22.07. 2017 - Tschauner Bühne (Wien)

COMEDY MAMIS

Die „Musical Mamis“ im Metropol sind schon ein Fixpunkt in der etwas kühleren Jahreszeit geworden. Die „Comedy Mamis“ auf der Tschauner Bühne sind das kleine Pendant dazu, aber nicht minder sehenswert. Bereits zum vierten Mal wurde am 17.7. auf die Sommerbühne im 16. Wiener Bezirk geladen; dank des sommerlichen Wetters war sogar das Schiebedach offen. Beide „Mami“-Veranstaltungen unterstützen das Projekt „Young Mum“ (Begleitung für Teenagermütter) am Krankenhaus Göttlicher Heiland, das jeden Euro gut gebrauchen kann.

Petra Kreuzer schlüpfte wieder in ihr kärntnerisches Alter Ego Jeanny van Theke und freute sich, dass doch einige die Tschauner Bühne einem Heurigenbesuch vorgezogen hatten. Mit einem umgetexteten „Let me entertain you“, hieß sie die Gäste willkommen und gab eine gutgelaunte Moderatorin dieses launigen Abends. Weil doch die Veranstaltung sehr auf die Damenwelt ausgerichtet war, wurde sehr oft gegendert. So wurden die Gäste auf der Bühne einfach zu „Gästinnen“. Insgesamt traten fünf weibliche Comedians auf (zwei davon im Doppelpack) und hatten rund 20 Minuten Zeit, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Das gelang mit den interessantesten Methoden.

Die erste war Aida Loos, die Ausschnitte aus ihrem Programm „Achtung! Fertig! Los!“ brachte. Ihr Programm hatte sehr viel familiären Inhalt, der natürlich nicht immer allzu ernst zu nehmen war. So erzählte sie, dass ihr Mann von der Restplatzbörse der einsamen Herzen zu ihr gelangt war und verriet, was ihre Kinder mit Schimmel gemeinsam haben. Auch wollte sie bei ihrer Erziehung nicht die gleichen Fehler wie ihre Mutter machen. Die Mutter hatte sie immer vor dem Kasten mit den Putzsachen gewarnt, bis heute macht sie einen großen Bogen herum. Sehr humorig war auch ihr Song „Dalli dalli, gemma gemma“ mit jeder Menge Text über Hoppalas, die passieren, wenn die Kids in den Kindergarten müssen und sich der Tag zuletzt doch als ein Feiertag entpuppt.

Eva D. wurde mit einer Fanfare begrüßt. Kein Wunder, trat sie doch als Kaiserin Maria Theresia in Erscheinung. Wie heiß ihr unter dem Kostüm gewesen sein muss, möchte man lieber nicht wissen. Aus ihrem Buch trug die „M+M“ (Monarchin und Mutter) mit einer sehr speziellen Ausdrucksweise ihre Ansichten vor und musste immer wieder zur Contenance rufen. Sie sprach vor allem die Österreicherinnen an, aber auch die –reicher und philosophierte über die weltweite Politik. Auch die Technik mit ihren verschiedensten Ausdrucksformen z.B. war sie von einem fidget spinner, den sie aus ihrem Dekolleté fischte sehr fasziniert oder auch Facebook wurde abgehandelt. Letztendlich war sie aber doch der Meinung, dass sie viel lieber dem Publikum persönlich gegenübertritt, das tat sie auch und baute dies sehr gut in die Show ein.

Wie jedes Jahr gab es auch eine kleine Versteigerung von Preisen wie z.B. dem busenwarmen fidget spinner, einem Geschenkkorb oder das Highlight, ein smartphone. Hier wurden Kreuzer und Eva D. vom 12jährigen Valentin Kreuzer unterstützt, der den beiden Profis fast die Show stahl. Wirkte er von Haus aus etwas schüchtern, gab er sich dann selbst wie ein Profi und sorgte mit kleinen pointierten Aussagen für Lacher.

Nach der Pause sah man dann dank der Radeschnig Zwillinge Birgit und Nicole doppelt, woran sicher etwaiger Alkoholgenuss in der Pause schuld war. Die beiden sehen sich auch wirklich ähnlich, allerdings mit einem kleinen Vorabtipp war es dann doch wieder leicht. Sie gaben Einblicke in das Programm „Zimmer, Küche, Kabinett“. Sie zeigten auf sehr eindrucksvolle und vielfältige Weise die moderne Ausdrucksart von Jugendlichen und während Birgit Gitarre spielte gab es von Nicole die etwas andere Musicalballade aus dem fiktiven „Schach-das Musical“. Bei Musicalballaden (wohlgemerkt sind beide ausgebildete Musicaldarstellerinnen) soll alles übertrieben sein und so agierte Nicole auch. Witzig war, dass sie über ihre Nummer selbst lachte und sich schon fast zusammenreißen musste, um das Ganze zu Ende zu bringen. Für Birgit wurde Nicole zu guter Letzt noch zur Loopstation, eine sehr schräge Nummer, mit einer perfekten Harmonie der Schwestern, auch wenn das Resultat alles andere als ohrenfreundlich war.

Als letzte im Bunde der weiblichen Comedians trat sehr frech und frei von der Leber plaudernd Angelika Niedetzky dem Publikum gegenüber. Ihre Kommunikation mit den Gästen war vor allem ihr unbekannten Damen in der ersten Reihe, war perfekt. Diese konterten zum Teil auch noch sehr gut, was lustige Momente versprach. Über einige Themen wollte sie partout nicht reden wie z.B. Sex, Eheprobleme oder Zimmerpflanzen, natürlich hielt der Vorsatz nicht lange an. Auch ihre Rezepte und Tipps gegen die Ansteckungsgefahr bei Erkältung bzw. bei Schlafstörungen sorgte für Lacher, da sie alles doch ziemlich bildlich veranschaulichte.

Alle Damen unterhielten mit ihren humorigen Darbietungen das Tschauner Publikum und die nette Atmosphäre vor Ort trug noch zusätzlich zu einem schönen Abend bei.

Kritik und Fotos von Andrea Martin

01.07. 2017 - Wilfersdorf / Schlossfestival Wilfersdorf (Niederösterreich)

DIE GIGERLN VON WIEN

Bereits im 14. Spieljahr befindet sich das Schlossfestival Wilfersdorf und hat sich für den Sommer 2017 das Singspiel „Die Gigerln von Wien“, nach einer Posse von Josef Wimmer entschieden. Die Texte stammen von Rudolf Österreicher und Alexander Steinbrecher, die Musik von Steinbrecher. Das Publikum befindet sich auf Tribünen, direkt vor dem Schloss, vor dem auf zwei Ebenen gespielt wurde. Wettergeschützt ist, bis auf das Festivalorchester des Musikvereins Wilfersdorf und Umgebung niemand und Gottseidank hielt es auch am Abend der besuchten Vorstellung (1.7.) durch. Vom 30.6. bis 8.7. waren lediglich fünf Vorstellungen geplant. Gratulation an die Veranstalter, denn der Vorverkauf lief so gut dass am 9.7. eine Zusatzvorstellung angesetzt wurde. Die Regie des Stücks lag in den Händen von Peter Kratochvil der eine flotte Inszenierung ablieferte und nie Langeweile aufkam. Die Choreographie, in die gekonnt sowohl die Hauptakteure, wie auch der Chor integriert waren, stammte von Richard Schmetterer.

Die Story:
Die Handlung ist etwas chaotisch und es gibt jede Menge Verwirrspielchen, bis am Ende doch ein Happy End für alle herausschaut. Das Singspiel spielt im alten Wien um das Jahr 1898 im Vorort Wieden. Im Geschäft des Hutmachers Eduard Strobl trifft sich seine Frau Resi mit dem Detektiv Matthias Gasselhuber, der die Treue ihres Ehemanns überprüfen soll. Die Zweifel, dass dieser etwas im Schilde führt, sind berechtigt, als man sieht, dass er einen Lottoschein in einem alten Zylinder versteckt und seine heimliche Liebschaft Hansi Stelzer im Geschäft auftaucht. Um sich ihr Stillschweigen gegenüber seiner Frau zu erkaufen, spielt er nämlich im Lotto. Graf von Watzdorf, Präsident des Klubs „Die Gigerln von Wien“ ist auf der Suche nach einem Accessoire, um sich und seine Kumpels zu „behüten“ und kommt in den Laden. Er findet just an dem Hut Gefallen, der das Los in sich birgt, und erteilt einen Großauftrag dafür und Resi, die nicht weiß, wie ihr geschieht, macht er schöne Augen. Nachdem Herr Strobl die Gewinnzahlen erfahren hat, ist er aus dem Häuschen, da es seine eigenen sind. Doch die Freude dauert nicht lang, ist doch der Zylinder verschwunden. Schon gibt es den nächsten Auftrag für den Detektiv Gasselhuber – die Wiederbeschaffung des Hutes. Hansi und ihr Verlobter Gustav Stiglitz geraten in Streit, da die Romanze mit Herrn Strobl doch intensiver war, als gedacht. Die zu erwartende Summe beruhigt die Gemüter, doch die Nachricht, dass der Schein weg ist, sorgt für Ernüchterung. Eduard wird von Resi gemeinsam mit Hansi gesichtet, diese gibt dem Drängen des Grafen nach und willigt zu einem Treffen ein. Strobl erkennt seinen Zylinder an Watzdorf, der erste Versuch einer Wiederbeschaffung misslingt. In der Villa des feinen Herrn genießt Resi alle Annehmlichkeiten von einem neuen Kleid bis zu Komplimenten am laufenden Band und fühlt sich geschmeichelt. Die Bespaßung der Gesellschaft in der Villa sollen Hansi und Gustl übernehmen und üben fleissig vor Ort. Gasselhuber und Strobl geben sich als Reporter und Fotograf aus. Mit einem Foto, das allerdings nicht gelingen mag, wollen sie den Zylinder zurückerobern. Es entsteht ein kleines Chaos, bei dem auch das Ehepaar Strobl aufeinandertrifft. Dem Hausherrn reißt der Geduldsfaden und der Hut segelt beim Fenster hinaus und wird von den Fluten der March mitgerissen. Ist das das Ende für Eduard? Wieder im Hutgeschäft. Eduard ist nach einer harten Nacht am Tresen sauer und will die Scheidung. Seine Frau hat, ohne von ihm gesehen zu werden, hinter dem Tresen übernachtet und träumt von einer Heirat mit dem Grafen. Dieser wollte aber lediglich ein kleines Techtelmechtel und Detektiv Gasselhuber sorgt für ein Happy End im Hause des Hutmachers. Der Graf hatte seinen Hut mit dem eines anderen Gigerls vertauscht und so existiert der Lottoschein noch. Gasselhuber legt es so aus, als ob Resi zu Recherchezwecken beim Grafen war und das Ehepaar Strobl kommt sich wieder näher. Ein Hutgroßauftrag, dank der öffentlichen Hutpräsentation des Grafen, verhilft dem Geschäft zu neuem Aufschwung. Im Endeffekt sieht man auch noch Hansi und Gustl als Brautpaar, somit haben auch die beiden einander bekommen.

Bei Eveline Schloffers Charakter der Resi Strobl merkt man, wie unglücklich sie in der Beziehung mit Eduard ist und wie angenehm sie es empfindet vom Grafen mit Komplimenten überhäuft und in jeglicher Art und Weise verwöhnt zu werden. Anfangs wirkt sie eher schüchtern, doch Kleider machen Leute und mit dem sexy roten Kleid, das sie vom Grafen bekommen hat, denkt sie doch glatt „Ich bin ein Vampir“. Mit einigen Männern im Publikum wird geschäkert und ein Herr, der nicht weiß, wie ihm geschieht wird sogar auf die Bühne geholt und plötzlich Teil des Stücks auf der Chaiselongue.

Auch Peter Faerber als Eduard Strobl lässt das Publikum an einer Vielzahl von Gefühlen, welche seine Rolle durchlebt teilhaben. Himmelhochjauchzend als Möchtegernschürzenjäger mit großem Gewinn und tiefbetrübt über den Verlust desselben, hat er immer wieder humorige Momente, wie z. B. als „Fotograf“, der doch glatt auf die Fotoplatte vergessen hat und so aufzufliegen droht. 

Graf von Watzdorf, alias Thomas Weissengruber spielt den Gigolo oder wie es scheinbar auf wienerisch heißt „Gigerl“ wie aus dem Bilderbuch und weiß, wie er auf Frauen wirkt. Von Komplimenten aus der Damenwelt kann er nicht genug bekommen und wenn diese nicht kommen, macht er sie sich einfach selbst. Es gab dank seiner Texte jede Menge verfängliche Situationen, die teilweise schon sehr schlüpfrig ausfielen, dem Publikum aber ausgenommen gut gefallen haben und für große Lacher sorgen. Kleines Beispiel gefällig – der feine Herr möchte, dass ihm Resi einen herunterholt… natürlich ist ein Hut aus der obersten Etage gemeint.

Alexander Kuchinka gibt den sehr gewitzten und geschäftstüchtigen Detektiv Gasselhuber, der es schaffte aus jeder Situation Profit zu ziehen. Nur am Schluss denkt er nicht nur an sich und bringt mit seiner kleinen List das Paar Strobl wieder zusammen. Mit seinem Solo „Ich hätt’ heut‘ Gusto auf a klans Gollasch“ macht er deutlich, dass er sich nach erfolgreichen Geschäften auch was Gutes zum Essen leisten kann.

Juliette Khalil gibt sich in der Rolle der Hansi Stelzer wieder einmal sehr keck und quirrlig und sorgt mit ihren fingierten Heulanfällen, wenn sie nicht gleich das bekommt was sie will, für schmunzeln.

Gemeinsam mit Bernhard Viktorin, der den Gustl Stiglitz gibt, zeigt sie, dass beide „Spezialisten“ in Sachen Zärtlichkeiten sind („Am Baum, am Bach, am Busch“). Auch diese beiden haben viele schlüpfrige Worte füreinander über und sorgen für Zweideutigkeiten, werfen sich aber auch gerne Schimpfwörter an den Kopf.

Astrid Krammer verkörpert die tratschende Greisslerin Veronika Moldaschl.
Tanja Eisl ist gleich in drei Rollen zu sehen – Poldi das Lehrmädel, Emil der Kammerdiener und als Bedienung im Cafe. Lustig die humorigen Anspielungen während des Stücks „kennen wir uns“, wo sie auf die verschiedenen Charaktere angesprochen wird. 

„Die Gigerln von Wien“ sorgten dank einer flotten Inszenierung für einen unterhaltsamen Sommerabend und das nette Ambiente rund um das Schloss tat sein Übriges dazu.

Kritik und Fotos von Andrea Martin

08.04. 2017 - Wiener Neustadt / Leopoldsdorf, Arena Nova (Österreich)

MUSICAL STORY

Seit 2015 gibt es eine neue Musicalformation mit dem Titel „Musical Story“. Die drei jungen Künstler hinter dem Projekt sind Tanja Petrasek, Daria Kinzer und Christoph Apfelbeck. Kennengelernt haben die drei einander schon in jungen Jahren, da sie nahe beieinander aufwuchsen. Die Liebe zur Musik hat sie auch zusammengebracht und schon vor etwa 15 Jahren gab es die ersten Konzerte zu dritt. So richtig in Angriff genommen wurde das Projekt aber erst vor 2 Jahren. Der Name der Formation wurde aufgrund ihrer langen gemeinsamen Geschichte ausgewählt und weil sie schon so einiges auf musikalischer und freundschaftlicher Ebene erlebt haben. Umso erfreulicher ist es für die drei, dass es mit dem Projekt Schritt für Schritt bergauf geht und die Anfragen für Auftritte immer zahlreicher werden (Infos unter: www.musicalstory.at).

Zu den drei SängerInnen im Detail:
Daria Kinzer hat durchaus musicalische Erfahrung, aber ihr, wie auf ihrer Homepage schön geschrieben steht „heimlich geliebtes Genre“ ist der Schlager. Wenn man das vorher nicht weiß, lässt es sich aufgrund ihrer Stimme aber trotzdem erahnen. Daria beweist aber mit ihrem Engagement bei „Musical Story“, dass sie sich nicht nur einem einzigen Bereich verschreiben möchte und gab ihren Songs dank ihrer ausdrucksstarken und etwas rauchigen Stimme eine besondere Note.

Tanja Petrasek kennt man schon von diversen Musicalbühnen. Sie studierte am Konservatorium der Stadt Wien (heute: Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) und diplomierte 2013. Danach hatte sie u.a. Rollen in „Die Schöne und das Biest“, „Artus-Excalibur“, „Titanic“, „Das Phantom der Oper“ u.v.a.m.

Obwohl er der einzige Mann im Trio und somit Hahn im Korb war, hatte Christoph Apfelbeck kein Problem sich zwischen den beiden Damen zu behaupten. Er konnte während seiner beruflichen Laufbahn auch schon einige musicalische Erfolge verzeichnen. So trat er in „Die drei Musketiere“, „West Side Story“ oder ihm Rahmen einer „Elisabeth“ Tournee (u.a. Shanghai) sogar als Cover Tod auf.

Am 8.4. traten sie in der gut besuchten Arena Nova auf. Im Bühnenhintergrund wurden, passend zu den einzelnen Stücken, Projektionen gezeigt. Einziges Manko an diesem Abend war eine unzureichende Beleuchtung und zeitweise viel zu viel Nebel rund um die Sänger, die man dann leider nur mehr erahnen konnte. Das Trio präsentierte den Abend hindurch Soli, Duette, aber auch Terzette, die zum Teil auch mit neuen musikalischen Arrangements aufwarten konnten. Für die Choreo der drei war Apfelbeck selbst zuständig. Als kleine Unterstützung hatten sie bei manchen Nummern ein Tanzensemble, das aus Karoline Kögl, Verena Kalcher, Thomas Riess und Helmut Fixl bestand, letzterer war für deren Choreo verantwortlich. Moderationstechnisch gab es noch das ein oder andere Hoppala, welche aber vom Publikum verziehen wurden, schließlich war man doch des Gesanges wegen gekommen und der konnte sich allemal hören lassen. Als Einstieg gab es ein „Mozart!“ Medley, bei dem vor allem das Terzett „Gold von den Sternen“ positiv überraschte, das ja normal ein Solo ist. Ein kleiner Ausflug in die Welt von Disney beinhielt auch „Let it go“ aus „Die Eiskönigin“. Bei dem Stück holten sich die drei mit Maria Gschwandtner Verstärkung aus dem Circus Pikard, mit dem es auch eine Zusammenarbeit gibt. Sie zeigte eine eindrucksvolle Tuchakrobatik während die drei den Hit sangen. Bei ihrer Interpretation von „Ich gehör nur mir“ bewies Petrasek, dass es nicht unbedingt einer Holländerin bedarf, um diesen „Elisabeth“-Klassiker gut zu interpretieren. Mit „Don’t stop me now“ aus „We will rock you“ zeigte Apfelbeck, dass ihm durchaus auch die etwas lauteren und rockigeren Töne gut liegen. Das Finale des ersten Teils wurde mit einem „Mamma Mia“ Medley bestritten, bei dem das Publikum klatschenderweise gut mitging. „Rise like a phoenix“ von Conchita Wurst stammt zwar (noch nicht) aus einem Musical, hat aber eine Geschichte und wurde deshalb auch mit ins Programm genommen. Die Töne saßen und alle drei präsentierten sich stimmgewaltig. Selten bis gar nicht bekommt man Songs aus dem Musical „Dreamgirls“ zu hören. Das Trio von „Musical Story“ änderte dies und hatte ein schönes Medley zusammengestellt, bei dem nicht nur die Girls zu Wort kamen. Vor dem „Chicago“ Medley durften die Tänzer allein beim „Hot Honey Rag“ eine flotte Sohle auf’s Parkett legen. Maria Gschwandtner trat dann gemeinsam mit Alexander Schneller (er ist auch der Direktor des Circus Pikard) mit einer akrobatischen Einlage zu „Conquest of paradise“ auf, bei der es zu einem überraschenden Rollentausch kam und die Frau sehr oft den Part übernahm, den sonst dem Mann innehat. Alles andere als ein Katzenjammer war Kinzer’s „Mondlicht“ und ebenfalls gerechtfertigt war, als Apfelbeck Kollegin Petrasek als „Engel der Lieder“ bei „Phantom der Oper“ bezeichnete. Aus dem Film „Sister Act“ wurde ein flottes Medley dargeboten, das eigentlich auch schon das Ende einläutete. Natürlich wollte das Publikum mehr und gab standing ovations. Zum Dank wurde ein „Ich war noch niemals in New York“ Medley angestimmt, bei dem sogar das Publikum gefordert war. Als allerletzten Abschiedssong gab es noch die heimliche österreichische Hymne „I am from Austria“ in Anlehnung an das kommende Musical im Raimundtheater.

Da die Kooperation mit dem Circus Pikard doch etwas Besonders darstellt, habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch am 7.5. nach Leobersdorf zu fahren und das Trio ein weiteres Mal zu besuchen, das eben in diesem Circus auftrat. Ermöglicht wurde diese Kooperation durch die Gemeinde. Der Bürgermeister selbst hatte die Idee, dass eine „Musical Story“ Show im Zelt stattfinden sollte. Für die „Fusion“ mit den Artisten sorgte das Trio dann selbst.

Bei der Songauswahl gab es Übereinstimmungen mit dem Programm aus Wiener Neustadt, aber es fanden sich auch neue und für die Welt des Zirkus passende Beiträge darunter. Einige Lieder wurden dank der Artisten perfekt in Szene gesetzt, aber es gab auch Soloauftritte der Künstler. Somit ergab sich wirklich eine äußerst interessante Symbiose zwischen Musical und Zirkus, die eine fast schon magische Atmosphäre zauberte. Auch wenn vielleicht heutzutage der Zirkus nicht mehr so einen Stellenwert wie früher hat, nach diesem Abend kommt vielleicht der ein oder andere Besucher doch noch zu einer reinen Zirkusshow ins Zelt (Termine siehe www.cirkus-pikard.at). Die jüngste Artistin, die 10jährige Gloria beeindruckte mit einer tollen Tuchakrobatik zu „He lives in you“ aus „Der König der Löwen“. Auch im Zelt überraschten Alexander und Maria mit ihrer Körperbeherrschung und setzten im Vergleich zu Wiener Neustadt noch eins drauf. Eddy Carello bewies, dass man eine Gitarre nicht unbedingt in Händen halten muss und brachte mit einer beeindruckenden Balljonglage sogar ein Schlagzeug zum Klingen bis es zu rauchen begann. Auch in den Zirkus wurde das Trio von zwei Tänzern, Julia Aigner und Helmuth Fixl, begleitet, die sie u.a. beim „Chicago“-Medley unterstützten.

Mit sehr viel Schwung gab es Seilkunst vom Feinsten von Josy Caselly in luftiger Höhe. Der zweite Teil wurde von „Little shop of horrors“ eröffnet, bei dem Tanja, Daria und Christoph ein sehr frisches Arrangement mit frecher Choreo zum Besten gaben. „Rise like a phoenix“ wurde auch hier gesungen, vor allem Apfelbeck kam in ungeahnte Höhen und das ganze ohne akrobatische Leistungen. Guti Balasz beanspruchte die Lachnerven des Publikums mit einer Wischmopeinlage der speziellen Art. Tanja traute sich über das unaussprechliche Wort „Superkalifragilistikexpialigetisch“ und sang so einen bekannten Song aus dem Film „Mary Poppins“. Amüsant war auch das Duo Kinzer/Apfelbeck bei „Hakuna Matata“. Romana Schneller bewies, was in einer gewissen Rückenlage alles mit den Beinen jongliert werden kann, von einem riesigen Edelweiss, über eine Vogelscheuche bis zum Tisch war alles dabei. Sensationell passend untermalte Alexander Schneller turnenderweise in und an einem großen Luster, der in der Kuppel des Zelts hing, „Das Phantom der Oper“. Ebenfalls außergewöhnlich war die Aerial Umbrella Darbietung von Maria Gschwandtner, die etwas von „Mary Poppins“ hatte. Musikalisch untermalt wurden ihre Hängemanöver in der Höhe durch „Singin‘ in the rain" und „It’s raining men“. Mit dem sehr passenden „Send in the clowns“ verabschiedeten sich die Künstler. Dem Publikum gefielen die Darbietungen und es gab stehende Ovationen, dank derer es noch das „Udo Jürgens“-Medley und als allerletzten Song „I am from Austria“ gab. Besonders emotional wurde es bei der Verabschiedung. Alexander Schneller (Zirkusdirektor und Artist) feierte just an diesem Tag seinen 30. Geburtstag und bekam von der kompletten Manege ein Geburtstagsständchen gesungen. Das bekommt man sicher nicht jeden Tag.

    Kritik und Fotos von Andrea Martin

08.02. 2017 - Neunkirchen (Deutschland)

FACE TO FACE - das etwas andere Musicalkonzert ...

... unter diesem Motto luden Matthias Stockinger und seine Gäste Lucy Scherer und Sidonie Smith am 10.12.2016 in die Gebläsehalle Neunkirchen ein.

Der sympathische Musicalstar führte mit viel Charme und musikalischen Anekdoten durch ein kontrastreiches Programm, das durch vielseitige und ungewöhnliche Nummern überzeugte: Neben bekannten Rockhymnen und Musicalballaden standen vor allem von den Gesangssolisten ausgesuchte Lieder im Vordergrund, die der breiten Masse eher unbekannt waren.

Eingeleitet wurde der Abend durch den Gastgeber Matthias Stockinger, der unter anderem zwei Titel aus dem Musical "Ludwig²" präsentierte („Geliebte Berge“ und „Kalte Sterne“). Mit viel Gefühl und einer starken Stimme lies er keine Zweifel daran, warum er die Titelrolle des Stückes dieses Jahr bereits zum zweiten Mal in Füssen verkörpert hatte. Es folgten zwei Lieder der US - Amerikanerin Sidonie Smith („Cabaret“ aus "Cabaret" und „Sind die Sterne gegen uns“ aus "Aida"), bevor Lucy Scherer die Zuschauer mit „Never Neverland (Fly Away)“ von Scott Allans bezauberte. Mit der daran anschließenden schwedischen Version von „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ ernteten sie und der Ausnahmegeiger Baptiste Pawlik Jubelrufe aus dem Saal, die zeigten, dass Musik über Sprachbarrieren hinweg berühren und verstanden werden kann. Für ein weiteres Highlight vor der Pause sorgte erneut Matthias Stockinger mit einer ausdrucksstarken Version von „Till I hear you sing“ aus Andrew Lloyd Webbers „Love never Dies“.

In der zweiten Hälfte fanden dann auch den Zuschauern bekanntere Lieder Einzug ins Programm: Neben der „Unstillbaren Gier“ (Matthias Stockinger) und „Totale Finsternis“ (Lucy Scherer und Matthias Stockinger) aus "Tanz der Vampire" gab Sidonie Smith den Welthit „I will always love you“ zum Besten, mit dem sie allerdings nicht gänzlich überzeugte und stellenweise merklich zu kämpfen hatte. Auf Wunsch des Gastgebers sorgte der bekennende Disneyfan Lucy Scherer mit „Let it go“ aus „Die Eiskönigin“ für Märchenstimmung. Mit einer Rocknummer von Billy Joel beendete Matthias Stockinger einen Musicalabend, der bewiesen hat, dass auch unbekanntere Stücke Potential für große Konzertmomente bieten und eine gelungene Alternative zu altbewährten Musicalklassikern darstellen.

Kritik und Fotos von Laura Schumacher