Foto: Holger Bulk

29.07.2017 - Freilichtbühne Tecklenburg

SHREK - Das Musical
schräg, skurril, bunt, witzig und fetzig!

Shrek ist ein witziges und peppiges Musical für die ganze Familie. Das Musical basiert auf dem Film Shrek aus dem Jahre 2001.

Inhalt:
Die Geschichte beginnt mit Rabeneltern. Zum einen die Eltern von Fiona (Roberta Valentini), die als kleine Prinzessin von ihren Eltern in einen Turm verbannt und dort gefangen gehalten wird, denn auf ihr liegt ein schrecklicher Fluch. Dort wird sie von einem Drachen bewacht. Sie muss solange im Turm bleiben, bis ein tapferer Held sie durch einen Kuss aus wahrer Liebe vom Fluch befreit.
Shrek (Tetje Mierendorf) ist ein Oger. Er wird als Kind von seinen Eltern ausgesetzt und muss von nun an allein zurechtkommen. Er wird von den meisten als gefährlich und dumm und hässlich angesehen. Daher hat er sich in einen Sumpf zurückgezogen und lebt dort alleine aber glücklich.

Lord Farquaad (Robert Meyer), kleinwüchsig wie ein Zwerg, Herrscher über das Land „DuLoc“, verbannt alle Fabelwesen in den Sumpf, in dem Shrek lebt. Skrek ist das alles zu viel, er macht sich auf den Weg zu Lord Farquaad und trifft unterwegs auf einen sprechenden Esel (Thomas Hohler), der ihn von nun an begleitet.
Lord Farquaad würde gerne König werden. Shrek schließt mit Farquaad einen Handel ab: wenn er Prinzessin Fiona aus dem Turm befreit und zum Lord bringt, darf er seinen Sumpf wieder für sich allein haben. Durch eine Heirat mit Fiona würde Lord Farquaad König werden.
Shrek begibt sich zusammen mit dem Esel ins große Abenteuer. Sie können Fiona aus dem Turm befreien. Als Ritter hat sich Fiona aber jemand anderen vorgestellt als Shrek, der sie rettet. Doch sie erfährt von ihm, dass er sie nur zu Lord Farquaad bringen soll.
Der Rückweg nach DuLoc ist nicht gerade einfach, Shrek und Fiona, aber auch der Esel und die Drachendame verlieben sich ineinander. Weder Shrek noch Esel wissen, dass sich Fiona nachts auch in einen Oger verwandelt.
Der Esel findet dieses Geheimnis heraus und versucht Fiona zu überreden, bei Shrek zu bleiben. Shrek
lauscht zufällig dem Gespräch, er bekommt aber nur mit als Fiona sagt, dass niemand ein Monster lieben könnte. Er denkt natürlich, dass sie ihn meint. Am nächsten Morgen bringt er Lord Farquaad zu Fiona, die wieder Menschengestalt hat. Shrek verabschiedet sich eiskalt von Fiona und sagt ihr, dass sie richtig liege und niemand ein Monster lieben könne. Sie denkt, er spricht von ihr, obwohl Shrek sich selber als Monster bezeichnet.
Fiona beschließt, Farquaad zu heiraten, ist aber nicht glücklich bei dem Gedanken.
Der Esel klärt derweil das Missverständnis auf und erzählt Shrek alles.
Shrek und Esel verhindern mit Hilfe der Fabelwesen und der Drachendame in letzter Minute die Hochzeit.
Shrek und Fiona küssen sich endlich, ein wahrer Kuss, der Fluch von Fiona wird aufgehoben und sie nimmt nun endlich für immer die Gestalt einer Ogerfrau an.

Foto: Holger Bulk

Das Stück in Tecklenburg überzeugt durch ein witziges buntes Gesamtbild. Die Tecklenburger Inszenierung lebt vom Bühnenbild (Susanna Buller) und den Kostümen (Karin Alberti). Dabei gab es viele Highlights: Menschen verkleidet als Klatschmohn, Kornblumen und Sonnenblumen verwandeln die Bühne. Imposante Bäume erscheinen, große, durch Darsteller auf Stelzen und kleine mit viel Blattwerk.
Neben der imposanten Drachendame stellen zwei Männer die Flügel des Drachen dar. Unzählige Ratten rocken die Bühne als Stomp. Die Ritter von Lord Farquaad tanzen Schwanensee und der Esel macht einen auf Falco. Für den nötigen Pep sorgt ebenfalls der witzige Esel dargestellt von Thomas Hohler. Robert Meyer als Lord Farquaad sticht darstellerisch und gesanglich heraus. Er spielt den Lord  prima und robbt dabei die ganze Zeit auf Knien über die Bühne.

Fotos: Holger Bulk

Die beiden Hauptdarsteller Tetje Mierendorf als Shrek und Roberta Valentini als Fiona rülpsen und pupsen durchs Stück, wo darf man das schon!
Anspielungen werden gemacht auf verschiedene Filme wie „Spaceballs“ oder „Tribute von Panem“. Donald Trump wird in diesem Stück auch auf die Schippe genommen und die Merkel-Raute wird nachgeahmt.

Ein schöner, bunter Abend!!

Fotos von Holger Bulk:

Fotos von Andre Havergo:

Kritik von Verena Bartsch

28.07.2017 - Freilichtbühne Tecklenburg

REBECCA - Das Musical
ganz großes Kino 

"Rebecca"  ist dieses Jahr das Stück in Tecklenburg. Tiefe Emotionen und pure Spannung auf der Freilichtbühne mit wenigen Mitteln so gut umgesetzt, dass es bestimmt auch Hitchcock ein Strahlen ins Gesicht gezaubert hätte. Eine atemberaubende Inszenierung von Regisseur Andreas Gergen.
Das Musical basiert auf dem Buch von Daphne du Maurier. Eine der bekanntesten Verfilmungen ist die von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1940, ausgezeichnet durch  Oscars für Regie und Kamera und 7 weitere Nominierungen bei den Academy Awards.
Bei der Premiere war u.a. auch Sylvester Levay anwesend und der Intendant Radulf Beuleke lüftete bereits das Geheimnis, welches Stück im kommenden Jahr zu sehen sein wird: "Les Miserables". 

"Rebecca", eine mitreißende Geschichte voller Hingabe, Wut, Verzweiflung und Liebe spielt hauptsächlich im Manderley, dem Adelssitz von Maxim de Winter und seiner verstorbenen Frau Rebecca, an der Küste Cornwalls gelegen.

Mitreißend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die drei Hauptdarsteller Jan Ammann (Maxim de Winter), Milica Jovanovic („Ich“) und Pia Douwes (Mrs. Danvers) haben  mehr als 100%ig dazu beigetragen. Sie haben den Zuschauer abgeholt und durchs Stück getragen, brillant gesungen und gespielt. Man fiebert mit ihnen bis zum großen Finale.

Jan Ammann brilliert in seiner Rolle als Maxim. Er beherrscht die riesengroße Bühne auch allein. Man kauft ihm den reichen, harten, arroganten und zornigen Maxim ab, und er überzeugt als erschütterter  und zutiefst verzweifelter Mann. Am Ende schafft er es sogar, die Erleichterung überzeugend darzustellen, als die erdrückende Last von ihm abfällt.
Seine großartige Stimme sorgt nicht nur bei „Gott, warum?“  für Gänsehaut bei den Zuschauern.
Maxim wird von der ersten Minute an von Schatten begleitet, die ihn immer umgeben (sie repräsentieren die Schatten und Schuld, die auf ihm lastet). Als er auf „Ich“ trifft,  weichen sie das erste Mal zurück. Als er ihr endlich im Bootshaus seine wahren Gefühle gesteht, verschwinden sie. Was in Hitchcocks Film die Kameraführung im Bootshaus suggeriert, schafft Jan Ammann auf der Bühne als er die wahren Ereignisse um Rebeccas Tod „Ich“ erzählt. Er ist so verzweifelt und traurig, aber gleichzeitig auch zornig.
Ein weiterer atemberaubender Augenblick ist, als Jan Ammann gemeinsam mit Milica Jovanovic „Hilf mir durch die Nacht“ und am Ende des Stückes „Jenseits durch die Nacht“ im Duett singt. Sie harmonieren perfekt zusammen, stimmlich wie auch schauspielerisch.

Milica Jovanovic singt und spielt „Ich“ grandios. Ihre Verwandlung vom schüchternen Mädchen, das keinen Funken Selbstvertrauen zu haben scheint  zur selbstbewussten Mrs. de Winter, die sich gegen Mrs. Danvers zur Wehr setzt, gelingt ihr sehr überzeugend. Man fühlt förmlich mit ihr, während sie sich für den Ball fertigmacht, und ebenso die Wut gegen Maxim, als sie singt „Und das und das und das“.
Milica Jovanovic harmoniert auch perfekt mit Pia Douwes. Die  Duette der beiden „Rebecca-Reprise“ und „Mrs. de Winter bin Ich!“ gehen unter die Haut.

Pia Douwes verkörpert Mrs. Danvers ebenso überzeugend. Sie wirkt knallhart und eiskalt. Ihre Hingabe zu Rebecca spielt sie ganz brillant. Durch sie wirkt Rebecca allgegenwärtig.
„Sie ergibt sich nicht“ singt Pia grandios - Gänsehautfeeling bei den Zuschauern. Sie ist eben die Grande Dame des Musicals.

Roberta Valentini ist die gute Seele im Stück. Sie spielt die liebevolle, nette Schwägerin Beatrice einfach großartig. Die Duette „Die lieben Verwandten“ und „Die Stärke einer Frau“ mit Milica sind weitere Schmankerl für die Ohren.

Anne Welte gibt die reiche amerikanische Dame Mrs. van Hopper mit viel Witz und einem Hauch von Glamour und sorgt für die heiteren Momente im Stück.
Ebenso herausragend Christian Fröhlich als geistig verwirrter Ben.

Durch die Lieder „Merkwürdig“, die das Personal über „Ich“ singt und „I´m an American Woman“ von Mrs. Van Hopper gelingt es das ganze Stück einen Hauch bunter und witziger werden zu lassen, denn der Stoff ist doch recht schwer und eher düster.

Inhalt:
Rebecca ist im ganzen Stück allgegenwärtig durch die Schatten der Vergangenheit und das in rotes Licht getauchte Bühnenbild.  Die Schatten sind in schwarz gehüllte Darsteller. Sie sind fast immer anwesend  und fungieren auch mal als Tür oder Tisch oder Bilderrahmen. Am Ende des Stücks bekommt ein Schatten Rebeccas Nachthemd über gezogen und so spukt ihr Geist immer noch durch Manderley. Der Schiffbruch im Meer wird ebenso eindrucksvoll in Szene gesetzt. Taschenlampen und Nebel und jede Menge durcheinander
laufende Menschen auf der Bühne veranschaulichen die Panik nach dem Schiffsbruch. Während der Gerichtsverhandlung zu Rebeccas Tod wird Maxim immer enger von Seilen umschnürt - sehr anschaulich dargestellt. Als Favell Maxim erpressen will und damit droht, er habe den Beweis, dass Rebecca keinen Selbstmord begangen hat, hört und sieht man Blitz und Donner immer näher kommen. Die Lage spitzt sich zu. Packend bis zum Ende.

Der ein oder andere Zuschauer hat sich im Vorhinein schon gefragt, wie wohl der Brand auf der Tecklenburger Bühne dargestellt wird.  Man hat es geschafft  das flammende Finale ebenso atemberaubend zu inszenieren, wie weite Teile des  Stücks.
Passende Kostüme und ein doch recht aufwendiges Bühnenbild tragen ihr übriges bei, dass die Zuschauer mühelos in die Welt der de Winters eintauchen. REBECCA wurde ich Tecklenburg herausragend inszeniert. Der Cast ist brillant. Alles wurde richtig gemacht. Die Macher haben alles perfekt in Szene gesetzt.

Fazit:
Ich war selten von einem Musical so gefesselt, gebannt und habe selten so mit den beiden Hauptdarstellern mit gefiebert wie in der Tecklenburger Aufführung von REBECCA.
Ich würde sagen: „and the Oscar goes to…“.

 Kritik von Verena Bartsch / Fotos von Andre Havergo 

Juli 2017 - Dinslaken

Sommernacht des Musicals 2017

Bereits die 19. SOMMERNACHT DES MUSICALS fand Mitte Juli im Rahmen des Fantastivals Dinslaken im Burgtheater statt. Die Open-Air-Gala war bereits Monate im Voraus ausverkauft und über tausend Besucher pilgerten schon nachmittags durch die Stadt. Man traf sich in der Eisdiele oder in Restaurants und an jedem Tisch gab es nur ein Thema: „Musicals“.
Wie auch in den Jahren zuvor, gab es wieder eine hochkarätige Musicalbesetzung. Mit dabei waren Zodwa Selele, Philipp Büttner, Mercedesz Csampai, Sabrina Weckerlin, Patrick Stanke und Serkan Kaya.

Mit dem Gastauftritt des Musicals „Godspell“ wurde die doch etwas kühle, aber Gott sei Dank durchwegs trockene Sommernacht eingeleitet. Das Musical „Godspell“ wird am 17. und 18. November 2017 auch in der Stadthalle Kamp-Lintfort zu sehen sein.
Direkt am Anfang eröffneten alle sechs Künstler das dreistündige Programm mit einem Höhepunkt: „You’re the Voice“, Dudelsackspieler inklusive und dadurch mit einem ganz besonderen Erinnerungswert ausgestattet.
Serkan Kaya moderierte zum größten Teil durch den Abend und das mit riesigem Erfolg - zwischen den Musicalstücken wurde selten so viel gelacht wie dieses Jahr.
 

Patrick Stanke, der zur Zeit als Kerchak im Musical „Tarzan“ zu sehen ist, sang „So ein Mann“ aus "Tarzan" und brachte danach dem Musikalischen Leiter der Sommernacht, Bertram Ernst, den Affen-Move bei, wovon das Publikum begeistert war.
Politisch wurde es auch: Patrick und Serkan gaben Trump und Hillary Clinton zum Besten.
Ein wundervolles Duett sangen Philipp und Mercedesz mit „Beauty and the Beast“ aus dem gleichnamigen Musical, welches dieses Jahr als Neuverfilmung in den Kinos zu sehen war.

Philipp, der zurzeit in der Hauptrolle im Musical „Aladdin“ zu sehen ist, gab gefühlvoll mit Sabrina Weckerlin das Duett aus „A whole new World“ aus diesem Musical zum Besten und Zodwa Selele sorgte mit ihrer kraftvollen Stimme bei „I can’t let go“ für Gänsehaut bei den Zuschauern.
Wie auch in den letzten Jahren wurden nicht nur Musicalsongs gesungen. Serkan Kaya sang (begleitet von Patrick Stanke an der Gitarre) beispielsweise „Zu spät“ von den Ärzten.
Ein weiteres Highlight im ersten Teil des Abends war definitiv der Boygroup-Auftritt von Serkan, Philipp und Patrick in 80er Jahre Klamotten. Sie sangen erst einige Lieder an, u.a. „Backstreets Back“ und einigten sich dann auf „Step by Step“ von New Kids On The Block.
Im zweiten Teil des Abends sorgte eine Top-Darbietung nach der anderen für Standing Ovations bei den Zuschauern.
Sabrina Weckerlin, ganz in blau gekleidet, sang eindrucksvoll „Let it go“ aus "Frozen" und „Finding Wonderland“ – dass Gänsehaut und Wow-Momente im Publikum allgegenwärtig waren, ist quasi selbsterklärend. Aus dem Musical "Tanz der Vampire" wurde „Totale Finsternis“von Mercedesz als Sarah und Patrick als Graf von Krolock präsentiert. Zodwa Selele und Patrick Stanke sangen gemeinsam aus AIDA „Sind die Sterne gegen uns“.

Mercedesz sang u.a. auch „Phantom der Oper“ und hier ist ehrlich zu sagen, dass man ihr für die absolut einwandfreie Darbietung Respekt zollen muss. Alle drei männlichen Darsteller sangen den männlichen Part, aber bei der Besetzung musste man ja mit allem rechnen, so kam Serkan Kaya als Darth Vader, Philip Büttner als Skelett und Patrick Stanke als Gorilla verkleidet durch das Publikum auf die Bühne. Die Zuschauer waren begeistert und Mercedesz ließ sich nicht beirren und sang einfach weiter.
Eindrucksvolle und starke Stimmen aller sechs Künstler sorgten beim Publikum für nicht enden wollende Begeisterung und die Belohnung durch minutenlangen Applaus war mehr als verdient. Es sei auch erwähnt, dass die Outfits der drei Damen atemberaubend waren. 

Bereits jetzt läuft der Vorverkauf für die nächste Sommernacht, die im kommenden Jahr 20-jähriges Jubiläum feiert. Die Veranstalter haben dazu aufgerufen, Anregungen und Wünsche auf der Facebook-Seite der SOMMERNACHT DES MUSICALS zu äußern.

Kritik und Fotos von Verena Bartsch

31.07. 2017 - Kassel

HEDWIG AND THE ANGRY INCH

„Hedwig and the angry Inch“ bietet einen außergewöhnlichen Abend, der sich doch nicht so leicht beschreiben lässt. Als Musical konzipiert fühlt es sich während der Vorstellung doch meist so an, als wäre man bei einem Konzert in einer kleinen Bar dabei. Sowohl die Show als auch die gleichnamige Hauptfigur scheinen sich bekannten Kategorien zu entziehen. Sie können nicht in gängige Schemata eingeordnet werden. Und das sollen sie auch nicht.

Hedwig (Andreas Bieber) führt es mit ihrem Mann Yitzhak (Alice Macura) und ihrer Band die „Angry Inches“ auf einer erfolglosen Tour durch ganz Deutschland. Hedwigs Ex Tommy Gnosis tourt zur selben Zeit, seine Konzerte sind aber erfolgreicher. Hedwig muss sich mit Gigs in Bars begnügen und gastiert so an „einem einzigen“ Abend in Kassel.
Genauer gesagt in einer alten Tresorfabrik im Schillerviertel. In kleinen Gruppen werden die Zuseher in die Fabrik hineingelassen. Der Zuschauerraum ist in verschiedene Bereiche – passend zu den Stationen in Hedwigs Leben – geteilt: Eine Ecke gibt Hedwigs Jugendzeit in der DDR wieder, Gartenmöbel befinden sich im amerikanischen Trailerpark und eine Couch und ein Spiegel mit bekannten Stars lassen sich in Hedwigs glamouröserer Lebenszeit finden. 

Das Publikum nimmt in einem Bereich Platz und wird dadurch Teil von Hedwigs Geschichte. Als Hänsel wächst Hedwig in Ostberlin ohne Vater auf. Von der sonst gefühlskalten Mutter erfährt sie eine Geschichte vom Ursprung der Liebe. Einst waren alle Menschen mit einem zweiten verbunden. Doch die Götter zerrissen diese Wesen, sodass sie sich fortan nach ihrer verlorenen Hälfte sehnen. Diese Suche nach der verlorenen Hälfte begleitet Hedwig ihr ganzes Leben.

Diese zweite Hälfte scheint zunächst in dem amerikanischen Soldaten Luther gefunden zu sein. Um ihn zu heiraten und mit ihm in die USA zu emigrieren, unterzieht Hänsel sich einer Geschlechtsumwandlung und wird so zu Hedwig. Dabei bleibt Hedwig aber mit dem Titelgebenden „Angry Inch“ zurück, der sie außerhalb der gesellschaftlichen Vorstellung der Geschlechter stellt.
Ein Jahr später fällt die Berliner Mauer und Hedwig ist geschieden. Ihr Opfer ist somit umsonst. Die nun mittellose Hedwig verdient sich Geld als Babysitterin und lernt so Tommy Gnosis kennen. In ihm erkennt Hedwig ihre verlorene Hälfte. Doch Tommy weist Hedwig ab, als er erkennt, dass sie biologisch keine Frau ist.
Hedwig gibt sich während des Erzählens der Verzweiflung hin und reist sich ihr Kostüm vom Leib. Sie steht gleichzeitig als Hedwig und als Tommy auf der Bühne. Tommy entschuldigt sich während des Konzerts bei ihr mit einer Vorführung jenes Liedes, welches einst Hedwig für ihn geschrieben hat. Außerhalb ihrer Verkleidung findet Hedwig so ihren Frieden.

Andreas Bieber zieht das Publikum mit seiner Performance als Hedwig in seinen Bann. Sowohl Hedwigs hoffnungsvolle Liebe zu Tommy in „Wicked Little Town“ als auch Hedwigs Verzweiflung in „Hedwigs Klage/Exquisite Corpse“ werden großartig von Bieber dargestellt. Schnell lässt er einen vergessen, dass es Hedwigs Geschichte ist und nicht seine, die er erzählt. Mit dem Publikum tritt er oft in Kontakt und passt Hedwigs Kommentare der heutigen Zeit und der Spielstätte Kassel an.
Alice Macura verkörpert Yitzhak, Hedwigs Ehemann. Yitzhak ist ursprünglich eine Drag-Queen aus Zagreb, doch um Hedwig zu heiraten versprach er, sich nicht mehr zu verkleiden.  Immer wieder zieht es Macura zu Hedwigs Perücken und oft erkennt man Reue in der Entscheidung, die Yitzhak damals getroffen hat.
Im letzten Lied „Midnight Radio“ wird die Harmonie, die trotz allem zwischen Yitzhak und Hedwig  besteht, wunderbar von Macura und Bieber zur Geltung gebracht. Beide finden auf ihre Art ihren Frieden. Hedwig außerhalb des Kostüms, ungeschminkt und Yitzhak mit Hedwigs Einverständnis in Drag.

Die neue Location des Studio Lev Kassel wird durch „Hedwig and the Angry Inch“ eröffnet. Und sie passt hervorragend zum Musical. Anders als andere Musicals strebt „Hedwig and the Angry Inch“ nicht danach, auf prunkvollen Bühnen aufgeführt zu werden. Im Gegenteil, je kleiner der Rahmen desto mehr entfaltet sich der besondere Reiz dieses Musicals.
Diese Produktion von „Hedwig“ schafft es, zu überzeugen. Die Gestaltung der Spielstätte und die Performance der Darsteller machen den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. 

Kritik und Foto von Lisa Murauer

März 2017 - Köln

Lyrics by ... Wolfgang Adenberg
Das Konzert zum 50. Geburtstag

Im März dieses Jahres gab Sound of Music ein besonderes Konzert anlässlich des Geburtstages von Wolfgang Adenberg in Köln.

Wolfgang Adenberg ist Musicalautor, Textdichter und Übersetzer. Er ist im deutschsprachigen Raum nicht mehr wegzudenken… jeder Musicalfan hat bestimmt schon eins seiner zahlreichen Lieder oder Musicals gesehen. Er war mitverantwortlich für das gefeierte Musical „Gefährliche Liebschaften“ 2015 und „Der Medicus“ 2016, bei dem er Co-Autor war.

In Köln trafen sich anlässlich seines 50ten Geburtstages mehr als eine Handvoll Musicaldarsteller um seine Lieder zum Besten zu geben. Mit dabei waren: Anna Montanaro, Sabrina Wecklerin, Charlotte Heinke, Veit Schäfermeier, Drew Sarich, Jan Ammann. Begleitet wurden die Darsteller von Maria Komissartchik am Flügel, sowie das Junge Theater Bonn, deren Darsteller Lieder aus Emil und die Detektive und Pünktchen und Aton sangen.
Wolfgang Adenberg saß natürlich auch im Publikum.

Es war ein Abend mit Liedern aus seinem Schaffen.
Anna Montanaro sang u.a. großartig das Lied "Milady ist zurück" aus dem Stück "3 Musketiere".
Gleich beim dritten Stück des Abends bekamen die Zuschauer Gänsehaut als Drew Sarich aus "Liebe stirbt nie" „So sehr fehlt mir dein Gesang“ sang.
Im Duett harmonierten u.a. Jan Ammann & Charlotte Heinke perfekt stimmlich bei „So stark wie der Tod ist Liebe“ aus "Gefährliche Liebschaften".
Ein weiteres Highlight war das Lied „Wer kann schon ohne Liebe sein?“ auch aus "3 Musketiere" gesungen von Charlotte Heinke, Anna Montanaro und Sabrina Weckerlin.
Nachwuchstalent Jan Rekeszus sang „Frage dein Herz“ aus "Liebe stirbt nie", auch hier Gänsehaupt pur fürs Publikum. 

Den Schlusspunkt setzten alle gemeinsam mit „Herbstwind“ aus "Titanic" . Ein Geburtstagsständchen für Wolfgang Adenberg gab es natürlich auch! Und Standing Ovations beim Schlussapplaus.
Ein sehr schöner und gelungener Musicalabend ging zu Ende. 

Kritik und Foto von Verena Bartsch

 

08.02. 2017 - Neunkirchen

FACE TO FACE - das etwas andere Musicalkonzert ...

... unter diesem Motto luden Matthias Stockinger und seine Gäste Lucy Scherer und Sidonie Smith am 10.12.2016 in die Gebläsehalle Neunkirchen ein.

Der sympathische Musicalstar führte mit viel Charme und musikalischen Anekdoten durch ein kontrastreiches Programm, das durch vielseitige und ungewöhnliche Nummern überzeugte: Neben bekannten Rockhymnen und Musicalballaden standen vor allem von den Gesangssolisten ausgesuchte Lieder im Vordergrund, die der breiten Masse eher unbekannt waren.

Eingeleitet wurde der Abend durch den Gastgeber Matthias Stockinger, der unter anderem zwei Titel aus dem Musical "Ludwig²" präsentierte („Geliebte Berge“ und „Kalte Sterne“). Mit viel Gefühl und einer starken Stimme lies er keine Zweifel daran, warum er die Titelrolle des Stückes dieses Jahr bereits zum zweiten Mal in Füssen verkörpert hatte. Es folgten zwei Lieder der US - Amerikanerin Sidonie Smith („Cabaret“ aus "Cabaret" und „Sind die Sterne gegen uns“ aus "Aida"), bevor Lucy Scherer die Zuschauer mit „Never Neverland (Fly Away)“ von Scott Allans bezauberte. Mit der daran anschließenden schwedischen Version von „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ ernteten sie und der Ausnahmegeiger Baptiste Pawlik Jubelrufe aus dem Saal, die zeigten, dass Musik über Sprachbarrieren hinweg berühren und verstanden werden kann. Für ein weiteres Highlight vor der Pause sorgte erneut Matthias Stockinger mit einer ausdrucksstarken Version von „Till I hear you sing“ aus Andrew Lloyd Webbers „Love never Dies“.

In der zweiten Hälfte fanden dann auch den Zuschauern bekanntere Lieder Einzug ins Programm: Neben der „Unstillbaren Gier“ (Matthias Stockinger) und „Totale Finsternis“ (Lucy Scherer und Matthias Stockinger) aus "Tanz der Vampire" gab Sidonie Smith den Welthit „I will always love you“ zum Besten, mit dem sie allerdings nicht gänzlich überzeugte und stellenweise merklich zu kämpfen hatte. Auf Wunsch des Gastgebers sorgte der bekennende Disneyfan Lucy Scherer mit „Let it go“ aus „Die Eiskönigin“ für Märchenstimmung. Mit einer Rocknummer von Billy Joel beendete Matthias Stockinger einen Musicalabend, der bewiesen hat, dass auch unbekanntere Stücke Potential für große Konzertmomente bieten und eine gelungene Alternative zu altbewährten Musicalklassikern darstellen.

Kritik und Fotos von Laura Schumacher