zeit, als es noch die Möglichkeit gab, sich einen eigenen Platz zu kaufen. Diese Plätze waren mit Schloss versehen und nur der Inhaber des Platzes hatte den dazugehörigen Schlüssel.

Zu Beginn des Stückes sieht man eine Putzfrau auf der Bühne, die erst nach einiger Zeit erschrocken feststellt, dass sie vor einem vollen Saal steht. Ein gestresst wirkender Theaterdirektor betritt die Bühne und man erfährt den Grund seines leichten Panikanflugs. Eine Benefizveranstaltung zu Gunsten des Theaters soll stattfinden, doch von den Künstlern ist keine Spur. Kurzerhand müssen die Angestellten des Theaters auf die Bühne und das Publikum unterhalten. Wacker geben alle ihr bestes. Ob es aber gelingt, den Abend und somit auch das Theater zu retten? Das wird an dieser Stelle nicht verraten.

Ein großes Lob muss man an diesem Abend allen Künstlern aussprechen, denn die tropischen Temperaturen sorgten nicht nur für schwitzende Gesichter, sondern auch dafür, dass das eine oder andere Mikrophon den Geist aufgab. Keiner ließ sich durch die Tonstörungen aus dem Konzept bringen und jeder spielte munter und mit viel Freude weiter. Cordula Feuchtner in der Doppelrolle als Putzfrau und Sekretärin hat großes komödiantisches Talent, das hier voll zur Geltung kommt. Ihre stimmlichen Stärken kann sie an diesem Abend immer wieder unter Beweis stellen. Generell ist an diesem Abend Frauenpower angesagt, da bis auf den Direktor alle Rollen von Frauen besetzt waren. Sandra Bell, Julia Reiff und Petra Ganglbauer überzeugen ebenso wie Alex Bechtloff.

Musikalisch geht die Reise quer durch verschiedene Musicals, aber auch der ein oder andere Schlager wird dargeboten. Die Requisiten sind nicht aufwändig, werden aber durchaus witzig verwendet, so zum Beispiel dient ein Wischmopp mit einer riesigen, mit Herzen verzierten Unterhose als Fahne zu „Morgen schon“. Die großen Lieder aus Phantom der Oper, Cats oder auch Romeo und Julia werden in die Handlung eingebaut, manche dieser Songs werden der Geschichte entsprechend adaptiert. Dass nicht immer jeder Ton zu 100 Prozent sitzt verzeiht man ob des großen Enthusiasmus, der von jedem einzelnen der Darsteller versprüht wird, gerne. Dieses Stück eignet sich wunderbar für kleinere Bühnen, denn die Nähe zum Publikum macht einen gewissen Charme aus.

Es wundert nicht, dass ARTworkers schon ein Stammpublikum haben, die immer wieder gerne kommen. Wird doch qualitätvolle, kurzweilige Unterhaltung geboten – wie auch an diesem Abend. Trotzdem sollte man nicht verschweigen, dass das Thema hinter dem Stück, das Theatersterben, für all jene die mit der Theaterwelt in Berührung stehen, kein leichtes ist. 

KEINE PANIK entstand nach einer Idee und unter der Regie von Christian Böhm, der auch schon im Linzer Theater in der Innenstadt für die Regie von Jesus Christ Superstar verantwortlich zeichnete.

An diesem Abend fühlten sich offensichtlich alle Zuschauer gut unterhalten, denn der Applaus war lange und es gab noch eine Zugabe. Für all jene, die auch gerne mal Schlager der „alten Schule“ im Theater hören wollen, sei KEINE PANIK ans Herz gelegt. Sie alle sollten sich, wenn sich die Gelegenheit in Zukunft bietet, sich diese nicht entgehen lassen.  

Die nächste Produktion der ARTworkers, DOLCE VITA & SCANDALE 3, ist ab 9. August im Theater in der Innenstadt (Linz) zu erleben. Mehr über ARTworkers und ihren Produktionen findet man auf der Homepage www.artworkers.at

Kritik: Veronika Murauer  // Fotos: Christian Böhm

28.04. 2018 - Wien

ICH ZARAH oder das wilde Fleisch der letzten Diva
26. April 2018/ Das OFF-Theater Wien

Am 26.04 fand im Wiener OFF-Theater die Premiere von „ICH ZARAH oder das wilde Fleisch der letzten Diva” von Franzobel und Tamara Stern, die auch Idee und Konzept beisteuerte, sowie Ernst Kurt Weigel, der ebenfalls für das Konzept verantwortlich zeigte und Regie führte, statt.
Das Stück ist die schonungslose Abrechnung einer, am Ende ihres Lebens alkoholsüchtigen und kaputten, Diva, die nur noch auf der Bühne funktionierte.

Ein Regisseur und eine Schauspielerin wollen ein biographisches Stück über Zarah Leander auf die Bühne bringen. Ihm schwebt eine Art Revue durch den Kopf, sie möchte ihr wahres Leben zeigen. Es entsteht eine hitzige Diskussion über ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus. War sie wirklich zu Recht als Reichsgebiet-Sirene verspottet oder hat sie doch Widerstand durch ihre Lieder geleistet. Ihre erfolgreichsten stammen vom homosexuell-jüdischen Dichter Bruno Balz, wie etwa „Ich weiß es wird einmal ein Wunder geschehen” oder „Davon geht die Welt nicht unter”. Sie selbst behauptete immer, sie sei ein politischer Idiot, verkehrte aber privat mit Josef Goebbels. Sie blieb, wie viele Künstler im Dritten Reich. Marlene Dietrich etwa emigrierte in die USA. Es bleibt die große Frage, wie man sich selbst entscheiden würde, wenn einem die ganz große Karriere versprochen wird. Im Nachhinein ist es leicht zu sagen, dass man Widerstand geleistet hätte. Aber kann diese Frage wirklich so leicht beantwortet werden, wenn man nicht selbst betroffen ist?

Tamara Stern überzeugte sowohl als Schauspielerin als auch als Zarah. Es bedurfte lediglich dem Aufsetzen einer großen Sonnenbrille und schon war sie Zarah, in ihrer Gestik, Körpersprache und Aussprache. Sie vermochte Leander so glaubwürdig zu verkörpern, als hätte man die echte vor sich. Man fühlte mit ihr, hatte Mitleid, verspürte jedoch auch Entsetzen und Unverständnis über ihr Handeln während des zweiten Weltkrieges.

Die drei Musiker bildeten eine gelungene Begleitung für die berühmten Leander Songs, aber auch des Steven Sondheim Hits „Send in the Clowns“, welches von Tamara Stern gefühlvoll vorgetragen wurde.

Ernst Kurt Weigel hatte die Rolle des Regisseurs inne, der die seichte Unterhaltung für das Publikum wünscht und mit den Gräueltaten der NS-Zeit, die seine Generation nicht mehr erlebt hat, abzuschließen. Er wirft die Frage auf, ob es eine Pflicht sei, dies immer wieder zu verarbeiten. Zwischenzeitlich ist er auch Leanders Gewissen, am Ende Lazarus. Ihm wird auch die Aufgabe zuteil, die Geschehnisse bei den Zeitsprüngen, welche von der Gegenwart bis in die Anfänge des Nationalsozialismus zurückreichen, zu kommentieren. Das gelang ihm auf eindringliche und manchmal zynische Art und Weise.

Das Stück fesselt und ist zugleich beklemmend. Kennen viele die Leander als schillernde Persönlichkeit, bekommt man hier eine egozentrische und gegen Lebensende innerlich zerbrochen Frau zu Gesicht, der das Schicksal ihrer Mitmenschen zeitlebens herzlich wenig interessierte. Lediglich, als sie ihren Liedermacher aus der Gefangenschaft der Nazis befreit, indem sie mit Reichspolitiker Josef Goebbels ins Bett steigt, schien sie Mitgefühl zu zeigen.

Das Bühnenbild war minimalistisch. Ein Sessel, eine Rampe, Servierwagen und ein Hakenkreuz-Banner, das war schon alles, was das Publikum zu Gesicht bekam. Doch mehr bedurgfte es auch nicht. Das Buch, die Regie und die Darsteller waren an diesem Abend großartig genug, um die Zuschauer für sich einzunehmen.

Die Inszenierung von Zarahs letzten Abganges war einer Diva würdig. - Noch einmal auf der großen Bühne, noch einmal im Rampenlicht, noch einmal alle Scheinwerfer auf sie gerichtet, nachdem sie alle verlassen haben … und dann erlischt das Licht - für immer.


Weitere Termine:
3. bis 5. Mai 2018, 20:00

- DAS OFF THEATER
   Kirchengasse 41, 1070 Wien

- Karten:
karten@off-theater.at
oder +43 676 360 6206

www.off-theater.at

Kritik: Michaela Springer
Fotos:
Barbara Pálffy

10.04. 2018 - Wien

HAIR - The American Tribal Love-Rock Musical
8. April 2018/ Wiener Stadthalle

Vom 20.02.2018 bis 20.05.2018 befindet sich „HAIR – The American Tribal Love-Rock Musical“ auf Tour durch Österreich, Deutschland, Schweiz und Luxemburg.

Am 8.4 gastierte die Broadway Company New York mit dem Musical HAIR in der Wiener Stadthalle.

Der „Spirit“ von Esoterik und „Make Love not War“ springt sofort auf die Zuschauer über. Noch bevor die Show begonnen hat, interagieren die Darsteller mit dem Publikum, und es ist klar, dass sie alle im Herzen Blumenkinder sind. So überrascht es auch nicht, dass der Hauptdarsteller Brett Travis, der den Berger verkörpert, mit seiner Frau und sechs weiteren Hippies in einer Wohngemeinschaft lebt oder Kendra Payne – Darstellerin, Regisseurin und Choreographin – am Woodstock Festivalgelände geheiratet hat. Wenn man selbst den Hippie-Traum in sich trägt, ist das natürlich die beste Voraussetzung für eine großartige Umsetzung dieses Musicals.

Für zwei Stunden werden die Zuschauer in eine bunte Show mit mitreißender, aber nicht immer jugendfreier Choreographie entführt. HAIR bietet auch tiefsinnige Momente – junge Menschen, die sich gegen den Krieg aussprechen, die Angst haben getötet zu werden, das Ausblenden der Realität und die Flucht in den Drogenrausch. Das Ensemble ist durchgängig mit starken Stimmen besetzt, allen voran Kendra Payne als Tribe, mit großer Bühnenpräsenz.
Brett Travis ist ein Berger, der provoziert und mit dem Publikum auch sehr viel agiert. Nick Anastasia als Claude berührt im 2.Akt, als er in den Krieg zieht, dort getötet wird und, für die anderen unsichtbar, zur Hippie Community zurückkehrt. Dies ist einer der bewegendsten Momente in der wilden Drogenexzess-Party. Die Songs wie „Aquarius", „Hair", Hare Krishna" und natürlich „Let the sunshine in" sind bis heute legendär.
Die Choreographie von Kendra Payne ist energiegeladen, das Bühnenbild mit einer flexiblen Stahlkonstruktion ist einfach aber ausreichend. Nicht nur die Darsteller, sondern auch die vierköpfige Band setzen den Hippiesound euphorisch um, und obwohl das Stück schon über 50 Jahre alt ist, hat es noch immer nichts an seiner Faszination verloren.

Kritik: Michaela Springer / Fotos: Frank-Serr-Showservice-Int.

28.02. 2018 - Wien

ALLES HALB SO SCHLIMM
mit Daniela Ziegler und Helmut Baumann

24. Februar 2018/ Komödie am Kai

Am 24. und 25. Februar gastierten Daniele Ziegler und Helmut Baumann mit ihrem Programm „Alles halb so schlimm! Alt sein für Anfänger“ in der Komödie am Kai. Das Programm bestand aus einer Lesung mit Musik und Tanz. Die Texte stammen von Lida Winiewicz. Die Musik wurde speziell für dieses Stück von Thomas Zaufke komponiert. Daniela Ziegler, bekannter TV Star, Musical- und Theaterschauspielerin („Evita“, „Sunset Boulevard“, „Sister Act“, „Elisabeth“ „Meisterklasse“ u.a.) und Musicallegende und ehemaliger Intendant des Theaters des Westens in Berlin, Helmut Baumann, wählten eine intime Atmosphäre für ihre Darbietung. Am Klavier wurden die beiden von Nikolai Orloff begleitet.

Die Rahmenstory ist schnell erzählt. Ein Mann und eine Frau treffen sich nach Jahrzehnten wieder. Erkennbar gealtert, haben sich beide dennoch ihren jugendlichen Charme bewahrt und sind in der Seele jung geblieben. Das Seniorendasein wird in diesem Stück auf unterschiedlichste Weise beleuchtet: Mal heiter, amüsant, ironisch zugleich jedoch auch berührend. Selbst nachdenkliches wird mit einem gewissen Augenzwinkern präsentiert – eben alles „halb so schlimm“. Beobachtet man diese zwei Größen bei ihrer Darbietung, kann man dies auch nur bestätigen. Ihr Zusammenspiel ist harmonisch und mit einer Leichtigkeit, ihre starke Bühnenpräsenz und ihr aktiv lebensbejahendes Agieren macht nicht nur älteren Generationen Mut. Gerade im morbiden Wien sind die Themen Älterwerden und Tod sehr beliebt. Die Wiener haben bekanntlich einen ganz speziellen Zugang dazu. Obwohl das Thema eher trüb erscheint, schaffen die beiden einen gewissen Optimismus zu verbreiten, schließlich ist ja alles halb so schlimm.

Kritik: Michaela Springer / Fotos: DERDEHMELUrbschat

17.12. 2017 - Wien

"Ausgerechnet Weihnachten!"
Fritz Karl & Streichquartett Sonare Linz

13. Dezember 2017/ Theater Akzent

In der Adventszeit sind unter Künstlern weihnachtliche Lesungen äußerst beliebt. Ob besinnlich oder heiter, für jeden Geschmack ist etwas dabei. So war am 13. Dezember der beliebte Schauspieler Fritz Karl im Akzent Theater zu Gast und begeisterte sein Publikum mit einer seiner drei Lesungen unter dem Titel „Ausgerechnet Weihnachten!“. Dabei widmete er sich Literatur von Robert Gernhardt, Gert Heidenreich, Heinz Erhardt u.a..

Das Streichquartett Sonare Linz, bestehend aus Peter Gillmayr (1. Violine), Kathrin Lenzenweger (2. Violine), Christoph Lenz (Viola) und Judith Bik (Violoncello) sorgten mit Musik von Pachelbel bis Purcell und von Bach bis Jazz für klassische, volkstümliche aber auch moderne Klänge und für eine entspannte und auch besinnliche Atmosphäre.

Beschwingt, beziehungsweise mit einem Sprung auf die Bühne und den Worten „Fangen wir an“, begann Fritz Karl das Programm, und das Streicherquartett Sonare Linz brachte das Publikum  in weihnachtliche Stimmung.
Eine äußerst beliebte Weihnachtsgeschichte unter Künstlern ist „Die Falle“. Bei mehreren Lesungen steht diese oftmals in leicht abgeänderter Form am Programm. Und jeder findet dazu seinen eigenen Zugang – auch Fritz Karl.
Variationen alt bekannter Weihnachtslieder wechselten sich zwischen den Geschichten ab und lockerten so den Ablauf auf. Je später der Abend, desto heiterer wurde es. Das Publikum lachte in einem fort und brachte selbst den Schauspieler aus dem Konzept, sodass er sich selbst nicht mehr zurückhalten konnte und sich
dem Epizentrum des lautstarken Lachanfalls zuwandte, mit den Worten: „Ich weiß, wo sie sitzen“. Doch zu witzig waren die Geschichten „Die beliebtesten Weihnachtskrisen und die besten Anlässe zum Streit“, in denen die wichtigsten Probleme der Vor- und Nachweihnacht oder gar Lebenskrisen beschrieben werden, und wie man diese auch erfolgreich bekämpft.
Bei „Wie entwickelt man Mitgefühl mit Männern“ konnte sich so manche Besucherin nicht mehr mit  lautstarkem Lachen zurückhalten. Seitenhiebe vom Vortragenden, wie, dass sie schon sichtlich Erfahrung damit hätten, konnten so nicht ausbleiben. Aber wenn der Mann als armes Opfer der Weihnachtszeit dargestellt wird, überrumpelt von der Spezies Frau, die aktiv die Weihnachtszeit verbringt und er überfordert ist, bei ihrem nicht präzisen
Einkaufszettel (wie etwa etwas Schönes für irgendjemanden zu besorgen), hat das schon etwas für sich.
In der Geschichte über Streitigkeiten scheitert der Mann bereits mit seinem Daumen. Diesen sollte er eben nur für die Geschenkschnur zur Verfügung stellen, die Frau eine schöne Schleife binden könne. Aber der Streit ist vorprogrammiert, denn den richtigen Zeitpunkt des Fingerwegziehens ist naturgemäß nicht so leicht zu wählen. So schlittert der Mann, natürlich unverschuldet, in eine Krise. Der Schauspieler vermochte sich in die diversen Rollen perfekt hinein zu versetzen und brachte das Dargebotene stets lebendig und voller Leidenschaft.
Überaus amüsant geriet Karls „Die Typologie der Vanille Kipferl-Genießer“. Er erklärte, welche Art Genießer es gibt. Vor allem wie sie die süße Köstlichkeit genießen, wurde akustisch und optisch zum Highlight.

Fritz Karl bewies, dass die Adventszeit nicht immer nur besinnlich sein muss. Er vermochte es, mit seiner Auswahl an Weihnachtsgeschichten das Publikum in ein nicht enden wollendes Dauerlachen zu versetzen. Das Streichquartett Sonare Linz harmonierte zu den Geschichten mit einer gut ausgesuchten Liederauswahl.  Mit tobendem Applaus bedankten sich die Zuschauer für diesen unvergesslichen Abend.

Kritik: Michaela Springer / Foto: Laurent Ziegler

© Lukas Beck

10.12. 2017 - Wien

Heinz Marecek - EIN FEST DES LACHENS
7. Dezember 2017/ Theater Akzent

Weihnachten ist ein Fest der Freude, und Freude lacht – auch zu Weihnachten!

Schon zur jährlichen Tradition geworden, gehören die Lesungen von Prof. Heinz Marecek („SOKO Kitzbühel“, „Die Bergretter“). In EIN FEST DES LACHENS erfreut der gefeierte Publikumsliebling jedes Jahr in lustigen Adventlesungen seine ZuhörerInnen. Dabei zeigt er das Weihnachtsfest von seiner humoristischen Seite und hat dazu eine breite Sammlung an passenden Gedichten und Kurzgeschichten zur sonst so besinnlichen Zeit des Jahres zusammen getragen. Der Bogen spannt sich von Friedrich Torberg über Helmut Qualtinger, Christine Nöstlinger, Alfred Polgar bis bin zu Hugo Wiener - um nur einige zu nennen.

Da muss etwa eingefärbtes Sauerkraut als Lametta für den Christbaum herhalten.
Ein junges, verliebtes Paar bringt große Opfer, um einem geliebten Menschen eine große Weihnachtsfreude zu bereiten.
Eine Familie sperrt sich tagelang im Wohnzimmer ein, um sich vor dem Weihnachtsgeschenk, einem kleinen Dackel, zu retten.
Wie singt man den Klassiker „Stille Nacht“ richtig und vermeidet Fehler? Ansonsten kann es leicht passieren, dass der Heilige Abend zum Desaster wird.
Aber man kann auch den Weihnachtsabend bzw. die Nacht im Auto eingesperrt mit Bekannten verbringen. Ein Streit ist hier praktisch vorprogrammiert, wie es Hugo Wiener amüsant selbst erlebt hat.
Marecek hatte jedoch auch besinnliches und nachdenkliches in sein Programm aufgenommen, sodass für jeden Geschmack etwas dabei war.

Heinz Marecek vermochte so, auf seine unverkennbar leichte und lockere Art, seinem Publikum den Vor-Weihnachtsstress zu nehmen und für einen Abend die Festlichkeiten von der heiteren Seite zu betrachten. Dass auf der Bühne lediglich ein kleiner, mickriger Christbaum stand, fiel niemandem sonderlich auf. Die Zuschauer lauschten gespannt und fast andächtig seinen Worten und dankten ihm am Ende mit lang anhaltendem Applaus. Der gemütlich, fast familiäre Rahmen des Theater Akzent war zudem wie geschaffen für diese Veranstaltung.

Kritik: Michaela Springer

Foto © Lukas Beck

09.12. 2017 - Wien                        

Ein Abend im Advent

Lesung von Peter Simonischek

musikalische Gestaltung - Ramesch&Rosen und Auersthaler Adventbläser

Am 6.12 fand unter dem Titel EIN ABEND IM ADVENT eine Lesung von Peter Simonischek im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses statt. Für die musikalische Gestaltung des ruhig stimmenden und besinnlichen Nikolo-Abend zeigten sich Ramsch&Rosen sowie die Auersthaler Adventbläser verantwortlich.
Für diese Lesung bedurfte es keiner großen Bühnenrequisiten. Adventkranz und einige extra Kerzen reichten aus, um eine vorweihnachtliche Atmosphäre zu schaffen. Im Vordergrund stand ohnehin der charismatische Schauspieler Peter  Simonischek, der mit seiner ausdrucksstarken Stimme sein Publikum von Beginn an sich binden konnte. Gebannt lauschten die Zuschauer seinen Worten. Nur einmal wurde diese Stille durch ein Handyläuten unterbrochen. Souverän unterbrach der Künstler die Lesung und beruhigte die ältere Dame, welche verzweifelt ihr Handy ausschalten wollte.

Es standen Klassiker von Peter Rosegger, Heinrich Böll, Erich Kästner, Hans Köpfer oder Trude Marsik auf dem Programm. Aber auch weniger geläufige Geschichten und Gedichte erfreuten das Publikum. Es gab Nachdenkliches und Heiteres, Vergangenes und Modernes.
Mit lebhafter und zugleich einfühlsamer Stimme vorgetragen, fühlte man „Ums Vaterwort" mit dem kleinen Peter Rosegger mit, der sich im Uhrkasten versteckte, um sich der Strafe des Vaters zu entziehen, da ihm sein kindlicher Drang bewogen hat, das Kreuz zu zerlegen, was er nun aber nicht mehr in Stand setzen konnte.
In der „Stille Nacht Probe" zeigte Peter Simonischek auch sein Talent als Sänger und Gitarrist, denn „Stille Nacht“ ist gar nicht so einfach zu singen und beinhaltet so einige Tücken, sodass man bei Missachtung das ganze Weihnachtsfest kippen könnte.
Heitere Geschichten „Wie man zum Engel wird", wo ein kleiner Bub beim Krippenspiel als Wirt, Maria und Josef stets Einlass gewehrt und so die ganze Schülerschauspielgruppe zur Verzweiflung bringt, oder „Die Falle", in der sich verkleidete Studenten als Weihnachtsmänner, Knecht Ruprecht und Nikolaus und Engel Gabriel nicht wegschicken lassen und so einen reichen Hausherren ebenfalls zur Verzweiflung bringen, brachten das Publikum zum Lachen.

In der angenehmen Atmosphäre und bei Kerzenschein gelang es dem jungen Musiker-Duo Ramsch&Rosen mit Geige, Zither und Trompete, mit hauptsächlich traditionellen Liedern aus Österreich, das Publikum in die richtige Weihnachtsstimmung zu versetzen – und das trotz der teils selbst arrangierten Stücke.
In der heutigen Zeit, voller Hektik und Konsumrausch konnte man für zwei Stunden dem ganzen Trubel entfliehen und wurde auf eine äußerst angenehme Art „entschleunigt“. Peter Simonischek verstand es, durch sein charismatisch-sympathisches Auftreten und seine wandlungsfähige Stimme das Publikum zu begeistern und auf den Heiligen Abend vorzubereiten.

Kritik: Michaela Springer

02.12. 2017 - Wien

MUSICAL CHRISTMAS
Weihnachtslieder in der Burg Perchtoldsdorf am 26.11.2017

Den Auftakt zu den vorweihnachtlichen Shows bildeten am 26.11. in Perchtoldsdorf vier bekannte MusicaldarstellerInnen mit dem Titel MUSICAL CHRISTMAS. Im neuen Burgsaal versetzten Ann Mandrella, Jana Werner, Aris Sas, und Peter Lesiak das Publikum in weihnachtliche Stimmung. Peter Lisak war für den erkrankten Dean Welterlen eingesprungen, der eine SMS-Botschaft an das Publikum hinterließ.

Am Klavier begleitend und durch den Abend führend, saß Walter Lochmann. Dass er nicht nur ein genialer Musiker und Komponist ist, wird vielen bekannt sein. Hier zeigte er auch sein Talent als Conférencier. Mal heiter, mal berührend, dann wieder nachdenklich stimmend führte er durch das Programm.
Nicht nur bekannte Weihnachtslieder wurden vorgetragen, sondern jeder Darsteller las eine, zu dieser Zeit passende, Geschichte. Den Anfang machte Ann Mandrella mit Loriots „Advent“, eine etwas makabere Erzählung über eine mordende Ehefrau. Zwischen den Blöcken befragte Walter Lochmann die Darsteller, die sich schon aus etlichen Produktionen kennen, nach ihren persönlichen Weihnachtsfesten. So erzählte etwa Aris Sas von seiner Zeit als Sängerknabe, wo Weihnachten Arbeit bedeutete. Ann Mandrella, selbst 2-fache Mutter, kennt die französische Tradition, welche sie ihren Kindern weitergeben möchte, und da sie bekanntlich mit einem Amerikaner verheiratet ist, geht Weihnachten am 25.12 weiter.
Peter Lesiak, gebürtiger Kärntner, fährt am 23.12 nach Hause. Familie sei gleichzusetzen mit einer Almhütte- eine Flucht von der Großstadt sozusagen.
Ein Highlight des Abends war Jana Werner, die mit ihrer kleinen Tochter „Schneeflöcken“ sang. In ihrer süßen Art verzauberte das kleine Mädchen das Publikum.
Auch die Zuschauer mussten seinen Beitrag zum Programm beisteuern. Mit „5 Ringe“ wurde es auf Gesang- und Aufmerksamtauglichkeit geprüft und zum Mitmachen animiert. Auch wenn die meisten voll und ganz bei der Sache waren, viele musikalische Talente waren nicht auszumachen.

Die vier Protagonisten incl. Walter Lochmann vermochten in der fast intimen Atmosphäre des Burgsaals die Anwesenden bereits Ende November in die richtige Weihnachtsstimmung zu versetzen. Das Programm bestand aus einer idealen Mischung von gelesenem, gesungenem und persönlichem. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Abend zur Tradition in Perchtoldsdorf wird.

Kritik: Michaela Springer / Fotos: Wolfgang Springer

24.11. 2017 - Wien

Peter Simonischek liest aus Thomas Bernhard´s
MEINE PREISE
22. November 2017/ MuTh

Am 22. November 2017 fand im MuTh die Lesung „Meine Preise“ mit dem charismatischen Ausnahmekünstler Peter SIMONISCHEK statt. „Meine Preise“ sind die autobiographischen Texte von Thomas Bernhard, welche er 1980 zu vier Preisverleihungen verfasste.

Eröffnet wurde der Abend mit einem Menuett von Franz Schubert. Am Klavier Christoph TRAXLER und am Violoncello Franz BARTOLOMEY.
„Der österreichische Staatspreis für Literatur“ bildete anschließend den ersten Block aus Bernhards Buch. Die Geschichte erzählt auf ironisch, humoristische Art und Weise Bernhards Erinnerungen um und bei dieser Preisverleihung. Wie sein Bruder ohne sein Wissen seinen „Frost“ eingereicht hatte und als welche große Demütigung er es empfand, als Ende 30-jähriger den kleinen Staatspreis zu bekommen, der eigentlich für 20-jährige vorgesehen ist. Wochenlang ging er mit diesem Bauchgefühl der Demütigung umher. Nur die dotierte Summe von 25.000 Schilling, die er wegen seiner Schulden gut gebrauchen konnte, stimmten ihn ein wenig positiv. Immer zu musste er den Unterschied zwischen großem und kleinem Staatspreis erklären, was seinen Unmut nur steigert. Am Tag der Verleihung hatte er immer noch keine Dankesrede. Ihm fiel einfach nichts passendes ein. Der Minister gab eine Reihe von Fehlinformationen, so sei er Holländer, würde aber schon ein paar Jahre in Österreich leben. Zudem hätte er auch einen Südseeroman geschrieben. Das waren auch für Thomas Bernhard Neuigkeiten aus seinem Leben, von denen er vorher nichts wusste. So hielt er eine, aus seiner Sicht belanglose, Rede, bis der Minister empört mit hochrotem Kopf den Saal verließ. Es war ein Skandal, den Bernhard aber nicht so recht verstand. Die Zeitungen schrieben am nächsten Tag, er sei eine Wanze die entfernt gehöre.

Nach zwei musikalischen Einlagen von Johann Strauß, folgten die Gedanken zum „Anton Wildgans-Preis“. Dieser Preis war erneut mit 25.000 Schilling dotiert, und da er neue Fensterläden benötigte, nahm er er diesen auch an. Er war der Meinung, jeder Mensch solle Geld nehmen, wenn es ihm angeboten wird.
Dieser Preis sollte eine Woche nach dem Staatspreis verliehen werden und der Ehrengast wäre der Minister gewesen, der aber absagte, als er erfuhr, wer der Preisträger sei. So sagte die industrielle Vereinigung die gesamte Feierlichkeiten ab und schickten ihm die Urkunde und den Scheck per Post. Das war im Grunde im Sinne von Bernhard.
Bevor es in die Pause ging, gaben die beiden Musiker noch ein Stück von Franz Drdla und Fritz Kreisler´s Liebesfreud" zum Besten.

Nach der Pause folgte nach der musikaliachen Einleitung von Fritz Kreisler´s Liebesleid", Thomas Bernhard´s der „Grillparzer“ Preis.
Um 11 Uhr sollte dieser beginnen. Um 9:45 entschloss sich Bernhard einen Anzug bei Sir Anthony zu kaufen. Bis dahin war sein roter Pullover quasi sein Markenzeichen. So betrat er mit seiner Tante die Akademie und niemand nahm Notiz von ihm. Nach einiger Zeit nahmen sie eben dort Platz, wo noch frei war, in der 10 oder 11. Reihe. Die Feierlichkeiten konnten nicht beginnen, da der Preisträger nicht da war. Die zuständigen Personen wurden zunehmend nervöser, bis sie ihn im Publikum entdeckten und die Zeremonie konnte beginnen. Die Ministerin schnarchte vor sich hin, und nach 90 Minuten begann die Preisverleihung. Wieder wurden Schauspielstücke von ihm aufgezählt, die er nie geschrieben hatte. Er nahm den Preis mit den Worten „Danke“ und ging. Erst beim Essen mit Freunden wurde ihm bewusst, dass dieser Preis mit gar keinem Geld verbunden war.

Ein großeres musikalisches Intermezzo leitete den letzten Teil des Abends ein. Die Geschichte, welche Simonischek zum Abschluss vorlaus, war über den „Franz Theodor Csokor Preis“. Thomas Bernhard verachtete diese Auszeichnung mit der damit verbundenen Zeremonie der Verleihung. Er hasste die Preisgeber, nahm aber das Geld. Sein Credo war auch weiterhin, wer Geld anbietet, dem soll es auch genommen werden. Schließlich waren die dotierten Preisgelder sehr gering.

„Meine Preise“ von Thomas Bernhard ist ein ungewöhnlich satirisches, bissiges und böses aber witziges Buch, welches erstmals in die wahre Seele, des an sich schwierigen und heftig umstrittenen, Thomas Bernhard´s blicken lässt. Dabei spart er auch nicht mit Selbstkritik. So hat man den Schriftsteller noch nie erlebt und eventuell wwerden viele, an diesem Abend, Anwesende ihn mit anderen Augen betrachten.
Petr SIMONISCHEK gelang es famos, Bernhard´s Texte mit seiner unverkennbaren und facettenreichen Stimme Leben einzuhauchen, sodass der Zuschauer gebannt und amüsiert seinen Worten lauschte. Aufgelockert mit wienerischer Musik, wunderbar interpretiert von Christoph TRAXLER (Klavier) und Franz BARTOLOMEY (Violoncello), wurde dem Publikum somit ein genussvoller und unvergesslichen Abend im MuTh geboten.

Kritik: Michaela Springer / Fotos: Wolfgang Springer

20.10. 2017 - Blindenmarkt

FRAU LUNA
Operettenzauber bei den Herbsttagen Blindenmarkt

Von "Luna – das Musical" zu "Frau Luna" in die Operettenwelt: Man könnte fast meinen, der Mond erfreut sich derzeit großer Beliebtheit in den beiden Genres. Und tatsächlich: Die Operette von Paul Lincke, die einst im Jahr 1899 Uraufführung in Berlin feierte, wird bei den Herbsttagen Blindenmarkt bejubelt. Auch ein aus dem Musicalbereich sehr bekanntes Gesicht war darin verstrickt: Gernot Kranner zeichnete nämlich nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern übernahm auch gleich die Rolle des Theophil, nachdem der für die Partie gedachte Willi Narowetz aus gesundheitlichen Gründen ausfiel. Frau Luna ist, besonders in dieser Inszenierung, eine Operette, die einen tollen Abend garantiert – ein Theaterabenteuer voll Witz, Charme, toller Kostüme und schöner Momente.

Die Story:
Drei Österreicher in Berlin – Fritz Stipschitz (Andreas Sauerzapf), Gustl Lamnek (Matthias Helm) und Willi Panigl (Robert Kolar) träumen groß davon, einmal zum Mond zu fliegen. Natürlich gibt es dafür einen selbstgebauten „Express-Ballon“ (der mit Luftballons seinem Namen alle Ehre macht). Mathilde Pusebach (Gabriele Schuchter), Zimmerherrin der Studenten und Berlinerin durch und durch (Berlinerisch inklusive), ist damit selbstverständlich nicht so glücklich – ihr wäre eine pünktlich gezahlte Miete lieber. Als Draufgabe sind Fritz und ihre Tochter Marie (Katrin Fuchs) auch noch verliebt. Dank des Ballonverkäufers (Peter Lodynski, herzerweichend und grandios in seiner Rolle) gibt es nun fast ausreichend Luftballons für den Start – und ein letzter, von Marie gebrachter Ballon in Herzform ermöglicht die Reise zum Mond, allerdings mit einem ungewollten Passagier, Mathilde. Am Mond wird zur gleichen Zeit eifrig geputzt, schließlich steht eine totale Mondfinsternis zu Vollmondzeit bevor. Theophil (Gernot Kranner), seines Zeichens erster Mondbeamter, leitet die Putzgarde und versucht – so ziemlich vergeblich – sich Stella (Heidi Manser), die ihn verehrt, vom Leib zu halten. Noch immer erinnert er sich nämlich an sein „Mathildchen“ zurück, mit dem er die letzte Mondfinsternisnacht – schließlich die einzige, wo alle am Mond frei haben – verbracht hat. Den Ausflug hat er Prinz Sternschnuppe (Thomas Weinhappel) zu verdanken, der ihm damals den Schlüssel zu seinem Stratosphärenkreuzer gab. Der gute, etwas selbstverliebte Prinz vergisst allerdings laufend, von welchem Schlüssel, bzw. Schlüsselloch der gute Theophil denn redet und es kommt zu Worten wie „Stratosphärenkreuzerzündschlossschlüsselloch“, die einfach nur herrlich sind und in den verschiedensten Varianten das Publikum zum Lachen bringen. Prinz Sternschnuppe möchte allerdings nicht nur am Mond, sondern insbesondere bei Frau Luna (Martha Hirschmann) landen. Sie ist die wunderschöne, strahlende Herrscherin des Mondes, nachdem der Mann im Mond, ihr Vater, unter mysteriösen Umständen bei der letzten Mondfinsternis verschwunden ist und nicht mehr wiedergefunden werden konnte. Zu allem Überfluss kommen jetzt auch noch die vier Erdlinge an und versetzen die Truppe am Mond in helle Aufregung. Wird Frau Luna endlich ihrem Prinz Sternschnuppe verfallen, bekommt Marie ihren Fritz wieder, erkennen sich Theophil und seine Mathilde nach zwanzig Jahren noch und kann der Mann im Mond vielleicht doch wiedergefunden werden?

Die Herbsttage Blindenmarkt präsentieren mit "Frau Luna" eine Operette, die ihrem Genre alle Ehre verschafft: Lustig, mit einer wunderschönen Botschaft dahinter und natürlich mit allerlei politischen Gags, die optimal in die Zeit rund um die Wahl passen. Die Kostüme sind großartig, bunt und voller Glitzer, die SängerInnen grandios in ihren Rollen und das Ensemble eine Wucht – es hilft nichts, man muss bei der „Berliner Luft“ einfach nach kürzester Zeit mitsingen. Besonders stechen natürlich Martha Hirschmann und Thomas Weinhappel stimmlich hervor und bieten einen musikalischen Höhepunkt nach dem anderen, aber es ist schwer, nur einzelne Namen zu nennen, da sich alle auf der Bühne befindlichen Protagonisten ein großes Lob verdienen. Auch Thomas Weinhappel, mittlerweile sehr gefragt in der Operettenszene, hat eine musicalische Verbindung – schließlich war er schon beim „Musical meets Opera“ zu „Mozart!“ auf der Bühne des Raimund Theaters in Wien u.a. im Duett mit Oedo Kuipers zu bestaunen. Die Herbsttage Blindenmarkt und natürlich besonders Stücke unter der Regie von Gernot Kranner sind also wärmstens weiterzuempfehlen und auch MusicalliebhaberInnen ans Herz zu legen!

 Kritik: Madeleine Weiss / Fotos: Lukas Beck

04.10. 2017 - Expedithalle Wien

LUNA - Das Musical
Die Weltpremiere des Rory Six Musicals

Achtung! Dieser Artikel enthält Spoiler

In strahlend rosa Licht ist die Expedithalle in Wien getaucht, die Bühne auch seitlich mit Stühlen umstellt. „Die Theaterwelt braucht neue Musicals und ich hoffe, dass Luna einen Beitrag dazu leisten kann“, so sagte Autor und Komponist Rory Six, der gemeinsam mit Lorna Dawson, die neben ihm für Regie, Staging und Choreographie verantwortlich zeichnet und Manuela Wieninger als Co-Regisseurin und Assistentin sein Musical auf die Bühne brachte. Heute, nach der umjubelten Welturaufführung ist eines gewiss: Ja, Luna kann einen Beitrag dazu leisten – und was für einen. Kaum ein anderes Musical behandelt so viele aktuelle Themen auf solche berührende und bezaubernde Art und Weise, wie das Musical über das Kind des Mondes.
Der Mond lebt einsam und wacht über die Menschen, denen er Trost und Licht bei Nacht spendet. Auf der Erde ist dafür Prinz Alvar (Rory Six) todunglücklich: Sein jüngerer Bruder Prinz Finn (Vincent Bueno) und er genießen unter ihrer Mutter, der Königin Hilla (Katja Berg), kein schönes Leben und Selbstbestimmung hinsichtlich der Liebe ist gänzlich tabu. Die Eltern wählen den Ehepartner und so soll Prinz Finn auch mit Nora (Ulrike Figgener), seiner großen Liebe, Schluss machen. Dies tut er zwar, doch nicht wirklich, denn schon bald arbeitet sie – wenn auch etwas tollpatschig – am Hof und ist für das Kristall verantwortlich. Bei Vollmond, wie es die Tradition will, soll Alvar heiraten und die ideale Heiratskandidatin ist mit Prinzessin Berit (Roberta Valentini), die aber gleichzeitig die beste Freundin Alvars ist, gefunden – zumindest aus der Sicht von Hilla. Alvar nämlich hatte ein ganz anderes Erlebnis und ist Hals über Kopf in Isthar, den Mond (Cale Kalay), verliebt. Er traf ihn am See, als er dort tanzte, und die Begegnung löste in beiden unheimlich starke Gefühle und Sehnsüchte aus, egal, ob sie nun aus zwei verschiedenen Welten stammen, oder nicht. Liebe kennt schließlich keine Grenzen. Alvar hat keine Wahl und es kommt zur Hochzeit mit Berit. Auch sie hat eine Verbindung zum Mond; so träumte sie nächtelang davon, dass sie von ihm auserwählt worden sei, sein Kind zu gebären. Plötzlich ist Isthar für beide verschwunden und Alvar und Berit führen alles andere als eine glückliche Ehe. Nora wird schwanger und ergreift das Wort, als Hilla dies als Fehler bezeichnet, den man korrigieren könne. Auch der Königin wird langsam klar, dass es beängstigend ist, wenn man seine eigenen Kinder nicht kennt, doch sie selbst bleibt dem treu, was ihr gelehrt wurde und was das Land verlangt. Endlich sehen Alvar und Isthar einander wieder und der erstgeborene Prinz verspricht dem Mond, mit Berit zu reden. Dies tut er auch und gibt zu bedenken, dass wer ein Schloss aus Wolken baut, nicht bedacht hat, dass diese ja aus Wasser sind und mit einem Mal verschwunden sein können. Berit aber zeigt Verständnis für ihren besten Freund und kontert damit, dass es aber auch bedeutet, dass man die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Sie will die Welt Isthars sogar kennenlernen und Alvar nimmt sie dorthin mit. Überrascht stellt sie fest, den Mond ja aus ihren Träumen schon zu kennen und als sie ob des Glücks, das Alvar und Isthar ausstrahlen, erkennt, wie alleine sie ist, versichert ihr der Mond, dass dies nicht wahr ist. Tatsächlich trägt Berit Luna, das Kind des Mondes, unter ihrem Herzen. Hilla ist verzückt, als sie erfährt, dass das Erbe gesichert ist und will aber nicht auf den Wunsch der werdenden Eltern eingehen, die Ehe aufzulösen. Berit bringt das Mondmädchen Luna zur Welt, doch verliert bei der Geburt zu viel Blut und wird vom Mond selbst auf die andere Seite geführt, als sie verstirbt. Auch wenn seine Mutter dies natürlich verhindern möchte, besteht Alvar darauf, Luna gemeinsam mit Isthar großzuziehen und verlässt den Königshof. Prinz Finn wird folglich neuer König und Hilla schafft es nach dem Fortgehen ihres älteren Sohnes endlich, auch Nora, Finn und ihr Enkelkind in den Arm zu nehmen.
Abgesehen davon, dass die Musik von einem Ohrwurm zum nächsten führt und die Cast erstklassig gewählt ist, konnte wohl kein passenderes Spieldatum gewählt werden – so war am 5.10.2017 ja Vollmondtag und als man die Premiere verlässt, sieht man den nahenden Vollmond schon mit ganz anderen Augen. Die Geschichte trifft den Zeitgeist: Noch oft genug sehen sich Homosexuelle mit den Vorwürfen konfrontiert, es sei „eine Phase“ oder „eine Krankheit, die heilbar ist“. Diese Rolle übernimmt im Stück Königin Hilla, komplett konträr zu Prinzessin Berit, die als beste Freundin fungiert und Prinz Alvar glücklich sehen möchte, und auch zu Prinz Finn, der immer hinter seinem älteren Bruder steht. Gleichzeitig zu dem wunderschönen Märchen, das mit Kleinigkeiten so besonders umgesetzt wurde (in den Laternen zeigen beispielsweise ein Schloss oder ein Segelboot, wo man sich gerade befindet; der Mond ist einfach eine Stufe über den Menschen, ...) ist es gerade die Aktualität der Geschichte, die weder nach einem aufwändigen Bühnenbild, noch nach pompösen Kostümen verlangt. Natürlich steht auch das Thema, dass Isthar und Alvar als homosexuelles Paar ein Kind großziehen, aber das mit Liebe tun, im Mittelpunkt. Auch, dass in Königshäusern – und nicht nur dort – viel zu oft darüber entschieden wird, wer wen zu lieben hat und dass die Menschen es sich manchmal nicht selbst aussuchen können und dürfen und dass jede/r ihres/seines eigenen Glückes Schmied sein sollte, sind Themen des Musicals. Luna rührt wie selten ein Stück zu Tränen und geht tief unter die Haut und mitten ins Herz und das Publikum würdigt das auch mit gebührendem Jubel. Was die Cast, der Chor und die Tänzer abliefern, ist Qualität auf höchster Stufe – sei es Gesang, sei es Verinnerlichung der Rolle, oder seien es, und sie müssen erwähnt werden, Cale Kalays unglaubliche tänzerische Darbietungen. Rory Six hatte schon selbst gesagt, sich niemanden Besseren für die Rolle vorstellen zu können und damit hat er wohl recht behalten, denn Cale schwebt über die Bühne und zeigt ein Tanzniveau, dass nicht nur Alvar in seinen Bann zieht. Bei so viel Nachdenklichkeit und Schönheit fließen Tränen im Publikum und es bleibt sehr zu hoffen, dass Lunas Geschichte in die Welt hinausgeht und viele Menschen berührt und verzaubert.


 

 

„Warum darf ich nicht glücklich sein? Nur, weil du es nicht bist? Das wäre nicht fair.“
Prinz Finn zu seiner Mutter, der Königin

 

Kritik und Fotos: Madeleine Weiss


15.09. 2017 - Haus der Musik, Wien

Gernot Kranner:
Mogli und das Dschungelbuch
Das Mitsing-Musical für Kinder

Zahlreiche Kinder ab dem Alter von vier Jahren erlebten gemeinsam mit ihren Eltern und/oder Großeltern am Freitag, den 15. September 2017 ein spannendes Abenteuer im Wiener Haus der Musik. Die jungen und alten Zuschauer tauchten gemeinsam in die Geschichte „Mogli und das Dschungelbuch“ ein.

Die Geschichte des kleinen Dschungelhelden Mogli - im Originalen von Rudyard Kipling - von und mit Gernot Kranner feierte am Freitag Premiere. Für die zahlreiche Ohrwurm-Musik sorgte Walter Lochmann. Mit dem Song „Mogli, der kleine Frosch“ konnte Gernot die Kinder sofort in seinen Bann ziehen und begeistern. Mit den Fragen, welche Geräusche denn die Tiere des Dschungels machen, behielt der Musical-Star die Aufmerksamkeit der Kinder dauerhaft bei sich. Im Laufe der zu schnell vergangenen 45 Minuten lernten Groß und Klein die Gesetze und Regeln des Dschungels kennen und wie wichtig es ist, sich daran zu halten. Zur Krönung des tollen Nachmittags fand im Anschluss eine kleine Premierenfeier mit Knabbereien und Getränken statt. Nach zirka 1 ½ Stunden Aufregung verließen dann alle glücklich das Dachgeschoss und gingen wieder ihrer Wege – in Gedanken bestimmt noch ganz im Dschungelbuch.

Interessiert es dich, dieses Abenteuer mit deinen Kindern auch zu erleben?
Am 4. November 2017 wird es abermals im Haus der Musik gezeigt. Ein echtes Erlebnis für Kindergartenkind, Eltern und Oma/Opa und absolut empfehlenswert – eine Erinnerung für immer und ein Besuch, den man keinesfalls bereut!

Kritik: Judith Srb / Fotos: Barbara Pálffy

08.08. 2017 - Lehár-Festival Bad Ischl

SAISON IN SALZBURG
Gernot Kranner erfreut Bad Ischl
mit seiner Inszenierung der Revue Operette

Zum ersten Mal in der Geschichte des Lehár Festivals Bad Ischl steht die Revueoperette „Saison in Salzburg“ am Programm – und wer sich nun fragt, was das denn mit Musical am Hut hätte, für den haben wir gleich mehrere Antworten parat! Auch die Operetten zählen, wie das Musical, zum musikalischen Unterhaltungstheater und in diesem Fall sind gleich zwei aus dem Musicalgenre bekannte Gesichter involviert. So zeichnet nämlich kein Geringerer als Gernot Kranner für Regie und Lichtdesign verantwortlich und Rita Sereinig fungiert als Choreographin – und da die Revueoperette laut Regisseur Andreas Gergen ja auch die Grundlage für das Rainhard Fendrich Musical „I am from Austria“, das am 16. September 2017 im Raimund Theater in Wien Weltpremiere feiern wird, bildet, ist es wohl so, dass nicht immer ganz scharfe Grenzen zwischen den Genres gezogen werden müssen – Gott sei Dank! So hörte man auch bei den „Musical meets Opera“-Events oder beim „Budapester Neujahrskonzert“ mit Marjan Shaki und Mark Seibert mehrmals den Wunsch der Darsteller, die Bereiche „Musical“, „Operette“ und „Oper“ nicht, wie es leider zu oft passiert, als nicht verknüpfbare Genres zu sehen.

Mit „Saison in Salzburg“ ist Fred Raymond ein Stück gelungen, das es einfach vermag, mit Kuddelmuddel rund um Vroni und Toni für Stimmung und Turbulenz zu sorgen und einen Abend voll Freude und Lacher garantiert. In Handlung und Musik stellt die musikalische Revue eindeutig ein wundervolles Pendant zu „Im weißen Rössl“ dar.

Inhalt:
Das Hotel „Zum Salzburger Nockerl“ wird versteigert – und da sich der Rennfahrer Frank Rex Hals über Kopf in Steffi Oberfellner verliebt, ersteigert er es. Natürlich gibt er sich nicht als prominenter Star zu erkennen, sondern lässt seinen Freund, Friedrich Wilhelm Knopp, seines Zeichens Mechaniker, das Hotel ersteigern. Damit durchkreuzt er allerdings die perfekten Pläne von Vroni Staudinger, ehemalige Mehlspeisköchin im „Mirabell“, geführt von Alois Hintermoser und grandiose Salzburger-Nockerl-Macherin, und ihrem Liebsten, Toni Haberl, der ihr als Kellner zur Seite stand. Die beiden ersteigern durch unglückliche Umstände den Gasthof „Zum Blauen Enzian“, total heruntergekommen und scheinbar wertlos. Erika Dahlmann, Tochter von Christian Dahlmann, der Inhaber einer Autoreifenfabrik ist, soll sich Frank Rex angeln, um das Unternehmen zu sanieren, doch da wäre noch Max Liebling, ein Parfumfabrikant aus der Schweiz... Zu allem Durcheinander und den Streitereien zwischen den Paaren, die im Laufe der Zeit entstehen, kommt aber noch Olga Rex, Inhaberin der Rex-Autofabrik und Tante von Frank, ins Spiel. Das Chaos ist perfekt, ein heiß umkämpftes Salzburger Nockerl Rezept wird verzweifelt gesucht und es gilt, die Paare zu versöhnen... wird dies gelingen?

Mit der Inszenierung ist Gernot Kranner wahrlich eine witzige und hoch qualitative Show gelungen. Die Kostüme, typisch so, wie man sie sich in Österreich vorstellt, lassen die Tracht und die Tradition aufleben, die Choreographie ist lebhaft und Bewegung durch den Saal herrscht auch, da die DarstellerInnen mehrmals durch das Publikum kommen oder um den Orchestergraben tanzen. Für Lacher ist gesorgt: So kommt Frank Rex beispielsweise im „Rennfahrer-Stil“ mit einem alten Puch und, da er inkognito bleiben möchte, als Frau verkleidet. Mit dem von ihm gesagten Satz „I am what I am“ ist natürlich eine deutliche Musical-Anspielung („La Cage aux Folles“) da und es lassen sich, wenn man genau hinschaut, auch versteckte „Tanz der Vampire“-Elemente entdecken, die genial eingefädelt sind. Wie die Figur des Max Liebling mit mehreren Wortspielen hinsichtlich seines Nachnamens angelegt ist, ist grandios und speziell die Momente der Versteigerung trainieren die Lachmuskeln mit Nachdruck. Musikalisch sind natürlich insbesondere die bekannten Highlights wie „Salzburger Nockerln“, „Wenn der Toni mit der Vroni und die Vroni mit dem Toni“ oder „Der Großpapa von Großmama“ zu erwähnen – Lieder, die man vielleicht schon einmal wo gehört hat und die absolut ins Ohr gehen.

Die Besetzung ist wunderbar gewählt und lässt keinerlei Glanz und musikalischen Ohrenschmaus vermissen: Monika Rebholz gibt die Stefanie Oberfellner sehr hingebungsvoll, Alois Walchshofer spielt den Alois Hintermoser herrlich geizig, Theresa Grabner brilliert als Vroni Staudinger mit grandioser Darbietung und bezaubernder Stimme, Adelheid Brandstetter zeigt Wandlungskunst als Erika Dahlmann, Paul Schmitzberger spielt den verzweifelten Christian Dahlmann mit Knalltrauma, Alexander Kaimbacher gibt den Rennfahrer Frank Rex mit allen Höhen und Tiefen und gesanglich absolut top, Uschi Plautz ist die perfekte russische Olga Rex, Thomas Zisterer spielt den Toni Haberl unfassbar authentisch, Roman Martin als Friedrich Wilhelm Knopp zeigt nicht nur gesanglich, sondern auch tänzerisch eine fabelhafte Leistung und August Schram als der Parfumfabrikant Max Liebling aus der Schweiz bringt mit seinem Schweizer Akzent alle zum Schmunzeln.

Und das Resümee? Nun, man sollte sich auch als Musicalbesucher durchaus einmal an eine Operette herantrauen und gerade Revueoperetten wie diese bieten ein ganz besonderes Entertainment im musikalischen Unterhaltungstheater. Bravo, diese Art von Kuddelmuddel lieben wir besonders!

Kritik: Madeleine Weiss / Fotos: Foto Hofer

30.07. 2017 - Sommerspiele Melk

BIRDLAND
Die etwas andere Vogelhochzeit

Die Sommerspiele Melk sind schon seit einiger Zeit fixer Bestandteil des Theaterfests Niederösterreich und erfreuen sich großer Beliebtheit. Dazu trägt auf jeden Fall die überdachte und somit wetterfeste Spielstätte (das Publikum erwartete sogar Sitzkissen) bei und der Bühnenhintergrund – das wunderschöne Stift Melk – bei. Auch dieses Jahr wurde neben einem Schauspiel („Bartholomäusnacht“) eine Musikrevue mit dem Titel „Birdland – Das Glück is a Vogerl“ (von Andy Hallwaxx, Regie: Josef Maria Krasanovsky) gebracht. Vermutlich ging man zu dieser eher weniger wegen des doch sehr phantasievollen und etwas undurchsichtigen Inhalts, als wegen einer Zusammenstellung von Musiknummern, die es in sich hat und unterschiedliche Stile von Rock, Metal, Neue Deutsche Welle, Austropop, Musical, Pop… vereinte. Knapp über 56 Titel wurden in die Handlung integriert und da es sich um eine Musikrevue handelte, werden den ganzen Abend auch keine Dialoge gesprochen. Für die DarstellerInnen aus mehreren Gründen eine sehr große Herausforderung, da durchgehend gesungen und getanzt wurde (Gisela Elisa Heredia sorgte für die Choreo, die zeitweise einem ordentlichen work-out glich) und die Kostüme auch nicht unbedingt sommerfreundlich waren (Julia Klug und Nina Holzapfel zauberten einerseits rockige Outfits, die den ersten Teil dominierten, andererseits phantasievolle Vogelkostüme, sogar mit Krallenhandschuhen, die vor allem dank der Flügel bei dem ein oder anderen den Schweiß sicher in Strömen fließen ließ). Daniel Sommergrubers Bühnenbild bestand aus verschiebbaren Teilen, die mit 100erten von Plastikflaschen dekoriert waren. Einfach, aber wirksam, da diese das Lichtdesign (Dietrich Körner) perfekt wiedergaben. Bernhard Sodek (Soundesign) sorgte für einen stimmigen Klang, man kam sich wie in einem Konzert vor, bei dem aber alles fast zu 100% perfekt aufeinander abgestimmt war. Vielleicht das ein oder andere Mikro zu leise, aber das ist eine kleine Kritik auf höchstem Niveau. 

Den Inhalt sollte man sich vorher durchlesen (ein sehr umfangreiches und günstiges Programmheft verschaffte einen Überblick), wenn man über die Charaktere Bescheid wissen wollte oder man ließ sich überraschen und einfach mitnehmen ins … Birdland.

Erster Handlungsort ist der Olymp, wo Hermes, der Gott der Magie unabsichtlich ein Wachtelei, die Lieblingsdelikatesse von Zeus kaputtmacht. Hermes soll für Ersatz sorgen. Er sucht sich aber lieber einen irdischen Diener – Rocky, dem er für seine Dienste Geld gibt. Im Musikclub „Birdland“, dem Vorhof ins Reich der Vögel wird das Tor zum eigentlichen Reich geöffnet. Rocky und Hermes gelangen aber nur an die Grenze von Wolkenkuckucksheim und werden dort erst nach Fürsprache der Nachtigall eingelassen. Diese verliebt sich in Rocky und Zeus freut sich, da er denkt so leichtes Spiel zu haben. Als Rocky und Hermes Eier stehlen wollen, werden sie erwischt und hinausgeworfen. Rocky kommt wieder, die Nachtigall macht ihn aber mit dem Wiedehopf eifersüchtig. Zeus will endlich seine Eier und schickt Hermes den Auftrag endgültig zu erledigen. Die Nachtigall ist schwanger und alle freuen sich über den Familienzuwachs. Hermes wird beim Diebstahl wieder erwischt. Rockys Ansprache für den Frieden macht Eindruck und er wird König, bekommt Flügel verliehen und lernt fliegen. Zu den Feierlichkeiten stößt der als Adler verkleidete Zeus und will die Eier selbst stehlen. Er wird samt Hermes überwältigt und in einen Käfig gesperrt, doch zuvor hat er noch die Nachtigall um ihre Flügel beraubt, diese ist nun dem Tod geweiht. Rocky beschließt Mensch zu bleiben, spendet seine Flügel seiner Liebe und kann sie retten. Happy End für alle, das in einer „Vogelhochzeit“ endet.

Die SängerInnen dieser Show waren: Georg Leskovich, Cornelia Mooswalder, Eleftherios Chladt, Dagmar Bernhard, Thomas Dapoz, Sigrid Brandstetter, Peter Groißböck, Ulrike Hallas und Nina Schlöglhofer. Bis auf einen (Leskovich) verkörperten alle im Lauf des Abends mehrere Rollen und alle konnten dank der wirklich vielfältigen Songauswahl zeigen, dass sie stimmlich in mehreren Genres überzeugen können. Im ersten Teil waren alle i wilden Rock/Punkoutfits mit Nieten, Stacheln und Totenköpfen unterwegs. Chladt als megacooler Zeus gab mit „I love Rock’n’Roll“ Gas und Schlöglhofer überzeugte bei „Venus“ mit toller Stimme. Hallas sah sich bei „Holding out for a hero“ nach einem Wiederbeschaffer für Eier um und sorgte trotz nicht vorhandener Außenkälte für Gänsehaut. Rocky alias Leskovich präsentierte sich mit angenehm tiefer Stimme mit „Grüß euch Gott, alle miteinander“ und träumte „Wenn ich einmal reich wär“. Sehr schräg „Die Gelse“ von Ludwig Hirsch, bei dem Rocky seine Frau Ursula (die nur Schafe zählen konnte) statt der Gelse umbrachte und in der Mülltonne entsorgte. Im Musikclub lieferte Mooswalder eine tolle Showeinlage von „Big Spender“. Eine Megapräsenz strahlte Groißböck als Wiedehopf (was für ein extravagantes Outfit!) aus und machte mit seinem leicht abgewandelten Hit aus der „Rocky Horror Show“ „Sweet Transbirdie“ auf sich aufmerksam, dass man gar nicht den Blick von ihm wenden konnte. Bei „They don’t care about us“ hatte Bernhard die Leadstimme und es wurde sehr eindrucksvoll demonstriert, wie sauer die Vögel sein können, wenn man sie schlecht behandelt. Auch den Rolling Stones wurde mit „Satisfaction“ (Chladt) und „You can’t always get what you want“ (Dapoz) gehuldigt. Partystimmung kam bei „We are family“ auf, das in ein aufgebrachtes „War“ überging. Songtechnisch schön gelöst war die Szene, als Rocky fliegen lernte. Von „Learning to fly“ über „Fly away“ und „I believe I can fly“ war alles dabei. Heiße moves gab es von Chladt bei „I’m too sexy“ und bei „Sunday bloody Sunday“ machte Brandstätter ihrem Ärger Luft. Ambros‘ „A Mensch mecht I bleibn‘“ war von Leskovich auch vertreten und bei „Another part of me“ schlüpften drei Küken (SchülerInnen der Musikschule Melk) aus den Eiern und waren, dank ihres jungen Alters, noch etwas tapsig unterwegs.

Das Finale wurde mit Andreas Bouranis Song „Auf uns“ bestritten. Danach hielt es das Publikum nicht mehr auf den Plätzen und der Beifall war groß. Für jeden war irgendwann irgendeine Musikrichtung dabei und diese Mischung machte den Reiz der Show aus. Mit „Gimme some lovin‘“ gab es eine erste Zugabe und eine zweite folgte mit „Volare“. Schade, dass man die teilweise sehr gelungenen Neuinterpretationen der Songs nirgends nachhören wird können, sie waren echt gelungen und klangen unter der Leitung von Gerald Huber-Weiderbauer und der 7köpfigen „Band der einsamen Herzen“ toll. Prädikat: „leider geil“ ;)

 Kritik: Andrea Martin / Fotos: Daniela Matejschek

22.07. 2017 - Tschauner Bühne (Wien)

COMEDY MAMIS

Die „Musical Mamis“ im Metropol sind schon ein Fixpunkt in der etwas kühleren Jahreszeit geworden. Die „Comedy Mamis“ auf der Tschauner Bühne sind das kleine Pendant dazu, aber nicht minder sehenswert. Bereits zum vierten Mal wurde am 17.7. auf die Sommerbühne im 16. Wiener Bezirk geladen; dank des sommerlichen Wetters war sogar das Schiebedach offen. Beide „Mami“-Veranstaltungen unterstützen das Projekt „Young Mum“ (Begleitung für Teenagermütter) am Krankenhaus Göttlicher Heiland, das jeden Euro gut gebrauchen kann.

Petra Kreuzer schlüpfte wieder in ihr kärntnerisches Alter Ego Jeanny van Theke und freute sich, dass doch einige die Tschauner Bühne einem Heurigenbesuch vorgezogen hatten. Mit einem umgetexteten „Let me entertain you“, hieß sie die Gäste willkommen und gab eine gutgelaunte Moderatorin dieses launigen Abends. Weil doch die Veranstaltung sehr auf die Damenwelt ausgerichtet war, wurde sehr oft gegendert. So wurden die Gäste auf der Bühne einfach zu „Gästinnen“. Insgesamt traten fünf weibliche Comedians auf (zwei davon im Doppelpack) und hatten rund 20 Minuten Zeit, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Das gelang mit den interessantesten Methoden.

Die erste war Aida Loos, die Ausschnitte aus ihrem Programm „Achtung! Fertig! Los!“ brachte. Ihr Programm hatte sehr viel familiären Inhalt, der natürlich nicht immer allzu ernst zu nehmen war. So erzählte sie, dass ihr Mann von der Restplatzbörse der einsamen Herzen zu ihr gelangt war und verriet, was ihre Kinder mit Schimmel gemeinsam haben. Auch wollte sie bei ihrer Erziehung nicht die gleichen Fehler wie ihre Mutter machen. Die Mutter hatte sie immer vor dem Kasten mit den Putzsachen gewarnt, bis heute macht sie einen großen Bogen herum. Sehr humorig war auch ihr Song „Dalli dalli, gemma gemma“ mit jeder Menge Text über Hoppalas, die passieren, wenn die Kids in den Kindergarten müssen und sich der Tag zuletzt doch als ein Feiertag entpuppt.

Eva D. wurde mit einer Fanfare begrüßt. Kein Wunder, trat sie doch als Kaiserin Maria Theresia in Erscheinung. Wie heiß ihr unter dem Kostüm gewesen sein muss, möchte man lieber nicht wissen. Aus ihrem Buch trug die „M+M“ (Monarchin und Mutter) mit einer sehr speziellen Ausdrucksweise ihre Ansichten vor und musste immer wieder zur Contenance rufen. Sie sprach vor allem die Österreicherinnen an, aber auch die –reicher und philosophierte über die weltweite Politik. Auch die Technik mit ihren verschiedensten Ausdrucksformen z.B. war sie von einem fidget spinner, den sie aus ihrem Dekolleté fischte sehr fasziniert oder auch Facebook wurde abgehandelt. Letztendlich war sie aber doch der Meinung, dass sie viel lieber dem Publikum persönlich gegenübertritt, das tat sie auch und baute dies sehr gut in die Show ein.

Wie jedes Jahr gab es auch eine kleine Versteigerung von Preisen wie z.B. dem busenwarmen fidget spinner, einem Geschenkkorb oder das Highlight, ein smartphone. Hier wurden Kreuzer und Eva D. vom 12jährigen Valentin Kreuzer unterstützt, der den beiden Profis fast die Show stahl. Wirkte er von Haus aus etwas schüchtern, gab er sich dann selbst wie ein Profi und sorgte mit kleinen pointierten Aussagen für Lacher.

Nach der Pause sah man dann dank der Radeschnig Zwillinge Birgit und Nicole doppelt, woran sicher etwaiger Alkoholgenuss in der Pause schuld war. Die beiden sehen sich auch wirklich ähnlich, allerdings mit einem kleinen Vorabtipp war es dann doch wieder leicht. Sie gaben Einblicke in das Programm „Zimmer, Küche, Kabinett“. Sie zeigten auf sehr eindrucksvolle und vielfältige Weise die moderne Ausdrucksart von Jugendlichen und während Birgit Gitarre spielte gab es von Nicole die etwas andere Musicalballade aus dem fiktiven „Schach-das Musical“. Bei Musicalballaden (wohlgemerkt sind beide ausgebildete Musicaldarstellerinnen) soll alles übertrieben sein und so agierte Nicole auch. Witzig war, dass sie über ihre Nummer selbst lachte und sich schon fast zusammenreißen musste, um das Ganze zu Ende zu bringen. Für Birgit wurde Nicole zu guter Letzt noch zur Loopstation, eine sehr schräge Nummer, mit einer perfekten Harmonie der Schwestern, auch wenn das Resultat alles andere als ohrenfreundlich war.

Als letzte im Bunde der weiblichen Comedians trat sehr frech und frei von der Leber plaudernd Angelika Niedetzky dem Publikum gegenüber. Ihre Kommunikation mit den Gästen war vor allem ihr unbekannten Damen in der ersten Reihe, war perfekt. Diese konterten zum Teil auch noch sehr gut, was lustige Momente versprach. Über einige Themen wollte sie partout nicht reden wie z.B. Sex, Eheprobleme oder Zimmerpflanzen, natürlich hielt der Vorsatz nicht lange an. Auch ihre Rezepte und Tipps gegen die Ansteckungsgefahr bei Erkältung bzw. bei Schlafstörungen sorgte für Lacher, da sie alles doch ziemlich bildlich veranschaulichte.

Alle Damen unterhielten mit ihren humorigen Darbietungen das Tschauner Publikum und die nette Atmosphäre vor Ort trug noch zusätzlich zu einem schönen Abend bei.

Kritik und Fotos von Andrea Martin

01.07. 2017 - Wilfersdorf / Schlossfestival Wilfersdorf (Niederösterreich)

DIE GIGERLN VON WIEN

Bereits im 14. Spieljahr befindet sich das Schlossfestival Wilfersdorf und hat sich für den Sommer 2017 das Singspiel „Die Gigerln von Wien“, nach einer Posse von Josef Wimmer entschieden. Die Texte stammen von Rudolf Österreicher und Alexander Steinbrecher, die Musik von Steinbrecher. Das Publikum befindet sich auf Tribünen, direkt vor dem Schloss, vor dem auf zwei Ebenen gespielt wurde. Wettergeschützt ist, bis auf das Festivalorchester des Musikvereins Wilfersdorf und Umgebung niemand und Gottseidank hielt es auch am Abend der besuchten Vorstellung (1.7.) durch. Vom 30.6. bis 8.7. waren lediglich fünf Vorstellungen geplant. Gratulation an die Veranstalter, denn der Vorverkauf lief so gut dass am 9.7. eine Zusatzvorstellung angesetzt wurde. Die Regie des Stücks lag in den Händen von Peter Kratochvil der eine flotte Inszenierung ablieferte und nie Langeweile aufkam. Die Choreographie, in die gekonnt sowohl die Hauptakteure, wie auch der Chor integriert waren, stammte von Richard Schmetterer.

Die Story:
Die Handlung ist etwas chaotisch und es gibt jede Menge Verwirrspielchen, bis am Ende doch ein Happy End für alle herausschaut. Das Singspiel spielt im alten Wien um das Jahr 1898 im Vorort Wieden. Im Geschäft des Hutmachers Eduard Strobl trifft sich seine Frau Resi mit dem Detektiv Matthias Gasselhuber, der die Treue ihres Ehemanns überprüfen soll. Die Zweifel, dass dieser etwas im Schilde führt, sind berechtigt, als man sieht, dass er einen Lottoschein in einem alten Zylinder versteckt und seine heimliche Liebschaft Hansi Stelzer im Geschäft auftaucht. Um sich ihr Stillschweigen gegenüber seiner Frau zu erkaufen, spielt er nämlich im Lotto. Graf von Watzdorf, Präsident des Klubs „Die Gigerln von Wien“ ist auf der Suche nach einem Accessoire, um sich und seine Kumpels zu „behüten“ und kommt in den Laden. Er findet just an dem Hut Gefallen, der das Los in sich birgt, und erteilt einen Großauftrag dafür und Resi, die nicht weiß, wie ihr geschieht, macht er schöne Augen. Nachdem Herr Strobl die Gewinnzahlen erfahren hat, ist er aus dem Häuschen, da es seine eigenen sind. Doch die Freude dauert nicht lang, ist doch der Zylinder verschwunden. Schon gibt es den nächsten Auftrag für den Detektiv Gasselhuber – die Wiederbeschaffung des Hutes. Hansi und ihr Verlobter Gustav Stiglitz geraten in Streit, da die Romanze mit Herrn Strobl doch intensiver war, als gedacht. Die zu erwartende Summe beruhigt die Gemüter, doch die Nachricht, dass der Schein weg ist, sorgt für Ernüchterung. Eduard wird von Resi gemeinsam mit Hansi gesichtet, diese gibt dem Drängen des Grafen nach und willigt zu einem Treffen ein. Strobl erkennt seinen Zylinder an Watzdorf, der erste Versuch einer Wiederbeschaffung misslingt. In der Villa des feinen Herrn genießt Resi alle Annehmlichkeiten von einem neuen Kleid bis zu Komplimenten am laufenden Band und fühlt sich geschmeichelt. Die Bespaßung der Gesellschaft in der Villa sollen Hansi und Gustl übernehmen und üben fleissig vor Ort. Gasselhuber und Strobl geben sich als Reporter und Fotograf aus. Mit einem Foto, das allerdings nicht gelingen mag, wollen sie den Zylinder zurückerobern. Es entsteht ein kleines Chaos, bei dem auch das Ehepaar Strobl aufeinandertrifft. Dem Hausherrn reißt der Geduldsfaden und der Hut segelt beim Fenster hinaus und wird von den Fluten der March mitgerissen. Ist das das Ende für Eduard? Wieder im Hutgeschäft. Eduard ist nach einer harten Nacht am Tresen sauer und will die Scheidung. Seine Frau hat, ohne von ihm gesehen zu werden, hinter dem Tresen übernachtet und träumt von einer Heirat mit dem Grafen. Dieser wollte aber lediglich ein kleines Techtelmechtel und Detektiv Gasselhuber sorgt für ein Happy End im Hause des Hutmachers. Der Graf hatte seinen Hut mit dem eines anderen Gigerls vertauscht und so existiert der Lottoschein noch. Gasselhuber legt es so aus, als ob Resi zu Recherchezwecken beim Grafen war und das Ehepaar Strobl kommt sich wieder näher. Ein Hutgroßauftrag, dank der öffentlichen Hutpräsentation des Grafen, verhilft dem Geschäft zu neuem Aufschwung. Im Endeffekt sieht man auch noch Hansi und Gustl als Brautpaar, somit haben auch die beiden einander bekommen.

Bei Eveline Schloffers Charakter der Resi Strobl merkt man, wie unglücklich sie in der Beziehung mit Eduard ist und wie angenehm sie es empfindet vom Grafen mit Komplimenten überhäuft und in jeglicher Art und Weise verwöhnt zu werden. Anfangs wirkt sie eher schüchtern, doch Kleider machen Leute und mit dem sexy roten Kleid, das sie vom Grafen bekommen hat, denkt sie doch glatt „Ich bin ein Vampir“. Mit einigen Männern im Publikum wird geschäkert und ein Herr, der nicht weiß, wie ihm geschieht wird sogar auf die Bühne geholt und plötzlich Teil des Stücks auf der Chaiselongue.

Auch Peter Faerber als Eduard Strobl lässt das Publikum an einer Vielzahl von Gefühlen, welche seine Rolle durchlebt teilhaben. Himmelhochjauchzend als Möchtegernschürzenjäger mit großem Gewinn und tiefbetrübt über den Verlust desselben, hat er immer wieder humorige Momente, wie z. B. als „Fotograf“, der doch glatt auf die Fotoplatte vergessen hat und so aufzufliegen droht. 

Graf von Watzdorf, alias Thomas Weissengruber spielt den Gigolo oder wie es scheinbar auf wienerisch heißt „Gigerl“ wie aus dem Bilderbuch und weiß, wie er auf Frauen wirkt. Von Komplimenten aus der Damenwelt kann er nicht genug bekommen und wenn diese nicht kommen, macht er sie sich einfach selbst. Es gab dank seiner Texte jede Menge verfängliche Situationen, die teilweise schon sehr schlüpfrig ausfielen, dem Publikum aber ausgenommen gut gefallen haben und für große Lacher sorgen. Kleines Beispiel gefällig – der feine Herr möchte, dass ihm Resi einen herunterholt… natürlich ist ein Hut aus der obersten Etage gemeint.

Alexander Kuchinka gibt den sehr gewitzten und geschäftstüchtigen Detektiv Gasselhuber, der es schaffte aus jeder Situation Profit zu ziehen. Nur am Schluss denkt er nicht nur an sich und bringt mit seiner kleinen List das Paar Strobl wieder zusammen. Mit seinem Solo „Ich hätt’ heut‘ Gusto auf a klans Gollasch“ macht er deutlich, dass er sich nach erfolgreichen Geschäften auch was Gutes zum Essen leisten kann.

Juliette Khalil gibt sich in der Rolle der Hansi Stelzer wieder einmal sehr keck und quirrlig und sorgt mit ihren fingierten Heulanfällen, wenn sie nicht gleich das bekommt was sie will, für schmunzeln.

Gemeinsam mit Bernhard Viktorin, der den Gustl Stiglitz gibt, zeigt sie, dass beide „Spezialisten“ in Sachen Zärtlichkeiten sind („Am Baum, am Bach, am Busch“). Auch diese beiden haben viele schlüpfrige Worte füreinander über und sorgen für Zweideutigkeiten, werfen sich aber auch gerne Schimpfwörter an den Kopf.

Astrid Krammer verkörpert die tratschende Greisslerin Veronika Moldaschl.
Tanja Eisl ist gleich in drei Rollen zu sehen – Poldi das Lehrmädel, Emil der Kammerdiener und als Bedienung im Cafe. Lustig die humorigen Anspielungen während des Stücks „kennen wir uns“, wo sie auf die verschiedenen Charaktere angesprochen wird. 

„Die Gigerln von Wien“ sorgten dank einer flotten Inszenierung für einen unterhaltsamen Sommerabend und das nette Ambiente rund um das Schloss tat sein Übriges dazu.

Kritik und Fotos von Andrea Martin

08.04. 2017 - Wiener Neustadt / Leopoldsdorf, Arena Nova (Österreich)

MUSICAL STORY

Seit 2015 gibt es eine neue Musicalformation mit dem Titel „Musical Story“. Die drei jungen Künstler hinter dem Projekt sind Tanja Petrasek, Daria Kinzer und Christoph Apfelbeck. Kennengelernt haben die drei einander schon in jungen Jahren, da sie nahe beieinander aufwuchsen. Die Liebe zur Musik hat sie auch zusammengebracht und schon vor etwa 15 Jahren gab es die ersten Konzerte zu dritt. So richtig in Angriff genommen wurde das Projekt aber erst vor 2 Jahren. Der Name der Formation wurde aufgrund ihrer langen gemeinsamen Geschichte ausgewählt und weil sie schon so einiges auf musikalischer und freundschaftlicher Ebene erlebt haben. Umso erfreulicher ist es für die drei, dass es mit dem Projekt Schritt für Schritt bergauf geht und die Anfragen für Auftritte immer zahlreicher werden (Infos unter: www.musicalstory.at).

Zu den drei SängerInnen im Detail:
Daria Kinzer hat durchaus musicalische Erfahrung, aber ihr, wie auf ihrer Homepage schön geschrieben steht „heimlich geliebtes Genre“ ist der Schlager. Wenn man das vorher nicht weiß, lässt es sich aufgrund ihrer Stimme aber trotzdem erahnen. Daria beweist aber mit ihrem Engagement bei „Musical Story“, dass sie sich nicht nur einem einzigen Bereich verschreiben möchte und gab ihren Songs dank ihrer ausdrucksstarken und etwas rauchigen Stimme eine besondere Note.

Tanja Petrasek kennt man schon von diversen Musicalbühnen. Sie studierte am Konservatorium der Stadt Wien (heute: Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) und diplomierte 2013. Danach hatte sie u.a. Rollen in „Die Schöne und das Biest“, „Artus-Excalibur“, „Titanic“, „Das Phantom der Oper“ u.v.a.m.

Obwohl er der einzige Mann im Trio und somit Hahn im Korb war, hatte Christoph Apfelbeck kein Problem sich zwischen den beiden Damen zu behaupten. Er konnte während seiner beruflichen Laufbahn auch schon einige musicalische Erfolge verzeichnen. So trat er in „Die drei Musketiere“, „West Side Story“ oder ihm Rahmen einer „Elisabeth“ Tournee (u.a. Shanghai) sogar als Cover Tod auf.

Am 8.4. traten sie in der gut besuchten Arena Nova auf. Im Bühnenhintergrund wurden, passend zu den einzelnen Stücken, Projektionen gezeigt. Einziges Manko an diesem Abend war eine unzureichende Beleuchtung und zeitweise viel zu viel Nebel rund um die Sänger, die man dann leider nur mehr erahnen konnte. Das Trio präsentierte den Abend hindurch Soli, Duette, aber auch Terzette, die zum Teil auch mit neuen musikalischen Arrangements aufwarten konnten. Für die Choreo der drei war Apfelbeck selbst zuständig. Als kleine Unterstützung hatten sie bei manchen Nummern ein Tanzensemble, das aus Karoline Kögl, Verena Kalcher, Thomas Riess und Helmut Fixl bestand, letzterer war für deren Choreo verantwortlich. Moderationstechnisch gab es noch das ein oder andere Hoppala, welche aber vom Publikum verziehen wurden, schließlich war man doch des Gesanges wegen gekommen und der konnte sich allemal hören lassen. Als Einstieg gab es ein „Mozart!“ Medley, bei dem vor allem das Terzett „Gold von den Sternen“ positiv überraschte, das ja normal ein Solo ist. Ein kleiner Ausflug in die Welt von Disney beinhielt auch „Let it go“ aus „Die Eiskönigin“. Bei dem Stück holten sich die drei mit Maria Gschwandtner Verstärkung aus dem Circus Pikard, mit dem es auch eine Zusammenarbeit gibt. Sie zeigte eine eindrucksvolle Tuchakrobatik während die drei den Hit sangen. Bei ihrer Interpretation von „Ich gehör nur mir“ bewies Petrasek, dass es nicht unbedingt einer Holländerin bedarf, um diesen „Elisabeth“-Klassiker gut zu interpretieren. Mit „Don’t stop me now“ aus „We will rock you“ zeigte Apfelbeck, dass ihm durchaus auch die etwas lauteren und rockigeren Töne gut liegen. Das Finale des ersten Teils wurde mit einem „Mamma Mia“ Medley bestritten, bei dem das Publikum klatschenderweise gut mitging. „Rise like a phoenix“ von Conchita Wurst stammt zwar (noch nicht) aus einem Musical, hat aber eine Geschichte und wurde deshalb auch mit ins Programm genommen. Die Töne saßen und alle drei präsentierten sich stimmgewaltig. Selten bis gar nicht bekommt man Songs aus dem Musical „Dreamgirls“ zu hören. Das Trio von „Musical Story“ änderte dies und hatte ein schönes Medley zusammengestellt, bei dem nicht nur die Girls zu Wort kamen. Vor dem „Chicago“ Medley durften die Tänzer allein beim „Hot Honey Rag“ eine flotte Sohle auf’s Parkett legen. Maria Gschwandtner trat dann gemeinsam mit Alexander Schneller (er ist auch der Direktor des Circus Pikard) mit einer akrobatischen Einlage zu „Conquest of paradise“ auf, bei der es zu einem überraschenden Rollentausch kam und die Frau sehr oft den Part übernahm, den sonst dem Mann innehat. Alles andere als ein Katzenjammer war Kinzer’s „Mondlicht“ und ebenfalls gerechtfertigt war, als Apfelbeck Kollegin Petrasek als „Engel der Lieder“ bei „Phantom der Oper“ bezeichnete. Aus dem Film „Sister Act“ wurde ein flottes Medley dargeboten, das eigentlich auch schon das Ende einläutete. Natürlich wollte das Publikum mehr und gab standing ovations. Zum Dank wurde ein „Ich war noch niemals in New York“ Medley angestimmt, bei dem sogar das Publikum gefordert war. Als allerletzten Abschiedssong gab es noch die heimliche österreichische Hymne „I am from Austria“ in Anlehnung an das kommende Musical im Raimundtheater.

Da die Kooperation mit dem Circus Pikard doch etwas Besonders darstellt, habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch am 7.5. nach Leobersdorf zu fahren und das Trio ein weiteres Mal zu besuchen, das eben in diesem Circus auftrat. Ermöglicht wurde diese Kooperation durch die Gemeinde. Der Bürgermeister selbst hatte die Idee, dass eine „Musical Story“ Show im Zelt stattfinden sollte. Für die „Fusion“ mit den Artisten sorgte das Trio dann selbst.

Bei der Songauswahl gab es Übereinstimmungen mit dem Programm aus Wiener Neustadt, aber es fanden sich auch neue und für die Welt des Zirkus passende Beiträge darunter. Einige Lieder wurden dank der Artisten perfekt in Szene gesetzt, aber es gab auch Soloauftritte der Künstler. Somit ergab sich wirklich eine äußerst interessante Symbiose zwischen Musical und Zirkus, die eine fast schon magische Atmosphäre zauberte. Auch wenn vielleicht heutzutage der Zirkus nicht mehr so einen Stellenwert wie früher hat, nach diesem Abend kommt vielleicht der ein oder andere Besucher doch noch zu einer reinen Zirkusshow ins Zelt (Termine siehe www.cirkus-pikard.at). Die jüngste Artistin, die 10jährige Gloria beeindruckte mit einer tollen Tuchakrobatik zu „He lives in you“ aus „Der König der Löwen“. Auch im Zelt überraschten Alexander und Maria mit ihrer Körperbeherrschung und setzten im Vergleich zu Wiener Neustadt noch eins drauf. Eddy Carello bewies, dass man eine Gitarre nicht unbedingt in Händen halten muss und brachte mit einer beeindruckenden Balljonglage sogar ein Schlagzeug zum Klingen bis es zu rauchen begann. Auch in den Zirkus wurde das Trio von zwei Tänzern, Julia Aigner und Helmuth Fixl, begleitet, die sie u.a. beim „Chicago“-Medley unterstützten.

Mit sehr viel Schwung gab es Seilkunst vom Feinsten von Josy Caselly in luftiger Höhe. Der zweite Teil wurde von „Little shop of horrors“ eröffnet, bei dem Tanja, Daria und Christoph ein sehr frisches Arrangement mit frecher Choreo zum Besten gaben. „Rise like a phoenix“ wurde auch hier gesungen, vor allem Apfelbeck kam in ungeahnte Höhen und das ganze ohne akrobatische Leistungen. Guti Balasz beanspruchte die Lachnerven des Publikums mit einer Wischmopeinlage der speziellen Art. Tanja traute sich über das unaussprechliche Wort „Superkalifragilistikexpialigetisch“ und sang so einen bekannten Song aus dem Film „Mary Poppins“. Amüsant war auch das Duo Kinzer/Apfelbeck bei „Hakuna Matata“. Romana Schneller bewies, was in einer gewissen Rückenlage alles mit den Beinen jongliert werden kann, von einem riesigen Edelweiss, über eine Vogelscheuche bis zum Tisch war alles dabei. Sensationell passend untermalte Alexander Schneller turnenderweise in und an einem großen Luster, der in der Kuppel des Zelts hing, „Das Phantom der Oper“. Ebenfalls außergewöhnlich war die Aerial Umbrella Darbietung von Maria Gschwandtner, die etwas von „Mary Poppins“ hatte. Musikalisch untermalt wurden ihre Hängemanöver in der Höhe durch „Singin‘ in the rain" und „It’s raining men“. Mit dem sehr passenden „Send in the clowns“ verabschiedeten sich die Künstler. Dem Publikum gefielen die Darbietungen und es gab stehende Ovationen, dank derer es noch das „Udo Jürgens“-Medley und als allerletzten Song „I am from Austria“ gab. Besonders emotional wurde es bei der Verabschiedung. Alexander Schneller (Zirkusdirektor und Artist) feierte just an diesem Tag seinen 30. Geburtstag und bekam von der kompletten Manege ein Geburtstagsständchen gesungen. Das bekommt man sicher nicht jeden Tag.

    Kritik und Fotos von Andrea Martin